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Eva Schoenke  Didaktik sprachlichen Handelns

PRINZIPIEN DER DEUTSCHEN RECHTSCHREIBUNG

  1. Das phonematische Prinzip (oder "Lautprinzip")
    bildet die Grundlage für die Verschriftlichung der gesprochenen Sprache. Durch das phonematische Prinzip wird festgelegt, welche Buchstaben einzelnen Phonemen der deutschen Sprache zugeordnet werden (Phonem-Graphem-Korrespondenz).
    Da die Verschriftlichung der deutschen Sprache durch das phonematische Prinzip erst ermöglicht (und grundlegend bestimmt) wird, kann man es als KONSTITUTIVES PRINZIP der deutschen Rechtschreibung bezeichnen.
    Beispiele:
    • Wiedergabe von [i:] durch i (Igel), ie (sie), ieh (Vieh), ih (ihn),
    • Wiedergabe von [f] durch f (für), v (viele), ph (Philosophie),
    • Wiedergabe von [ks] durch ks (Keks), cks (Klecks), chs (Fuchs), gs (Pfingsten), x (boxen),
    • Wiedergabe der Vokallänge durch die Doppelschreibung der entsprechenden Buchstaben (Waage, See) oder durch h (Mohn, Hahn),
    • Wiedergabe von Vokalkürze durch die Doppelschreibung der folgenden (den Konsonanten entsprechenden) Buchstaben (Sonne, hell, kommen)

 
  1. Das morphematische oder etymologische Prinzip ("Stammprinzip")
    bewirkt als REGULATIVES PRINZIP Abweichungen vom phonematischen Prinzip.
    Durch das morphematische Prinzip wird die analoge Schreibweise gleicher Morpheme festgelegt, auch wenn dies (z. B. durch "Auslautverhärtung") nicht dem phonematischen Prinzip entspricht:
    (Länder - Land, nicht: Lant).

 
  1. Das grammatische Prinzip (auch syntaktisches Prinzip)
    liefert als REGULATIVES PRINZIP Erklärungen für zusätzliche Festlegungen:
    • für die Markierung von Wort- und Satzgrenzen (incl. Getrennt- und Zusammenschreibung und Schreibung mit Bindestrich),
    • für die Interpunktion,
    • für die Groß- und Kleinschreibung,
    • für die (grammatische) Unterscheidung von dass (früher daß) und das.

 

Die Überschaubarkeit der deutschen Rechtschreibung wird dadurch erschwert, dass in zahlreichen Einzelfällen die verschiedenen Prinzipien miteinander konkurrieren.
Das gilt besonders für das phonematische und das morphematische Prinzip.

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