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Schiffe und Schokolade ­ zweimal Joseph Hachez

Von Hermann Sandkühler

 

Hachez, diesen Namen kennt in Bremen jedes Kind. Denn wer Hachez sagt, der denkt natürlich sofort an Schokolade. Erinnert doch heute nur noch der Name des bekannten Bremer Schokoladenherstellers an diese Familie. So ist es auch kein Wunder, wenn andere bemerkenswerte Mitglieder dieser Familie zunächst einmal der "Schokoladen-Sippe" zugeordnet werden, wie dies im Falle des Kaufmanns und Reeders Joseph Johannes Arnold Hachez mehrfach passierte. Daß in Bremen ehemals mehrere Zweige dieser Familie existierten, ist heute kaum noch bekannt. Noch weniger bekannt dürfte die Geschichte ihres gemeinsamen Vorfahren sein, des ersten Bremer Hachez. Der folgende Beitrag will die Herkunft der Bremer Hachez´ beleuchten und den Lebensweg ihrer beiden bedeutendsten Repräsentanten nachvollziehen.

Karl der V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, dessen Reich so groß war, daß darin die Sonne niemals unterging, wurde im Jahre 1500 in Gent in der Grafschaft Flandern geboren. Karl wurde nicht nur Kaiser, sondern auch König von Spanien und und schickte einen Adligen seines Vertrauens aus diesem Land gegen Mitte des 16. Jahrhunderts in die Heimat seiner Kindheit, der dort seine Interessen wahrnehmen sollte. In West-Flandern, in der Gegend zwischen Gent und Brügge beziehungsweise im Bistum Kamerijk, (im heutigen Nordfrankreich) gefiel es diesem Spanier namens Hachez so gut, daß er dort seßhaft wurde und eine Familie gründete. Diese "schöne Geschichte" wurde so seit Generationen in der Familie Hachez überliefert bis in die heutige Zeit, in der es außer der Bremer Chocoladefabrik Hachez & Co. nur noch eine Hachez-Namensträgerin in ganz Deutschland gibt. Tatsache ist es, daß sich die Familie von Spanien über Flandern nach Deutschland ausgebreitete, parallel zu dem Weg des Kakaus, dem sie letzlich ihre Berühmheit verdankt.

Joseph Johan(n) Hachez
war der erste Hachez, der in Bremen, und zwar im Jahre 1785, urkundlich erwähnt wird. Seine erste schriftliche Nennung fand sich im Konklusenbuch des Senats, wo zwischen dem 27. Mai und dem 2. September 1785 Senatsbschlüsse auf wiederholte Gesuche des Katholiken Josph Johann Hachez um Erteilung des bremischen Bürgerrechts mit Handlungsfreiheit niedergeschrieben sind (1). Im Kämmereirechungsbuch ist unter dem Datum vom 5. Juli 1785 der Erwerb des Schutzbürgerrechts durch "Joseph Johan Hachez aus Brügge und seine verlobte Braut Anna Elisabeth Ertel" festgehalten.

Der Bremer Historiker Dr. Konrad Elmshäuser, der sich schon im Jahre 1996 mit der Geschichte der Familie Hachez beschäftigt hatte, und der die Ergebnisse seiner Recherchen freundlicherweise für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat, erfuhr in Brügge, daß Joseph Hachez am 17. Oktober 1758 in der damaligen Brügger Pfarrei Sint-Jakob als Josephus Joannes Hachez geboren wurde. Seine Eltern waren Joannes Hache(e)z, 28 Jahre alt und geboren in Sint-Kruis, und Bernadine Staudt, 30 Jahre.(2)

Warum kam Joseph Hachez, der laut Senatskonklusenbuch schon 1771 nach Bremen gekommen war, aus der Gebietshauptstadt Westflanderns in die Hansestadt an der Weser? Der Überlieferung nach kam er als Emigrant. In seiner Heimat, die zu der Zeit zu Österreich gehörte und von Kaiser Joseph II. regiert wurde, herrschten unruhige Zeiten, die Bevölkerung kämpfte für ihre Unabhängigkeit und einen eigenen Staat. Diese Auseinandersetzungen fanden in der Brabanter Revolution von 1789 ihren Niederschlag und führten letztendlich 1830/1831 zur Gründung des Staates Belgien. Es weist nichts darauf hin, daß die Familie Hachez in diese Freiheitskämpfe verwickelt war und Josephus Joannes, der nach eigenen Angaben dem kaufmännischen Handel schon "von Jugend an gewidmet worden sei", deshalb aus politischen Gründen seine Heimat verlassen mußte.

Wahrscheinlicher ist, daß nach Bremen irgendwelche geschäftliche Kontakte (Brabanter Spitzen und flandrische Tuchwaren) bestanden, so daß aus diesem Grunde Bremen die neue Heimat wurde. Handelsbeziehungen zwischen Bremen und Brügge bestanden schon seit den Zeiten der Hanse. Im freien und neutralen Bremen kam Hachez in eine Zeit des Aufschwungs hinein, denn nach der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten im Jahre 1776 entwickelten sich der Handel mit Übersee und dadurch auch der Schiffbau sehr stark in der Hansestadt.

