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bevor Bremen eine Stadt wurde 11.Jahrhundert 12.Jahrhundert 13.Jahrhundert 14.Jahrhundert 15.Jahrhundert 16.Jahrhundert 17.Jahrhundert 18.Jahrhundert 1789 - 1914 1914 - 1918 1918 - 1919 1919 - 1933 1933 - 1939 1939 - 1945 1945 - 1949 1949 - 1968 1968 - 1989 1989 - |
Erstes Jahrtausend unserer Zeitrechnung.
Mit der Expansion des Frankenreiches unter Karl dem Großen
im 8. Jahrhundert trat auch Bremen in das Licht der Geschichte.
Die Sachsen hatten sich bis dahin weitgehend allen Christianisierungsbemühungen
entzogen und standen so den Plänen Karls im Wege. Da Wildeshausen
im Zentrum des Machtbereichs des aufständischen sächsischen
Herzogs Widukind lag, marschierten Karls Truppen bis an die Weser
und unterwarfen in mehreren blutigen Kriegszügen die dort Bild: Bischof Willehad Einer dieser Bischofssitze wurde Bremen. Die erste Erwähnung des "locus" Bremen erfolgte in der 860 n. Chr. verfaßten Lebensgeschichte des Bischofs Willehad. Dort wird erwähnt, daß der Priester Gerwal und andere im Jahre 782 n. Chr. von den Einwohnern erschlagen worden seien. Die Stiftungsurkunde der Bistumsgründung von 788 als zweite Urkunde der Existenz Bremens entpuppte sich später als eine Fälschung. Damit ist zweifelhaft, ob Willehad am 1. November 789 wirklich eine hölzerne Kirche, die Vorläuferin des St.- Petri-Doms, auf der höchsten Erhebung der Düne errichten ließ. Unbestritten ist, daß vermutlich 858 der erste Dom von dänischen Wikingern zerstört und danach durch einen steinernen ersetzt wurde und daß Bremen zwischen 787 und 849 zum Sitz des Erzbischofs erhoben wurde. Kaiser Otto I. (der Große) verlieh am 10. August 965 an Bremen (d. h. an den Erzbischof) das Marktrecht mit Marktzoll, Münzrecht und Marktgericht. Will man sich eine Vorstellung von dem Ort Bremen in dieser Zeit machen, so bleibt vieles Vermutung; das ist auch der Grund dafür, daß von den Historikern mehrere Auffassungen entwickelt wurden. Am wahrscheinlichsten ist folgende: Als Willehad nach Bremen kam, war der mit einem Spitzgraben befestigte Ort oben auf dem Dünenkamm noch recht klein. Vielleicht befand sich auf der höchsten Stelle der Düne ein sächsisches Heiligtum oder ein Gerichtsplatz. Das Ufer der Balge, dem wichtigsten Nebenarm der Weser, wurde wahrscheinlich als Schiffsanlegestelle benutzt. Die Balge war damals ein breites und tiefes Gewässer, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie vormals, als die Weser noch oft ihr Bett wechselte, zeitweise der Hauptstrom gewesen ist. Die in jener Zeit gebräuchlichen Schiffe hatten nur einen geringen Tiefgang und landeten am flachen Ufer. Ein solches Schiff aus dem Jahre 808 wurde Ende der achtziger Jahre des 20. Jh. bei Bauarbeiten Ecke Wachtstraße/Martinistraße gefunden. Wenn es im sumpfigen Umland bereits Siedlungen gegeben hatte, so waren diese durch eine Klimaverschlechterung und durch Vordringen der Nordsee mit zeitweiligen Überschwemmungen bereits wieder aufgegeben worden. Bei Ausgrabungsarbeiten fand man Ablagerungsschichten von Hochwassern aus dem siebten/achten Jahrhundert über der ursprünglichen Heidekrautschicht bis kurz vor der Dünenkuppe. Die meisten Bewohner lebten subsistent von der Landwirtschaft, insbesondere von der Vieh- und Weidewirtschaft und etwas Feldfruchtanbau, vom Fischfang oder in Ausnahmefällen vom Durchgangsverkehr (Handel mit Lebensmitteln, Dienstleistungen), in noch sehr geringerem Maße und stets ausschließlich in Verbindung mit der Landwirtschaft, vom Handwerk. In Bremen gab es an einer unbekannten Stelle eine Fähre oder Furt, und die war für die Franken wegen ihrer strategischen Lage von Bedeutung: sie beherrschte den Weserübergang und die am Dünenrand entlangführende Straße, war verhältnismäßig leicht zu verteidigen und erlaubte auf der Dünenhöhe die Anlage von Befestigungen. Die Kirchenorganisation begab sich in der unsicheren Zeit der Sachsenkämpfe zunächst unter militärischen Schutz, und so entstand nach der Beseitigung der Befestigungen vor der sächsischen Siedlung der Dombezirk mit eigenen Wällen, Gräben, Mauern und Toren als Domburg da, wo sich vorher die geheiligten Stätten der Sachsen befunden haben könnten. Auch als in den nächsten Jahrhunderten diese gesonderten Befestigungen wegfielen, blieb der geschlossene geistliche Bezirk aus dem Rechtskörper der Stadt ausgeschlossen