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Aus der Zeit,
bevor Bremen
eine Stadt wurde

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Siebzehntes Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung.

Zu Beginn des 17. Jh. war in Europa die Entwicklung zum fürstlichen Absolutismus noch im vollen Gange. Die kleineren politischen Einheiten, hier insbesondere die freien Städte, zu denen auch Bremen mit seinen ca. zwanzigtausend Einwohnern gehörte, hatten nur noch dann eine Chance, selbständig zu bleiben, wenn sie geschickt zwischen den größeren Mächten lavierten. Dies gelang der Stadt an der Weser trotz diverser Krisen, trotz Kriegen sowie zunehmendem Merkantilismus in den Nationalstaaten.

Während das Handwerk hauptsächlich einen Binnenmarkt versorgte und nur die Brauer und Metallhandwerker mit Silber- und Zinnwaren für ausländische Märkte produzierten, blühte der Fernhandel mit Massenwaren bis nach dem Dreißigjährigen Krieg, bis etwa 1675, um dann steil abzufallen. Zwar bildete sich mit Stade eine bedeutende Konkurrenz für Bremen heraus, aber besonders im Getreidehandel aus dem Ostseeraum und von der Oberweser nahm die Stadt einen der ersten Ränge ein. Für Getreide aus dem Oberweserraum bestand in Bremen die Stapelpflicht. Von hier aus wurde es hauptsächlich nach Amsterdam, nach England, Frankreich und Spanien weiterverkauft. Bremer Kaufleute belieferten in den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen alle Parteien, und der Staat erhielt durch Akzise seinen Anteil daran. Sechsundachtzig Prozent seiner Gesamteinkünfte bezog der Rat zu dieser Zeit aus Im- bzw. Exportzöllen.

Die Niederlande blieben der wichtigste Handelspartner; bis in den großen Krieg hinein kaufte Norwegen bedeutende Mengen an Korn und Bier und lieferte dafür Fisch- sowie Viehprodukte. Danach verlagerte sich der Fischimport mehr nach Island bzw. auf die Shetlandinseln. Walfang entwickelte sich von Bremen aus erst nach der Mitte des Jahrhunderts. Der Speck wurde zur Herstellung von Seife benötigt, der Tran diente zur Befeuerung von Lampen. Auch in die englischen Häfen transportierte man Getreide und brachte von dort Steinkohle und hochwertige Tuche mit zurück. Frankreich lieferte Wein und Salz, Spanien gleichfalls Weine, Salze, aber auch Gewürze und Öle. Es entstanden Kaufmannsgenossenschaften, die die rationelle Nutzung von Schiffsraum garantieren sollten.

Die Weser war in jenen Jahren bereits so sehr versandet Link zur Versandung der Weser, daß Schiffe in manchen trockenen Sommern überhaupt nicht mehr darauf verkehren konnten. Aber auch "normale" Wasserstände zwangen dazu, die Waren von größeren Seglern weit vor Bremen auf kleinere Frachter umzuladen. In manchen Wintern fror der Fluß wochenlang zu. Nach diversen Eingaben von Schiffern und Kaufleuten entschloß sich der Rat endlich, in der Auemündung bei Vegesack einen neuen Hafen Link zum Vegesacker Hafen zu bauen, der gleichfalls als Winterlage benutzt werden konnte. Begonnen wurde mit den Bauarbeiten 1619, fertiggestellt wurde die Anlage 1622. Als jedoch der Stadt das Geld auszugehen drohte, sprang mit seiner Armenkasse das "Haus Seefahrt" finanziell ein, das dafür die Verwaltung des Hafens und Erträge daraus zugesprochen bekam. Langfristig blieb der Hafen ein Gewinn, denn ab 1653 war hier nicht nur das Zentrum der Bremer Walfangflotte nach Grönland, sondern schon viel früher siedelten sich seefahrtsverbundene Betriebe an.

Von den Hoheitsrechten des Erzbischofs war kaum noch etwas zu spüren, die Stadt stellte ihren Anspruch auf Reichsunmittelbarkeit unter ihrem Bürgermeister Henrich Krefting (gest. am 1.8.1611 an der Pest) scharf heraus. Die politische Macht, das Gerichts- und Militärwesen sowie die Verwaltung lagen fest in der Hand des Rates, der sich juristisch auf die Neue Eintracht von 1534 stützte. Bürgerversammlungen bedurften der Zustimmung, Angelegenheiten im Kompetenzbereich des Rates durften dabei nicht besprochen werden. Vom Rat eingesetzte Rottmeister mußten jeden Widerstand von Bürgern umgehend melden. Wurden in seltenen Fällen Bürgerkonvente in die obere Rathaushalle einberufen, so erstellten Mitglieder des Rates die Liste der ihnen genehmen Einzuladenden. An die Ergebnisse solcher Beratungen mußte sich der Rat nicht einmal unbedingt halten. Der Bürgereid verpflichtete indessen jeden Bürger zum Gehorsam gegenüber dem Rat sowie gegenüber den von ihm eingesetzten Hauptleuten in den vier Kirchspielen und den einhundertachtzig Rottmeistern. Außenpolitisch blieben die Bürger derart mangelhaft informiert, daß sie die Sachlagen meistens nicht übersahen und deshalb den Ratsherren und ihren gelehrten Rechtsberatern wichtige Entscheidungen überließen.

