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Handeln

absichtsvolles, zielgerichtetes Vorgehen
Handeln impliziert (im Gegensatz zu stimuliertem Verhalten) Ziel- und Situationsorientierung und Bewusstheit (unterschiedlichen Grades). Handeln zielt auf Folgen, auf eine Veränderung der Situation und setzt - neben einer Situationsanalyse und einer (veränderbaren) Zielsetzung - die Möglichkeit der Wahl zwischen mehreren Alternativen voraus.
Bei Handlungen bestehen keine einfachen Ursache-Wirkung-Relationen im Sinne monokausaler Zusammenhänge; die möglichen Folgen von Handlungen entsprechen nicht immer den beabsichtigten Wirkungen. Nach v. Wright muss die Handlung von der Verursachung unterschieden werden (v. Wright 1974: 67 ff). Die Unterscheidung gelte für das Zustandekommen der Handlung (eine Handlung ist für v. Wright nicht eindeutig kausal determiniert) und für das Ergebnis: "Zwischen einer Handlung und ihrem Ergebnis besteht ein innerer Zusammenhang, also ein logischer und kein kausaler (äußerer)." (7O)
Rehbein (1977) fasst die Definition des Handlungsbegriffs und den Ablauf des Handlungsprozesses in folgender Weise zusammen:
    "Eine Sachverhaltensänderung ist dann eine Handlung, wenn sie von einem oder mehreren Aktanten in einem Handlungskontext dadurch herbeigeführt wird, dass
    1. die Stadien eines Handlungsprozesses
      1. Einschätzung der Situation
      2. Motivation
      3. Zielsetzung
      4. Plan/Planbildung
      5. Ausführung
      6. Resultat
      durchlaufen werden und
    2. der Durchlauf durch die Stadien des Handlungsprozesses die Anwendung eines Handlungsmusters ist.
    Einschränkung: Der Durchlauf durch die Stadien geschieht nicht immer in der angegebenen Reihenfolge." (Rehbein 1977: 184)

sprachliches Handeln, Handlungswissen, Textplanung, Intention, Intentionalität, Situation, Situationalität, Textpragmatik, Textproduktion, rezeptive Textverarbeitung

Handlungswissen

im Langzeitgedächtnis gespeicherte Kenntnisse über Voraussetzungen, Möglichkeiten und Strategien (erfolgreichen) sprachlichen und nichtsprachlichen Handelns
Zum Handlungswissen gehören durch Erfahrungen erworbene Kenntnisse, in welchen Situationen man zum Erreichen ganz bestimmter Ziele besondere (auch textsortenspezifische) Handlungsstrategien einsetzen kann. Ungewohnte bzw. unbekannte Situationen schränken oft aufgrund fehlender Erfahrungen die Möglichkeiten ein, Handlungswissen zu aktivieren und zwischen Handlungsalternativen zu entscheiden. Die Aktivierung und Verarbeitung des Handlungswissens erfolgt nur zum Teil bewusst. Heinemann/Viehweger (1991: 93 ff) nennen als Subsysteme des Handlungswissens:
  • Interaktionswissen (Kenntnisse über Regelungsprozesse in Interaktionen, Kenntnisse über die Rolle von sozialen Beziehungen, Erwartungen, Interessen und anderen interpersonellen Interaktionskomponenten) (96),
  • Illokutionswissen (Kenntnisse über kommunikative Funktionen von Äußerungen, über Zweck-Mittel-Relationen unter Berücksichtigung von Situationsbedingungen) (97 ff),
  • Wissen über allgemeine kommunikative Normen (107 f),
  • metakommunikatives Wissen (Kenntnisse über verständnisregelnde Möglichkeiten im mündlichen und schriftlichen Sprachhandeln, um Störungen in der Kommunikation zu verhindern oder zu beseitigen, z. B. Kenntnisse über die Formulierung von textorganisierenden Äußerungen, von Wiederholungen, Zusammenfassungen, Paraphrasierungen, Korrekturen u. a.) (108 f).
Die kognitiven Strukturen, in denen die Kenntnisse über Abläufe von Ereignissen und Handlungen gespeichert sind, werden oft als Skripts bezeichnet.

