Startseite

Aus der Zeit,
bevor Bremen
eine Stadt wurde

1. Jahrtausend
11.Jahrhundert
12.Jahrhundert
13.Jahrhundert
14.Jahrhundert
15.Jahrhundert
16.Jahrhundert
17.Jahrhundert
18.Jahrhundert
1789 - 1914
1914 - 1918
1918 - 1919

1919 - 1933
1933 - 1939

1939 - 1945
1945 - 1949
1949 - 1968
1968 - 1989
1989 -

Schlagworte

 

Bremen und der erste Weltkrieg

Mitten in einem schönen Sommer, am 29. Juni 1914, berichteten die ,Bremer Nachrichten" über das Attentat von Sarajewo. Die brisante Kriegsgefahr erkannten die Bremer, wie überall sonst auch, aber erst Wochen später mit dem Ultimatum Österreichs an Serbien (23.07.). Über die eigentlichen Hintergründe konnten sie nichts wissen, geschweige denn die Konsequenzen einer solchen Kontroverse abschätzen. Schrieb doch eine örtliche Tageszeitung: Der Krieg ist schrecklich, trotzdem er, rein theoretisch gesprochen, unter Umständen eine Erlösung bedeuten und glücklichere Zustände schaffen kann". Deutschland wolle zwar den Frieden, dürfe aber einen Angriff des mit Serbien verbündeten Rußlands auf Österreich-Ungarn nicht hinnehmen. Diese Ansicht wurde von einem großen Teil der von nationaler Begeisterung getragenen Bevölkerung geteilt.

Die in drei Gruppen unterschiedenen Sozialdemokraten waren grundsätzlich gegen einen Krieg. Während die Linkssozialisten auf Flugblättern jedoch die Proletarier aller Nationen aufforderten ,Friedenswillen den wuchtigsten Ausdruck" zu verleihen und notfalls zu Massenstreik aufforderten, wies der ,rechte" Flügel auf französischen, britischen und russischen Imperialismus hin, dem Deutschland sich widersetzen müsse. Als dann Deutschland am 1. August Rußland und am 3. August Frankreich den Krieg erklärte und mobil machte, ließ sich auch die bremische Arbeiterschaft in den Kriegstaumel hineinziehen. Die Zahl der Kriegsfreiwilligen selbst an den Schulen war groß. Fast der gesamte Abitursjahrgang 1914 und viele Realschüler meldeten sich.
Es galt als Schande, nicht genommen zu werden. Durch die Einberufung von Lehrern ergaben sich später erhebliche organisatorische Schwierigkeiten im Bildungswesen.

Als vom 22. August ab die Siegesmeldungen von der Westfront eintrafen, wurde die Begeisterung durch Flugblätter, Flaggen- und Denkmalschmuck, Gottesdienste sowie öffentlichen Chorgesang gefeiert. Kriegsanleihen wurden in den nächsten Monaten in zunehmender Höhe gezeichnet. Skeptiker befanden sich in der Minderheit und zeigten sich selten in der Öffentlichkeit. Das änderte sich langsam, als am 18. August das Bremer Regiment starke Verluste hinnehmen mußte, und am 5. September die ersten Verwundeten in der Stadt eintrafen.

Nach den Parlamentsferien war am 12. August die Bremische Bürgerschaft zusammengetreten, um die"Maßnahmen aus Anlaß des Krieges" des national eingestellten Senats entgegen zu nehmen, der voll hinter Kaiser und Oberster Heeresleitung stand. Dazu gehörte auch die Wahl der Mitglieder der "Kriegsdeputation". Der Bürgermeister Dr. Stadtländer forderte zur Einigkeit in der Bürgerschaft auf.. Bürgerschaftspräsident Dr. Rudolph Quidde beendete seine Rede mit dem Ruf: ,Hoch Kaiser und Reich! Hoch Heer und Marine! Hoch! Hoch! Hoch!"

Von den Mitgliedern der Bürgerschaft waren bis Januar 1915 nur 14 eingezogen worden (Wahlen fanden während des gesamten Krieges nicht mehr statt). Im Plenum tagte man öffentlich etwa einmal im Monat für Routinefragen; die wichtigen Beratungen erledigte man vielmehr in vertraulichen Sitzungen. Die Beschlüsse der Beratungen wurden bis zur Lebensmittelkrise 1916 zügig, gemeinschaftlich umgesetzt. Erst dann fanden wieder politische Auseinandersetzungen statt.

