Um 500 vor Christus traten die ersten Kelten in Mittelfrankreich,
Teilen Spaniens und Großteilen der Alpenregion auf. Traditionell
werden diese Frühkelten mehr oder weniger einem Teil der durch Archeologie
belegten Hallstadtkultur in der europäischen Eisenzeit zugewiesen.
Bei Ausgrabungen wurden Grabstätten von Häuptlings- oder Königsgräbern
gefunden. Beginnend mit dem fünften Jahrhundert v. Christus entstand
in Ostfrankreich- nach Böhmen- eine neue keltische Kultur. Die Römer
nannten um 390 v. Ch. die Kelten in Frankreich "Galli´= Gallier".
Um 279 v.Ch. schufen die Kelten in der Zentraltürkei ein Königreich
(Galatien). Im dritten Jahrhundert v. Ch. bestand die keltische Welt aus
verschiedenen Stämmen + Staaten, die sich von Irland bis nach Ungarn
und von Portugal bis in die Türkei erstreckten. Ende des dritten und
während des zweiten Jahrhunderts v. Ch. gerieten die keltischen Gebiete
allmählich unter den Druck der Germanen. Im ersten Jahrhundert v.
Ch. wurden die Kelten in Südfrankreich von den Römern fast vernichtet.
Im vierten und fünften Jahrhundert n.Ch. setzten die kolonialen Ansprüche
Roms alle keltischen Stämme unter Druck, nur Irland entging diesem
Vorhaben. Als Rom im fünften Jahrhundert nach Christus zerbrach und
die alten keltischen Landstriche unter Germanenherrschaft gerieten, kam
es im britannischen Königreich zu einem Aufschwung der keltischen
Kultur. Irland erlebte vom sechsten bis achten Jahrhundert n. Ch. kulturell
ein goldenes Zeitalter. Erstaunlich schnell wurde Irland zu einem der größten
Kernpunkte der europäischen Christenheit und Britannier und Irländer
errichteten berühmte Klöster, z.B. auf Iona (einer kleinen Insel
an der schottischen Westküste).
Dem keltischen Wiederaufschwung im frühen Mittelalter des achten Jahrhunderts geboten die Wikinger Einhalt. Ab dem elften Jahrhundert standen die keltischen Völker auf den britischen Inseln unter dem ständigen Druck ihres großen Nachbarn " England". Im dreizehnten Jahrhundert verlor Wales seine Unabhängigkeit; zur gleichen Zeit zerbrach auch die keltische Identität von Cornwall. 1802 wurde Irland dem Vereinigten Königreich einverleibt. Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert gerieten die keltischen Teile der Britischen Inseln in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten, besonders betroffen war Schottland.In den 40er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts war die Bevölkerung Irlands von schrecklichen Hungersnöten geplagt. Im zwanzigsten Jahrhundert erlebten die keltischen Sprachen einen Niedergang, weil die keltische Kultur weitgehend verschwand.
Derzeit werden große Anstrengungen gemacht, das keltische Erbe
zu bewahren und sich auf kelt. Traditionen zu besinnen. Z.B. wird die gälische
(=keltische) Sprache bereits in den Volksschulen verpflichtend unterrichtet.
Die Religion war ein wichtiger Bestandteil der keltischen Kultur.
Sie wurde von einer Kaste von Priestern, den Druiden (Indo-Europäisch:
dru´= stark, wyd= wissen) verwaltet. Sie hatten die Aufgabe, die
Kommunikation zwischen den normalen Leuten und den Göttern zu ermöglichen.
Alle religiösen Vorgänge und Riten wurden ausschließlich
von den Druiden durchgeführt.Die Kelten waren extrem abergläubisch,
und die höchste Strafe war Exkommunikation.
Ursprünglich waren die Druiden die Priester der Jungsteinzeit-Kelten in Westeuropa.
Während der Ausbreitung der Kelten wurde die Druidenreligion von allen Kelten angenommen, und der keltische Glaube wurde von den Druiden gelehrt. Wer waren diese mystischen Menschen, genannt Druiden? Da die Religion ein wichtiges Element der sozialen und politischen Struktur war, gab es nur eine Verbindung genannt "Priesterschaft der Druiden". Diese religiöse Vereinigung setzte sich durch und verband viele keltische Stämme zu einem starken Volk mit ähnlichem Glauben und Gesetzen. Die Druiden formten eine große Glaubensgemeinschaft, welche viele verschiedene und spezielle Funktionen erfüllte.