Handeln, sprachliches Handeln, Wissen, Wissenssysteme, Wissensverarbeitung, Illokutionswissen, Strategiemuster, Skript, Intentionalität, Situationalität, Textmusterwissen Glossar Gesprächslinguistik: Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen,

Hyperproposition

von Propositionskomplexen abgeleitete zusammenfassende Aussage über den Inhalt eines Textes oder eines Textsegments
Ausgehend von den "interpropositionalen" Relationen lassen sich Propositionen eines Textes in Hyperpropositionen integrieren (van Dijk 1980), die die Inhalte von Textsegmenten oder auch ganzen Texten wiedergeben. Dieser Verknüpfungs- und Integrationsprozess ist nach van Dijk (in der rezeptiven Textverarbeitung) nur dann möglich, wenn die in den einzelnen Propositionen erfassten Sachverhalte in einem sinnvollen Zusammenhang stehen (van Dijk 1980: 27 f).
Die interpropositionalen Relationen in den Propositionskomplexen sind häufig Vergleichs- und Kontrastbeziehungen, sie können auch temporaler, kausaler, finaler, konsekutiver, konzessiver, adversativer oder anderer Art sein. Bei expliziter Konnexion werden die unterschiedlichen Relationen durch die jeweils entsprechenden Konnektoren verdeutlicht. Manche der interpropositionalen Relationen kommen in bestimmten Texttypen besonders häufig vor; texttypspezifisch sind in argumentativen Texten z. B. begründende Relationen.

Propositionsanalyse, Makrostruktur, Konnexion, Konnektor, rezeptive Textverarbeitung

Hyperstruktur

Superstruktur

Illokution

zentraler Teilaspekt eines Sprechakts, den Handlungsvollzug betreffend
Als Illokution wird (im Rahmen der Sprechakttheorie) der Teilbereich eines Sprechakts bezeichnet, der die eigentliche Handlung darstellt, z. B. auffordern, fragen (Austin 1972 (1962): 12O).
Die anderen beiden Teilakte der Gesamthandlung (des Sprechakts) bezeichnet Austin als Lokution (110 ff) und als Perlokution (116 f).

Sprechakt, Sprechakttheorie, Handeln, sprachliches Handeln

Illokutionsstruktur

hierarchisch geordnete Struktur dominierender und subsidiärer sprachlicher Handlungen im Text
Searle (1975) weist darauf hin, dass ein übergeordneter globaler Sprechakt (global speech act) durch unterstützende Sprechakte (subsidiary speech acts) konstituiert wird. Van Dijk unterscheidet ebenfalls untergeordnete Sprechakte vom Hauptsprechakt eines Textes (van Dijk 1980 b: 90).
Motsch/Viehweger (1981) nehmen eine hierarchisch geordnete Struktur von (den Handlungszielen entsprechenden) Illokutionen an. Der übergeordneten Intention des gesamten Textes entspricht danach die dominierende Illokution, die von den untergeordneten subsidiären Illokutionen "gestützt" wird (vgl. Motsch 1987 a: 58 ff).
Motsch/Viehweger (1991), die in ihrem modularen Ansatz Texte als "Handlungsmittel" bezeichnen (110), unterscheiden zwischen lokalen und globalen Textstrukturen (116) und stellen fest, dass die Illokutionen eines Textes "durch koordinative und subordinative Verknüpfung in Illokutionsstrukturen geordnet" sind (121). Sie zeigen (am Beispiel von ´bitten´) die Beziehungen zwischen der dominierenden Illokution (bitten) und subsidiären Handlungen.
    "Zwischen der dominierenden illokutiven Handlung und den subsidiären Handlungen, die den Erfolg der dominierenden Handlung stützen sollen, existieren [. . .] ganz spezifische Stützungsbeziehungen." (123)
Stützungsbeziehungen können durch metakommunikative Äußerungen ausgedrückt werden (Heinemann/Viehweger 1991: 105); Komponenten mit Stützungsfunktion sind z. B.: begründen, spezifizieren, explizieren (224).