Seit der Bundesrat per Gesetz vom 04.08.1914 ermächtigt war, fast unbeschränkt Verordnungen zu erlassen, befand sich die Staatsführung mehr oder weniger in Berlin und nicht mehr in Bremen. Allein im rein kommunalen Bereich besaßen Senat und Bürgerschaft noch Handlungsspielraum. Dies bezog sich auch auf die ,Deputation wegen Maßnahmen des Krieges" kurz ,Kriegsdeputation", die sich mit der Einrichtung von Lazaretten, mit Arbeitslosigkeit und mit der Versorgung der Bevölkerung befassen mußte. Hier machte sich besonders das Mitglied der Lebensmittelkommission, Senator Heinrich Bömers, als ,Kartoffelsenator" in den Hungerjahren ab 1916, weil er angeblich dafür sorgte, daß Bremen besser als andere Städte mit diesen Früchten versorgt war und Senator Hermann Hildebrand im ,Zentral-Hilfsausschuß des Roten Kreuzes" einen Namen. Die Kriegsdeputation verwaltete auch Finanzmittel, die aus der Besteuerung von Kriegsgewinnen, der Erhöhung der Einkommensteuer und der Einführung einer Vermögenssteuer angefallen waren und zur Unterstützung von Soldatenfamilien sowie für Beihilfen von Lebensmittelkäufen eingesetzt wurden.
Postkarten von 1914
Mit Ausbruch des Krieges wurde der ,Belagerungszustand" ausgerufen. Die Kontrolle der eingeschränkten freien Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit oblag der Militärbehörde, die sich wiederum Zivilbehörden und der Polizei bediente. Es gab indessen keine politische Polizei, wahrscheinlich deshalb, weil politische Parteien nicht ausgeschaltet waren und in ihrer Mehrheit die Kriegsmaßnahmen der Regierung unterstützten. Als die Neigung zu Streiks und Unruhen ab 1915 zunahmen, ersuchte am 26. April 1916 die SPD-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft den Senat, sich beim Bundesrat für die Aufhebung des Belagerungszustandes, des Versammlungsverbots und der Pressefreiheit einzusetzen, damit berechtigte Demonstrationen gegen Lebensmittelwucher möglich würden. Tatsächlich gab es Lockerungen. Ab 1917 konnte die Einhaltung des ,Belagerungszustandes" und des ,Burgfriedens" kaum noch kontrolliert gehalten werden.

Mit Ausbruch des Krieges mußte sich die außenhandelsorientierte Bremer Wirtschaft auf den Binnenhandel umstellen. Das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten, mit denen die Firmen des Überseehandels zu kämpfen hatten, kommt stellvertretend in dem Brief eines Kaufmanns zum Ausdruck: ,In meinem Im- und Exportgeschäft wird von meinen früheren 47 Kontorangestellten der letzte in den nächsten Tagen einberufen; ich habe dann niemand mehr. Meine Kontorräume sind verödet, die Tätigkeit hat aufgehört, meine überseeischen Gründungen sind vernichtet. In englischen Kolonien sind sie zwangsweise liquidiert, ihre Werte verschleudert, in neutralen amerikanischen Ländern sind sie infolge der Zwangsmittel von Nordamerika und England an Neutrale übergegangen."

Seeverkehr auf der Weser gab es so gut wie nicht mehr. Von den 462 Dampfern der bremischen Seehandelsflotte gingen bei Kriegsbeginn sofort 50 verloren. Viele Schiffe lagen in den Häfen neutraler Länder fest oder gerieten anschließend auf die Verlustliste, als einzelne Kapitäne versuchten, doch noch deutsche Häfen zu erreichen, was nur in Ausnahmefällen gelang. Die in Deutschland liegenden Schiffe wurden zu Lazaretten oder Hilfskreuzern umgerüstet. Einige moderne Schnelldampfer operierten von Bremerhaven, New York und Kiautschou als Kaperschiffe.

Durch den Krieg benötigte das Reich und die freie Wirtschaft größere Finanzmittel, was zu einem beschleunigten Geldumlauf, zu Preissteigerungen und zu Inflation führte. Weil man die üblichen Gold- und Silbermünzen für den Finanzbedarf im Außenhandel benötigte, wurden diese eingezogen und durch Banknoten ersetzt. Aus patriotischen Gefühlen heraus kamen viele Bürger der Aufforderung nach und gaben nicht nur ihre Münzen sondern sogar Edelmetalle in Form von Schmuckstücken ab. Nicht wenige tauschten ihre goldenen Eheringe gegen solche aus Eisen ein mit der Aufschrift ,Vaterlandsdank 1914." Am 15. Juli 1915 wurde vor dem Rathaus der ,Eiserne Roland" aufgebaut. Es handelte sich dabei um eine Rolandstatue, in die jeder Bürger für 10 Pfg. pro Stück einen eisernen Nagel einschlagen konnte. Einnahmen daraus flossen in die Spendenkasse.