Es gibt historische Beweise von Druiden in Irland, UK und Gallien. Allerdings haben wir keine eindeutigen Beweise, daß es Druiden in den keltischen Niederlassungen in Spanien, Italien und Gallizien gab.
Die Reisen und Treffen der Druiden stärkten die Einheit der Kelten und stärkten das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches schließlich zur Vereinigung aller keltischen Stämme führte.
Manche Forscher glauben, daß der Drudismus seinen Ursprung in Ländern westlich der keltischen Gebiete hatte. Diese Ge lehrten sagten, daß der Druidismus nichts mit den Kelten zu tun habe, sondern mit Menschen, welcher im Westen der keltischen Welt lebenten und die Erbauer von megalithischen Gedenkstätten waren. Cäsar sagt uns, daß der Drudismus zuerst in Britannien begann und daß die Druiden aus Gallien für gewöhnlich berühmte Schulen und Heiligtümer in Britannien besuchten.
Die Geschichte zeigt klar genug, daß der Druidismus ein Element des Widerspruchs bei den Römern in Gallien und Britannien und beim Christentum in Irland war. Es war ein feindliches Angreifen in Form von Verfolgung in Gallien und eine Art der Erniedrigung in Irland. (Das zeigt sich beim Krieg der röm. Generälen gegen britische Heiligtümer) Es war offensichtlich, daß der Druidismus ein Element des Widerstandes war, weil er Zusammenhalt erzeugen half und auch geographischen Grenzen und Stammesgrenzen überschritt. Die Kelten glaubten an magische Tätigkeiten, welche jeden Aspekt in ihrem Leben und in Ihrer Umgebung durchdrang. Sie nutzten magische Kräfte um Gutes zu tun. Das erreichte man durch Rituale und Opfer und das Rezitieren alter heiliger Erzählungen.
Die Kelten glaubten auch an ein Leben nach dem Tod oder im Himmel. Die Druiden predigten, daß der Tod nicht das Ende war, sondern ein Übergang vom Leben zu einer höheren Existenz. Der keltische Himmel war ähnlich der Erde, nur sehr viel besser. es gab kein Altern (hence the term tir an o´g - Land der Jugend), kein Unglück und keine Krankheit. Es war ein Land der immerwährenden Schönheit, besonders ein Land für Frauen wo körperliche Freuden unbeeinträchtigt von Schuld und Sünde waren, wo die Sonne immer schien, die Vögel niemals aufhörten zu singen, und wo es keinen Hunger oder Durst gab, für alle ein nie aufhörender Überfluß. Die Kelten hatten auch eine Vorstellung von Höllen und Unterwelten, welche das (parallel zum Christentum) genaue Gegenteil zum Himmel waren. Alte keltische Folklore beinhaltet, daß Gottheiten Sterblichen von Zeit zu Zeit erscheinen würden und ihnen vom Jenseits erzählen würden, womit Tir inna m Beo - das Land des Lebens, als auch Tri inna m Ban - Land der Frauen gemeint war. Oft heißt es auch Magh Mar (große Einfachheit) oder Tir Mar (großes Land).
Die Kelten, tief religiös, verehrten viele heidnische Gottheiten.
Dies blieb auch besonders in Zeiten erhalten, wo das Christentum noch nicht
etabliert war oder man sich dagegen erhob.
In den keltischen Gesellschaften gab es Unterteilungen, beispielsweise
in Altersgruppen und Krieger, welche wohl den Großteil der Zeit gemeinsam
verbrachten, vielleicht , bis sie eine Familie gründeten oder eine
eigene politische Karriere einschlugen.
Die Gesellschaft in der mittleren und späteren Eisenzeit bestand im allgemeinen aus kleinen Substämmen. Dabei handelte es sich im wesentlichen um Verwandtschaftsgruppen - Großfamilien. Typisch war, daß die Stämme von Königen oder Anführern regiert wurden.
Wichtige Entscheidungen wurden von allen freien Männern des
Stammes getroffen.
Die keltische Frauen wurden von den Griechen und Römern
wegen ihrer Schönheit, Fruchtbarkeit und ihres Mutes gepriesen. Als
gleichberechtigt galten sie in den keltischen Gesellschaften zwar nicht,
aber die adeligen Frauen besaßen beträchtliche Handlungsfreiheit
und sogar Macht, im Vergleich mit ihren griechischen Geschlechtsgenosseninnen.
So zum Beispiel auch 3 Herrscherinnen, die Macht an sich zogen: Medb, Boudica
und Cartimandula. Als keltische Adelsfrau besaßen diese schon seit
frühesten Zeiten einen hohen Status und großes Ansehen. Der
wilde Stolz der keltischen Adelsfrauen und ihr persönliches Ehrgefühl,
das für Beleidigung oder Verletzung Rache verlangte, war bekannt.
