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Der jüdische Friedhof in Bremen Hastedt
Von Melanie Kiel und Stefanie
Beckröge
Im Vergleich zu anderen deutschen Städten war die Zahl
in Bremen ansässiger Juden sehr gering.
Gegen Ende des 18.Jahrhunderts, nach der Erteilung lebenslangen
Schutzes für die damals noch im hannoverschen Hastedt lebenden
drei jüdischen Familien (Hesekiel Abraham, Levy Abraham,
Hesekiel Alexander) wurde ein Stück Land zur Nutzung als
Beerdigungsstätte angekauft. Es befand sich außerhalb
des damaligen Schutzdeiches am Fuße der großen Sanddüne.
Im Jahre 1802/1803 wurde Hastedt Teil des bremischen Gebiets,
was gleichzeitig die Anerkennung der hannoverschen Schutzjuden
(1) bedeutete. Ältester Beleg für den ungefähren
Zeitraum der Gründung ist der Grabstein von Lewis Simeon,
der aus London stammte und sich vermutlich aus geschäftlichen
Gründen in Hastedt aufhielt. Er starb am 27. November 1796.
Aufgrund zahlreicher Zerstörungen durch Überschwemmungen
in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts, entstand wohl
der treffende Satz alter Hastedter: " De Joden starwt twemal,
eenmal starwt se und eenmal versupt se!"
Erst in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts änderte
sich die Situation durch Drainagemaßnahmen und den Bau
des Osterdeiches.
Im Jahre 1863 wurde der sich in einem schlechten Zustand befindliche
Friedhof vergrößert, eingefriedet und durch Neubepflanzungen
verschönert.
Dreißig Jahre später
wurde die Friedhofskapelle errichtet und im Laufe der Zeit mehrmals
vergrößert.
Am Nachmittag des 10.November 1938 wurden, wie in zahlreichen
anderen Städten, auch in Bremen Friedhof und Kapelle Opfer
nationalsozialistischer Gewalt. Junge SA-Angehörige legten
Feuer in der Friedhofskapelle und verwüsteten Grabanlagen.
Am 20.April 1945 kam es beim letzten Luftangriff auf Bremen zu
weiteren erheblichen Zerstörungen. Im gleichen Jahr aber
wurde der Friedhof wieder in Stand gesetzt. Die wiedererrichtete
Kapelle wurde 1952 eingeweiht. Gleichzeitig wurde das Ehrenmal
für die ums Leben gekommenen Bremer Juden enthüllt.
Im Sockel befindet sich eine Pergamentrolle mit den Namen dieser
915 Opfer nationalsozialistischer Gewalt.
Hat man das unauffällig
inmitten einer Häuserzeile gelegene schmiedeeiserne Eingangstor
in der Deichbruchstraße gefunden, eröffnet sich dem
Besucher ein Spiegelbild jüdischer Geschichte in Bremen.
Der jüdische Friedhof ist eine Stätte der Gräber
und der Ewigkeit, letzte Ruhestätte und Stätte des
ewigen Lebens bis zur Auferstehung am jüngsten Tag. Deshalb
gibt es auch keine Doppelbelegungen von Gräbern wie in der
christlichen Tradition. Verschiedene Symbole auf den Grabsteinen
geben Auskunft über das Leben der Verstorbenen, so daß
ein Spaziergang über den Friedhof zu einer spannenden Reise
in die Vergangenheit wird.
Beispielsweise deuten segnende Priesterhände auf einen Angehörigen
der Cohanin hin, die eine der drei Gruppen innerhalb des israelischen
Volkes bilden. Neben den Cohanin- Priestern gibt es noch
die Leviten (2), die Wasser über die Hände der Priester
zu deren Reinigung gießen, weshalb auf diesen Grabsteinen
Wasserschalen oder Kannen abgebildet sind. Die dritte Gruppe
bildet das Volk, auf dessen Gräbern symbolisch der Davidstern
(3) oder der siebenarmige Leuchter dargestellt ist.
Weitere Symbole sind beispielsweise eine abgebrochene Säule
oder ein Baum, die Zeichen für früh verstorbene Menschen
sind. Weintrauben bedeuten, daß es dem Menschen im Leben
gut erging und ein Kranz deutet auf eine besondere Verbundenheit
zum Judentum hin. Wie auch in anderen Religionen steht der Helm
als Zeichen für einen verdienten Kriegsteilnehmer. Die kleineren
Grabsteine deuten auf Kindergräber hin.
Im Allgemeinen werden aufgrund des 2.Gebots: Du sollst Dir kein
Abbild machen, auf Grabsteinen keine Menschen abgebildet.
In der jüdischen Religion sollen Gräber nicht ständig
besucht werden. Der Tradition nach legen Besucher einen Stein
auf die Grabplatte oder den Grabstein, als Symbol dafür,
daß auf das Grab achtgegeben und besucht wurde.
Mit dem Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde im Lande
Bremen nach 1945 wurde auch der Friedhof weiter genutzt.
Bis heute ist der Friedhof in Hastedt der einzige jüdische
Friedhof in Bremen geblieben.(4)
(1) Schutzjuden standen unter dem besonderen
Schutz einer weltlichen oder kirchlichen Macht, wofür ein
entsprechendes Schutzgeld zu zahlen war.
(2) Namen wie Cohn, Cohen; Levi, Levy etc. sind auf eine Zugehörigkeit
zurückzuführen.
(3) Hebr: Magen Dawid; hat die Form eines Hexagramms; war im
Judentum erst seit dem Mittelalter als Davidstern verbreitet;
seit dem 19.Jahrhundertreligiöses Symbol des Judentums.
(4) Weitere Literatur:
Dünzelmann, Anne E.: Juden in Hastedt, Bremen 1995
Schriftenreihe des Kippenberg-Gymnasiums: Spurensuche, Bremen
1990
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