Die Anzahl der Kaufleute unter den Ratsherren nahm zu Gunsten von Juristen ständig ab. Zwar waren die handwerklichen Berufe nicht grundsätzlich von der Ausübung des Ratsherrenamtes ausgeschlossen, doch die hohen Hürden konnten nur wenige Zunftmeister überspringen. Zudem war es sehr schwierig, nebenberuflich den Anforderungen zu entsprechen. Jeder Ratsherr mußte oft zwischen fünf und zehn Bereiche übernehmen. Nicht immer flossen daraus auch Einkünfte, sondern ausschließlich eine Vergütung von Spesen, so daß Unterschlagungen vorkamen. Ohne den Rückhalt einer selbstlaufenden Firma oder ausreichenden Einkünften z. B. aus Grundbesitz entpuppte sich der prestigeträchtiger Posten nicht selten als finanziell verlustreiche Angelegenheit, verbunden mit Undank oder persönlicher Anfeindung. Das Stadtrecht verbot jedoch die Ablehnung der Wahl auf Lebenszeit; als Rücktrittsgründe wurden nur fehlendes Vermögen oder Krankheit akzeptiert.

Besonders bei Wirtschafts- oder Finanzfragen versuchten die Kaufleute immer wieder Einfluß auf Entscheidungen des Rates zu nehmen. Deren Elterleute aus dem collegium senorum nahmen für sich in Anspruch, nicht nur für ihre Berufsgruppe, sondern in kritischen Fällen auch für die gesamte Gemeinde zu sprechen. Damit gerieten sie zunehmend in Opposition zum Rat, der ihnen politische Aktivitäten satzungsgemäß untersagte und sie gemäß den Richtlinien der Neuen Eintracht auf die Verwaltung des Schüttings, der Einkünfte der Kaufmannsgilde wie z. B. des Tonnengeldes und auf die Ausrichtung von Festen beschränken wollte. Unter dem Druck von Krisenzeiten mußten Bürgermeister manchmal den einflußreichen Elterleuten notgedrungen eine Zusammenarbeit zubilligen. Reibungen zwischen Rat und Elterleuten zogen sich durch das ganze Jahrhundert hindurch. Andere Korporationen wie z. B. die in unzählige Untergruppen zersplitterten Zünfte traten dagegen politisch kaum in Erscheinung. Sie unterlagen durch die "Morgensprachen" in eigenen Räumen, im Ratskeller oder in Kirchen einer strengen Kontrolle der Regierung.

1605 entstand auf Initiative des Rates eine veränderte Wehrorganisation. Hatte bisher an der Spitze jedes Stadtviertels ein Ratsherr als Hauptmann gestanden, zusammen mit einem ratsfähigen Bürger als Fähnrich, so wurden jetzt Bürgerkompanien aufgestellt, an deren Spitze je ein Leutnant stand. Unterstützt wurde dieser von einem Fähnrich, einem Wachtmeister, einem Führer und zwei Sergeanten. Waren früher die Viertel der Altstadt in hundertachtzig Rotten eingeteilt, mit besonders vereidigten Rottenführern oder Brandmeistern als Befehlshaber, so nannten sich diese jetzt Unteroffiziere oder Korporale und befehligten 20 Kompanien mit je neun bis zehn Rotten. Vier Wachtherren aus dem Rat fungierten als Oberbefehlshaber, die die Offiziere und Unteroffiziere ernannten, Disziplinargerichte abhielten oder Söldner anwarben. In den vierzehn Abschnitten der Stadtbefestigung hatte jeweils ein Ratsherr und ein Bürger die Aufsicht. Die Wehrorganisation wurde auch zu Verwaltungsaufgaben herangezogen.

Die Zugehörigkeit zu einem Stand war nicht streng durch Geburt fixiert, sondern schwankte mit der wirtschaftlichen Lage, war abhängig vom Beruf sowie dem Erfolg darin und dem politischen Einfluß. Um den Ansprüchen eines Standes zu genügen, bedurfte es eines bestimmten Einkommens. Ein Angehöriger der Oberschicht konnte bereits in Not geraten, obwohl seine Einkünfte ein mehrfaches eines Mannes aus der Unterschicht betrugen. So konnte er seine Lage dadurch verbessern, daß er sich der Mittelschicht zuordnete, aber er konnte, wenn seine wirtschaftliche Lage sich wieder verbessert hatte, auch wieder aufsteigen. Auf diese Weise gelang es immer wieder Neueinwanderern durch Glück und Können, sich verhältnismäßig schnell in den höchsten Stand zu katapultieren.

Die offizielle Gliederung kannte vier Stände, die sich durch Kleidung und bei Festlichkeiten unterschieden:

1. Bürgermeister, Mitglieder der Wittheit nebst Familienangehörigen, promovierte Doktoren und Lizentiaten.
2. Elterleute der Kaufmannsgilde, die vornehmsten Kaufleute, reiche Brauer sowie Zunftmeister der anerkannten Zünfte und nicht promovierte Akademiker.
3. Zunftmeister niederer Zünfte, Schiffer und ähnliche Bürger.
4. Dienst- und Bootsleute, Kahnschiffer und andere Seefahrer.