Frauen konnten in der Politik offen eine Rolle spielen. Auch Priesterinnen
gab es, aber deren Rolle und Status sind dunkel. Außer diesen 3 Herrscherinnen
werden unter den verschiedenen britannischen und gallischen Häuptlingen,
Monarchen und Magistraten der späteren Eisenzeit keinerlei Herrscherinnen
erwähnt.
Ehestand der Frau
Nach Cäsar war es bei den Galliern gang und gäbe, daß der Ehemann und Ehefrau gleiche Geldmengen einbrachten und den Zugewinn miteinander teilten; im Todesfall erbte der überlebende Partner alles. Trotz dieser offenbaren "Gleichberechtigung der Geschlechter" meint Cäsar, die Männer hätten Macht über Leben und Tod ihrer Frauen besessen. Einige Adelige praktizierten anscheinend die "Vielweiberei". Zum Teil wurden Ehen mit Adeligen fremder Stämme aus politischen Motiven geschlossen.
Frauenkleidung
Ein übliches Kleidungsstück war das sogenannte "PEPLOS".
Es bestand aus zwei an der Seite gegürteten Stoffrechtecken, die meist
mit zwei Fibeln an den Schultern befestigt und manchmal mit Zierketten
verknüpft waren. Dieses Kleidungsstück war einfach, aber praktisch,
und eignete sich gut für stillende Mütter. Unter den dänischen
Funden befindet sich ein Wickelrock, welcher kräftige Karomuster aufweist.
Die Farben sind leider nicht mehr genau zu erkennen, doch sie weisen das
charakteristische Tweed-Tartanmuster der ursprünglichen Keltenkleidung
auf. (Rocklänge ca. knöchellang)
Auch von Mänteln ist die Rede. Als Stoff dienten Wolle, Leinen
und selten importierte Seide. Schuhwerk ist bislang unbekannt geblieben.
Haartracht und Kosmetik
Das Haar wurde offenbar lang getragen; manchmal mit Haarnadeln, die
auf komplexe Haartrachten schließen lassen. Von Kopftüchern
oder Hüten ist nichts bekannt. Über Kosmetik wissen wir fast
gar nichts. Die röm. Frauen jedoch ahmten die bemalten Britannierinnen
nach, indem sie sich eines mod. Kosmetikmittels namens "Belgicus color"
bedienten - vielleicht ein importierter keltischer Lidschatten oder ein
Wangenrot.
Das Haar
Die Kelten sahen wild und ungekämmt aus, weil sie lange zerzauste
Bärte hatten. Die Edelmänner trugen Schnurbärte. Sie stärkten
ihr Haar mit Gipswasser, damit es wegstand. Vielleicht sollte ihnen diese
häßliche Aussehen am Schlachtfeld hilfreich sein. Statuen von
den Kelten, die im lrtzten Jahrhundert vor Christus im Süden lebten,
zeigen uns dagegen, daß die Männer
möglicherweise durch römischen Einfluß kurzes
Haar hatten und glatt rasiert waren. Die Römer berichteten auch, daß
die Kelten ihre Körperhaare rasierten.
Kleidung
Die Schuhe und Sandalen waren aus Leder und mit Riemchen genäht. Im Winter trugen sie Mäntel. Aus der Schafwolle fertigten sie einen Mantel mit dem Namen "SAGUM". Wir wissen über die Mäntel, daß sie ein Muster hatten. An der rechten Schulter wurde der Mantel mit einer bronzenen Fibel zusammengehalten, die manchmal mit Korallen geschmückt war. Oft trugen sie Gürtel. Die Edelmänner trugen einen Gürtel mit Schwert.
Schmuck
Die Broschen und Fibeln, die die Kleider zusammenhielten, waren teilweise reichhaltig geschmückt. Das bekannteste Schmuck ist aber das Metall-Halsband. Dieses kann mehrere Bedeutungen gehabt haben, z.B.: Statussymbol für die Reichen, Zeichen von Rang, religiöse Bedeutung. Das ist aber bis heute unbekannt.
Für die Griechen und Römer waren die Kelten exotische Leute,
weil sie blondes oder rotes Haar und ein blasses Gesicht hatten. Das war
aber nicht überall der Fall. In Wales und der Bretagne kannte man
die Kelten als dunkelhaarig und klein.