Manche Firma schaffte die Umstellung nicht und geriet in ernste Zahlungsschwierigkeit. Der Staat mußte gesetzlich eingreifen, in dem er z.B. Einlösungstermine für Wechsel hinausschob. Am 3. November 1914 wurde im Gewerbehaus eine "Kriegshilfsbank für Kleinhändler und Gewerbetreibende" gegründet, an der sich die Reichsbankhauptstelle Bremen, der Bremer Staat und die Wirtschaft beteiligten.

Die Schwierigkeiten in den Firmen mit Auftragsstornierungen und Zahlungsunfähigkeit führte auch zu Arbeitslosigkeit. Anfang September 1914 schätzte man die Zahl der Arbeitslosen im Stadtgebiet Bremen, einschließlich der Unterweserorte auf zwischen 7.000 und 9.000 Personen. Am 28. August 1914 forderte die Gewerbekammer dazu auf, unbedingt Arbeiten für Handwerker in Auftrag zu geben. In der neu eingerichteten Koordinationsstelle für Arbeitsvermittlung, der ,Bremer Zentrale für Arbeitsnachweise" im Gewerbehaus unter der Leitung eines Senators und je eines Vertreters der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, meldeten sich Tausende von Arbeitslosen.

Bereits 1915 war die Umstellung auf Kriegswirtschaft jedoch vollzogen, die Arbeitslosigkeit behoben, und es gab sogar Anzeichen von Hochkonjunktur. Zunächst war Bremen bei der Vergabe von Rüstungsprodukten nur unzureichend berücksichtigt worden. Anfang 1915 erreichte aber die Gewerbekammer, daß größere Aufträge im Textilbereich nach Bremen vergeben wurden, wodurch Frauen eingezogener Handwerker lohnende Beschäftigung fanden. Ab 1916 holten Bremer Wirtschaftskreise auch Aufträge zur Herstellung von Waffen und Munition an die Weser. Da das Heeres- und Marineamt keine Aufträge an einzelne Handwerksmeister vergab, förderte der Krieg das Genossenschaftswesen, das z.B. den Einkauf von mangelnden Rohstoffen besser als die Einzelbetriebe erledigen konnte. Auch der Außenhandel belebte sich wieder etwas. Zwar fielen Wolle, Jute und Luxuswaren wie Kaffee ganz aus dem Seeverkehr heraus; Baumwolle auf neutralen amerikanischen Schiffen erst, als die Engländer dies unterbanden, aber Zellulose und Eisenerze aus dem Ostseeraum kamen im verstärkten Maße dafür in Bremen und Bremerhaven an. Die boomende Kriegswirtschaft mit hohen Gewinnen führte bereits 1915 zu Lohnforderungen der Arbeitnehmer. Eine Gesetzesvorlage zur Besteuerung von Kriegsgewinnen wurde am 2. Juni 1915 in der Bürgerschaft eingebracht, die Annahme indessen vertagt.

Um den zunehmenden Rohstoffmangel unter Kontrolle zu bringen, wurde - unter dem Protest der Handelskammer - ein Netz vom Staat überwachter Gesellschaften zur Erkundung neuer Importmöglichkeiten, sowie zur Genehmigung von Warenverteilungen gegründet, in denen auch einige Bremer Kaufleute mitwirkten, so z.B. die ,Baumwoll-Import-Gesellschaft 1915 mbH" oder die "Deutsche Tabakhandels-Gesellschaft" (Detag).
Auf Initiative des Bremer Kaufmanns Alfred Lohmann schickte man im Sommer 1916 das Handels-U-Boot ,Deutschland" mit einer wertvollen Warenladung nach Amerika, von wo es Rohgummi, Nickel und Zinn zurückbrachte. Diese und eine weitere erfolgreiche Reise wurden in Bremen in Gegenwart des Grafen Zeppelin triumphal gefeiert, obwohl die Menge des transportierten Warengutes in keinem Verhältnis zu dem riesigen Bedarf und vor allem zu dem Risiko stand, von den Engländern versenkt zu werden. So blieb ein zweites U-Boot mit dem Namen ,Bremen" seit seinem ersten Einsatz verschollen. Der Kriegseintritt der USA am 6. April 1917 verhinderte den Einsatz von U-Booten dann völlig.