und bildete eine kirchliche Immunität. Zuständig war zunächst also der fränkische Militärkommandant, bis der König 937 seinen, von der sächsischen Vorbevölkerung konfiszierten, Grundbesitz in Bremen an den Erzbischof übertrug. Erst in diesem Jahr wurde die Kirche somit der eigentliche "Herr im Orte". Vom Bistum Bremen gingen später wichtige Impulse aus, besonders unter den Bischöfen Ansgar, Adaldag und Adalbert. Ein nicht unerheblicher Teil Skandinaviens und der slawischen Ostseegebiete wurden von Bremen aus christianisiert. Die Bürger der Stadt scheinen das Treiben der hohen geistlichen Herren und ihrer Schergen nicht immer als segensreich empfunden zu haben. Der Gegensatz zwischen fränkischen Besatzern im Dom und der übrigen sächsisch-friesischen Stadtbevölkerung sollte ein Jahrtausend anhalten. Wie aber sah die Zeit vor den Franken aus? Eine eingängig aber weitgehend unbewiesene Hypothese besagt, daß römische Schiffe von der Rheinmündung aus bereits vom 1. bis 4. Jh. die sächsischen Siedlungen im Wesergebiet besucht haben müssen. Ausgegrabene römische Gefäße, bronzene Kasserollen, Waffen und Münzen lassen auf eine mehr oder weniger rege Handelstätigkeit schließen. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches übernahmen dann die in der Rheinmündung lebenden Friesen mit ihren bereits seetüchtigen Schiffen die Funktion der römischen Händler. Diese friesischen Wanderhändler fuhren nur in den offenen, warmen Zeiten hinaus, den Rest des Jahres verbrachten sie auf ihren festen bäuerlichen Besitzungen. Neben ihren eigenen bezogen sie Waren von den Erben Roms, den Franken, und sogar aus England und vertrieben diese entlang der Küste der Nordsee bis weit in die germanischen Flüsse hinein. Ein ausgebautes Straßennetz existierte damals noch nicht. Über die Oberweser reichte der Einfluß der Thüringer bis nach Bremen. Fundstücke aus beiden Kulturen wurden in den ausgegrabenen Siedlungen auf der Düne entlang der Weser gefunden. Die Fernhändler konnten natürlich nicht jede sächsische Ansiedlung einzeln aufsuchen, sie benötigten geeignete Stellen als zentrale Marktplätze. Ein solcher Platz bot sich dort an, wo an ruhigen Seitenarmen eines Stroms mit seichten Ufern nicht überschwemmungsgefährdete Stellen vorhanden waren, an denen vom Boot aus die Waren präsentiert werden konnten oder aus den direkt vor den Schiffen auf dem trockenen Strand aufgebauten Buden bzw. Zelten. Das Ufer der Balge bot solche Voraussetzungen, zumal dieser Ort fast in der Mitte der von Achim bis nach Lesum reichenden Düne lag, auf der ein Weg die vorhandenen Siedlungen miteinander verband. Die Ausgrabungsarbeiten im Frühjahr des Jahres 2002 auf dem heutigen Bremer Marktplatz förderten nicht nur einen im neunten Jahrhundert vollgefüllten Spitzgraben vor dem Rathaus zu Tage, sondern auch die Reste von Grubenhäusern. Es darf demnach angenommen werden, daß es hier eine kleine befestigte sächsische Dünensiedlung gab. Von der acht Kilometer entfernt liegenden Huchtinger Geest aus konnte der Umschlag- und Austauschplatz über Furten zwischen den Weserinseln vom linken Ufer aus erreicht werden. Ein Handelsplatz wird also bereits lange vorhanden gewesen sein, als Bremen durch schriftliche Belege in das Licht der Geschichte eintrat. Aufgrund der Zentralisierung durch die Existenz des Domes steigerte sich dessen Bedeutung. Pilger von weit her besuchten die Stadt und bildeten ein gewisses Käuferpotential. Luxuswaren aller Art fanden ihren Weg nach Bremen und hier fast ausschließlich an den Hof des Erzbischofs, wo sich ständig Delegationen aus anderen Missionsgebieten aufhielten. Im Gegenzuge fanden die Fernhändler Schutz vor Überfällen in der Domburg oder durch die Soldaten des fränkischen Grafen in Lesum. Im Laufe des neunten Jahrhunderts gaben Fernhändler ihre
bäuerlichen Existenzen auf, widmeten sich ganzjährig
ihrem kaufmännischen Beruf als Fernhändler und siedelten
sich fest an bestehenden Marktplätzen an. Ihre bisherigen
Verkaufsstände am Ufer bauten sie zu soliden Häusern
aus. So entstand auch in Bremen entlang der Balge, im Bereich
der Langenstraße außerhalb des Dombezirks, eine dauerhafte
friesisch-sächsische Händlersiedlung, die zusammen
mit der älteren Sachsensiedlung auf dem Dünenkamm als
Keimzelle für die sich entwickelnde Stadt verschmolz.
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