Als Kleidung zu Festlichkeiten trugen die Männer der Oberschicht eine Halskrause, pelzverbrämte Umhänge und hohe Samtbaretts, die Frauen eine Halskrause zu einem bunten Kleid mit vielen Falten sowie einem dunklen Umhang, über der Stirn ein Horn (Tiphoiken). Goldstickerei, Edelsteine, Ketten und Ringe waren allgemein beliebt. Die Mittelschicht wurde durch Ratsproklame beschränkt. Im Alltag wurde allerdings schlichtere Kleidung getragen.
Die Kleidung der Unterschicht bestand aus Leinen oder Wolle.
Die Kluft zwischen den stark versippten ersten zwei Ständen war nicht sehr groß, wohl aber zu und zwischen den folgenden.

 Bild: Ratsherr und Frau im 17. Jahrhundert

 Bild: Frauen im Hochzeitszug mit Tiphoiken

Als Steuer wurde von den sehr reichen Bürgern eine prozentuale Abgabe vom Vermögen (Schoß) verlangt, während die anderen feste Monatsraten (Kollekte) zahlten. Im Kirchspiel St. Stephani wohnten die wenigsten vermögenden Einwohner.

Um das Betteln zu unterdrücken, bemühte sich der Rat stets um eine Versorgung wirklich Armer und Kranker, besonders solcher ohne Familienangehörige, durch spezielle Organisationen. Dazu gehörten das St.-Johannis-Kloster, das Leprosenhospital St. Remberti, das Ilsabeen-Gasthaus an der Hutfilterstraße, Häuser bei St. Nikolai gleichfalls an der Hutfilterstraße, St. Jakobi an der Holzpforte und St. Stepahani. Außerdem gab es das "Rote" und das "Blaue" Waisenhaus. Trotzdem wurden nicht alle Bedürftigen erfaßt. Um solche, die ständig in der Stadt lebten und in Kellern, Verschlägen oder in sogenannten "Gottesbuden" dahinvegetierten, kümmerte sich die Diakonie der Kirchen. Fremde Arme durften nur abends die Stadt betreten und wurden sofort erfaßt. Die Kranken unter ihnen erhielten Fürsorge im "Roten Haus" vor dem Doventor. Bleiben durften die Fremden nur, wenn sie Arbeit fanden. Streng ging man gegen solche Personen vor, die als arbeitsscheu galten, durch Betteln, Trinken, Fluchen oder Glücksspielen aufgefallen waren. Dazu gehörten auch Wandergesellen ohne Zunftzugehörigkeit oder angebliche Studenten, die tagsüber in den Straßen sangen, aber durch eine Examination des Leiters des Gymnasiums als solche nicht anerkannt waren. Sie wurden zwangsweise in Werkhäuser ein-, bzw. aus der Stadt ausgewiesen. Unter den unschuldig Verarmten befanden sich auch Adlige, Prediger oder Lehrer, die mit ihren Familien bis zu sechs Wochen unterstützt wurden. Hatten sie in dieser Zeit keine Arbeit gefunden, so mußten sie, mit einem Zehrpfennig versehen, die Stadt verlassen.

Die günstige Wirtschaftslage führte um 1600 zu einer regen Bautätigkeit. Neben dem bisher üblichen Backstein trat jetzt als Schmuckelement der Sandstein. Die Stadtwaage in der Langenstraße (1587/88), das Neue Kornhaus am Geeren (1590/91) und der Schütting (1594) hatten bereits neue Giebel erhalten, als Lüder von Bentheim 1609 den Auftrag zur Umgestaltung der Rathausfassade im "Weser-Renaissance-Stil" erhielt, den er 1612 abschloß. Weitere herausragende Bauleistungen vollendeten sich 1618 mit dem Essighaus in der Langenstraße und zwischen 1618 und 1621 mit dem damaligen Gewandschneiderhaus, dem späteren Krameramt (1685) und heutigen Gewerbehaus am Ansgarikirchhof. Mit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges brach die großartige Bautätigkeit durch Verunsicherung schlagartig ab. Danach entstanden nunmehr verhältnismäßig schlichte, zweckmäßige Gebäude.
Die Ausstattung der Wohnhäuser der Oberschicht war üppiger geworden: Geschnitzte Möbel, Butzenscheiben, Ledertapeten, bemalte Holzdecken, gekachelte bzw. eiserne Öfen waren die Regel. Geschirr aus Messing, Zinn oder Silber fanden sich auch bei der Mittelschicht.
Die Masse der städtischen Häuser blieb weiterhin ärmlich, strohgedeckt mit lehmverstrichenen Wänden. Die Höfe waren mit Ställen, Aborten oder Schuppen überbaut. Einfache Tische und Bänke bildeten die Einrichtungen. Der Rauch der offenen Herde entwich durch Fenster und Türen. Geschlafen wurde auf Stroh. Man aß aus Tongeschirr und verwendete Geräte aus Holz oder Eisen. Die Trink-, Abwasser- und Abfallverhältnisse hatten sich noch nicht gegenüber früheren Jahrhunderten geändert. Wegen der großen Brandgefahr setzten sich unter dem Druck von Verordnungen langsam Schindeldächer mit durchgeführten steinernen Schornsteinen durch. Ratsverordnungen regelten weite Bereiche des täglichen Lebens. Vieh, insbesondere Schweine, durfte tagsüber nicht in der Stadt gelassen werden, Festlichkeiten waren beschränkt, Lärmen auf den Straßen war verboten, ebenso wie das Anwerben von Soldaten für fremde Militärwerber.