Wegen des akuten Arbeitskräftemangels wurden erstmals Schaffnerinnen in reinen Männerberufen auf Straßenbahnen eingesetzt; im November 1915 im Industriehafen Kriegsgefangene untergebracht, um deren Arbeitskraft zu nutzen. Die ,Zentrale für Arbeitsnachweise" im Gewerbehaus übernahm die Aufgaben einer ,Zentralauskunftstelle für den Arbeitsmarkt" von der aus Arbeitsuchende und freie Stellen für eine zentrale Statistik direkt nach Berlin gemeldet wurden. Mit dem Gesetz über den ,Vaterländischen Hilfsdienst" vom 5. Dez. 1916 wurden dann alle nicht zum Militärdienst eingezogenen männlichen Deutschen vom 17. bis zum 60. Lebensjahr zum kriegswichtigen Arbeitseinsatz verpflichtet. Betriebe, die nichts zum Kriegsdienst beitragen konnten, wurden stillgelegt, und deren Arbeitskräfte anderweitig eingesetzt. Im Februar 1917 meldeten sich 2.500 Bremer Schüler über 12 Jahre mit Genehmigung der Eltern zum Einsatz in der Landwirtschaft. Frauen waren durch das Gesetz zu Hilfsdiensten nicht verpflichtet, doch wurde ihr Einsatz als patriotische Tat gefeiert.

Für die kriegswichtigen Werften in Bremen, AG ,Weser" und ,Bremer Vulkan", sowie ,Joh. C. Tecklenborg" in Geestemünde waren stets ausreichend Arbeitskräfte und Aufträge vorhanden. Das gleiche galt für die Munitionsfabrik ,Otwi-Werke" und die ,Norddeutsche Hütte", für die kaum genug Rohstoffe herangeschafft werden konnte. Die Mineralölindustrie, z.B. die ,Deutsche Vacuum Oil Company" hatte noch nicht die gleiche Bedeutung wie später im Zweiten Weltkrieg. Auch die Textilindustrie in Bremen war nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Aufträgen gut versehen, mußte allerdings großenteils mit Ersatzstoffen produzieren. Stark auf Grundstoffe aus dem Ausland angewiesen, war die Lebensmittel- und Genußmittelindustrie im besonderen Maße negativ betroffen. Fünf Brauereien mußten stillgelegt werden; das Bier in den Verbliebenen wurde verdünnt. Da die Preise von staatlicher Seite festgelegt waren, konnten die Brandweinproduzenten kaum Gewinne einfahren. Ein ,schwarzer Markt" mit alkoholischen Erzeugnissen auf hohem Preisniveau blühte. Die Kaffeeröstereien stellten auf Ersatzkaffee um; so produzierte die ,Kaffee HAG" sogar Wellpappe und Trockengemüse. Aus Mangel an Kakao fertigten die Schokoladefabriken Zuckerprodukte. Die Reismühlen kamen fast ganz zum Stillstand. Speisefett, Öl und Essig wurden nur in kontingentiertem Umfang hergestellt. Die Tabakwarenindustrie litt zu Beginn des Krieges unter starker Kaufunlust der Bevölkerung infolge der Arbeitslosigkeit und der Verteuerung. Das änderte sich aber wieder, und ab 1916 bestand eine akute Unterversorgung, die dem Schwarzhandel Vorschub leistete. Da die Einfuhr von Rohtabak durch die Reichsregierung verboten war, mußte sich der Markt aus dem Inland mit minderwertigen Qualitäten versorgen. Das Handwerk und der Einzelhandel mit Lebensmitteln litt sowohl unter Personal- wie unter Rohstoffmangel. Von Höchstpreisverordnungen waren folgende Artikel betroffen: Mehl, Bohnen, Erbsen, Reis, Zucker, Fleisch, Butter, Margarine, Kartoffeln, Kohle, Petroleum. Etwa einhundert Bäckereien geschlossen, weil die Inhaber eingezogen worden waren. Gebote, wie die Einführung der Brotkarte, Verbote und die Zuteilung von schlechtem Mehl behinderten die Verbleibenden. Vor den Geschäften bildeten sich lange Schlangen und die Käufer gaben den Bäckern unberechtigt die Schuld für die schlechte Qualität ihrer Produkte. Im Baugewerbe gab es so gut wie keine privaten Aufträge mehr, da sich die Baukosten bis zu 500% erhöht hatten. Zudem fehlten Materialien und Facharbeitskräfte, die beim Ausbau von Rüstungsfabriken eingesetzt waren. So herrschte bald große Wohnungsnot, die auch die Deputation für das Wohnungs- und Siedlungswesen vom Mai 1917 nicht beheben konnte. Am 10. Juli 1918 wurde ein Wohnungsnachweis mit Meldezwang eingeführt, der ergab, daß am 1. Oktober 1918 in Bremen 200 obdachlose Familien gezählt wurden.

