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Aus der Zeit,
bevor Bremen eine Stadt wurde

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Elftes Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung.

Am Bischofssitz in Bremen konsolidierte sich langsam die kirchliche Organisation; die Geistlichkeit formierte sich zum Domkapitel. Der Dombezirk erhielt von 1013 bis1029 neue Befestigungen, die zwischen 1032 und 1043 durch eine feste Mauer aus Stein verbessert wurden. Noch immer bestand die Gefahr von Normannenüberfällen (Wikinger)Link zu "Die Insel Birka. Die außerhalb liegende, aus Stein erbaute St.-Veits-Kapelle (später Unser Lieben Frauen Kirche) erhielt Pfarrechte.


Bild: Domimmunität

Kontakte zu den nordischen Königreichen, insbesondere zu Dänemark, förderten die eigentliche Aufgabe des Erzbistums, nämlich die christliche Mission. Link zu Dom zu Lund, Die Insel Birka.., Die Heiligkreuzkirche

Der Unterhalt der Geistlichen, der Neubau von Kirchen, von Befestigungen, die erweiterte Mission und nicht zuletzt die aufwendige Lebensführung der weltlichen Erzbischöfe machte jetzt größere finanzielle Einnahmen nötig. So fühlten sich die Domherren gezwungen, durch den Erwerb weiteren Grundbesitzes ihre Macht und das Ansehen des Erzbistums zu stärken.

1041 zerstörte ein Feuer sowohl den Dom als auch die Stiftsgebäude, doch der aus Köln stammende Erzbischof Benzelin begann sofort damit, das Kirchengebäude nach dem Vorbild des Kölner Doms wieder aufzubauen. Sein Nachfolger Adalbert führte den Bau ab 1043 weiter, nahm sich jedoch die Kathedrale von Benevent in Italien zum Vorbild. Da im Bremer Umland Steine schwierig zu beschaffen waren, ließ er dafür die im Bau befindlichen neuen Gebäude des Domstifts und die Befestigungsmauer wieder abreißen. 1049 wurde die Vorderfront des Doms fertig, aber erst 1066 konnte die Westkrypta geweiht werden.

Bei seiner Gründung war das Bremer Bistum vom Kaiser nur mit einer geringen Fläche Landes ausgestattet worden. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts profitierte das Erzbistum von Schenkungen aus adligem Besitz. Hier ist vor allem das westfälische Geschlecht der Immedinger, aus dem Erzbischof Unwan stammte, und die Gräfin Emma von Lesum zu nennen. Doch schon bald bemühte man sich um die fast unbewohnten Brüche und Moore in der weiteren Umgebung und um den Besitz ganzer Grafschaften. Ursprünglich wurden Grafen vom Kaiser als Verwaltungsbeamte eines bestimmten Gebietes eingesetzt. Durch die besondere Entwicklung des Lehnswesens wurde der Einfluß des Kaisers/Königs jedoch ständig zurückgedrängt, und die Verwalter begannen, ihre Ämter als erbliches Eigentum anzusehen. Es entstand ein Flickenteppich kleiner und kleinster Herrschaften, die meistens die Namen ihrer Besitzer trugen. Unentwegt waren nicht nur der Erzbischof in Bremen, sondern auch die Grafen darauf bedacht, ihren Besitz zu mehren und ihre Machtbereiche auszuweiten. Streitigkeiten waren deshalb vorprogrammiert.

Zwischen 1032 und 1034 erhielt der Erzbischof Hermann von Kaiser Konrad II. einen Forst mit Jagdrecht im Eyterbruch geschenkt. 1049 erweiterte Heinrich III. diesen Besitz durch eine Schenkung an Erzbischof Adalbert, der 1063 vom minderjährigen Heinrich IV., dessen Erzieher er war, weitere Ländereien, darunter das Huchtinger, Brinkumer und Weyher Bruch sowie einige nördlich von Bremen gelegene übertragen bekam. Ein Teil dieser Ländereien befand sich im Einflußbereich des Billunger Grafen Bernhard, der dadurch alle vom Reiche zu Lehen erhaltene Besitztümer: Hörige, Gebäude, Wiesen, Äcker, Gewässer, Brücken, Mühlen, Fischteiche, Märkte, Münzen, Steuern und Zölle verlor. Ein anderer Teil wurde dem Grafen Udo von Stade abgenommen. Auch die Herrschaft Lesmona (Lesum), die Bremer und Lechter Insel sowie Bruchlandschaften und Marschen am linken Weserufer und das Jagdrecht im Wichmodigau fielen dem Erzbischof zu. Die durch solche Schenkungen wirtschaftlich geschwächten Grafen gerieten verständlicherweise nicht nur in Opposition zum Kaiser, sondern auch zum Erzbistum. Dort wo nicht gesamte Grafschaften verlustigt gingen, sondern nur einzelne grafschaftliche Ländereien, wurde durch Verleihung der kirchlichen Immunität die Gerichtsbarkeit und die Besteuerung dafür auf das Erzbistum weitergegeben.

Bewirtschaftet wurden die Kirchengüter durch Edelleute als Vasallen des Erzbistums. Dazu gehörten u. a. die Grafen von Bruchhausen.

Um aus Mooren und Brüchen neue Einnahmequellen durch Pachtzins und Zehnten zu gewinnen, mußte das Land zunächst urbar gemacht werden, was später durch die Ansiedlung von in Entwässerung und Deichbau erfahrenen Holländern im besonderen Maße gelang.

Der Hochadel in Norddeutschland, besonders jedoch die aus einem alten sächsischen Herzogsgeschlecht stammenden Billunger, denen die meisten Grafschaften in der näheren Umgebung der Stadt Bremen gehörten, sowie die Grafen von Stade bildeten eine mächtige Opposition gegen den Erzbischof. 1064 zog in dessen Abwesenheit der Herzog Hermann nach Bremen und plünderte die Stadt. Als Adalbert 1066 vom Hofe des Königs Heinrich IV. nach Bremen zurückkehrte, mußte er dem Herzog große Zugeständnisse auf Kosten des Erzbistums machen. Weil der Erzbischof jedoch auch am Hofe des Königs in Ungnade gefallen war, gingen viele vorher erworbene Rechte wieder verloren. Adalbert war gezwungen, höhere Marktzölle zu erheben und mit aller Schärfe einzutreiben. Die Stadt geriet in große Not. Der Domscholaster Adam Link zu Adam von Bremen berichtete in seinem 1076 erschienen Buch Taten der Bischöfe der Hamburger Kirche, daß die Kaufleute den Markt mieden, und daß allgemeine Armut herrschte.

Bereits unter den direkten Vorgängern Adalberts hatte sich eine wirtschaftliche Blüte rund um den Ufermarkt in Bremen eingestellt. So geht auf Kaiser Konrad II. seit dem 16. Oktober 1035 das Recht zurück, jährlich in der Stadt einen Freimarkt abzuhalten. Zu Adalberts Amtszeiten steigerte sich noch das verschwenderische Leben am Hofe des Erzbischofs, und die "vielen Händler aus aller Herren Länder" mit ihren fernöstlichen Luxusgütern profitierten davon. Als die politischen Ziele Adalberts, Bremen zu einem Rom des Norden zu machen, scheiterten, brach das Wohlleben für die Stadt in sich zusammen.

 

Bild: Bremer Stadtgebiet im 11.-13.Jahrhundert