Als Katholik gehörte Josephus Joannes (auch Joseph Jean), der sich in Bremen nun Joseph Johann nannte, zur katholischen Gemeinde Bremens, die zunächst im Eschenhof, der kaiserlichen Residenz an der Domsheide (heute Postamt 1), ihren Platz hatte und 1823 ihr Domizil in der heutigen St.-Johannis-Kirche fand. Er gehörte damit zur damaligen Zeit zu den Bürgern mit einem überwiegend rechtlich minderem Status. Es war nur wenigen Bremer Katholiken gelungen, das Bremer Bürgerrecht zu erwerben und als Vollbürger anerkannt zu sein. Üblicherweise wurden sie unter Fremdenrecht behandelt und konnten nur die "Schutzfreiheit" erlangen, was die wirtschaftliche Entfaltung stark begrenzte bzw. ganz unterband.(3)

Am 13. September 1785 heiratete Joseph Johann Hachez Anna Elisabeth Erttel.(4) Sein Schwiegervater Johann Ferdinand Erttel, Kaufmann und Kaiserlicher Konsul in Bremen, war gleichzeitig sein Geschäftspartner. Unter dem Namen Erttel & Hachez handelten die zwei zunächst Am Brill unter anderem mit Englischen-, Nürnberger- und Eisenwaren.(5) Langsam stellte Joseph Hachez dann das Sortiment auf Produkte aus seiner Heimat um. Brabanter Spitzen, Kammertücher etc. hieß es 1811 auf dem Firmenschild des Hauses Herrlichkeit 2 auf dem Teerhof. Dreizehn Kinder hatte das Ehepaar Hachez, von denen die Nachkommen zweier Söhne für unsere Geschichte eine Rolle spielen sollen. Ein drittes Kind der Eheleute Hachez, die 1801 geborene Tochter Guislena Cornelia Petronella heiratete 1822 den Kaufmann Wilhelm Spitta. Ihr Enkel Theodor wurde später ein bekannter Bremer Bürgermeister.(6)

Joseph Johann Hachez, der erst im Jahre 1823 "vollwertiger" Bremer Bürger wurde, verstarb am 2. März 1831 in seinem Haus an der Herrlichkeit 2.(7)

 

Joseph Johannes Arnold Hachez:
Wohltäter und erfolgreicher Kaufmann

Das achte Kind von Joseph Johann und Anna Elisabeth Hachez war ein Sohn: Philipp Joseph Andreas (* 1. 12. 1795). Er taucht lange Zeit später ­ im Jahre 1949 ­ als Friedrich Joseph Andreas Hachez in der Broschüre "Die Geschichte der St. Marienschule in Bremen", geschrieben von Bernard Schnieders, dem langjährigen Rektor der Schule, auf. Schnieders zitierte hier aus einem Artikel(8) im "Ansgarius", der katholischen bremischen Sonntagszeitung, vom Jahre 1933. Dabei machte er aus Philipp Friedrich ­ vielleicht hat er dabei an den Autoren des Artikels Friedrich Hardinghaus gedacht ­ und sorgte so bei vielen nachkommenden "Hachez-Forschern" für Verwirrung, weil diese nirgendwo in den alten Kirchenbüchern einen Friedrich Joseph Andreas Hachez gefunden haben.

Doch zurück zu Philipp Joseph Andreas Hachez. Er wurde Kaufmann wie sein Vater Joseph Johann und betrieb in der Martinistraße 23 (später Buchtstraße 36) einen Linnenhandel. Geheiratet hat er Antoinnette Casparine Nölker aus Münster. Drei Kinder hatte das Ehepaar Philipp Joseph Andreas und Antoinnette Casparine Hachez: Das erste war ein Mädchen namens Elisabeth Josephine Clara Caroline (* 6. 11. 1824), danach folgten zwei Knaben, und zwar Franz Felix Peter Arnold (* 22. 10. 1826) und Joseph Johannes Arnold Hachez, geboren am 24. Mai 1828.

Der Vater starb schon fünfeinhalb Jahre nach der Geburt seines jüngsten Sohnes, nämlich am 16. Dezember 1833 im Alter von 38 Jahren. Daß vor allem sein jüngster Sohn sehr an dem Vater gehangen hat und unter diesem frühen Verlust gelitten hat, dokumentiert ein späteres Schreiben (9) von Joseph Johannes Arnold Hachez. Zunächst machte auch er seinen Werdegang als Kaufmann wie alle Hachez-Söhne. Joseph Johannes Arnold Hachez trat in die Reederei und Überseehandlung D. H. Wätjen ein, die zeitweilig mit 120 Segelschiffen Europas größte Reederei war Bei Wätjen machte der ehrgeizige und begabte junge Mann schnell Karriere und wurde Prokurist (10).

Joseph Hachez war, wie schon erwähnt, seinen Eltern in großer Liebe verbunden und blieb deshalb auch nach dem Tode seiner Mutter im Jahre 1854 noch über ein Jahr im Elternhaus in der Buchtstraße wohnen. Erst 1856 bezog er ein Haus in der Contrescarpe und wechselte später zum Herdentorsteinweg 1a. Sein Weg zur Arbeit war jedesmal nicht sehr weit, denn das "Contor" des Handelshauses und der Reederei D. H. Wätjen & Co. befand sich in der Papenstraße (später entstand an der Stelle mit das Lloyd-Gebäude).

1858 wurde Joseph Johannes Arnold Hachez Teilhaber der florierenden Firma D. H. Wätjen. Er war nun ein angesehener und vermögender Bremer Bürger. Von seinem Status profitierten auch seine älteren Geschwister Elisabeth Caroline Clara Josephine und Franz Felix Peter Arnold. Diese beiden hatten nach dem Tod der Mutter noch kurze Zeit den Linnenhandel in der Buchtstraße weiterbetrieben, bis der "kleine Bruder" ihnen andere Perspektiven eröffnete.