Um der Rohstoffverknappung entgegen zu wirken, beschlagnahmte man endlich Kupferdächer, Tür- und Fenstergriffe, sowie Kirchenglocken. Umfangreiche Sammlungen von Textilien wurden organisiert.

Am 11. Oktober 1915 bekamen die Bremer zum ersten Mal den Krieg direkter zu spüren. Mit dem Läuten aller Kirchenglocken wurde für eine halbe Stunde Fliegeralarm gegeben, der sich jedoch als blinder Alarm erwies. Obwohl die Bevölkerung sehr erschreckt reagierte, gab es keine Panik. Durch eine Verordnung vom 27. November 1915 wurde daraufhin verfügt, daß Alarm in solchen Fällen nicht durch die Kirchenglocken sondern durch Schiffspfeifen und Sirenen ausgelöst werden soll. Auch der zweite Fliegeralarm am 3. Februar 1916 blieb ohne zerstörerische Folgen.

1917 hatte die Reichsmark 50% ihre Wertes von 1914 verloren, was zu steigenden Importpreisen, zu Mangel auf allen Ebenen, sowie zu steigender Verbitterung der Bevölkerung führte. Die Verknappung des Kleingeldes sollte durch gedruckte 50-Pfennig-Scheine behoben werden. Auch verschiedene Bremer Betriebe gaben Notgeldscheine aus. Die geforderte Einrichtung eines Postscheckamtes in Bremen zur Erleichterung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs kam jedoch nicht zustande.

Im Sommer 1917 hatte sich die Lage derart verschlechtert, daß die Diskussion über einen Frieden immer mehr Anhänger fand. Während in der Arbeiterschaft und bei den Sozialdemokraten sogar ein Friede um jeden Preis erwogen wurde, glaubte man im bürgerlichen Lager vielfach noch an einen ,Siegfrieden". So lehnte die Bremer und die Hamburger Kaufmannschaft in einem gemeinsamen Telegramm an den Kaiser am 3. September 1917 die Friedensinitiative des amerikanischen Präsidenten Wilson rundweg ab. Am 2. Oktober verlieh man die Ehrenbürgerrechte an den Generalfeldmarschall von Hindenburg. Selbst fast ein Jahr später, am 1. Mai 1918, forderte die liberale Bürgerschaftsmehrheit den Senat noch dazu auf, im Bundesrat darauf hinzuwirken, daß bei künftigen Friedensverhandlungen die bestehenden deutschen Reichsgrenzen, der Kolonialbesitz, die deutschen Auslandsforderungen, eine angemessenen Kriegsentschädigung, die Freiheit der Meere und eine freie Betätigung der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmarkt sichergestellt werde.

Am 1. Februar 1918 brach - von der AG ,Weser" ausgehend - ein Streik in Bremen aus, der sich gegen die schlechte Versorgung und gegen den Wucher richtete, sowie für eine Demokratisierung der Verfassungen und einen Verständigungsfrieden eintrat. Als die Militärbehörden den Arbeitern mit Einberufung an die Front drohten, und Bürgermeister Donandt sich weigerte eine Delegation der Streikenden zu empfangen, brach der Streik am 3. Februar wieder zusammen.

Im Laufe des Jahres 1918 verschlechterte sich auch die militärische Lage Deutschlands zusehends. Nach den Matrosenaufständen von Wilhelmshaven und Kiel zwischen dem 30. Oktober und 4. November bildete sich am Abend des 6. Novembers auch in Bremen der erste Soldatenrat. Mit dem Waffenstillstand von Compiègne war dann die heiße Phase des Ersten Weltkrieges vorüber.

 

Bilder: Kriegerdenkmal Altmannshöhe