2 Die Funktion von Metaphern für die Wissensrepräsentation
Spezifisch bezogen auf die Wissensrepräsentation gibt es eine Reihe von weiteren Punkten, die im Zusammenhang mit Metaphern zu erwähnen sind:
Die Bildung von Metaphern ist eine der wichtigsten kognitiven Strategien zur Repräsentation komplexer und abstrakter Sachverhalte in der Fach- genauso wie in der Alltagssprache. Das gilt für die meisten psychologischen Konstrukte wie zum Beispiel Identität oder Selbstkonzept, aber natürlich genauso für so abstrakte Begriffe wie Erfahrung und Wissen, die Wissensmanagementprojekte zu erfassen versuchen. Gerade weil diese Sachverhalte so abstrakt sind, sind Metaphern ein zentrales Mittel, um diese erfahrbar zu machen, da sie deren Komplexität reduzieren.
Die Bildung von Analogien im Allgemeinen und von Metaphern im Spezifischen ist zentral beim Erwerb neuen Wissens. Die Analogiebildung erlaubt es, Neues und Unbekanntes entlang der Erfahrung von Bekanntem zu strukturieren und zu verstehen und ist deshalb unentbehrlich, um auch in ungewissen und neuen Situationen handlungs- und entscheidungsfähig zu bleiben. Dabei werden vertraute metaphorische Denkmodelle auf neues Wissen angewandt und über die so generierten Metaphern wird die neue Wissensbasis strukturiert.
Jedes Metaphernmodell hebt bestimmte Möglichkeiten hervor und schliesst andere aus. So legt das Metaphernmodell ‚Geld ist Wasser‘ fest, was alles mit Geld gemacht werden kann (fliessen lassen, einfrieren, usw.), woher es kommt (es nährt sich aus Quellen) und wie sich verhält (es gibt den cash flow, Geld kann kanalisiert werden, usw.). Neben dieser Repräsentation von deklarativem wie auch prozeduralem Wissen über Geld impliziert das Metaphernmodell ‚Geld ist Wasser‘ auf einer grundlegenderen Ebene auch, dass Geld und Geldkreisläufe etwas so Natürliches sind wie Regen und Schnee und entsprechenden Naturgesetzen unterliegen. Es ist anzunehmen, dass sich Metaphernmodelle deshalb auch auf die Aufmerksamkeitslenkung auswirken und damit auch potentiell handlungsleitend wirksam werden können (zum Zusammenhang von Kognition und Handlung vgl. Moser 1998, 2000).
Im Zusammenhang mit Wissensmanagementprojekten und den Prozessen des Wissensaustauschs und der Wissenskooperation ist wichtig, dass die Verwendung von Metaphern die Anschaulichkeit eines Problems oder Sachverhalts und damit auch seine Kommunizierbarkeit und Transferierbarkeit wesentlich erhöhen kann.