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Vertextungstypen

Arten der Verknüpfung benachbarter Sätze zu Texten
Isenberg 1974 (1971) ordnet Möglichkeiten der Verknüpfung von Sätzen nach Vertextungstypen.
Beispiele für Vertextungstypen nach Isenberg (1974: 198 f):
  • Thematisierung nicht-neuer Gegenstände
    (Beispiel: In der Garage stand ein Auto. Der Wagen . . . )
  • Kausalanknüpfung
    (Beispiel: Die Lampe brennt nicht. Die Stromversorgung ist unterbrochen.)
  • Motivanknüpfung
    (Beispiel: Hans ist in den Keller gegangen. Er will Kohlen holen.)
"Die Zahl solcher Vertextungstypen ist begrenzt. Sätze können nicht beliebig zu Texten verbunden werden." (199)

Transphrastik, Referenzbeziehungen, Textphorik, Textisotopie, Textsemantik

Verweisung

Textphorik,

verwenderzentriert

Begriff zur Einordnung von Untersuchungen, deren Schwerpunkte Prozesse und Situationen der Textverwendung sind
Der Gebrauch des Begriffs verwenderzentriert signalisiert, dass Untersuchungen sich auf die Textverwendung konzentrieren, dass in den entsprechenden Beschreibungen und Erklärungen textpragmatische Aspekte dominieren.
Nach Beaugrande/Dressler betreffen verwenderzentrierte Begriffe "die Aktivität der Text-Kommunikation", und zwar "sowohl hinsichtlich des Produzenten als auch des Rezipienten von Texten" (Beaugrande/Dressler 1981: 8).
Als verwenderzentrierte Kriterien der Textualität führen Beaugrande/Dressler
  • Intentionalität,
  • Akzeptabilität,
  • Informativität,
  • Situationalität und
  • Intertextualität an (8 ff),
die neben den textzentrierten Kriterien Kohäsion und Kohärenz als konstitutive Prinzipien der Kommunikation durch Texte fungieren (13 f).

textzentriert, textextern, textintern, Textfunktion, Textualität, konstitutive Prinzipien

Vorinformation

im Gedächtnis gespeicherte, für die kognitive Verarbeitung spontan verfügbare Information
Weinrich stellt Vorinformation und Nachinformation gegenüber, um textgrammatische Phänomene (am Beispiel der Artikelselektion) zu erklären (Weinrich 1993: 414 ff).
Eine Vorinformation ist im Kontextgedächtnis so gespeichert, dass durch sie anaphorisch verwendete sprachliche Ausdrücke im Text determiniert werden (410, 415); eine Nachinformation ist eine durch einen sprachlichen Ausdruck angekündigte und daher erwartbare, aber nicht mit Sicherheit im Nachtext oder auf andere Weise tatsächlich übermittelte Information (417).
Nach Weinrich werden Vor- und Nachinformation durch den sprachlichen Kontext, durch die Situation oder durch das allgemeine Sprach- und Weltwissen zur Verfügung gestellt (415).
Hinsichtlich der Vorinformation unterscheidet Weinrich (am Beispiel der Artikelselektion)
  • kontextuelle Vorinformation (im Vortext vorhandene, durch sprachliche Ausdrücke übermittelte Information, auf die anaphorisch verwiesen wird),
  • situative Vorinformation (durch Elemente der Kommunikationssituation gegebene Information, auf die verwiesen wird),
  • Vorinformation aus dem allgemeinen Sprach- und Weltwissen (415 ff).
Auch die (angekündigte und daher erwartbare, jedoch nicht mit Sicherheit erfolgende) Nachinformation kann nach Weinrich kontextuell (im Nachtext), situativ oder als Nachinformation des allgemeinen Sprach- und Weltwissens übermittelt werden (417 ff).

