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Rahmen (frame)

im Gedächtnis gespeicherter Organisationskomplex an Kenntnissen über typische Situationen, Ereignisse und Handlungen
Die von Minsky (1975) entwickelte Rahmentheorie ist eine Variante der Schematheorie. Der Begriff Rahmen ist ein Konstrukt der Kognitionsforschung und bezeichnet einen Komplex von Kenntnissen über alltägliche Realitätsausschnitte (Situationen, Ereignisse, Handlungen). Rahmen sind danach globale Muster, die Alltagswissen über zentrale Konzepte speichern (z. B. »Kindergeburtstagsfeier«).
Nach van Dijk sind Rahmen "bestimmte Organisationsformen für das konventionell festgelegte Wissen, das wir von der »Welt« besitzen. Rahmen bilden daher einen Teil unseres semantischen allgemeinen Gedächtnisses, [. . .]" (van Dijk 198O b: 169), sind "eine Form mentaler Organisation [. . .] für komplexe stereotype Handlungen und Ereignisse" (17O). Van Dijk erklärt, dass Rahmen als Konzept-Strukturen aus Propositionen bestehen, "die sich auf stereotype Ereignisse beziehen" (17O).
Nach Lewandowski entwickeln sich komplexere Rahmen "zu Szenen, Szenenfolgen zu Skripts bzw. Plänen (z. B. »Essen im Restaurant«, »Reisen mit der Eisenbahn«, »Einkaufen« usw.)" (Lewandowski 199O: 849).
Nach van Dijk ist Rahmen-Wissen zum Verständnis von Texten wichtig. Danach können Rahmen auch auf neue Situationen angewandt werden, allerdings manchmal nur in modifizierter Form.
    "Ein Rahmen besteht nicht nur aus »festen« oder »notwendigen« Teilen, sondern auch aus einer Anzahl von variablen »Schlüssen«, die den gleichen Rahmen für eine große Menge von ähnlichen Situationen anzuwenden ermöglichen; [. . .]". (van Dijk 1980 b: 17O)
Nach van Dijk provoziert die Aktualisierung des Rahmen-Wissens bei Textrezipienten Rahmen-Erwartungen, Erwartungen über weitere Abläufe, weitere Informationen, zum Rahmen »Zugreise« z. B.: »Bahnhof«, »Fahrkarte«, »einsteigen« (184).
Die nicht den Rahmen-Erwartungen entsprechenden Textinformationen bilden nach van Dijk die "spezifische Information eines Textes" (185). Oft verwendete Rahmen sind nach van Dijk schneller verfügbar als andere (192).

Schema, rezeptive Textverarbeitung, Textproduktion, Wissenssysteme, inferieren, Texterwartung

Referenz

Bezugnahme sprachlicher Ausdrücke auf Außersprachliches, auf Objekte, Ereignisse, Sachverhalte der außersprachlichen Realität (bzw. einer möglichen oder einer im Bewusstsein konstruierten Welt)
Als Referenz wird die Beziehung zwischen sprachlichen Zeichen und dem Bezeichneten (Referenzobjekt) angesehen, "Bezugnahme auf eine Realität, eine wahrgenommene oder vorgestellte/vorweggenommene Welt [. . .], auf ein Wirklichkeitsmodell; [. . .]" (Lewandowski 1990: 85).
Vater (1992) führt als Referenztypen an
  • Ereignisreferenz (116 ff),
  • Zeitreferenz (121 ff),
  • Ortsreferenz (126 ff),
  • Gegenstandsreferenz (129 ff).

Koreferenz, Referenzbeziehungen, Textphorik, Anapher, Katapher, Referenz-Pronomen, Pronomen

Referenzbeziehungen (textlinguistisch)

Beziehungen zwischen sprachlichen Ausdrücken (in einem Text), die über gemeinsame semantische Merkmale Koreferenz aufweisen und zur Kohäsion eines Textes beitragen
Isolierte Wörter oder Wortgruppen (z. B. er, derselbe Mann) beziehen sich meist nicht eindeutig auf bestimmte Objekte der außersprachlichen Realität, sie enthalten lediglich ein Referenzpotential. Durch die Integration der Textkonstituenten in den Text wird eindeutig, auf welche Referenzobjekte sie sich beziehen (Kallmeyer u. a. 1974: 52). Zwischen den sich auf gleiche Referenzobjekte beziehenden Textkonstituenten besteht Referenzidentität, Koreferenz. Dadurch beziehen sie sich auch aufeinander und wirken als Kohäsionsmittel eines Textes.