Ein Großteil der La-Tene-Metallarbeiten, mit Ausnahme der
zunehmend hochwertigen Eisenarbeiten für Schwertschneiden und andere
Waffen auf dem Kontinent besticht durch leuchtende Farben - Bronze, Gold
(Silber wurde für dekorative Zwecke weniger verwendet), Korallen und
rote Glasintarsien, im späten Britannien auch vielfarbene Emaille.
Aus den experimentellen Stilformen des 5. und frühen 4. Jhd. v. Chr. entstand unter klassischen Einflüssen der Pflanzenstil. Doch im frühen 3.Jhd. v. Chr. kam es zu einer Aufsplitterung in eine Reihe von Regionalstilen ( zu denen auch ausgeprägte Eigenvariationen in Britannien und Irland gehören und zu divergierenden Traditionen bei Eisen-,Bronze und Goldschmieden. Während der nachfolgenden beiden Jhd. ging der Einfluß der klassischen Welt fast völlig zurück; die keltische Kunst entwickelte sich in dieser Epoche aus eigenem Antrieb weiter.
Pflanzenstile: Datiert um 350/325 v. Chr. fand man in Waldalgesheim bei Mainz Gegenstände mit Pflanzenornamenten in einem Grab. Einziger Importgegenstand im Grab war ein italienischer Eimer mit im neuen Stil eingearbeiteten klassischen Motiven, aber abgesehen davon gelangten nur wenige Importgegenstände in den Bereich nördlich der Alpen, die dort den neuen Stil hätten inspirieren können. Das könnte darauf hinweisen, daß der Pflanzenstil in der Kontaktzone zu Italien entstand und von dort in andere Teile der keltischen Welt ausstrahlte, wo er sich zu den vielen Varianten der späteren La-Tene -Kunst entwickelte.
Schwertstil und plastischer Stil: Die modernen Kunsthistoriker haben
sich hauptsächlich auf zwei Ableitungen des Pflanzenstils konzentriert:
den Schwertstil (im Grunde ein Ritzdekor, das häufig auf eisernen
Schwertschneiden auftaucht) und den plastischen Stil (dreidimensionale
Ornamente auf Halsspangen, Armbändern usw. meist aus Bronze und manchmal
aus Gold gearbeitete Stücke).
Britannien und Irland: Die La - Tene- Kunst wurde in Britannien 300 und in Irland 200 v. Chr. eingeführt, drang jedoch aus unbekannten Gründen nicht in erheblichem Umfang bis Spanien vor. Die britischen Handwerker verarbeiteten meist Bronze, wo ihre Kollegen auf dem Festland Eisen verwendeten.
Keramik
Seit Beginn der La-Tene Zeit wurden Gefäße auf der Scheibe geformt. Die Keramikwaren aus der Früheisenzeit weisen Tier- und andere Zeichnungen auf. Später bemalten die Töpfer ihre Gefäße mit roten oder schwarzen Bandmustern. Einige Gefäße hatten einen metallischen Schimmer. Die Nordbriten und Iren benutzten wenig Töpferwaren, da sie Holz und Metallgefäße bevorzugten. Nach der Eroberung Britanniens expandierte die südwestenglische "Schwarzglanzkeramik".
Schmelzen und Schmieden
Die Schmelz - und Schmiedetechnik der Eisenzeit benötigte ungeheuer viel Zeit, Energie und Geschick. Es kostet unheimlich viel Mühe das Metall nutzbar zu machen und zu Gegenständen zu formen. Ein gutes Beispiel dafür ist das "Kettenhemd."
Das Fertigen der Metallgegenstände war nur der letzte Schritt in einer langen Reihe von Vorbereitungsarbeiten.
HOLZARBEITER Holz für Holzkohle
BERGARBEITER Erze abbauen, einschmelzen u. transportieren
Trotz oft vorkommenden Erzen, wurden bestimmte Orte bevorzugt.
ÖSTERREICH lieferte das beste Eisen, CORNWALL zur Zinkherstellung das beste Zinn, in den CEVENNEN u. PYENÄEN wurden Goldminen betrieben.
Intarsien, Emaille und Glas
Seit dem Beginn der La-Tene Zeit verschönerten die Schmiede
ihre Waren mit Oberflächenverzierungen, sie ritzten Zeichnungen ein.
In der Späteisenzeit lernten die Handwerker Glas auf die Oberfläche
von Kupferlegierungen aufzuschmelzen - sogenannte Emaillearbeit. Neben
der beliebten roten Farbe verwendete man auch eine Skala weiterer Farbtöne.
Glas wurde auch als solches verarbeitet. Glasschmuck war ein beliebter
Schmuck, im 3. Jh. v.Ch. trugen die Gallierfrauen Armreifen oder Bänder
aus Glas.