Illokution, Illokutionswissen, kommunikatives Textmodell, Textfunktion

Illokutionstyp

Sprechakt

Illokutionswissen

zentraler Aspekt des Handlungswissens
Da rezeptive Textverarbeitung ein intentionsgeleiteter Handlungsprozess ist, werden bei der Rezeption auch Bereiche des Handlungswissens aktiviert und verarbeitet. Manchmal wird das Handlungswissen weiter untergliedert: Interaktionswissen, Illokutionswissen u. a.
Motsch/Viehweger, die ein modulares Vorgehen vorschlagen, nehmen "separate Kenntnissysteme an, die miteinander interagierende beobachtbare Verhaltensphänomene zu beschreiben gestatten" (Motsch/Viehweger 1991: 109). Sie betrachten das Illokutionswissen als Teil des Interaktionswissens (111).
Für sie ist das Illokutionswissen ein
"selbstständiges Kenntnissystem [. . .], das in entscheidender Weise zwischen Sprache im engeren Sinne und sozialem Handeln vermittelt" (127).
    "Das Illokutionswissen wird als separates Kenntnissystem aufgefasst, das Illokutionstypen definiert." (117)
    "Definierende Faktoren sind Sprecher- und Hörereinstellungen, Ziele, Bedingungen für Handlungssituationen, soziale Konsequenzen und Bedingungen für den propositionalen Gehalt." (117)

Illokution, Illokutionsstruktur, sprachliches Handeln, Handlungswissen, Wissen, Wissenssysteme, Wissensverarbeitung, Strategiemuster

implizite Wiederaufnahme

Wiederaufnahme

indirekte Anapher

nicht referenzidentische Wiederaufnahme eines sprachlichen Ausdrucks
Die (vor allem in der Kognitiven Linguistik verwendete) Bezeichnung indirekte Anapher bezieht sich auf das in der Textlinguistik allgemein als implizite Wiederaufnahme bezeichnete Phänomen. Die Relationen zwischen einer indirekten Anapher und ihrem Anker beruhen nicht auf Koreferenz, sondern auf Beziehungen anderer Art.
    "Bei den indirekten Anaphern handelt es sich um definite Ausdrücke, die in interpretativer Abhängigkeit zu bestimmten Ausdrücken der vorausgehenden Textstruktur stehen und zwei textreferentielle Funktionen haben: die Einführung neuer (bisher noch nicht explizit erwähnter) Textreferenten und die Weiterführung des globalen referentiellen Bezugs." (Schwarz 2000: 49).
Bei ihrer Klassifizierung verschiedener Typen indirekter Anaphern weist Schwarz (159 f) darauf hin, dass sich eine starre Unterteilung als unmöglich erweise, dass es "graduelle Übergänge" gebe, dass sich jedoch vier "prototypische Ausprägungen" feststellen lassen:
    "Semantische Typen, deren Verankerung auf (nominal)semantischen Relationen beruht, semantische Typen, deren Relationsetablierung über eine (verb)semantische Rollenbesetzung stattfindet, schema-basierte Typen, bei denen die Verankerung durch die Aktivierung eines bestimmten Schema-Wertes determiniert wird, und inferenzbasierte Typen. Inferenzen habe ich als weltwissensabhängige Aktivierungsprozesse von den semantischen Dekompositions- und Aktivierungsausbreitungsprozessen abgegrenzt." (160)
Die gemeinsamen Eigenschaften der verschiedenen Typen sind nach Schwarz "[. . .] Bindung an im Vortext durch bestimmte Ankerausdrücke aktivierte kognitive Domänen und (die überwiegend) partitiven Lesarten [. . .]" (160).