Koreferenz, Kohäsion, Textphorik, Referenz-Pronomen, Pronomen Textkonstitution

Referenz-Pronomen

Pronomen, durch das Koreferenz im Text hergestellt wird
Weinrich unterscheidet Referenz-Pronomen und »Rollen-Pronomen«:
    "Eine interne Strukturgrenze trennt die Pronomina zum Ausdruck der primären Gesprächsrollen Sprecher (»ich«) und Hörer (»du«) von den Pronomina zum Ausdruck von Referenten in der Referenzrolle (»3. Person«). Letztere können wir deshalb die Referenz-Pronomina (»Personalpronomina der 3. Person«) nennen." (Weinrich 1993: 94 f)
Durch Referenz-Pronomen werden im Text Referenzketten gebildet (372). Weinrich unterscheidet das thematische Referenz-Pronomen (373 ff) vom rhematischen Referenz-Pronomen (380 ff).

Pronomen, Koreferenz, Referenzbeziehungen

Referenzrolle

Rolle im Gespräch/Text, bei der durch ein Nomen oder Pronomen auf die nichtsprachliche Realität referiert wird
Weinrich stellt dem Sprecher (Schreiber, 1. Person) und Hörer (Leser, 2. Person) als "primären GESPRÄCHSROLLEN" die "REFERENZROLLE" der 3. Person gegenüber als "Restkategorie, die vage bleibt, sofern sie nicht durch Referenz schärfere Konturen erhält" (Weinrich 1993: 24).
    "Als Referenz zur semantischen Präzisierung der Referenzrolle kommen alle Nomina (Personen- und Sachbezeichnungen) in Frage sowie alle Pronomina, die diese gegebenenfalls im Text vertreten." (368)

Referenz, Referenz-Pronomen, Pronomen Koreferenz,

regulative Prinzipien

konstitutive Prinzipien

regulative Regeln

konstitutive Regeln,

Rekurrenz (textlinguistisch)

wiederholtes Vorkommen sprachlicher Ausdrücke im Text, Mittel der Kohäsion
    "´Rekurrenz´ meint die Wiederholung und Wiederaufnahme von sprachlichen Einheiten in aufeinanderfolgenden Sätzen eines Textes [. . .]." (Brinker 1996 c: 1516)
Rekurrenz ist nach Kallmeyer u. a. "d a s  strukturbildende Moment schlechthin" (Kallmeyer u. a. 1974: 147). "Texte sind überhaupt nur strukturierbar, weil sie rekurrente Bestandteile aufweisen." (147) Die rekurrenten Elemente fungieren als Textkonstituenten. Bellert bezeichnet die Wiederholung als "eine notwendige (obwohl offensichtlich nicht hinreichende) Bedingung für die Kohärenz eines Textes" (Bellert 1974: 216).
Die "Wiederholung von Wortkomponenten mit Wortklassenwechsel" wird von Beaugrande/Dressler als partielle Rekurrenz bezeichnet (Beaugrande/Dressler 1981: 51), z. B. herrschen - Herrscher, Glück - glücklich.
Weinrich weist auf den Zusammenhang von Rekurrenz und Textthemen hin:
    "Am deutlichsten wird die Thematik eines Textes an der textuellen Rekurrenz einiger seiner Referenten erkennbar." (Weinrich 1993: 369)

Kohäsion, Textkonstituenten, Textkonstitution, Referenzbeziehungen, Wiederaufnahme