Elisabeth Hachez heiratete am 9. Mai 1857 Ernst Friedrich Wilhelm Heinrich Louis Delius, Geheimer Regierungsrat und später Landrat zu Mayen. Die Familie zog zusammen mit den beiden Geschwistern von Lous Delius auf den Stammsitz der Familie, die Abtei (Maria) Laach, die zu der Zeit säkularisiert war. Dort bewohnten alle drei Delius-Familien jeweils 13 Zimmer. In Laach wurden auch drei der acht Kinder, die Louis und Elisabeth Delius zusammen hatten, geboren. Ludwig, ein Sohn von Elisabeth Delius, geb. Hachez, heiratete später in Bremen Henriette Wätjen, eine Tochter des Reeders und Kaufmanns Diedrich Heinrich Wätjen. Dies war die zweite Verbindung Hachez/Wätjen, wenn auch über dem Umweg Delius.

Franz Felix Peter Arnold Hachez ging auf Vermittlung seines Bruders Joseph nach Amerika, und zwar nach New York, möglicherweise in eine Niederlassung des Handelshauses Wätjen. Gewohnt hat Franz in der amerikanischen Metropole in der Pension von Amalie Worms aus Köln, deren Tochter Maria er in der Neuen Welt am 17. November 1859 heiratete. Das erste Kind der Eheleute Hachez, ein Sohn namens Joseph, wurde noch in New York geboren. Danach kehrte die Familie nach Deutschland zurück und Franz Hachez ließ sich in Dresden als Kaufmann nieder, wo auch seine Tochter Amalie das Licht der Welt erblickte. Seine Nachkommen leben heute noch in Deutschland, wo seine Urenkelin Maria im Jahre 2000 die einzige verbliebene Hachez-Namensträgerin ist.

Am 23. August 1862 heiratete Hachez im Alter von 34 Jahren Magdalene Christine Louise Wätjen, die Tochter des Firmenchefs Christian Heinrich Wätjen. Als die Hochzeit gefeiert wurde, war Karoline Leontine Frederike Maria, die Frau seines Cousins Hermann Constantin, im sechsten Monat schwanger. Im November sollte sie ihr sechstes Kind zur Welt bringen, von dem später noch die Rede sein wird.

Daß Joseph Johannes Arnold Hachez in seiner Arbeit bei Wätjen aufging, dokumentiert ein Schreiben von ihm an seinen Schwager Heinrich Wätjen, der sich damals in New York aufhielt: "Im Geschäft ist immer vollauf zu tun, und mit Ausnahme der Sonntage, auf die ich mich immer wie ein Schulkind freue, arbeitet man Tag und Nacht von morgens bis abends in ununterbrochener Anstrengung." Diese Anstrengungen zahlten sich auch in barer Münze aus: Der Gewinnanteil für Hachez "erhöhte sich 1864 von 10 auf 12 Prozent". Nach dem Tode seines Schwiegervaters Christian Heinrich Wätjen schied auch Hachez "per 31. Dezember 1887 auf eigenem Wunsch aus der Firma aus"(11).

Die Ehe von Joseph Johannes Arnold Hachez und seiner Frau Magdalene Christine Louise blieb kinderlos. Vielleicht war das ein Grund mit für die Güte und Großzügigkeit, mit der die beiden karitative und kulturelle Einrichtungen unterstützten: Zusammen mit seinem Schwiegervater "Christel" Wätjen war Hachez 1878 Förderer des Neubaus des St.-Joseph-Stiftes, dessen Vorstandsmitglied er auch lange Jahre war(12). Außerdem gehörte er dem Kirchenvorstand der Gemeinde St. Johann an.

Als die katholische Gemeinde in Bremen aufgrund der industriellen Entwicklung und der damit verbundenen Zuwanderung von ­ überwiegend katholischen ­ Arbeiterfamilien nach Bremen 1894 die Gründung einer zweiten Kirche in Bremen vorangetrieben hatte, stellte sich deren Finanzierung als sehr schwierig dar. Helfer in der Not war da 1897 Joseph Hachez: Er spendete der St.-Johannis-Kirche "im Andenken an seine geliebten Eltern" 100 000 Mark, wovon ungefähr 70 000 Mark für den Bau der Marienkirche in Utbremen verwendet werden sollten.

Zwei Jahre später spendete Hachez erneut: Für den Neubau des Waisenhauses, das von der Gartenstraße (heute Kolpingstraße) zur St.-Magnus-Straße verlegt werden sollte, stellte er weitere 50 000 Mark zur Verfügung, außerdem 30 000 Mark für die Ausstattung der Marienkirche. Joseph Hachez bat in seinem schon erwähnten Schreiben an den Kirchenvorstand, "meinen Namen als Geber möglichst geheimzuhalten, denselben aber keinesfalls öffentlich werden zu lassen"(13).