Anapher, Wiederaufnahme, Kontiguität, Textphorik, Schema, inferieren

inferieren

Textinformationen durch aktiviertes Vorwissen ergänzen, Schlussfolgerungen ziehen und einen kohärenten Sinnzusammenhang herstellen;
aktiver Prozess der Konstruktion einer (kohärenten) Textwelt
Als Inferenzen bezeichnet man die kognitiven Prozesse in der rezeptiven Textverarbeitung, bei denen die durch Textinformationen aktivierten Bereiche des Vorwissens die Textbasis ergänzen und erweitern, so dass über Schlussfolgerungen Kohärenzlücken überbrückt und ein mentales Modell des Textinhalts aufgebaut werden kann: die mentale Textrepräsentation.
Unter dem Begriff inferieren fasst man die kognitiven Prozesse zusammen, durch die aus Propositionen in einem Text (und den Relationen zwischen ihnen) auf der Grundlage des eigenen Wissens neue Propositionen erschlossen werden.
Das Inferieren wird nicht nur durch explizite Textinformationen ausgelöst, sondern auch (implizit) über Präsuppositionen oder Implikaturen.
    "Wenn eigenes Wissen hinzugefügt wird, um eine Textwelt zusammenzufügen, sprechen wir von INFERENZZIEHUNG [. . .]." (Beaugrande/Dressler 1981: 8)
    "Alle fehlenden Informationen werden aufgrund unseres Schema-Wissens inferiert, so dass auch eigentlich unvollständige Textsequenzen mühelos verstanden werden." (Schwarz 1992 a: 90)
Nach Schwarz ermöglichen Inferenzen "die Herstellung plausibler Zusammenhänge auf Grund des Alltagswissens" (155).
Ursprünglich war umstritten,
  • ob Inferenzen nur bei Verarbeitungsschwierigkeiten zur Kohärenzbildung notwendig sind (Kintsch/van Dijk 1978) oder
  • ob die Aktivierung gespeicherter Wissensstrukturen in der Textrezeption fast unbegrenzt Inferieren ermöglicht (Johnson-Laird 1983),
  • ob der Vorgang des Inferierens ein Sonderfall bei der Rezeption von unvollständigen, lückenhaften Texten ist oder
  • der Regelfall in jeder rezeptiven Textverarbeitung.
Inzwischen gelten die Prozesse des Inferierens allgemein als Voraussetzung für konstruktives Textverstehen.
Schnotz weist darauf hin, dass in der Rezeption durch Inferenzen nicht nur Kohärenzlücken im Text geschlossen werden, sondern über Prozesse mentaler Kohärenzbildung Modelle des Textinhalts aufgebaut werden (Schnotz 1994: 213 f, 215). Er betont den aktiven Charakter von Inferenzprozessen:
    "Inferenzen sind [. . .] Antworten des Lesers auf von ihm selbst gestellte Fragen." (Schnotz 1988: 307)
    "Die Inferenzbildung folgt den Anforderungen der mentalen Modellkonstruktion, nicht der Kohärenzstruktur des Textes." (307)
    "Man versteht unter Inferenzen zum Teil jene kognitiven Prozesse, durch die der Leser ausgehend von vorliegenden Textinformationen mit Hilfe seines Vorwissens neue Informationen erschließt, zum Teil auch die dabei generierten neuen Informationen selbst [. . .]. Inferenzen werden meist als ein integraler Bestandteil des Textverstehens angesehen [. . .]." (Schnotz 1994: 34 f unter Hinweis auf Rickheit/ Strohner 1985 b).
Lubimova-Bekman weist an Aphorismen nach, dass der Aufwand an Inferenzbildung in der Textrezeption auch von den Relationen zwischen benachbarten Propositionen abhängig ist. Sie zeigt, dass bei extrem kurzen, titellosen und stark verdichteten Texten mit "größeren inhaltlichen Abständen" zwischen den Propositionen erhöhte Anforderungen an das Inferieren gestellt werden (Lubimova-Bekman 2001: 69 f).

mentale Textrepräsentation, Wissensverarbeitung, Wissen, rezeptive Textverarbeitung, Textbasis, Schema, Wissenssysteme, Kohärenz, Propositionsanalyse, Strategiemodell, Glossar Gesprächslinguistik: Konversationsimplikatur