Relationssemantik

Bereich der Textsemantik, in dem die Relationen zwischen den Propositionen eines Textes untersucht und beschrieben werden
Vertreter der Relationssemantik weisen darauf hin, dass sich die Gesamtbedeutung eines Textes nicht additiv aus den einzelnen Propositionen ergibt, sondern (außer von anderen Komponenten) auch von den Relationen zwischen den Propositionen abhängig ist (Kintsch/van Dijk 1978, van Dijk 1980 a, 1980 b, van Dijk/Kintsch 1983).
Nach van Dijk können zwischen den Propositionen benachbarter Sätze und Satzsequenzen unterschiedliche semantische Beziehungen bestehen, die durch die inhaltlichen Zusammenhänge der entsprechenden Sachverhalte determiniert sind (van Dijk 1980 b: 27 ff). Sachverhalte können z. B. kausal miteinander verbunden sein.
    "Eine solche Beziehung zwischen Sachverhalten bildet die Basis für die Benutzung von (kausalen) Konnektiva, wie die Konjunktionen weil, da, so, dass usw. und die Adverbien darum, daher, also, demzufolge usw. Umgekehrt sehen wir nun auch, dass die Konnektiva, die Propositionen in der natürlichen Sprache zu zusammengesetzten Propositionen werden lassen, interpretiert werden können als (referieren auf) Beziehungen zwischen Sachverhalten." (29)

Propositionsanalyse, Konnektor, Textsemantik, Textbasis,

Renominalisierung

Wiederaufnahme eines sprachlichen Ausdrucks durch ein Nomen nach (vorher erfolgter) Pronominalisierung
Eine "Rückkehr zum Nomen" ist nach Weinrich notwendig, wenn die Referenz von Pronomen nicht (mehr) eindeutig ist (Weinrich 1993: 377). Das kann bei einer Häufung von Pronominalisierungen bzw. bei einer großen Ausdehnung von Pronominalisierungsketten der Fall sein. Die Renominalisierung erfolgt über Rekurrenz, Proformen oder andere referenzidentische semantische Varianten.
    "Pronominalisierungen und ihre Abbrüche oder Unterbrechungen durch Renominalisierungen gehören zu den wichtigsten Sprachmitteln im Dienste der Textbildung und Textgliederung." (Weinrich 1993: 379)