Außer für die katholische Gemeinde in Bremen spenden Joseph Johannes Arnold Hachez und seine Frau auch für die Bremer Kunsthalle (100 000 Mark) und für den Bürgerpark unter anderem die nach ihnen benannte Hachez-Brücke. Das St.-Joseph-Stift bekam von dem mildtätigen Ehepaar 1898 eine großherzige Spende für einen Grundstückszukauf von "80 000 Quadratfuß" (ca. 8000 Quadratmeter). Außerdem verdankte der Bremer Dom Frau Hachez um die Jahrhundertwende den Einbau einer Heizungsanlage. Joseph Johannes Arnold Hachez bewohnte mit seiner Frau Magdalene Christine Louise das Haus Contrescarpe 20 an der Ecke Meinkenstraße und direkt gegenüber den Wallanlagen. Dieses Domizil hatten die Eheleute 1871, im Jahre der Reichsgründung, bezogen. Am 4. Januar 1901 verstarb der Kaufmann und Reeder. Seine Witwe hielt sich danach aus gesundheitlichen Gründen viel in Meran in Südtirol auf, wo sie am 18. Januar 1912 verstarb. In ihrem gemeinsamen Testament haben die Eheleute Hachez kirchliche, wohltätige und schulische Institutionen mit 360 000 Mark bedacht.

Mit der Geheimhaltung der Spende für St. Marien hat es dann allerdings nur bis zum Jahre 1933 geklappt: Friedrich Hardinghaus, damals Dechant und Pastor Primarius an St. Johann sowie Mitglied der Historischen Gesellschaft, lüftete in dem schon erwähnten Artikel "Die St.-Marien-Kirche in Bremen" in der katholischen Sonntagszeitung "Ansgarius" das Geheimnis um den großherzigen Spender und Wohltäter. Völlig zu Recht, denn gerade Menschen wie Joseph Johannes Arnold Hachez und seine Frau Magdalene Christine Louise, die so vielen Mitbürgern in Bremen Gutes getan haben, verdienen es, nicht vergessen zu werden.

Wie der Stammtafel der Familie Hachez zu entnehmen ist, gibt es in jeder Generation zumindest einen, machmal zwei oder mehr Nachkommen mit dem Namen Joseph. Da verwundert es nicht, daß die Beschäftigung mit der Historie der Familie Hachez auch eine Geschichte von Verwechslungen ist, von denen nicht nur ab und zu die Firma Hachez & Co. betroffen war, sondern auch einige andere, die sich mit Hachez beschäftigt haben. Zwei, die aus der Familie Hachez häufiger miteinander verwechselt wurden, waren der Kaufmann und Reeder Joseph Johannes Arnold Hachez und sein gleichnamiger Großneffe Joseph Emil, dessen Werdegang im nächsten Kapitel beschrieben wird.

 

Joseph Emil (Emile) Hachez
Bremer Chocolade-Fabrik Hachez & Co.

Wieder zurück zu den Hachez-Wurzeln, zurück zu Joseph Johann (Jean) und seiner Frau Anna Elisabeth, geb. Erttel: Deren drittes Kind, ein Sohn namens Johann Ferdinand Dominikus, wurde am 4. Februar 1789 geboren. Getauft wurde er schon einen Tag später von dem katholischen Pastor Moritz Dirksen. Seine Taufpaten waren der Pastor Carl Goldstein, der seine Eltern getraut hatte, und Maria Hachez. Johann Ferdinand Dominikus wurde Kaufmann wie sein Vater und heiratete (vermutlich 1813) Hermine Constanze Dettmer. Auch diesem Paar war reicher Kindersegen beschieden: Drei Töchter und vier Söhne.

Das vierte Kind der Eheleute Johann und Hermine Hachez war ein Knabe und hieß Hermann Constantin Emil Philipp, geboren am 16. Juli 1820. Gemäß der Familientradition wurde auch Hermann Constantin Kaufmann: Zusammen mit seinem Schwager Johann Friedrich Müller (14) betrieb er seit 1846 die Cigarrenfabrik Hachez & Müller, zunächst in der Bredenstraße 15, wo der Teilhaber Hermann Hachez zu diesem Zeitpunkt auch wohnte. Zwei Jahre später wurde das Geschäft in das Haus Martinistraße 25 verlegt, diesmal war die "Fabrik" gleichzeitig das Wohnhaus des zweiten Teilhabers Johann Friedrich Müller. Später verfügte die Firma auch über eigene Schiffe, die den Tabak nach Bremen holten (15). Mit dem Heiraten ließ sich Hermann Constantin Emil Philipp Hachez Zeit bis kurz vor seinem 32. Geburtstag. Auf Brautschau ging er in Münster und holte sich von dort Karoline Leontine Frederike Maria Coppenrath, die Tochter des Buchhändlers Ferdinand Joseph Coppenrath, zur Frau, die er am 27. April 1852 heiratete.

Der Kaufmann Hermann Constantin Emil Philipp Hachez, kurz Emil Hermann genannt, engagierte sich wie sein Cousin Joseph Johannes Arnold karitativ sehr stark für das katholische Krankenhaus St.-Joseph-Stift in Schwachhausen, dem er nicht nur als Wohltäter, sondern auch lange Zeit als Vorstandsmitglied des Trägervereins diente. Außerdem war er auch Kirchenvorsteher in der Gemeinde St. Johann.

Emil Hermann und seine Frau Karoline Leontine hatten sechs Kinder: Dem ersten Sohn, Johann Ferdinand Anton, geboren am 3. Februar 1853, folgten vier Töchter, bevor am 26. November 1862 wieder ein Sohn in der Wiege lag. Getauft wurde er auf den Namen Joseph Emil.