Informativität

Textmerkmal, Quantität und Qualität der durch einen Text übermittelten Informationen und deren Bekanntheitsgrad betreffend
Nach Beaugrande/Dressler gehört die Informativität eines Textes zu den Kriterien der Textualität, die als konstitutive Prinzipien der Textkommunikation fungieren (Beaugrande/Dressler 1981: 10 f, 13 f).
Die Informativität von Texten bezieht sich vor allem auf Inhalte, jedoch auch auf Strukturen und schließt bei poetischen Texten die gesamte künstlerische Organisation (z. B. Rhythmus und Reim) ein. Beaugrande/Dressler fassen Informativität auf als "Gradmesser, wonach dargebotenes Material neu oder unerwartet ist" (Beaugrande/Dressler 1981: 168). Sie unterscheiden drei Informativitätsstufen (147 ff).
In die erste Stufe der Informativität (völlig vorhersagbar, nicht interessant) verweisen Beaugrande/Dressler Funktionswörter (z. B. im Deutschen und Englischen Artikel und Präpositionen), auf die in bestimmten Textsorten (z. B. in Telegrammen und bei Verkehrszeichen) ganz verzichtet werden kann (148). Die dritte Stufe der Informativität ist nach Beaugrande/Dressler selten festzustellen, in ihr scheint Material zu fehlen; es kann zu Diskrepanzen zwischen Textwelt und eigenem Wissen kommen (15O ff).

Textualität, konstitutive Prinzipien

Intention

Handlungsabsicht; Zielsetzung im (sprachlichen) Handeln
Die Intention ist eine der Voraussetzungen für sprachliches Handeln (und unterscheidet dieses von stimuliertem Verhalten).
Intentionen resultieren aus den Interessen, Bedürfnissen und Erwartungen der Sprachverwender und der Analyse der Situationsbedingungen und zielen auf Situationslenkung. Sie bilden die Grundlage für die Planung, was man sagen/ schreiben will und wie man dies tut, aber auch darauf, was man verstehen möchte und wie man es verstehen will.

Intentionalität, Handeln, sprachliches Handeln, Situation, Situationalität, Sprechakt

Intentionalität

gezieltes Handeln (mit sprachlichen Texten) betreffendes Kriterium der Textualität
Nach Beaugrande/Dressler gehört die Intentionalität eines Textes zu den Kriterien der Textualität, die als konstitutive Prinzipien der Textkommunikation fungieren (Beaugrande/Dressler 1981: 13 f, 118 ff).
Intentionalität bezieht sich auf Vorgänge der Textproduktion und Textrezeption als gezielte, konstruktive Handlungsprozesse. Die Textherstellung kann als geplante Handlung im Sinne einer Situationslenkung aufgefasst werden, die Textrezeption als konstruktive Textverarbeitung mit dem Ziel, den Sinnzusammenhang des Textes zu erschließen.
Textproduktion setzt als sprachliches Handeln Planung zwecks Situationslenkung voraus, Intentionalität  v o r  B e g i n n  der Textproduktion und  w ä h r e n d  der Realisierung, z. B. auch durch Korrekturen.
    "In einem weiteren Sinn des Wortes bezeichnet Intentionalität alle Mittel, die Textproduzenten verwenden, um ihre Intentionen im Text zu verfolgen und zu realisieren." (Beaugrande/ Dressler 1981: 122)
In "Zielverhandlungen" können verschiedene Strategien eingesetzt werden, z. B. auch drohen oder bitten (176). Die Intentionalität eines Textes wird an den Mitteln deutlich, die der Textproduzent verwendet, um seine Intentionen erkennbar zu machen; dabei müssen auch Konventionen berücksichtigt werden.

Textualität, konstitutive Prinzipien, Intention, Handeln, sprachliches Handeln, Situation, Situationalität, Konvention, Textproduktion, Strategiemodell, Strategiemuster, rezeptive Textverarbeitung

Interaktionswissen

Handlungswissen

Intertextualität (textlinguistisch)