Das Geistesleben wurde durch die Kirche geprägt, die gleichfalls unter dem Einfluß des Rates stand. Parallel zu den politischen Verträgen mit den niederländischen Generalstaaten wurde Bremen 1618 zur reformierten Dordrechter Synode eingeladen. Obwohl Schwierigkeiten mit den lutheranischen Fürsten und Städten Norddeutschlands gerechnet werden mußte, entsandte man den Rektor des Gymnasiums, Matthias Martinius, sowie zwei Theologen. Im Jahr darauf unterschrieben diese die dort gefaßten Beschlüsse, und sofort brachen zum Ärger des Rates und der Bürger die alten, nie endenden Streitigkeiten mit den Lutheranern in der Stadt wieder auf. Diese wurden fortan unterdrückt und aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, bis sie 1638 durch Erzbischof Friedrich im wiedereröffneten Dom eine neue Heimat fanden.
Gegen Ende des Jahrhunderts herrschte eine reformierte Orthodoxie, in die der Pietist Theodor Undereyck an der Martinikirche mit seinen Liturgieverletzungen etwas Bewegung brachte. Seine Konventikeln führten ihn auf Konfrontationskurs mit dem geistlichen Ministerium. Obwohl er sich offiziell unterwarf, hielt sein Zwist bis zu seinem Tode 1693 an. Ein weiterer Pietist an St. Martini war der Kirchenmusiker Joachim Neander, nach dem das Neandertal bei Düsseldorf benannt ist. Eine herausragende geistige Leistung vollbrachte der Rechenlehrer an St. Ansgarii, Peter Koster, mit seiner bremischen Chronik des 17. Jahrhunderts.

Das Interesse an schulischer Bildung war bei der Masse der einfachen Menschen gering, zumal der Unterricht den Arbeitseinsatz der älteren Kinder einschränkte. Unter der Aufsicht von Pastoren befanden sich die Schulen bei den Kirchspielen.

Ein Haupt- und ein Unterlehrer unterrichteten in einem einzigen Raum alle Kinder gleichzeitig in Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion und Singen. Mit dem letzteren konnte durch Mitwirken beim Gottesdienst oder bei Beerdigungen das Schulgeld aufgebessert werden.

Freie Schulmeister unterhielten weitere private Nebenschulen, von denen es 1625 fünfzehn gegeben haben soll.

Einen Mittelpunkt geistigen Lebens bildete das Gymnasium. Hier wurde für Schüler aus der reformierten Oberschicht Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Musik und einige alte Sprachen gelehrt. In der obersten Klasse hörten die Schüler auch von klassischer Literatur, Theologie, Rechtskunde, Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichte und Rhetorik. Erst als auch Schüler aus weit entfernten reformierten Gebieten nach Bremen kamen, löste sich das Gymnasium aus seiner religiösen Isolierung, denn das lutheranische Umland schickte seine Kinder nicht.

Die 1534 eingerichtete Bibliothek des Gymnasium war unbedeutend. Aus den Beständen von Erbschaften und Schenkungen eröffnete der Rat 1628 in der Güldenkammer des Rathauses eine Bibliothek mit juristischen und historischen Schriften, die 1646 aus dem Bestand des verstorbenen Melchior Goldast von Haiminsfeld ergänzt wurde und den Kern der 1660 gegründeten Stadtbibliothek bildete.

Einige Bedeutung errang im 17. Jh. das Steinmetz- und Holzschneidergewerbe. Grabmäler und Epitaphien wurden für den Dom und die Kirchen erstellt. Ein gut erhaltenes Werk aus dieser Zeit bildet die Verkleidung und die Wendeltreppe der Güldenkammer in der oberen Rathaushalle.

Die Erfahrungen im Niederländischen Krieg und mit im Notfall unzuverlässigen Bundesgenossen hatten in Bremen deutlich werden lassen, daß die Verteidigungsanlagen nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprachen. 1601 ließ man von dem Niederländer Johann van Rijswijk, einem Festungsbaumeister, ein Gutachten erstellen, das auch neue Anlagen auf der linken Weserseite vorsah. Zwar wurden ab 1602 Abstecksarbeiten begonnen sowie zwei Bastionen zwischen Weser und Doventor fertiggestellt, dann kam die Angelegenheit aus Geldmangel aber wieder ins Stocken. Unter der Leitung Johann van Valckenburghs gelang 1615 ein weiteres Teilstück zwischen Weser und Ostertor. Erst mit den Gefahren eines aufziehenden größeren Krieges vor Augen wurden Impulse zur Fertigstellung der Verteidigungsanlagen freigesetzt.