Der ältere Sohn Johann Ferdinand Anton übernahm von seinem Vater anteilig die Cigarrenfabrik Hachez & Müller. Er heiratete wie schon sein Vater und sein Großonkel Philipp Joseph Andreas eine Frau "aus dem Münsterländischen", nämlich Antonie Maria Anna Jansen, die Tochter des Bauunternehmers Theodor Jansen aus Warendorf.

Womöglich bestanden in der Familie Hachez noch Beziehungen in dieses Gebiet, die Generationen zurück lagen. Ferdinand und Antonie hatten fünf Kinder: Margarethe Auguste Leontine (* 20. 1. 1887), Emil Josef (* 8. 10. 1888), Henriette Marie Therese ( * 11. 5. 1891), Eduard Ferdinand Arnold (* 7. 1. 1895) und Maria (* 18. 8. 1896). Angesiedelt war die Familie in der Olbersstraße 5, wo Ferdinand Hachez auch am 23. Januar 1901 im 48. Lebensjahr verstarb.

Die Familie seines Vaters Emil Hermann Hachez bewohnte das Haus Contrescarpe 187. Nicht weit von ihnen entfernt, in der Kohlhökerstraße Nr. 33, wohnte die Familie des Kaufmanns Prosper Ludwig Russell, der Teilhaber der Firma Migault & Ruyter, Kaufleute, Queerenstraße 4, war. Diese Firma befaßte sich mit dem Import von Rohtabak. Die Familien Hachez und Russell kannten sich auch von der katholischen Kirchengemeinde Bremens, und Emil Hermann Hachez und Prosper Ludwig Russell waren darüber hinaus beide im Vorstand des St.-Joseph-Stifts engagiert. So war es kein Wunder, daß später auch eine Verbindung zwischen beiden Familien entstehen sollte.Joseph Emil, der daran beteiligte jüngere Sohn von Emil Hermann und Karoline Leontine, machte sich aber erst einmal einen Namen in der Bremer Wirtschaft. Am 1. Juli 1890 gründete er im Alter von 28 Jahren zusammen mit Gustav Linde die Bremer Chocolade-Fabrik Hachez & Co. Am 8. Juli wurde die Firma in das Bremer Handelsregister eingetragen(16).

"Contor und Fabrik" befanden sich zunächst in der Hutfilterstraße 38. "Chocolade, Cacao, Bonbons und Zuckerwaaren" stellten die jungen Unternehmer in ihrer Fabrik her. In der Familie Wätjen ist überliefert, daß ihm sein Großonkel Joseph Johannes Arnold bei der Firmengründung "wohl finanziell etwas unter die Arme gegriffen hat"(17). Außerdem liegt der Schluß nahe, daß der Rohstoff für die Schokolade, der Kakao, über das Handelshaus Wätjen importiert wurde.

Erfahrungen auf dem Sektor Schokolade bzw. deren Rohstoffe haben Joseph Hachez und Gustav Linde schon vorher außerhalb Bremens gesammelt. Den jungen Hachez, so fand der Bremer Historiker Dr. Konrad Elmshäuser heraus, führten seine Lehr- und Wanderjahre nach Antwerpen in die Heimat seiner Vorfahren. In Bremen war er laut Einwohnermeldekartei erst ab Juli 1889 wieder als Einwohner gemeldet.(18) Während des Aufenthalts in Belgien wurde aus Emil dann vermutlich Emile. In der Mitteilung ihrer Firmengründung schrieben Hachez und Linde unter anderem: "Langjährige Erfahrungen im Einkaufe der Rohmaterialien . . . setzen uns in den Stand, die Concurrenz mit jedwedem auswärtigen Fabrikate aufzunehmen." Gustav Linde betrieb vor der Gründung der Firma Hachez & Co. ein "Agentur und Commissionsgeschäft". Kolonialwaren wie Kakao und Schokolade waren zu der Zeit zu Massenartikeln geworden und eroberten die bürgerlichen Haushalte. In der Woche, in der Hachez und Linde ihre Firma gründeten, warben in den Bremer Zeitungen mehrere lokale und überregionale Hersteller um Kunden (19).

Sieben Jahre nach dieser für Bremen wichtigen Firmengründung fand Joseph E. Hachez dann auch Zeit zum Heiraten. Er ehelichte am 13. Oktober 1897 Elisabeth Amalia Editha Catharina Russell (* 8. 10. 1872) aus der Kohlhökerstraße 33, die Tochter von Prosper Ludwig Anton Joseph Russell und seiner ersten Ehefrau Catharina Caroline Leonie Agnes, geb. Böttcher, kurz "Kätchen" genannt. Prosper Russell stammte vom Ludmillenhof in Clemenswerth. Sein Vater war Kreis-Amtmann des Amtes Sögel (20).

Joseph Hachez trat im Vorstand des Trägervereins vom St.-Joseph-Stift die Nachfolge seines Vaters an und war in diesem Gremium nun zusammen mit seinem Schwiegervater tätig. Die Eheleute Hachez wohnten zunächst mit im Haus Contrescarpe 187. Da ihre Ehe kinderlos blieb, nahmen sie später ein Kind aus dem Waisenhaus "in Pflege".

Die Chocolade-Fabrik Hachez & Co. profitierte von der ständig wachsenden Nachfrage nach ihren Qualitätserzeugnissen. Die "Spezialmarken" Rats-Chocolade, Schlüssel-Cacao und Bittere Tabletten waren sehr beliebt bei den Bremer "Naschkatzen". So war es eine zwangsläufige Entwicklung, daß die Produktionsräume in der Hutfilterstraße nicht mehr ausreichten.