Gefüge von Relationen zwischen Texten und Aktivierung von Kenntnissen über Texte bei deren Verwendung
Beaugrande/Dressler (1981: 13 f) rechnen die Intertextualität zu den Kriterien der Textualität, die als konstitutive Prinzipien der Textkommunikation fungieren (Beaugrande/Dressler 1981: 13 f). Nach Beaugrande/Dressler bezeichnet der Begriff Intertextualität die "Abhängigkeiten zwischen Produktion bzw. Rezeption eines gegebenen Textes und dem Wissen der Kommunikationsteilnehmer über andere Texte" (Beaugrande/ Dressler 1981: 188).
Intertextuelle Relationen können unterschiedlicher Art sein:
  • Referentielle Intertextualität liegt vor, wenn ein konkreter Text direkt auf einen anderen authentischen Text referiert, wie es z. B. bei Parodien der Fall ist. Wenn zwei Texte auf denselben Sachverhalt der außersprachlichen Wirklichkeit referieren (z. B. ein Zeitungsbericht und ein Kommentar), bestehen auch zwischen diesen beiden Texten referentielle intertextuelle Beziehungen. Referentielle Intertextualität spielt u. a. für das Verständnis von Zitaten, Inhaltsangaben, Zusammenfassungen, Rezensionen eine besondere Rolle. An diesen Beispielen (und an Übersetzungen) wird besonders deutlich, wie sich Textverwender in der Textverarbeitung auf andere Texte beziehen.
  • Typologische Intertextualität lässt sich feststellen, wenn die intertextuellen Relationen funktionale und strukturelle Übereinstimmungen von Texten betreffen, was für das Wiedererkennen von Textmustern und die Klassifizierung von Texttypen/Textsorten wichtig ist.
      "Intertextualität ist, ganz allgemein, für die Entwicklung von TEXTSORTEN als Klassen von Texten mit typischen Mustern von Eigenschaften verantwortlich." (Beaugrande/Dressler 1981: 13)
    Die Kenntnis prototypischer Textmuster spielt bei der wissenschaftlichen und der intuitiven Unterscheidung von Texttypen und Textsorten eine wesentliche Rolle.
Holthuis (1993) bezieht bei ihren texttheoretischen (rezeptionsorientierten) Überlegungen poetische und nichtliterarische Texte (und deren Beziehungen zueinander) in die Entwicklung einer Taxonomie intertextueller Beziehungen ein. Heinemann (1997) grenzt das textlinguistische Verständnis des Begriffs Intertextualität gegenüber anderen und weiter gefassten Auffassungen ab.
Der Begriff Intertextualität wurde aus der Literaturwissenschaft (Kristeva 1967) übernommen und wird auch bei Analysen bestimmter "Texte" in Musik und Bildender Kunst angewandt, um spezifische Merkmale z. B. von Collagen, Montagen, "Zitaten" und Parodien zu erklären. Auf historische Aspekte intertextueller Praxis und Theorie weist Schoeck (1991) hin. Durch die weltweite Vernetzung erhält der Begriff Intertextualität eine weitere Dimension (vgl. Allen 2000: 199).

Textualität, konstitutive Prinzipien, Textmuster, Textsorten, Texttypologie, rezeptive Textverarbeitung, Textmusterwissen

Isotopie

Textisotopie

Kapitel

Gliederungseinheit globaler Textstrukturen; Teiltexteinheit in schriftlichen Großtexten
Als Textteile sind Kapitel in der Textgliederung direkt dem (schriftlichen) Gesamttext untergeordnet; ein Kapitel kann aus Paragraphen, Abschnitten, Absätzen bestehen; die (textsortenspezifische) Art der Strukturierung ist auch vom Umfang des Gesamttextes bzw. des Kapitels abhängig.
Formal wird die Gliederung eines Großtextes in Kapitel meist mit drucktechnischen Mitteln signalisiert; die äußere Gliederung des Gesamttextes entspricht dessen inhaltlich-semantischer Struktur. So wird in einem Kapitel in der Regel ein Subthema entfaltet, das innerhalb des Gesamttextes eine bestimmte Funktion hat und zur Entwicklung des Hauptthemas beiträgt. Der (relativen) Abgeschlossenheit des Kapitelinhalts entsprechen die Gestaltungen der Kapitelübergänge und häufig auch Kapitelüberschriften.