Bild: Befestigung der Neustadt

Auch dachte man 1599 an die Wiederbelebung der Hanse als zeitgemäßes Verteidigungsbündnis, aber man zerstritt sich zunächst erst einmal wieder über Glaubensangelegenheiten. Erst 1616 traten Bremen und neun weitere Staaten dem neuen Bund zwischen Lübeck, den Generalstaaten der Niederlande und Braunschweig bei. 1629 löste sich der Bund indessen wieder auf, und nur die drei Städte Lübeck, Hamburg und Bremen schlossen sich zu einem neuen Defensivbündnis auf 10 Jahre zusammen. Später wurde diese Vereinbarung immer wieder verlängert, ohne jemals reale Bedeutung zu erlangen. Seit jener Zeit nennen sich die drei Städte "Hansestädte":

1612 entwickelten sich wieder einmal Komplikationen mit dem Oldenburger Grafen Anton Günther, der beim Kaiser die Erhebung eines "mäßigen" Zolls auf der Weser beantragt hatte. Trotz Protestes des Erzbischofs und der Stadt Bremen sowie einer langwierigen Verhandlung erhielt der Graf vom Kaiser Ferdinand II. seine Forderung im September 1619 und nochmals im März 1623 bestätigt. Im Jahr darauf (24.März 1624) richte Oldenburg eine Zollstelle bei Brake ein. Drei Jahrzehnte widersetzte sich Bremen den von Kaiser und den Kurfürsten getroffenen Anweisung zum Teil mit Einsatz von Kriegsschiffen. Auch als die Zollstelle nach Elsfleth verlegt wurde, konnten die Geldbeträge von den Oldenburger Beamten nicht immer eingezogen werden. Erst im Westfälischen Frieden wurde endgültig entschieden.

Als der große Krieg auch Spuren in Norddeutschland zu legen begann, versuchte sich Bremen mit allen Mitteln neutral zu verhalten, was der Stadt von Kritikern als "Schaulkelpolitik" und Verrat an der evangelischen Sache angelastet wurde. Als die Generalstaaten die Stadt im Januar 1623 zur offenen Parteinahme gegen den Kaiser veranlassen wollten, lehnte der Rat mit Berufung auf die Entscheidungsinstanz der "Hanse" ab. Danach kühlte sich das Verhältnis zu den Niederländern stark ab. Bereits im Dezember 1622 hatte der Bürgerkonvent ein Soldaten- und Wallgeld bewilligt, mit dem Soldaten angeworben sowie die Befestigungen verstärkt werden sollten.

Nach den Plänen Valckenburghs begann der Wallmeister Jakob Clausen 1623 mit den Arbeiten. Als das vorher erhobene Wallgeld nicht ausreichte, besteuerte man ab 1625 Nahrungs- und Genußmittel, Seife, Torf, Holz, Stroh, Tran und Teer. Nachdem sowohl Valckenburgh als auch Clausen 1625 gestorben waren, führte der Holländer Johann van Laer das Werk bis 1627 zu seiner Beendigung. Sieben Bastionen umspannten jetzt eine Neustadt, die vorgesehene achte Bastion auf dem Stadtwerder wurde erst 1664 hinzugefügt. Schwierig war es, für das feuchte Gelände innerhalb des neuen Mauerrings Siedler zu finden, die auch als Verteidiger auf die neuen Wälle gestellt werden konnten. Erst mit Sondervergünstigungen ab 1642 konnten bis 1650 etwa 3000 Menschen hier angesiedelt werden, überwiegend Vertriebene aus kriegsverwüsteten Gebieten sowie aus der Unterschicht: Handwerker, Fuhrleute, Händler und Tagelöhner. Zu den Vergünstigungen gehörten: Billige Bauplätze und preiswertes Baumaterial, unentgeltliches Bürgerrecht, Befreiung von Steuern und vom Wachtdienst für zehn Jahre, die Aufnahme der Handwerker in die Zünfte.

Mit der Modernisierung der veralteten Befestigungen rund um die Altstadt begann man wieder 1628. Beim Durchzug diverser Heeresverbände bestätigte sich die alte Befürchtung, daß die Stadt selbst einigermaßen verteidigt werden konnte, nicht aber das dazugehörende Landgebiet vor den Mauern. Beispielhaft kann hier das Schicksal des Ritters Rasch gelten, dessen Hof in Walle 1641 von kaiserlichen Truppen geplündert wurde. Er selbst konnte erst Jahre später als todkranker Mann gegen Lösegeld aus der Gefangenschaft befreit werden.