Pronomen, Proform, Koreferenz, Wiederaufnahme,

Repetition

Wiederaufnahme,

rezeptive Textverarbeitung

Gesamtheit der intentions- und interessengeleiteten kognitiven Aktivitäten bei der Integration von Vorwissen und Textinformationen
Die Verwendung des Terminus Textverarbeitung signalisiert in der Regel, dass in den entsprechenden Überlegungen zur Textrezeption Ergebnisse kognitionswissenschaftlicher Untersuchungen berücksichtigt werden.
    "Der Begriff der Textverarbeitung bezieht sich auf all jene kognitiven Vorgänge, die an der Aufnahme, Transformation, Organisation, Speicherung, Reaktivierung und Reproduktion von Textinformationen beteiligt sind." (Christmann 2000: 113)
Mit dem Terminus Textverarbeitung wird der gesamte Komplex kognitiver Prozeduren und Aktivitäten bezeichnet, durch die in einem interessen-, erwartungs- und intentionsgeleiteten Prozess Textinformationen und das Vorwissen der Rezipienten so integriert werden, dass eine kohärente mentale Textrepräsentation aufgebaut werden kann. Durch Textinformationen werden Teile des im Langzeitgedächtnis (in Schemata bzw. Rahmen und Skripts) gespeicherten Vorwissens aktiviert und in der Textverarbeitung zu den Textinformationen in Beziehung gesetzt. Dabei werden inferierend Schlussfolgerungen gezogen und Implikaturen erschlossen, um sinnvolle Zusammenhänge herzustellen.
    "Im Verstehensprozess baut der Rezipient Relationen zwischen den im Satz oder Text genannten Einheiten und Ereignissen auf, indem er auf sein im LZG gespeichertes Weltwissen zurückgreift." (Schwarz 1992a: 154)
Nicht explizit formulierte oder mehrdeutige Informationen werden inferentiell erschlossen. Nach Schwarz machen Inferenzen "die Herstellung plausibler Zusammenhänge aufgrund des Alltagswissens" möglich (155).
In den kognitiven Prozessen der Textverarbeitung wird durch Inferieren Kohärenz hergestellt, wird der dem Text zugrundeliegende Sinn und werden Intentionen der Sprecher bzw. Schreiber erschlossen. (Aufgrund von Intentionen und Erwartungen der Textrezipienten kann es auch zu Projektionen auf Textinhalte kommen.)
Beaugrande/Dressler weisen darauf hin, dass bei der Aufnahme von Texten in einen mentalen "Arbeitsraum", den "Aktiven Speicher (des Gedächtnisses)" Relationen und Konzepte aktiviert werden (Beaugrande/Dressler 1981: 93).
    "Bei der Rezeption ermöglicht es Aktivierungverbreitung, ausführliche Assoziationen zu bilden, Voraussagen zu treffen, Hypothesen aufzustellen, gedankliche Vorstellungen zu entfalten usw., all dies freilich weit über die expliziten Aussagen des Oberflächentextes hinaus." (93)
    "Grundsätzlich kann das Verbinden von aktivierten Konzepten und Relationen als Problemlösung angesehen werden." (99)
In ihrem komplexen Strategiemodell (zur Rezeption schriftlicher Texte) beschreiben van Dijk/Kintsch eine gezielte zyklische Textverarbeitung, deren Prozesse parallel auf mehreren lokalen und auf der globalen Ebene ablaufen (van Dijk/Kintsch 1983). Ziel der Textverstehensstrategie ist danach die Herstellung der lokalen und globalen Kohärenz und der Textbasis, bestehend aus den Propositionen eines Textes und deren Relationen (11). Ihre Propositionsanalyse (Kintsch/van Dijk 1978) ergänzen van Dijk/Kintsch 1983 u. a. um das Situationsmodell, das auf der Grundlage des durch Erfahrungen erworbenen Wissens die Vorstellung einer Siuation ermöglicht, in der das Textgeschehen ablaufen könne (37 ff).
Für Schnotz handelt es sich bei dem Situationsmodell "um ein mentales Modell des im Text beschriebenen Sachverhalts, das durch Integration der Textinformation mit dem bereits vorhandenen Sachwissen des Lesers gebildet wird" (Schnotz 1988: 306). Mentale Modelle (Johnson-Laird 1983) enthalten Leerstellen, die im Verlauf der Rezeption durch Textinformationen oder Inferenzen gefüllt werden (vgl. Schnotz 1988: 307).
Nach Bußmann werden Prozesse der Textverarbeitung von verschiedenen Richtungen her beeinflusst/gelenkt:
  • vom Text her (als »textgeleitete« oder »aufsteigende« Textverarbeitung),
  • vom in Schemata gespeicherten Vorwissen der Hörer bzw. Leser aus (als »schemageleitete« oder »absteigende« Textverarbeitung),
  • vom Interesse und von den Intentionen der Hörer bzw. Leser und ihrem Verständnis der Situation (Bußmann 199O: 783).
Schnotz (2000) unterscheidet die "textgeleitete Verarbeitungssteuerung" (499 f) von der "lesergeleiteten Verarbeitungssteuerung" (501).
Nach Lewandowski ist die Textverarbeitung ein "Prozess der Informationsverarbeitung: das Verstehen, Behalten und Erinnern von Texten; das Zusammenfassen, Vergleichen und Kommentieren von Texten; der Erwerb und die Neustrukturierung von Wissen sowie das Lösen von Problemen mit Hilfe textueller Information" (Lewandowski 199O: 1178). Als konstruktiv hebt Lewandowski die Textverarbeitung besonders in folgenden kognitiven Prozessen hervor: "im Ziehen von Inferenzen, im Selektieren, Konkretisieren, Generalisieren, Erweitern, Zusammenfassen [. . .] von Textinhalten" (1178).
Der Versuch, eine mentale Textrepräsentation aufzubauen, setzt bereits zu Beginn der Rezeption ein, vorläufige Ergebnisse der Textverarbeitung werden dann im weiteren Verlauf der Rezeption modifiziert bzw. revidiert. Coseriu erklärt, dass das Verstehen eines Textes von der Erwartung des Rezipienten abhängig sei und sich auf den Text insgesamt richte; der Anfang eines Textes werde besser verstanden, wenn man den Schluss kennt (Coseriu 1980: 202).
Erhöhte kognitive Anstrengungen in der rezeptiven Textverarbeitung sind nach Lubimova-Bekman dann notwendig, wenn "große inhaltliche Abstände" zwischen den Propositionen bestehen und/oder das Hauptthema des Textes nur als eine Kombination von Nebenthemen realisiert wird und nur aus diesen erschlossen werden kann (Lubimova-Bekman 2001).