Im Jahre 1895, bereits fünf Jahre nach der Gründung, entstand auf dem linken Weserufer in der Neustadt, Westerstraße 84/85 (heute 32), eine neue, wesentlich größere Fabrik. Hachez bezog daneben mit seiner Frau eine Wohnung in einem Zweifamilienhaus und übersiedelte dann 1911 in die Uhlandstraße 49, dem sogenannten "Russell-Haus". Als zusätzlicher Gesellschafter trat Friedrich Otto Hasse in die Firma ein und kreierte um das Jahr 1923 die "Braunen Blätter", hauchfeine Schokoladentäfelchen in der Form von Herbstlaub, das von den Bäumen fällt (21). Ein Markenartikel, der noch in der heutigen Zeit bei Hachez für gute Umsätze sorgt.

Der Erste Weltkrieg unterbrach naturgemäß die Aufwärtsentwicklung der Schokoladefabrik. Das Geld wurde anderweitig verwendet und mit zunehmender Kriegsdauer blieben auch die wichtigen Rohstoffe aus Übersee aus. Die Seeblockade der Alliierten zeigte hier ihre Wirkung. Im Jahre 1920 trat Joseph Hachez aus der Firma aus. Seine Frau Elisabeth blieb als Kommanditistin mit einer Einlage von später 100 000 Reichsmark an der Firma beteiligt. Persönlich haftende Gesellschafter waren nun die Kaufleute Georg Wilhelm Hans Linde, vermutlich ein Sohn des Mitbegründers Gustav Linde, sowie Friedrich Otto Hasse.

Joseph Emil Hachez (auch Joseph Emile genannt) starb am 24. Dezember 1933, also an Heiligabend, in Bremen. Als Todesursache trug der Arzt Herzschlag ein. Seine letzte Ruhestätte fand er am 28. Dezember 1933 auf dem Riensberger Friedhof. Als die Hachez-Witwe später als Kommanditistin aus der Firma ausschied, verblieb ihr Anteil aber "unveränderlich" bei Hachez & Co. Im Handelsregister des Amtsgerichts Bremen tauchten später die Namen Prosper Russell, Kaufmann aus Paderborn, und Fritz Russell, Bankdirektor a. D., ebenfalls aus Paderborn, auf. Auch der Name Hachez war noch vertreten: Margarethe Auguste Leontine ­ genannt Grete ­ Hachez, Bremen, und Maria Eugenia Smorkaloff, geborene Hachez, New Haven/Connecticut (USA), gehörten bis ca. Mitte der 50er Jahre zu den Kommanditisten(22).

Heinrich August Friedrich Gustav Linde, der Mitbegründer der Bremer Chocolade-Fabrik Hachez & Co. verstarb am 23. Juni 1936. Die Gesellschaft wird von den verbliebenen Gesellschaftern fortgesetzt, heißt es im Handelsregister. Inhaber am 29. Oktober 1941 waren demzufolge Georg Wilhelm Hans Linde und Friedrich Otto Hasse. Die Bombenangriffe der Alliierten auf Bremen während des Zweiten Weltkrieges legten den größten Teil der Hansestadt in Schutt und Asche. Auch die Gebäude der Firma Hachez in der Westerstraße wurden am Abend des 6. Oktobers 1944 beim 137. Luftangriff zerstört.

Zu den "Ausgebombten" in Bremen gehörte auch die Hachez-Witwe Elisabeth, in der Verwandschaft kurz Else gerufen. Als ihr Haus in der Uhlandstraße nicht mehr bewohnbar war, wurde sie nach Schwagstorf im Osnabrücker Land evakuiert, wo sie mit ihrer "Pflegetochter" Unterkunft in einem Heim für Ordensschwestern fand (23).

Die Zigarrenfabrik Hachez & Müller wurde schon während des Krieges ausgelagert nach Spradow bei Bünde (nördlich von Herford) in Westfalen. Antonia Maria Anna, die Witwe des Teilhabers Ferdinand Hachez, verlor ihr Haus in der Olbersstraße ebenfalls bei einem Bombenangriff, und zwar in der Nacht vom 18. auf den 19. August 1944, als der Bremer Westen brannte. Sie fand zusammen mit ihren Kindern Margarethe, Emil Josef und Henriette Unterkunft in der Bismarckstraße 90.

Nach Kriegsende mußte man also ziemlich bei Null wieder beginnen. Zunächst ging es langsam, aber stetig aufwärts. 1953 fusionierte die Firma Hachez & Co. mit der Zuckerraffinerie Tangermünde Fr. Meyers Sohn GmbH, deren Inhaber aus Tangermünde an der Elbe nahe bei Stendal in den Westen übergewechselt waren. Das brachte einen weiteren Ausbau der Fabrikationsanlagen mit sich. Seitdem wird in Bremen außer den Hachez-Produkten auch die Marke "Feodora" hergestellt. Damit kommen zwei voneinander unabhängige Marken aus einem Werk (24).