Nachdem 1634 der Erzbischof Johann Friedrich gestorben war, proklamierte man im Februar 1635 den Dänenprinz Friedrich zu seinem Nachfolger. Erst im März 1637 fand die Huldigung durch den Rat statt, die dieser im Gegensatz zum neuen Erzbischof allerdings nur als eine leere Geeste ansah. Daraus ergaben sich später jedoch wieder Streitigkeiten über Kontributionen oder die Abhaltung lutherischer Gottesdienste im Dom, die der Rat seinen Bürgern zunächst verbot, aber ab 1639 genehmigen mußte. Im Jahr 1637 gelang es noch einmal, die Privilegien der Stadt von Kaiser Ferdinand III. bestätigt zu bekommen, was bis 1643 aber schon wieder höchst strittig wurde. Bremen suchte weiterhin die Neutralität und bestand in allen Verhandlungen auf seiner Reichsunmittelbarkeit, weil es weniger den Erzbischof fürchtete, als daß nach Beendigung des großen Krieges eine der Großmächte auf dem Wege über das Erzstift einen Fuß in die Stadt bekommen könnte. Die Annexion des Erzstiftes von Schweden nach Eroberung durch General Graf Königsmarck 1645 verdeutlichte, daß die Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen waren. Gegen Zahlung von 100 000 Gulden rang die Stadt dem Kaiser mit zum Teil fragwürdigen Argumenten am 1. Juni 1646 in Linz jenes Diplom ab, das nun die Reichsunmittelbarkeit Bremens endgültig garantieren sollte. Finanziell brachte die Anerkennung eher Nachteile, weil jetzt höhere Abgaben zu den vom Reich erhobenen Kosten geleistet werden mußten.

Der Dreißigjährige Krieg hinterließ ein verwüstetes Mitteleuropa, durch die unterschiedlichen Interessen der am Friedensvertrag mitwirkenden Mächte in Hunderte von kleinen souveränen Territorien aufgesplittert. Das Gebiet des heutigen Nordwestdeutschlands war jedoch relativ verschont geblieben.

Nachdem man sich zwischen den beiden Grundrichtungen des Krieges, Katholizismus bzw. Protestantismus, als Orte für die Friedensverhandlungen auf Münster und Osnabrück geeinigt hatte, schickte auch Bremen seine Gesandten dorthin. Ihre Aufgabe bestand darin, sich bei den Kommissionen ab 29. August 1645 für die Reichsunmittelbarkeit, die Gleichberechtigung der reformierten Religion und die Abschaffung des Weserzolls einzusetzen. Die endgültigen Abgrenzungsformulierungen zwischen der Stadt Bremen und dem Herzogtum Bremen einschließlich der Enklave des Dombezirks im Friedensvertrag blieben aber derart unklar, daß Streitigkeiten zwischen Bremen und Schweden, das die verfügte Reichsunmittelbarkeit nicht anerkannte, bereits vorprogrammiert waren. Nach heftigem Ringen entschied sich die Angelegenheit des Weserzolls endlich zu Gunsten des Oldenburger Grafen Anton Günther. Die Enttäuschung über den Ausgang der Friedensverhandlungen veranlaßte die Bremer Gesandten, das Dokument am 24. Oktober 1648 nicht zu unterzeichnen.

Sofort begannen die Unstimmigkeiten zwischen Bremen und Schweden zu wirken. Die Stadt befürchtete einen Überfall durch schwedische Truppen, weil sie nicht wie verlangt bereit war, der Königin Christine zu huldigen, die Konsumtionssteuer auf Produkte aus dem Herzogtum abzuschaffen, die Einberufung von Bürgern aus den bremischen Landgebieten zuzulassen, an Landtagen teilzunehmen sowie Kontributionen zu zahlen. Man rüstete zur Verteidigung, denn mit Unterstützung des Kaisers oder der niedersächsischen Fürsten konnte nicht gerechnet werden. Graf Königsmarck besetzte Teile des bremischen Umlandes sowie Lehe und brachte die Schiffahrt auf der Oberweser unter seine Kontrolle. Als er am 30. März 1654 von Vegesack aus mit 2000 Mann über die Lesum nach Lesumbrok übersetzte, war dies der Beginn des Krieges. Vermittlungsversuche Hamburgs und Lübecks erwiesen sich als fruchtlos. Sehr bald eroberten schwedische Soldaten auch Bederkesa, plünderten bis Walle, die Stadt selbst griffen sie nicht an. Unter den Verteidigern gingen Gerüchte um, es befänden sich schwedische Spione unter der Obrigkeit. Als sich bei einer Durchsuchung im Hause des Eltermannes Burchard Lösekanne verdächtige Korrespondenz fand, wurde dieser hingerichtet. Auch der unbeliebte Bürgermeister Statius Speckhan geriet in unbegründeten Verdacht. Als mit einem Königswechsel Stockholm in einen Krieg mit Polen verwickelt wurde, mußte Königsmarck Truppenteile abstellen und geriet zusätzlich in Versorgungsschwierigkeiten. Bremer Soldaten eroberten Burg, Vegesack und Lehe zurück, verloren Burg jedoch gleich wieder, bis dann am 28. November 1654 der Stader Vergleich besiegelt wurde. Die Stadt mußte am 6. Dezember 1654 dem schwedischen König huldigen, Lehe und Bederkesa fielen an Schweden, die Rechte des Domkapitels kontrollierte nicht mehr der Rat. Trotz allem ließen die Formulierungen des Vertrages wiederum alle Interpretationen offen. So huldigte am 16. Dezember 1660 der Rat unter dem Protest Schwedens auch dem deutschen Kaiser. Die Reibereien gingen immer weiter. Z. B. adressierten schwedische Beamte Briefe an "Unsere Stadt Bremen", der schwedische Stadtvogt weigerte sich, vor dem Rat den Hut abzunehmen, die Stadt sandte niemanden zu den Trauerfeierlichkeiten des verstorbenen Königs Karl X. Gustav, lehnte es zudem ab, ihn ins Kirchengebet einzubeziehen, verweigerte die Huldigung des neuen Königs Karl XI. in Stade u. v. m. Alles lief auf weitere kriegerische Auseinandersetzungen hinaus. Obwohl Bremen den Lockungen Dänemarks im Krieg gegen Schweden 1657 widerstand und sich neutral verhielt, wurde dies vom schwedischen König nicht gewürdigt. So setzte der Rat 1660 bis 1664 die Bauarbeiten an den Befestigungen trotz der Proteste von schwedischer Seite fort. Mit der Fertigstellung der achten Bastion auf dem Stadtwerder gab sich Bremen als moderne Festung gut gerüstet.