inferieren, Wissen, Wissensverarbeitung, Wissenssysteme, Kohärenz, mentale Textrepräsentation, Textwelt, Textbasis, Propositionsanalyse, Strategiemodell, Schema, Konzept, Rahmen, Skript, prozeduraler Ansatz, Textmuster, Textmusterwissen, Hyperproposition,

rhematische Pronominalisierung

Pronomen (2)

Rollen-Pronomen

Referenz-Pronomen

Sachwissen

Weltwissen

Satzadverb (textlinguistisch)

Konnektor, sprachliches Element, das Sätze miteinander verknüpft, indem es Relationen zwischen Propositionen explizit ausdrückt, verdeutlicht; Mittel der Kohäsion; auch: Konjunktionaladverb
Neben der Funktion von Satzadverbien, als Modalwörter subjektive Einschätzungen von Sachverhalten, Vorgängen auszudrücken (z. B. vermutlich, vielleicht), werden Satzadverbien im Rahmen der Textlinguistik als Mittel der Kohäsion verstanden, als Konnektoren, die satzgrenzenüberschreitend Relationen zwischen Propositionen und Beziehungen zwischen sprachlichen Handlungen explizit ausdrücken (z. B. folglich, trotzdem, also).

Konnektor, Konnexion, Kohäsion, Relationssemantik, Propositionsanalyse

Schema

Organisationseinheit generalisierten, schnell abrufbaren Wissens über typische Zusammenhänge in einem Realitätsbereich; durch Erfahrungen entstandener (und im Langzeitgedächtnis gespeicherter) strukturierter Wissensbereich, dessen Aktivierung in der Textverarbeitung Inferenz ermöglicht
In der Antike hatte Schema die Bedeutung von Gestalt. Kant (1781) verstand unter Schema auch ein Verfahren, durch anschauliche (stellvertretende) Vorstellungen die Inhalte abstrakter Begriffe verständlich zu machen. Als Konstrukt der Gedächtnis- und Kognitionsforschung dient der Begriff Schema der Beschreibung von Wissensstrukturen; er wurde von Bartlett (1932) in die Gedächtnispsychologie eingeführt und wird in der Kognitiven Psychologie (Rumelhart 1980) zur Bezeichnung komplexer Wissenseinheiten verwendet (vgl. Minsky 1975: Rahmen/frames).
Als Schemata werden ganzheitliche, hierarchisch gegliederte Strukturen organisierten Wissens bezeichnet. Sie bilden globale Muster von Ereignissen, Zuständen und Handlungen in geordneten Abfolgen (meist geregelt durch zeitliche Nähe und Kausalität), z. B. RESTAURANT-BESUCH, ZUG-FAHRT, GERICHTSVERHANDLUNG.
    "Ein Schema ist ein ausgrenzbares konzeptuelles Teilsystem im Netzwerk, in dem auf Grund von Erfahrungen typische Zusammenhänge eines Realitätsbereiches repräsentiert sind." (Ballstaedt/Mandl/ Schnotz/Tergan 1981: 27)
    "Kognitive Schemata sind interne Datenstrukturen, in denen Erfahrungen verallgemeinert sind und die typische Sachverhalte bzw. zu erwartende Zusammenhänge aus einem bestimmten Realitätsbereich repräsentieren. Dabei kann es sich um Sachverhalte von unterschiedlichster Komplexität aus den verschiedensten Inhaltsbereichen handeln, [. . .]." (Schnotz 1994: 61)
Nach Schwarz bezeichnet man als Schemata "komplexe Wissensstrukturen [. . .], welche die Erfahrungen repräsentieren, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht" (Schwarz 1992 a: 88). Schemata dienen danach als "komplexe Organisationseinheiten" und lassen sich "in Form von Netzwerken" darstellen (88). (Als Beispiel nennt Schwarz das Schema GEBEN. Das GEBEN-Schema hat nach Schwarz drei Konzeptvariablen: Variable X ist GEBER, Variable Y EMPFÄNGER, Variable Z GABE.) (89)
Nach Schwarz spielt die Schematheorie eine wichtige Rolle in der "[. . .] Kognitiven Textwissenschaft (und hier insbesondere in der Textverarbeitungstheorie) bei dem Versuch zu erklären, welchen Einfluss standardisiertes Weltwissen auf den Prozess der sprachlichen Verarbeitung hat, [. . .]" (90). Bei Konfrontation mit neuen Situationen werden Schemata aktiviert; und Texte werden verstanden, wenn die passenden Schemata genutzt werden (vgl. Schnotz 1994: 61). Da in einem Schema typische Informationen und deren Relationen integriert und als Schemawissen gespeichert sind, provozieren Schemata Erwartungen hinsichtlich der Textentwicklung und beeinflussen die Textverarbeitung: weitere in das gespeicherte Schema passende (und z. T. auch erwartete Informationen) werden selektiv aufgenommen und in das Schema integriert (vgl. Kintsch/ van Dijk 1978, van Dijk/Kintsch 1983).
Schemata sind nach Schwarz sowohl Voraussetzungen als auch Ergebnisse von Informationsverarbeitungsprozessen (Schwarz 1992 a: 88). Die Textverarbeitung ist danach (ebenso wie andere Prozesse der Wahrnehmung und kognitiven Verarbeitung) ein schema-gesteuerter Prozess (vgl. Schwarz 1992 a: 89). Das in Schemata gespeicherte Wissen ermöglicht die Interpretation und (Re)Konstruktion von Textinhalten (155). Durch Schema-Wissen wird in der Textverarbeitung das Textwissen ergänzt und wird Inferenz ermöglicht, werden unvollständige oder mehrdeutige Informationen interpretiert und Kohärenzlücken überbrückt.