Textgliederung, Textthema, Abschnitt, textorganisierende Sprachhandlung

Katapher (textlinguistisch)

referentielle Verweisform im Text als Vorwärtsverweisung
Kataphorisch werden Proformen im Text verwendet, die  v o r  dem sprachlichen Ausdruck stehen, auf den sie sich beziehen. (Beispiel:  D a s  hätte ich wissen müssen: die Aufgabe war zu schwierig.) Durch kataphorische Verweisung wird (wie durch anaphorische Verweisung) Textkohäsion hergestellt. Kataphora werden seltener als Anaphora verwendet und bereiten bei der kognitiven Verarbeitung in der Rezeption größere Schwierigkeiten, erhöhen jedoch die Wirksamkeit von Texten (Beaugrande/Dressler 1981: 65 f). Durch Kataphora wird bei größerer Verarbeitungsschwierigkeit eine stärkere Verarbeitungstiefe erreicht als durch Anaphora.
Nach Weinrich gehören auch die Artikelformen ein, eine, ein zu den kataphorischen Verweisformen (Weinrich 1993: 21, 407 ff).

Anapher, Endophora, Kohäsion, Referenzbeziehungen, Textphorik, Artikel, Artikelselektion, Prä-Pronominalisierung

Kenntnissysteme

Wissenssysteme

Kohärenz

zentraler Begriff der Textlinguistik, der sich auf den Textzusammenhang bezieht; der einem Text zugrundeliegende Sinn
Kohärenz wird in den verschiedenen Modellen der Textlinguistik in unterschiedlicher Weise erklärt, jedoch immer als Kriterium für Textualität aufgefasst. In verschiedenen Phasen der Entwicklung sind die unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie Textkohärenz zu definieren ist, kennzeichnend für wechselnde Schwerpunkte in der textlinguistischen Forschung.
Zu Beginn der textlinguistischen Entwicklung wurden alle die Satzgrenzen überschreitenden Beziehungen zwischen sprachlichen Einheiten (ausgedrückt z. B. durch Proformen, Konjunktionen) der Kohärenz zugerechnet. (Diese Phänomene werden heute vielfach unter dem Begriff Kohäsion zusammengefasst.) Später wurde als Kohärenz der inhaltlich-logische Zusammenhang in einem Text bezeichnet. Seit Anfang der 8Oer Jahre bezieht sich der Begriff Kohärenz fast immer auf den einem ganzen Text zugrundeliegenden Sinnzusammenhang (einschließlich des durch den Text aktivierten Wissens) bzw. auf das Ergebnis kognitiver Prozesse in der Textverarbeitung.
Beispiele für die Veränderungen im Verständnis von Kohärenz:
  1. Zu Beginn der Forschung auf dem Gebiet der Textlinguistik bezieht sich im transphrastischen Ansatz ( z. B. Isenberg 1974) der Kohärenzbegriff lediglich auf die syntaktisch-semantischen Beziehungen zwischen benachbarten Sätzen, z. B.
    • auf Referenzbeziehungen zwischen einzelnen sprachlichen Ausdrücken, auf anaphorische oder kataphorische Verweisung (z. B. durch Proformen und durch Artikelselektion),
    • auf Verknüpfungsrelationen zwischen den Propositionen benachbarter Sätze (z. B. verdeutlicht durch Konjunktionen).
    Diese transphrastischen syntaktisch-semantischen Zusammenhänge im Text werden später häufig unter dem Begriff Kohäsion zusammengefasst (vgl. Halliday/Hasan 1976).
  2. Bellert nennt als eine notwendige Bedingung für Kohärenz die Wiederholung (Bellert 1974: 216). Sie bezeichnet Textkonnektoren als sprachliche "Indizes" für Kohärenz,
    • entweder mit direkter Referenzfunktion (z. B. Nomen, die auf außersprachliche Realität verweisen)
    • oder mit indirekter Verweisung (z. B. Proformen, die sich auf vorangegangene Referenzträger beziehen) (225 ff).
    Bellert führt im Zusammenhang mit Kohärenz den Begriff "logico-semantische Struktur" ein, der Folgerungen erfassen soll, Folgerungen sowohl aus dem Sprachsystem als auch aus bestimmten allgemeinen Regeln des Denkens (215).