Kontext, Kontextgedächtnis, Textphorik, Anapher, Katapher, Artikel, Artikelselektion, rezeptive Textverarbeitung

Vorwissen

Wissen

Weltwissen

strukturierte Gesamtheit der im Langzeitgedächtnis gespeicherten enzyklopädischen Kenntnisse; auch: Sachwissen
Einzelne Bereiche des durch Erfahrungen erworbenen, im Langzeitgedächtnis gespeicherten Weltwissens können in der Textproduktion und in der -rezeption aktiviert und verarbeitet werden.
Da Wissensinhalte auf unterschiedliche Art aufgenommen werden, werden sie in vielfältiger Weise organisiert und gespeichert. Nach Untersuchungen in der Kognitiven Psychologie wird das Weltwissen in Konzepten gespeichert, die durch Relationen zu Schemata bzw. Rahmen verbunden sind. Die Verarbeitung aktivierten Weltwissens ermöglicht in der Textproduktion die Entfaltung von Textthemen und in der Textrezeption über Inferieren die Herstellung plausibler inhaltlicher Zusammenhänge und die Erschließung des Textsinns.
    "Ein Text ergibt nicht von selbst Sinn, sondern eher durch die Interaktion von TEXTWISSEN mit GESPEICHERTEM WELTWISSEN der jeweiligen Sprachverwender [. . .]." (Beaugrande/Dressler 1981: 8)
    "Textwissen wird bei der Rezeption und Erinnerung bevorzugt, wenn es mit gespeicherten Wissensmustern übereinstimmt." (211)
Heinemann/Viehweger unterscheiden die enzyklopädischen Kenntnisse, die bei der Mehrheit der Kommunikationsteilnehmer vorhanden sind, vom Expertenwissen (Heinemann/Viehweger 1991: 95). Da das Lexikonwissen durch enzyklopädische Kenntnisse zumindest beeinflusst wird, sind in dem mentalen (oder internen) Lexikon eines Experten auch Wortbedeutungen gespeichert, die nicht für alle Kommunikationsteilnehmer spontan verfügbar sind.

Wissen, Wissenssysteme, Wissensverarbeitung, Lexikonwissen, Sprachwissen, Handlungswissen, Konzept, Schema, Rahmen, inferieren, rezeptive Textverarbeitung, Textproduktion

Wiederaufnahme

Herstellung von Beziehungen zwischen Wörtern und Wortgruppen auf der Textoberfläche; Mittel der Verknüpfung von Sätzen zu Texten
In einem Text beziehen sich Wörter und Wortgruppen in unterschiedlicher Weise satzgrenzenüberschreitend aufeinander. Mit dem Begriff Wiederaufnahme wird der Rückgriff auf im Text bereits Erwähntes bezeichnet.
Unter semantischem Aspekt unterscheidet Brinker
  • die textimmanente Wiederaufnahme, bei der die Beziehungen zwischen den Ausdrücken nicht durch das Sprachsystem bedingt sind, sondern im Text hergestellt werden,
  • die sprachimmanent (durch das Sprachsystem) bedingte Wiederaufnahme (z. B. bei Synonymie, Supernymie, Hyponymie),
  • die sprachtranszendent bedingte (auf geteiltem Wissen beruhende) Wiederaufnahme (Brinker 1992: 39 f).
Brinker, der die Wiederaufnahme als grammatische Bedingung der Textkohärenz auffasst (26), unterscheidet unter dem Aspekt der Referenzidentität die explizite und die implizite Wiederaufnahme (26 ff).
    "Die explizite Wiederaufnahme besteht in der Referenzidentität (Beziehungsgleichheit) bestimmter sprachlicher Ausdrücke in aufeinanderfolgenden Sätzen eines Textes. Ein bestimmter Ausdruck (z. B. ein Wort oder eine Wortgruppe) wird durch einen oder mehrere Ausdrücke in den nachfolgenden Sätzen des Textes in Referenzidentität wiederaufgenommen." (26)
Nach Brinker erfolgt die explizite Wiederaufnahme am häufigsten durch Substantive und Pronomen, ist jedoch auch durch Wörter anderer Wortarten möglich, z. B. durch Adverbien, Adjektive, Verben.
    "Im Gegensatz zur expliziten Wiederaufnahme ist die implizite Wiederaufnahme dadurch charakterisiert, dass zwischen dem wiederaufnehmenden Ausdruck (in der Regel ein Substantiv oder eine substantivische Wortgruppe) und dem wiederaufgenommenen Ausdruck (dem Bezugsausdruck) keine Referenzidentität besteht. Beide Ausdrücke beziehen sich auf verschiedene Referenzträger, d. h., es wird von verschiedenen Gegenständen und dergleichen gesprochen; zwischen diesen bestehen aber bestimmte Beziehungen, von denen die Teil-von- oder Enthaltenseinsrelation die wichtigste ist." (34)
Die Bedeutungsbeziehungen zwischen den durch Wiederaufnahme aufeinander bezogenen Wörtern oder Wortgruppen bezeichnet Brinker (unter Bezugnahme auf Harweg 1968: 192 ff) als "semantische Kontiguität", die ontologisch, logisch oder kulturell begründet sein kann (35). (In der Kognitiven Linguistik wird dieses Phänomen inzwischen als indirekte Anapher bezeichnet; vgl. Schwarz 2000.)
Brinker schränkt die Bedeutung der Wiederaufnahme für Prozesse des Textverstehens ein: die "grammatische Verknüpfungsstruktur" fungiere als "Trägerstruktur für die thematischen Zusammenhänge des Textes"(Brinker 1992: 40 f).