Wissen, Wissensverarbeitung, Wissenssysteme, Weltwissen, rezeptive Textverarbeitung, inferieren, Konzept, Rahmen, Skript

semantische Vernetzung

Kontiguität, Wiederaufnahme, Textisotopie, Textsemantik

Situation

Gesamtheit der außersprachlichen Bedingungen für die Produktion und Rezeption sprachlicher Äußerungen/Texte
Einerseits bildet die Situation den Hintergrund und die Voraussetzung für sprachliche Handlungen; andererseits ist eine Veränderung der Situation Ziel und mögliche Folge sprachlichen Handelns.
Die wichtigsten Elemente der Situation sind die äußeren Bedingungen (z. B. Raum, Zeit, Beschaffenheit des Kanals), die Kommunikationspartner (auch deren Anzahl, ihre Beziehungen zueinander, ihre Interessen und die daraus resultierenden Intentionen) und das Thema (einschließlich des Grades an Informiertheit darüber).

sprachliches Handeln, Kontext, Situationalität, Intention, Intentionalität

Situationalität

Kriterium der Textualität, die Beziehungen zwischen Texten und den Situationen ihrer Verwendung betreffend
Nach Beaugrande/Dressler gehört die Situationalität zu den Kriterien der Textualität, die als konstitutive Prinzipien der Textkommunikation fungieren (Beaugrande/Dressler 1981: 13 f). Mit dem Begriff Situationalität bezeichnen sie die Gesamtheit der Beziehungen zwischen Texten und (aktuellen und rekonstruierbaren) Situationen (169 ff).
Zur Situationalität eines Textes gehören das Verstehen und Berücksichtigen der situativen Ausgangsbedingungen bei der Entstehung des Textes. Ein Text kann nach Beaugrande/Dressler der Situationsbeschreibung dienen, der Situationsdarstellung bzw. Situationskontrolle und der Situationslenkung (169); die Grenzen zwischen diesen Funktionen sind fließend.
Zur Situationsdarstellung können nach Halliday/Hasan (1976: 31) auch Exophora (situationsdeiktische Ausdrücke) verwendet werden; es handelt sich dabei um sprachliche Ausdrücke, die sich auf die Verwendungssituation des Textes beziehen (z. B. ich, du, hier, jetzt). Intentionalität in der Funktion einer Situationslenkung (Beaugrande/Dressler 1981: 174 ff) setzt Planung voraus. In "ZIELVERHANDLUNGEN" (176) können verschiedene Strategien (mit unterschiedlicher Effizienz bzw. Effektivität) eingesetzt werden (z. B. bitten, drohen, aber auch indirekte Sprechakte).