Im Januar 1666 zog der schwedische General Karl Gustav Wrangel mit einem Heer ins Herzogtum Bremen. Vom Rat der Stadt Bremen forderte er den sofortigen Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit. Nach vergeblichen Verhandlungen in Bremervörde und Stade kesselte er im August die Stadt mit seinen Truppen ein. Am Kattenturm, am Warturm, in Lankenau, zwischen Gröpelingen und Walle, an der Achterstraße, in Hastedt sowie in Habenhausen ließ er Schanzen errichten. Sein Hauptquartier schlug er in Habenhausen auf. Rat und Bürgerschaft waren sich in ihrem Verteidigungswillen einig wie nie, die Voraussetzungen günstig. Die Befestigungsanlagen waren inzwischen fertiggestellt, Nahrungsmittel genügend eingelagert. Zwanzig Bürgerkompanien standen zur Verfügung, von denen die Schuster- und Schneiderverbände als Elitetruppen galten. Zusätzlich lagen 1513 Fußsoldaten und siebzig Reiter in Bereitschaft. Außer zu kleineren Scharmützeln kam es jedoch zu keinen größeren Kriegshandlungen. Die norddeutschen Fürsten beobachteten mißtrauisch die Expansionspolitik Schwedens und begannen Druck auf Wrangel auszuüben. Am 16. Oktober 1666 liefen dann Friedensverhandlungen in Habenhausen an, die am 15. November abgeschlossen wurden. Bremen erklärte sich bereit, nach Beendigung der laufenden Session bis zum Ende des Jahrhunderts auf seine Reichsunmittelbarkeit zu verzichten. Eine Bedingung die ohne Auswirkung blieb, weil die Session erst 1806 endete. Am 9. Juli 1667 fand die Huldigung des schwedischen Königs in Bremen statt.

Ab 1672 begannen die Schweden an der Geestemündung eine neue Stadt zu bauen, die sie nach ihrem König Karlstadt nannten. Hier hätte dem alten Handelsplatz Bremen langfristig eine echte Konkurrenz entstehen können, aber der wirtschaftliche Anreiz für Siedler war gering. Zudem war Schweden wegen seines Bündnisses mit Frankreich zum Staatsfeind erklärt worden. Vereinigte Truppenverbände aus deutschen Fürstentümern und aus Dänemark griffen am 15. September 1675 das Herzogtum Bremen an und ließen das Kartenhaus schwedischer Politk in diesem Gebiet bis Mitte Oktober in sich zusammenbrechen. Die Stadt Bremen war in dem Konflikt neutral geblieben, aber es gelang ihr nicht, ihre alten Gebiete aus dem Besitz der Schweden gegen die Interessen der Fürsten zurückzuerhalten. Nur die Reichsunmittelbarkeit wurde ihr garantiert. 1679 erhielt das sehr geschwächte Schweden das Herzogtum sogar zurück, aber das Verhältnis zum Rat in Bremen blieb in den kommenden Jahrzehnten gespannt.

Auch in den unruhigen Zeiten blühte der Handel. Nach dem 2. Schwedenkrieg begann die Wirtschaft zu stagnieren, um anschließend stark abzuflauen. Die Auswirkungen des Krieges gegen das expansionistische Frankreich sowie des Merkantilismus in den größeren Nationalstaaten und Fürstentümern begannen zu wirken. Die Finanzlage verschlechterte sich zusehends, als immer mehr Gläubiger Zins- und Rückzahlungsforderungen stellten. Jetzt kam es zu Konflikten zwischen dem Rat und den Elterleuten des Kaufmanns u. a. wegen der Steuererhebung. In den gefährlichen Krisenzeiten hatte der Rat zu Friedensverträgen, Notmaßnahmen und Finanzberatungen stets die Bürgerschaft durch Einberufung von Konventen hinzugezogen, in denen die Elterleute als Sprecher fungierten. Jetzt traf der Rat manch autoritäre Entscheidung und es entstand z. B. Streit darüber, ob Kapitalbeträge durch Schoß oder Kollekte erhoben werden sollte. Schoß war ein prozentualer Anteil am selbsteingeschätzten sowie beschworenen Vermögen, Kollekte waren monatliche Beträge, festgelegt nach der Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen. Die Ratsherren glaubten, mit der Kollekte besser davonzukommen, die Kaufleute eher mit dem Schoß. Die Auseinandersetzungen hielten an und sprangen immer wieder auf andere Themenbereiche über.

