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Arbeitstexte

Aus: Angelika Speck-Hamdan u.a.: Jahrbuch Grundschule IV., 2003 (Arbeitskreis Grundschule e. V.) Hier Auszüge aus:

JOHANNES LÄHNEMANN
In ökumenischer und interreligiöser Offenheit
Neue Perspektiven religiösen Lernens in der Grundschule

In der dritten und vierten Klasse kann schon eine erste bewusste Begegnung mit dem Glauben anderer stattfinden - am besten personbezogen, erlebnisbezogen, projektmäßig. Lernen in der Begegnung - durch authentische Information von Anhängern der Religionen, durch Besuch von Kirche, Moschee, Synagoge -können dem Unterricht Lebensnähe und Lebendigkeit verleihen. Dort, wo Direktbegegnung nicht möglich ist, erweist sich das Prinzip der „Personalisierung" (Haußmann 1992, 295 ff.) als hilfreich: dass am Beispiel einer Person oder eines Kindes gleichen Alters exemplarische Erfahrungen verdeutlicht werden. Lehrpläne und Schulbücher (einschließlich der Lehrplanentwürfe und Unterrichtshilfen, die für islamischen Religionsunterricht entwickelt wurden) geben dazu inzwischen angemessene Hinweise und Hilfen. Lernen „miteinander übereinander" und Lernen in interreligiöser Koope-ration ist eine Zukunftsoption, die sich bei den neu eröffneten Möglichkeiten für die Ausbildung von islamischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern zunehmend wird realisieren lassen. (97) ...

Literatur
Asbrand, B. (2000): Zusammen Leben und Lernen im Religionsunterricht. Eine empirische Studie zur grundschulpädagogischen Konzeption eines interreligiösen Religionsunterrichts im Klassenverband. Frankfurt/M: IKO.
Haußmann, W. (1992): „... In den Schuhen eines anderen gehen?!" - Möglichkeiten und Grenzen der Öffnung für andere Religionen im konfessionellen Religionsunterricht am Beispiel Islam. In: Lähnemann, J. (Hrsg.): Das Wiedererwachen der Religionen als pädagogische Herausforderung, Hamburg, EBV Rissen, 287-302.
Lähnemann,J., Weltreligionen im Unterricht. Eine theologische Didaktik. T: Fernöstliche Religionen (2. 1994). II: Islam ('1996). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Lähnemann, J. (1994): Nichtchristlicher Religionsunterricht - Interreligiöser Unterricht. In: Schweitzer, F. & Faust-Siehl, G. (Hrsg.): Religion in der Grundschule. Frankfurt a. M, AKG, 144-153. Lähnemann, J. (1998a): Evangelische Religionspädagogik in interreligiöser Perspektive. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Lähnemann, J. (Hrsg.) (1998b): Interreligiöse Erziehung 2000. Die Zukunft der Religions- und Kulturbegegnung. Hamburg: EBV Rissen.
Lähnemann, J. (Hrsg.) (2001a): Spiritualität und ethische Erziehung. Erbe und Herausforderung der Religionen. Hamburg: EBV Rissen.
Leimgruber, S. (1995): Interreligiöses Lernen. München: Kösel Nipkow, K. E. (1998): Bildung in einer pluralen Welt. Bd. 2: Religionspädagogik im Pluralismus, Gütersloh:
Gütersloher Verlagshaus.
Zentralrat der Muslime in Deutschland/ZMD (Hrsg.) (1999): Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht (Grundschule). Köln.

BARBARA ASBRAND
Religiöses Lernen aus grundschulpädagogischer Perspektive (183-187)

Konfessioneller Religionsunterricht geht wie kein anderes Fach von kultureller bzw. religiöser Homogenität der Schülerschaft aus. Folglich wird seine Legitimation vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Pluralisierung und Säkularisierung fraglich. In der Grundschule ist der konfessionell-getrennte Religionsunterricht das einzige Fach, das dem Klassenlehrerprinzip widerspricht. Als Fachunterricht produziert er Trennlinien in der Klassengemeinschaft entlang der Religionszugehörigkeit. Es stellt sich die Frage, ob dies den Kindern, ihrer Religiosität bzw. ihren Erfahrungen mit Religion angemessen ist?“
...

„3.1 Zum Umgang mit Heterogenität in der Grundschule
Von der Grundschulpädagogik könnte die Religionspädagogik den Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen lernen. Dabei könnte die Religionsdidaktik auf Erfahrungen der Sachunterrichtsdidaktik zurückgreifen (vgl. Asbrand 2000, 116 ff.). In der Grundschule wird Religionsunterricht häufig in dieser Form praktiziert - nicht nur dort, wo im Rahmen der Studie Unterricht beobachtet wurde. Diese Praxis wurde von der religionspädagogischen Theorie aber bisher nicht eingeholt. Religionsunterricht in diesem Sinne bedeutet:
a) Religion erkunden: Konkrete religiöse Phänomene, die im Umfeld der Schule wahrnehmbar sind, können im Religionsunterricht erkundet werden: religiöse Feste, Feiern und Rituale, Orte religiöser Praxis, heilige Bücher und Gegenstände. Dies bietet allen Kindern Partizipationsmöglichkeiten; religiöse wie nicht religiöse Kin-der können sich neugierig, staunend, entdeckend und forschend religiösen Phäno-menen nähern.
b) Im Religionsunterricht wird eine Erzähl- und Gesprächskultur gepflegt, Geschichten erzählt, Gesprächsanlässe angeboten, den religiösen und existenziellen Fragen der Kinder und ihren selbstgenerierten Geschichten Raum gegeben. Auch in offenen Gesprächssituationen können sich alle Kinder unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit beteiligen.
Auch ohne die Erörterung theologischer Fragen im engeren Sinne, die nicht den Verstehensmöglichkeiten der Kinder angemessen sind, sondern in der Beschäftigung mit konkreten religiösen Phänomenen (religiöse Praxis, Geschichten, Fragen der Kinder) bietet der Religionsunterricht Erstbegegnung mit Religion und einen Beitrag zur Orientierung in einer pluralen Welt im Sinne von Sozialisationsbegleitung.4“