  3. Für Schmidt ist Kohärenz die Konsequenz aus einer dem Text zugrundeliegenden Tiefenstruktur, die vor allem thematisch zu bestimmen ist "als geordnete Menge thematischer Komplexe" (Schmidt 1976 (1973): 234).
  4. Kallmeyer u. a. erklären (unter Bezugnahme auf dialogische Texte), dass sich Kohärenz "aufgrund von Konnexionselementen, der thematischen Abgrenzung und des Interaktionszusammenhanges" ergebe (Kallmeyer u. a. 1974: 58).
  5. Brinker unterscheidet 1979 drei Möglichkeiten, den Kohärenzbegriff zu differenzieren:
    • die grammatische (syntaktisch-semantische),
    • die thematische,
    • die pragmatische Explikation des Kohärenzbegriffs (Brinker 1979: 6 ff).
    1985 unterscheidet Brinker thematische Kohärenzbedingungen (Brinker 1992 (1985): 41 ff) und grammatische Kohärenzbedingungen (durch explizite und implizite Wiederaufnahme) (26 ff).
  6. Beaugrande/Dressler sehen die Unterscheidung von Kohärenz und Kohäsion als unverzichtbar an (Beaugrande/Dressler 1981: 5, Anmerkung 5).
    Sie berücksichtigen in ihrem prozeduralen Ansatz (32 ff) bei der Erklärung von Kohärenz sowohl textzentrierte als auch verwenderzentrierte Komponenten. Danach ist Kohärenz mit dem Sinn eines Textes gleichzusetzen; Sinn wird aufgefasst "als tatsächlich durch Textausdrücke aktiviertes Wissen" (8, Anmerkung 8). Unter textzentrierten Aspekten ist Kohärenz für Beaugrande/Dressler der dem Text zugrundeliegende Sinnzusammenhang (88). Unter verwenderzentriertem Aspekt fassen sie Kohärenz als Ergebnis kognitiver Prozesse der Textverwender auf, bei denen eigenes Wissen dem Textwissen hinzugefügt wird; Kohärenz ist so das "Ergebnis der Bedeutungsaktualisierung, die den Zweck der ´Sinn-Erzeugung´ verfolgt" (117).
  7. Nach van Dijk/Kintsch, die zwischen lokaler und globaler Kohärenz unterscheiden, bezieht sich die lokale Kohärenz auf Relationen zwischen Propositionen und die globale Kohärenz auf den Text als Ganzes bzw. auf größere Teile des Textes (van Dijk/Kintsch 1983: 189).
    Durch den Einfluss von Untersuchungsergebnissen der Kognitiven Linguistik (und der übrigen Kognitionswissenschaften) hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass Kohärenz nicht nur das Merkmal eines Textes, sondern das "Ergebnis einer Reihe von kognitiven Operationen" in der Textverarbeitung ist (Schwarz 1992 a: 159).
    In ihrem systemtheoretischen Ansatz verstehen Strohner/Rickheit linguistische Kohärenz als "Spezialfall allgemeiner Kohärenzphänomene, die sich als Zusammenhang in Systemen fassen lassen" (Strohner/Rickheit 1990: 21).
      ("Die Systemtheorie hat das Ziel, das Denken in Zusammenhängen mit einer konzeptuellen Grundlage zu versehen [. . .]. " (4))
    Nach Strohner/Rickheit lässt sich Kohärenz auf den folgenden Ebenen feststellen:
    • auf der Ebene der Kognition (Kohärenz innerhalb der Kenntnissysteme eines Individuums),
    • auf der Ebene der Kommunikation (Kohärenz zwischen den Kommunikationspartnern),
    • auf der Ebene der Sprache (Kohärenz zwischen den Textteilen) (4).
    Aufgabe einer linguistischen Theorie der Kohärenz sei es, die Beziehungen zwischen diesen drei Ebenen zu untersuchen (4). Auf allen drei Ebenen umfasst Kohärenz nach Strohner/Rickheit die folgenden systemischen Aspekte:
    • den tektonischen Aspekt der Integrität,
    • den dynamischen Aspekt der Stabilität,
    • den genetischen Aspekt der Kreativität (8 ff).
  8. Nach Scherner dominiert Kohärenz die Kohäsionsbeziehungen und ist "[. . .] auf der kognitiven Ebene als das entscheidende Kriterium für Textualität anzusehen [. . .] " (Scherner 2000: 187)

Textualität, rezeptive Textverarbeitung, Wissenssysteme, Kohäsion, Textsemantik, Textsinn, Transphrastik, Konnexion

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