Wiederaufnahme mit Beispielen (im Überblick):
  • explizite Wiederaufnahme (auf Referenzidentität beruhend)
    1. durch Proformen (Pronomen, Proverben, Proadjektive
    2. durch Repetition (Wiederholung des Lexems)
      • auch bei Wortartwechsel, z. B. Glück - glücklich,
      • in flektierten Wörtern, z. B. schlagen - schlug,
      • bei Aufgliederung von Komposita, z. B. Augenklinik - Klinik,
    3. durch variierte (referenzidentische) Wiederaufnahme,
      • Synonyme,
      • Paraphrasierung,
      • Hyperonyme, z. B. Auto - Fahrzeug,
      • Hyponyme, z. B. Person - Studentin,
  • implizite Wiederaufnahme
    1. durch logisch begründbare Kontiguität, z. B. Anfang - Ende,
    2. durch ontologisch begründbare Kontiguität, z. B. Nacht- Dunkelheit,
    3. durch kulturell begründbare Kontiguität, z. B. Klassik - Weimar,
  • strukturelle Wiederaufnahme
    1. Ellipsen,
    2. Parallelismus (Wiederaufnahme der Satzstruktur mit lexikalischen Varianten),
    3. Wiederaufnahme von Teilstrukturen eines Textes, z. B. durch Strophen (mit und ohne Refrain).

Kontiguität, Textphorik, Kohäsion, syntagmatische Substitution, Proform, indirekte Anapher, thematische Entfaltung, Parallelismus, Textkomposition

Wiederaufnahmestruktur

Gefüge von Ausdrücken, die satzgrenzenüberschreitend auf einen bestimmten Ausdruck zurückgreifen und sich daher auch wechselseitig aufeinander beziehen; Abfolge referenzidentischer oder semantisch naher Ausdrücke, die schon auf der Textoberfläche Hinweise auf "Hauptgegenstände" und Themen von Texten liefern
Eine Wiederaufnahmestruktur besteht aus einzelnen Elementen und den Beziehungen zwischen diesen Elementen, die auf Referenzidentität bzw. semantischer Nähe beruhen.
    Die einführenden Elemente von Wiederaufnahmestrukturen bezeichnen in der Regel die "Gegenstände" des Textes, die einführenden Elemente der in einem Text dominierenden Wiederaufnahmeaufnahmestrukturen die "Hauptgegenstände" des Textes.
    Verknüpfungen der in einem Text dominierenden Wiederaufnahmestrukturen bilden "Knotenpunkte" der globalen Textstruktur.
Elemente von Wiederaufnahmestrukturen können relativ gleichmäßig über einen Text verteilt sein oder nur in einzelnen Textsegmenten vorkommen. Diese Unterschiede stehen in Beziehung zur Textkomposition, zur Textgliederung und zur Entfaltung von Haupt- und Unterthemen.

Brinker fasst die Wiederaufnahmestruktur als "grammatische Verknüpfungsstruktur" auf, als "Trägerstruktur für die thematischen Zusammenhänge des Textes, d. h., sie verweist auf eine andere (´tiefere´) Schicht, die wir als ´thematische Textstruktur´ bezeichnen" (Brinker 1985/1992: 40 f).