1655 und 1656 brach erneut die Pest aus, an der etwa 1600 Menschen (ca. zehn Prozent der Gesamtbevölkerung) besonders in den Armenvierteln von Stephani sowie vor der Marterburg starben. Kleinere Epidemien folgten in den Jahren 1665 und 1667. Eine Ruhrepepidemie traf die Stadt 1684. Im Sommer 1691 starben 450 Kinder an den Pocken.

Als nach einem heftigen Morgengewitter am 4. Februar 1656 durch Blitzschlag der nördliche Domturm abbrannte, betrachte man dies als Zeichen Gottes. Jahrzehntelang blieb der Stumpf des Turmes durch ein flaches Dach abgedeckt. Die Stadt Bremen war nicht zuständig, Die schwedische Regierung besaß kein Geld für eine Reparatur.

Weiter wäre zu berichten, daß 1668, 1682, 1685, 1686, 1695 und 1698 Hochwasser, 1684 sowie 1685 Trockenperioden, 1683 ein Brand große Schäden anrichtete; immer mehr Bettler durch die Stadt zogen und der Rat Verordnungen herausgeben mußte, um Schlägereien, Schießereien und Duelle einzuschränken.

1688 entstand unter der Leitung des Hugenotten Jean Baptiste Broëbes ein schloßartiges neues Brückentor, nachdem das alte wegen Unterspülung der Fundamente abgerissen worden war. Derselbe Architekt arbeitete auch an den Plänen für den Bau einer Börse auf dem Liebfrauenkirchhof über den mit Klinkersteinen abgedeckten Gewölben des 1621 fertiggestellten Ratsweinkellers. Nach heftigem Streit verließ Broëbes 1692 die Stadt, und der Bau wurde vom Baumeister Hermann Brüggemann 1694 fertiggestellt. Brüggemann erhielt anschließend den Auftrag, das Armenhaus zwischen 1696 und 1698 in der Großenstraße zu bauen. 1689 wurde ein altes Ballhaus am neuen Markt in der Neustadt zum Krankenhaus für Arme umgebaut, in das jedoch keine Personen mit ansteckenden Krankheiten, unheilbare Fälle oder Fremde aufgenommen wurden.
Während dieser Zeit entstanden die St.-Pauli-Kirche in der Neustadt, die St.-Michaelis-Kirche vor dem Doventor, die St.-Remberti-Kirche sowie einige Kirchen in Walle, Rablinghausen und Grambke. Der Hausbau vollzog sich gegen Ende des Jahrhunderts in einer sehr schlichten, zweckmäßigen Weise.

1684 gründete der Rat ein "Armenkinderhaus", in das Kinder zwischen sieben und sechzehn Jahren aufgenommen und unterrichtet wurden. Die Zünfte forderte man auf, solche Kinder bei der Aufnahme von Lehrlingen zu bevorzugen. Die schwedische Regierung wollte die Erziehung von Kindern nicht allein reformierten Kirchenkreisen überlassen und errichtete 1692 in den alten Kuriengebäuden des Doms ein lutherisches Waisenhaus.

Mißerfolge zwischen 1687 bis 1689 bei der Waljagd vor Grönland, Unwetter 1695 vor Norwegen, aber besonders der Krieg gegen Frankreich bereiteten auch der Schiffahrt große Sorgen. Als freie Reichsstadt betrachtete Frankreich Bremen als Feind und brachte ihre Handelsschiffe auf, so sehr die Hansestadt auch ihre Neutralität hervorhob. 1689 rüstete man deshalb ein Kriegsschiff mit vierundzwanzig Kanonen und siebzig Mann Besatzung zum Schutz der England- und Hollandfahrer aus, das sich bewährte. Ein Jahr später wurde ein weiteres, noch größeres Konvoischiff in Dienst gestellt: die "Wappen von Bremen" mit dem holländischen Kapitän Jürgen Bake, dessen Porträt heute im Focke-Museum hängt.

In den letzten Jahren des Jahrhunderts befand sich Bremen innerlich zerstritten in einer desolaten politischen wie wirtschaftlichen Lage. Selbst der Kaiser mußte seine Forderungen nach Reichsbeiträgen reduzieren. Ungünstige Witterung und der daniederliegende Handel lösten Teuerungen aus, die zu Not, Verbrechen und Konkursen führten. Viele Schuldner entzogen sich ihren Gläubigern durch Flucht.

Trotzdem gelang es dem Syndikus Schütz, mit mehren kaiserlichen Briefen die Reichsunmittelbarkeit für die Stadt zu erhalten.