Unter dem Namen Hachez entwickelten sich neben den "Edel-Tafeln" und "Edel-Pralinen" vor allem die "Braunen Blätter" zu einem Verkaufserfolg. Der Kreis der Liebhaber dieser hochwertigen Schokoladenerzeugnisse ging im Laufe der Zeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Was wurde aus der Familie Hachez? Elisabeth (Else) Hachez, die Witwe des Fabrikgründers, zog 1951 mit ihrer "Pflegetochter" Elisabeth Pregel zu Verwandten nach Haselünne. Diese waren im Krieg ebenfalls ausgebombt und hatten in dem Jahr ihr Haus wieder aufgebaut. Am 12. September 1962 starb Elisabeth (Else) Hachez im 90. Lebensjahr in Haselünne. Elisabeth Pregel, kurz Elsbeth genannt, kehrte nach dem Tode ihrer "Pflegemutter" wieder nach Bremen zurück. Sie blieb der Familie Hachez treu und zog in die Neustadt, Meyerstraße 209, zu Margarethe (genannt Grete) Hachez, der Nichte des Schokoladenfabrikanten(25).

Dieser Familiensinn, den auch Elsbeth Pregel an den Tag legte, hatte bei Hachez wie auch in den angeheirateten Familien Tradition: Es waren Familienverbünde, für die Solidarität innerhalb der Familie ganz obenan stand. Jeder half jedem nach seinen Möglichkeiten, das wird in allen Überlieferungen aus diesen Familien immer wieder deutlich. Es wurde nicht vergessen, wie schwer es der ersten Generation in Bremen gemacht wurde. Daß dabei Joseph Johannes Arnold Hachez, der Reeder und Kaufmann, eine überragende Rolle ­ auch als Förderer seines Großneffen Joseph ­ spielte, ergab sich aus seinem Status und seinen finanziellen Möglichkeiten. Auch außerhalb der Familie haben sich die Hachez' durch alle Generationen sozial und karitativ auf der Basis der christlichen Nächstenliebe betätigt, wovon zahlreiche Institutionen und Hilfsbedürftige ihren Nutzen hatten. In diesem Sinne schrieb Agnes Duckwitz, geb. Wätjen, über ihre Tante Magdalene (Magda) Hachez: "Sie war eine bedeutende Persönlichkeit, deren wohltätiges Wirken für die Allgemeinheit beeindruckte"(26).


Famile Christian Heinrich Wätjen in Blumenthal 1885
Von links nach rechts stehend: Louis Wätjen, Amalie Klugkist, C. Kraushaar (Stiefkinder aus der 3. Ehe C. H. Wätjens, Everhard Wätjen, Hedwig Wätjen geb. Löbbecke, Heinrich Wätjen, Anna Wätjen geb. Retemeyer, Joseph Hachez, Agnes Matthes geb. Wätjen, Ernst Matthes, Hermann Wätjen.
Sitzend: Josepha Wätjen geb. Lüling, Alice Wätjen geb. Heinze, George Wätjen, Henriette Wätjen geb. Knochenhauer, Christian Heinrich Wätjen, Magdalene Hachez geb Wätjen, Ursula Wätjen geb. Dieize, Clara Wätjen geb. Vautier, Carl Wätjen.

Ebenso wie in den Familien Duckwitz, Spitta und Wätjen die Familienmitglieder von der Hachez-Seite noch in guter Erinnerung sind, erinnern sich auch die Nichten und Neffen von Joseph E. und Else Hachez noch Jahrzehnte später gerne an ihre kinderlieben Onkel und Tante: "Jedesmal, wenn wir in die Uhlandstraße kamen, lag für uns der Schreibtisch voller Schokolade." Später wurden aus den Schokoladenartikeln Anteile an der Firma, was die starken Bindungen innerhalb der Familien ebenfalls dokumentiert(27).

Seit knapp drei Jahrzehnten gibt es keine Bürger mit Namen Hachez mehr in Bremen. Die letzte Trägerin des Namens, Margarethe (Grete) Hachez, starb 1971 in der Hansestadt, wo 1994 auch Elisabeth Pregel verstarb. Daß es aber noch Hachez-Nachkommen in Bremen gibt, zeigt das Beispiel Rolf Müller-Nielsen, der der Urenkel von Amalie Agnes Gesine Hachez ist.

Stammtafel der Familie Hachez (Auszug)

Zusamenstellung der Grafik: Hermann Sandkühler nach Unterlagen der Gesellschaft für Familienforschung "Die Maus", Karl Schulz Staatsarchiv Bremen) und dem Staatsarchiv Brügge

Die Firma Hachez & Co. wird heute von Hasso G. Nauck, dem Enkel des früheren Firmeninhabers Friedrich Otto Hasse, geleitet und muß sich in ei-nem immer härter werdenden Wettbewerb behaupten, was bisher allerdings gut gelungen ist. Das Unternehmen, das in diesem Jahr 110 Jahre alt wird, beschäftigt 360 feste Mitarbeiter und darüber hinaus 250 Saisonkräfte. Es ist damit auch im Jahr 2000 noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Standort Bremen (28).

Ein sich ständig verändernder Markt erfordert immer schnellere Anpassung an die Gegebenheiten. So muß auf die zur Zeit stattfindende Konzentration des deutschen Einzelhandels auf nur noch wenige große Anbieter sowie dem Schrumpfen des Fachhandels mit neuen Absatz- und Marketingstrategien reagiert werden. Der Bremer Chocolatier Hachez & Co. antwortete offensiv auf diese neuen Anforderungen, indem der Direktvertrieb über eigene Läden, der bisher nur im heimischen Bremen und in Stuttgart stattfand, mit der Zeit auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden soll (29).