Wiederaufnahme, thematische Entfaltung

Wissen

im Langzeitgedächtnis gespeicherte, auf körperlich/sinnlichen und kognitiv/sprachlichen Erfahrungen beruhende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten
Wissen hat als theoretischer Terminus der Linguistik eine andere Bedeutung als der alltagssprachliche Begriff Wissen, der Bewusstheit von Kenntnissen, ihre Explizier- und Begründbarkeit einschließt. Wissen (besonders als Sprachwissen und Handlungswissen) wird in der Linguistik primär als implizites Wissen verstanden, das (im Sinne von Kompetenz) spontan verfügbar, nicht voll bewusst, aber der Reflexion zugänglich ist.
Das Wort Wissen ist eine lexikalisierte Metapher (ahd. wizzan eigentlich: gesehen haben (Präteritopräsens); vgl. lat. videre). Auch der Ursprung des Wortes Wissen deutet also darauf hin, dass Wissen auf Erfahrungen beruht, vor allem auf sinnlichen (besonders visuellen) Wahrnehmungen, die durch kognitiv-sprachliche Erfahrungen ergänzt werden.
Klix unterscheidet in seinen Untersuchungen zur Gedächtnisforschung "ereignisbestimmtes Wissen", das durch direkte Wahrnehmungen entsteht, individuell, erfahrungsabhängig und emotional ist, vom "merkmalsbestimmten" Wissen, das aus "Vergleichen zwischen begrifflichen Merkmalen" (mit dem Feststellen von Gemeinsamkeiten, Unterschieden, Ähnlichkeiten) entsteht und vollständig durch Sprache vermittelt werden kann (Klix 1984 a: 7 f).
    "Menschliches Wissen besteht aus Begriffen und Beziehungen zwischen ihnen. Dieses Wissen ist austauschbar vermittels der Sprache." (7)
Begriffe/Konzepte sind nach Klix "Festpunkte des Wissensbesitzes" (Klix 1984 b: 10).
Die Vernetzung der Konzepte wird durch die zwischen ihnen bestehenden Relationen bewirkt, z. B. durch Ober-, Unter- oder Nebenbegriffsrelationen, durch Komparativ- oder Kontrastrelationen (18 ff). Komplexe (im Langzeitgedächtnis gespeicherte) Wissensstrukturen werden als Schemata bzw. Rahmen bezeichnet.

Konzept, Schema, Rahmen, Skript, Wissenssysteme, Wissensverarbeitung, Kontiguität

Wissenssysteme

Gefüge (z. T. hierarchisch) geordneter Einzelkenntnisse, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind und in der Textproduktion sowie in der rezeptiven Textverarbeitung aktiviert und verarbeitet werden; auch: Kenntnissysteme
In der Textproduktion wird (im Langzeitgedächtnis gespeichertes) internes Wissen verarbeitet, durch externes Wissen ergänzt und mit diesem integriert. In der rezeptiven Textverarbeitung ermöglicht (Vor-)Wissen das Inferieren, reguliert und begrenzt die Inferenzbildung.
Umstritten ist, ob bei der Entstehung von Wissenssystemen Fremdorganisation (durch von außen kommende Informationen) dominiert oder Selbstorganisation (durch Aktivitäten der kognitiven Systeme (weitgehend) unabhängig von der Außenwelt - konstruktivistische Auffassung) oder ob beide Einflusskomplexe zusammenwirken (vgl. dazu Strohner 2000: 268).
Die Wissenssysteme, aus denen Einzelkenntnisse abgerufen und aktiviert werden, lassen sich in unterschiedlicher Weise beschreiben und ordnen, z. B.
  1. Sprachwissen: Kenntnisse über sprachliche Strukturen (einschließlich des Textmusterwissens),
  2. Weltwissen/Sachwissen: enzyklopädische Kenntnisse,
  3. Handlungswissen: Kenntnisse über Voraussetzungen und Möglichkeiten (erfolgreichen) Handelns.
Vertreter modularer Auffassungen nehmen eine strikte Trennung der einzelnen Bereiche an (vgl. Viehweger 1989, Motsch 1989, Motsch/Viehweger 1991). Dieses Prinzip lässt sich nicht immer einhalten. So gehört z. B. das Lexikonwissen sowohl zum Sprachwissen als auch zum Weltwissen (und ist auch nicht völlig vom Handlungswissen zu isolieren). Lewandowski weist darauf hin, dass sich sprachliches (besonders semantisches) Wissen nur auf der Grundlage von Sachwissen/Allgemeinwissen/Weltwissen entwickeln kann.
    "Eine Trennung von semantischem und sachlichem Wissen erweist sich als schwierig; es scheint, dass sprachliches Wissen sich vor dem Hintergrund des allgemeinen Wissens konstituiert." (Lewandowski 1990: 954)
Lewandowski bezeichnet das semantische Gedächtnis als "(Langzeit)Speicher, der die für den Sprachgebrauch notwendige semantische und enzyklopädisch-konzeptuelle Information enthält" (951).
    "Das semantische Lernen ist nicht nur rein sprachliches Lernen. Die Aneignung von Bedeutungen und Begriffen ist eng verflochten mit der Aneignung der Wirklichkeit (bzw. der Strukturierung der Wirklichkeit) in sachlicher, sozialer und kognitiver Hinsicht." (952)
Nach Schwarz ist das Lexikon "Mittler zwischen Konzeptualisierung und grammatischer und phonologischer Enkodierung" (Schwarz 1992 a: 178).
Die Kenntnisse über sprachliche Strukturen schließen neben dem Wissen über Kombinations- und Verknüpfungsmöglichkeiten sprachlicher Elemente auf den verschiedenen Ebenen auch die Kenntnisse über Kombinationsmöglichkeiten sprachlicher mit sprachbegleitenden (z. B. prosodischen) Mitteln ein (vgl. Heinemann/Viehweger 1991: 94).

