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Prüfen Sie die Zitate Z 1. 1 bis Z 1. 7 unter folgenden Gesichtspunkten:
- Welche Bezeichnungen werden hier anstelle des Begriffs Text verwendet?
- Zu welchen textlinguistischen Untersuchungsschwerpunkten (z. B. Transphrastik, globale Textstrukturen) werden hier schon in der traditionellen Textforschung Aussagen gemacht?
- Was ist Ihnen beim Lesen der einzelnen Zitate besonders aufgefallen? Was erschien Ihnen als besonders wichtig bzw. bemerkenswert?
Z 1. 1
Eine Einheit ist der logos ( ) in zweifacher Hinsicht: entweder entsprechend der Einheit des Bezeichneten oder durch die Verknüpfung von mehrerem.
(Aristoteles. Poetik Kapitel 20.)
Die Sprache muß entweder eine fortlaufende Reihe bilden, die nur durch Bindewörter zusammengehalten wird [. . .], oder sie muß Kehren bilden [. . .]. Der Abschnitt muß aber zugleich mit dem Sinn zu Ende sein und darf nicht zerschlagen sein [. . .].
(Aristoteles. Rhetorik III, 9.)
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Z 1. 2
Man muß ein Werk als ein inhaltliches Ganzes betrachten, Anfang und Ende miteinander kombinieren, das Behalten und Auslassen des sprachlichen Materials bestimmen, die einzelnen Abschnitte verbinden und das ganze Werk zu einer Einheit organisieren, so daß die Gliederung auch bei reichem Inhalt in sich geschlossen ist. Beim Bau [eines Hauses] wird Wert auf das Fundament und den Dachstuhl gelegt. [. . .] Für einen Studenten der Literatur ist es vor allem wichtig, den Sprachstil in Ordnung zu bringen. [. . .] Im allgemeinen gleicht ein literarisches Werk einem verästelten Baum oder einem Strom mit zahlreichen Nebenflüssen. Um die Nebenflüsse zu regulieren, fängt man bei der Quelle an. Den Stamm aufwärts ordnet man die Äste. Deshalb muß man, um die sprachlichen Ausdrücke und den Inhalt eines Werkes zu ordnen, das Wesentliche zu erfassen und alle Wege zum gleichen Ziel führen zu lassen, die verschiedenartigen Gedanken miteinander harmonisieren, damit die einzelnen Teile nicht wegen der Mannigfaltigkeit in Unordnung geraten und die sprachlichen Ausdrücke nicht wegen der Fülle wie zerzauste Seidenfäden aussehen.
(Liu Xie (um 500). Wenxin diaolong. Literaturherz und Drachenschnitzen. The Literary Mind and the Carving of Dragons. (Kapitel 43). In: Li Zhaochu (1997). Traditionelle chinesische Literaturtheorie. Liu Xies Buch vom prächtigen Stil des Drachenschnitzens (5. Jh.). Dortmund: projekt verlag: 83.)
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Z 1. 3
Wisse: Die menschliche rede ist es, die den wissenschaften ihre plätze anweist, ihre rangstufe klarstellt und ihre formen offenbar macht. Sie pflückt deren mannigfaltige früchte, sie zeigt ihre geheimnisse auf, sie bringt ans licht, was in ihrem inneren verborgen ist. [. . .] Wenn sie nicht wäre, so würde der nutzen des wissens über die person des wissenden nicht hinausgehen; der vernunftbegabte könnte von den blüten der vernunft nicht die umschließenden kelche lösen; [. . .]
(Abdalqahir al-Curcani (Dschurdschani) (gest. 471/1078). Asrar al-Balaga (Die Geheimnisse der Wortkunst). Aus dem Arabischen übersetzt von Helmut Ritter (1959). Wiesbaden: Steiner: 1.)
[. . .], daß dasjenige, was solche worte zu einem vers bzw. einem stück prosa macht, eben die bestimmte weise ihrer anordnung, die besondere form ihrer verknüpfung ist. - Die bestimmte ordnung in den worten ist aber abgeleitet von einer entsprechenden ordnung der sinninhalte, welche in der seele nach den gesetzen der vernunft angeordnet sind. (10)
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Z 1. 4 (f)
Oratio autem plena est sensu, voce et littera.
(Isidor v. Sevilla (um 600). Etymologiae (Origines) I, 1, 3.)
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Z 1. 5
Eine Rede (oratio) ist eine Reihe Worte, welche Vorstellungen bedeuten, die miteinander verbunden sind.
(Meier, Georg Friedrich (1757). Versuch einer allgemeinen Auslegungskunst. Halle: § 106.)
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Z 1. 6
Die Rede ist ein sprachlicher Zusammenhang, in dem sich ein geistiger Inhalt, ein Gedanke, darstellt.
(Ammann, Hermann (1925). Die menschliche Rede. Sprachphilosophische Untersuchungen. Lahr: 38)
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Z 1. 7
Die übliche Grammatik behandelt den Satz als höchste syntaktische Einheit, wenn sie auch immer wieder gezwungen ist, über den Satz hinauszublicken. Tatsächlich aber ist der Satz nur eine Untereinheit der Rede. Unter "Rede" wird dabei nicht die gesprochene Rede (parole) im Gegensatz zur Sprache (langue) verstanden, sondern Aufbau und Gliederung einer Gesamtäußerung. Es geht also nicht um die jeweils wechselnde Aktualisierung, sondern um die Bedingungen, unter denen eine Gesamtäußerung zustande kommt.
(Brinkmann, Hennig (1965). Die Konstituierung der Rede. In: Wirkendes Wort 15/65: 157-172: 157.)
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