Eine "sensationelle" Neuigkeit in Sachen Hachez gab es am 12 Juli 2000, die den Bremer Tageszeitungen eine Aufmachung auf der Titelseite wert war (30): Die Zuckerraffinerie Tangermünde hat ihre Schokoladefabrik mit den beiden unabhängigen Marken Hachez und Feodora an die Hanseatische Chocolade GmbH verkauft. Inhaber der neuen Gesellschaft sind der bisherige Geschäftsführer Hasso G. Nauck zu 60 Prozent und sein Stellvertreter Wolf Kropp-Büttner (40 Prozent). Haupt- und Steuersitz der Firma wurde damit wieder Bremen. Dieser Besitzwechsel in bremische Hände fällt fast auf den Tag genau zusammen mit dem 110jährigen Bestehen von Hachez & Co.

Tradition und Innovation, beides unter einen Hut zu bringen ist eine schwierige Sache. Bei Hachez, Bremens ältester und schon seit längerer Zeit auch einziger Schokoladefabrik, ist dies dank der konsequenten Marketingstrategie, sich ausschließlich als Anbieter von Qualitätserzeugnissen zu betätigen, gelungen. Seitdem in der heutigen Zeit das Internet immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist auch die Traditionsfirma Hachez dort unter http://www.hachez.de präsent.

Fußnoten:
(1) StAB 2-P.6.a.9.c.4.b.13. Senatskonklusenbuch, Bd. 13.1783 Juli ­1789 Dez.
(2) Mitteilung von J. D.'hondt, Stadtarchiv Brügge, an Dr Konrad Elmshäuser, StAB., vom 22. Mai 1996.
(3) Vergl. hierzu Hans-Georg Aschoff, Die katholische Kirche in Bremen im 19. und 20. Jahrhundert, in: Andreas Röpke
(Hg.), Bremische Kirchengeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Bremen 1994, S. 319 ff.
(4) StAB 6, 18/20 - 268. Kath. St.-Johannis-Kirchengemeinde.Kirchenbuch 1770­1811 S. 14/3.
(5) Bremer Adreßbuch für das Jahr 1796.
(6) Deutsches Geschlechterbuch 100, S. 434.
(7) StAB Zivilstandsregister, Sterbebuch 1831, S. 105.
(8) Friedrich Hardinghaus: Die St. Marienkirche in Bremen (Ansgarius: Jahrgang 10, Nr. 41, S. 362)
(9) Ebd.
(9) Hermann Sandkühler: "Zum Andenken an meine geliebten Eltern", Stadtteilausgaben Weser-Kurier und Bremer
Nachrichten u. a. vom 1. 4, 8. 4., 6. 5., 12. 8. 1999).
(10) Hans Wätjen: "Weißes W im blauen Feld" ­ Die bremische
Reederei und Überseehandlung D. H. Wätjen & Co. 1824­1901, Bremen 1983.
(11) "Das St. Joseph-Stift Bremen 1869­1969", Text Eugen DePorre/Willy Hunold, Bremen 1969.
(13) Wie Anm. 8.
(14) Gespräch des Verfassers mit Rolf Müller-Nielsen: JohannFriedrich Müller war verheiratet mit Amalie Agnes Gesine
Hachez (* 13. 1. 1824), einer jüngeren Schwester von Hermann Constantin Emil Philipp Hachez. Aus dieser Linie
stammt Rolf Müller-Nielsen, Urenkel von Amalie Agnes Gesine Hachez und langjähriger Besitzer des Autohauses
Müller-Nielsen (heute BMW-Niederlassung Bremen).
(15) Ebd.
(16) StAB Handelsregister B 117 Band 6/Fol. 84.
(17) Gespräch des Verfassers mit Hans Wätjen, Bremen, Februar 1999.
(18) StAB 4,82/1-(1)512 Einwohnermeldekartei.
(19) Vgl. hierzu auch Gudrun Kadura, Kakao und Schokolade in Bremen, in: Hartmut Roder (Hrsg.), Bremen ­ Handelsstadt
am Fluß, Bremen 1995, S. 219 bis 225, hier S. 223.
(20) Gespräche des Verfassers mit Enno Russell (Haselünne) und Elisabeth Russell (Bremen), März 2000.
(21) Gisela Reiners: Chocolatier Hachez: Süßer Erfolg ganz ohne Werbung", "Die Welt" vom 25. 1. 2000, S. U6.
(22) Amtsgericht Bremen: Handelsregister HRA 4248 und 11815.
(23) Wie Anm. 20.
(23) Gespräch des Verfassers mit Hasso G. Nauck, Geschäftsführer der Fa. Hachez & Co., Bremen, März 1999.
(25) Bremer Adreßbuch 1963
(26) Brief von Hans Wätjen an den Verfasser, April 2000.
(27) Wie Anm. 20 und 23.
(28) Horst Monsees: "Hachez vermißt die Fachhändler", Weser-Kurier und Bremer Nachrichten vom 31. 1. 2000, S. 5.
(29) Ebd.
(30) Horst Monsees: "Bremen gewinnt seine Schokoladenseite zurück", Weser-Kurier vom 12. 7. 2000, S. 1, und "Hachez macht sich selbstständig" und"Ganz normaler Tag, weil sich nichts ändert", Weser-Kurier" und Bremer
Nachrichten vom 13. 7. 2000, S. 17.


Bildunterschriften:
Joseph Johannes Arnold Hachez (1828­1901)
Joseph Emil(e) Hachez (1862­1933)