Michael Schetsche: Die Karriere sozialer Probleme. Soziologische Einführung.
(München: Oldenbourg 1996)
Die zahlreichen Unzulänglichkeiten, mit denen moderne
Gesellschaften behaftet sind oder die sie überhaupt erst hervorbringen,
sind (scheinbar) leicht zu entdecken: Arbeitslosigkeit, Drogenmißbrauch,
Obdachlosigkeit, sexuelle Gewalt, Umweltzerstörung... Keine dieser
kollektiven Notlagen - sei sie für die Betroffenen auch noch so bedrückend
- erlangt jedoch von 'sich aus' öffentliche Aufmerksamkeit und politische
Anerkennung. Vielen durchaus kritisierbaren Lebenslagen gelingt dies erst
spät oder überhaupt nicht. Was wir soziales Problem nennen, entsteht
tatsächlich erst in einem langwierigen, manchmal auch wechselhaften
politischen Definitions- und Entscheidungsprozeß. Er zwingt konkurrierende
Interessengruppen in Bündnisse, preßt Probleme im Kampf um Beachtung
in eine massenmediale Skandalform, nötigt den Wohlfahrtsstaat angesichts
knapper Ressourcen zu opportunistischen Entscheidungen über Problemanerkennung
und Bekämpfungsstrategien.
Wie ein soziales Problem in der heutigen Zeit Karriere
macht, wann dies gelingt, und warum manchmal auch nicht, erklärt dieses
Buch.
Hauptkapitel
1. Theoretische Einführung: Vom Sachverhalt zum sozialen
Problem
2. Problemgeschichte: Erste Thematisierung und weitere
Entwicklung
3. Kollektive Akteure: Handelnde Gruppen und ihre Interessen
4. Problemmuster: Die ideelle Grundlage von Problemwahrnehmungen
5. Diskursstrategien: Durchsetzung und Absicherung von
Problemdeutungen
6. Öffentlichkeit: Wechselspiel zwischen Massenmedien
und Bevölkerung
7. Der Wohlfahrtsstaat: Anerkennung und Institutionalisierung
sozialer Probleme
8. Soziale Sachverhalte: Wissenschaftliche Erforschbarkeit
und Problemeignung
9. Die Soziologie: Zwischen Wahrhaftigkeit und Delegitimierung
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Michael Schetsche:
Die Karriere sozialer Probleme
(Quelle: http://www-user.uni-bremen.de/~mschet/kind.html
- 23. 11. 1999)