Der Terminus Wissen entspricht im Zusammenhang mit der Sprachverarbeitung bzw. Textverarbeitung nicht in jeder Hinsicht der alltagssprachlichen Verwendung dieses Begriffs; die Elemente der Wissenssysteme und deren Relationen unterscheiden sich in ihrem Grad an Explizitheit, sie sind nicht in allen Bereichen in gleicher Weise bewusst, sondern z. T. implizit vorhanden bzw. internalisiert.
  • Das Sprachwissen z. B., das im primären Spracherwerb nicht über Regeln bewusst "erlernt", sondern in Interaktion mit anderen Personen "erworben" wird, ist implizites Wissen;
    in seiner schriftlichen Form dagegen wird es in der Regel gelernt und gelehrt (und später weitgehend internalisiert).
  • Auch das Handlungswissen ist nicht voll bewusst, sondern wird spontan und unreflektiert (situationsangemessen) berücksichtigt;
    es ist jedoch - wie das Sprachwissen - der Reflexion zugänglich.
      Das (dem Handlungswissen unterzuordnende) metakommunikative Wissen hat sich erst durch Reflexion herausgebildet (und ist nicht immer spontan verfügbar).
  • Sachwissen (enzyklopädisches Wissen) ist grundsätzlich in höherem Grade als Sprach- und auch Handlungswissen bewusst.

Sprachwissen, Weltwissen, Handlungswissen, Wissen, Wissensverarbeitung, Lexikonwissen, Illokutionswissen, Textmusterwissen, Strategiemuster, Konzept, Schema, Rahmen, Skript, Textproduktion, rezeptive Textverarbeitung, inferieren

Wissensverarbeitung (textlinguistisch)

Gesamtheit der Prozesse in der Textproduktion und -rezeption, durch die im Langzeitgedächtnis gespeicherte Kenntnisse aktiviert und zu Textinformationen in Beziehung gesetzt werden, so dass neu organisierte (integrierte) kognitive Strukturen entstehen (können)
Durch Berücksichtigung von Forschungsergebnissen der Kognitionswissenschaften, besonders der Kognitiven Psychologie, bleiben textlinguistische Untersuchungen immer weniger auf den Text selbst beschränkt, sondern werden häufig auf Prozesse der Wissensverarbeitung in der Produktion und Rezeption von Texten ausgedehnt.
Teile des im Langzeitgedächtnis gespeicherten Wissens können durch Impulse/ Fragen, die von Situationen, Aufgabenstellungen und Texten ausgehen, aktiviert werden. Klix sieht eine "Grundfunktion des menschlichen Gedächtnisses" darin, dass es Fragen beantworten kann, indem es Wissen bereitstellt oder dazu anregt, "Fremdgedächtnisse" zu benutzen (Klix 1984 b: 9 f). Die Aktivierung des entsprechenden Wissens kann nach Klix entweder unmittelbar angeregt werden oder mittelbar über Suchprozesse durch Vergleichen (mit dem Feststellen von Gemeinsamkeiten, Unterschieden, Ähnlichkeiten), durch Schließen und Inferieren; bei komplexen kognitiven Prozeduren sei eine Kombination beider Aktivierungsarten anzunehmen (11, 68 f).
In der Textrezeption kann die Aktivierung des (im Langzeitgedächtnis gespeicherten) Wissens durch verschiedene Textelemente, z. B. durch Propositionen, aber auch durch einzelne Ausdrücke ausgelöst werden, vorausgesetzt, Aufmerksamkeit, Interesse und Motivation ermöglichen diese Aktivierungen.
    "Jeder Verstehensprozess setzt [. . .] Hörer-Aktivitäten voraus, erweist sich somit als aktiver fortlaufender  K o n s t r u k t i o n s p r o z e s s  (nicht nur als Re-Konstruktionsprozess) des Hörers, bei dem die durch einen Text in seinem Bewusstsein aktivierten Bedeutungseinheiten mit zusätzlichen Wissenselementen aus einem bei ihm gleichfalls aktivierten globalen Muster verknüpft werden; in der Regel wird ein Text erst auf der Grundlage eines solchen komplexen Konstruktionsprozesses wirklich verstanden." (Heinemann/Viehweger 1991: 74)
Teile des (Vor-)Wissens werden nicht nur durch explizite Textinformationen aktiviert, sondern auch durch Implizites. Linke/Nussbaumer (2000) erklären, dass der größte Teil des Textes (als "Sinnkomplex") implizit ist. Sie unterscheiden bei den Konzepten des Impliziten konventionell festgelegtes Implizites (z. B. Präsuppositionen) von verwendungsvariablem Impliziten (z. B. Konversationsimplikaturen). Linke/Nussbaumer bezeichnen Implizitheit als textsortenspezifisches Merkmal und weisen auf Unterschiede z. B. zwischen lyrischen und Gesetzestexten hin, aber auch auf implizite Informationen in Arbeitszeugnissen. Eine Aktivierung des Vorwissens, die bei impliziten Textinformationen nicht unmittelbar ausgelöst wird, kann hier durch Suchprozesse angeregt werden.

Für die Textproduktion muss in der Planung, in der sprachlich-linearen Realisierung und bei der Überarbeitung Wissen unterschiedlicher Art aktiviert werden (Handlungswissen, Sprachwissen, Sachwissen) (vgl. Heinemann/Viehweger 1991: 93 ff, 113). Das geschieht in der mündlichen Sprachverwendung relativ spontan und weniger reflektiert als bei schriftlichen Texten. Wenn hier während der (vorläufigen globalen und endgültigen detaillierten) Planung eines kohärenten Textes Wissenslücken entdeckt werden, muss entschieden werden, ob bzw. wie diese "gefüllt" werden können (z. T. auch durch Nutzung von "Fremdgedächtnissen", vgl. Klix 1984 b: 9 f).
Entscheidungsprozesse bei der Auswahl und Anordnung des (verarbeiteten) Sachwissens sind in der Textproduktion eng verknüpft mit der Verarbeitung des Sprachwissens (bis hin zu Formulierungsentscheidungen) und mit der Verarbeitung des Handlungswissens (z. B. bei der Berücksichtigung antizipierter Adressaten).
Eine tatsächliche "Verarbeitung" des Wissens ist erst dann erreicht, wenn - bei Berücksichtigung globaler Textmuster - das Endprodukt Text in der thematisch/inhaltlichen Entwicklung eigene Antworten der Schreibenden auf selbstgestellte Fragen gibt (und nicht nur aus einer Aneinanderreihung des Wissens aus "Fremdgedächtnissen" besteht); das gilt für die Produktion wissenschaftlicher Texte in stärkerem Ausmaß als z. B. für Geschäftsbriefe.

In der Textproduktion können (wie in der Textrezeption) durch Aktivierung und Verarbeitung vorhandenen (und über Fragen ergänzten) Wissens neue Wissensstrukturen gebildet werden.

inferieren, rezeptive Textverarbeitung, Textproduktion, Wissen, Wissenssysteme, Konzept, Schema, Rahmen, mentale Textrepräsentation

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