Textualität, konstitutive Prinzipien, Situation, Intention, Intentionalität, situationsdeiktische Ausdrücke, Exophora, Effektivität, Effizienz

situationsdeiktische Ausdrücke

sprachliche Mittel in Texten, die den Bezug zur Verwendungssituation herstellen
Situationsdeiktische Ausdrücke beziehen sich auf Situationselemente; die Verweise können entweder durch Pronomen sprachlich realisiert werden (z. B. wir, dieser) oder durch Adverbien (z. B. hier, jetzt).
Halliday/Hasan führen für situationsdeiktische Ausdrücke den Begriff Exophora ein (Halliday/Hasan 1976: 312), in Gegenüberstellung zu Endophora (Anapher und Katapher).
Isenberg unterscheidet Ausdrücke, die satzgrenzenüberschreitend-verknüpfend  u n d  situationsdeiktisch verwendet werden können (z. B. hier), von solchen Ausdrücken, die nur satzgrenzenüberschreitend-verknüpfend gebraucht werden können (z. B. folglich) (Isenberg 1977: 13O f).

Exophora, Situation, Situationalität, Kohäsion

Situationsmodell

Strategiemodell

Skript (script)

kognitive Struktur, in der Kenntnisse über stereotype Abläufe von Ereignissen und Handlungen gespeichert sind; Plan für Rollen und erwartete Handlungen (mit festgelegter Routine)
Schank/Abelson (1977) haben die Rahmentheorie von Minsky (1975) hinsichtlich des im Langzeitgedächtnis gespeicherten Wissens über Ereignisse weiter ausgearbeitet; danach erfassen Skripts stereotype Abläufe von Ereignissen und sind in Szenen untergliedert, z. B. RESTAURANT BESUCHEN in EINTRETEN, BESTELLEN, ESSEN/TRINKEN, BEZAHLEN, RESTAURANT VERLASSEN. (Teilhandlungen (z. B. Platz suchen) werden z. T. inferiert.)
    "Ein Skript ist eine kognitive Struktur, die neben obligatorischen (routinemäßigen) Basisereignissen (Szenen) offene Stellen für (personale) Rollen, fakultative Ereignisse und Gegenstände (Abweichungen, Modifikationen) sowie Möglichkeiten zu implikativer Strukturbildung enthält (Ziehen von Inferenzen)." (Lewandowski 199O: 973)
Skripts speichern (auch) Handlungswissen, dessen Aktivierung in Prozessen der Textproduktion und der rezeptiven Textverarbeitung gezieltes, situationsangemessenes (sprachliches) Handeln ermöglicht.

Handlungswissen, Wissen, Wissensverarbeitung, Wissenssysteme, sprachliches Handeln, rezeptive Textverarbeitung, Textproduktion, Konzept, Rahmen, Schema, inferieren

Sprachhandlung

Sprechakt, sprachliches Handeln

Sprachhandlungstyp

Sprechakt

sprachliches Handeln

situationsangemessene, gezielte, auf einen Zweck gerichtete Sprachverwendung
Sowohl in der Textproduktion als auch in der rezeptiven Textverarbeitung wird sprachlich gehandelt. Voraussetzung für sprachliches Handeln ist die auf einer Situationsanalyse (und häufig auch auf vorsituativen Interessen) beruhende Intention, die auf Situationslenkung zielt. Sprachliches Handeln setzt Planung voraus und muss als symbolisch vermitteltes Handeln sprachlichen Konventionen entsprechen; es impliziert den situationsangemessenen Einsatz sprachlicher Mittel.
Die das sprachliche Handeln auslösenden und steuernden Intentionen und die möglichen Folgen des Handelns sind den Handelnden nicht immer voll, sondern in unterschiedlichen Graden bewusst; sie sind jedoch grundsätzlich der Reflexion zugänglich. Da sprachliches Handeln auch soziales Handeln ist, sind die Folgen nicht nur von den Intentionen der Sprecher/Schreiber, sondern auch von den Intentionen, Erfahrungen und Erwartungen der Handlungspartner abhängig; das Gelingen des sprachlichen Handelns resultiert auch aus den kooperativen Bemühunen der Handlungspartner (vgl. Grice 1979: 248 ff; Rehbein 1977: 1O2 ff).
Als wesentliche Merkmale des Begriffs sprachliches Handeln fassen Burkhardt/Henne zusammen: Intentionalität, Reflexivität und Konventionalität (Burkhardt/Henne 1984: 341).

Handeln, Situation, Situationalität, Intention, Intentionalität, Sprechakt, kommunikatives Handlungsspiel, Handlungswissen

Sprachwissen

Gesamtheit der im Langzeitgedächtnis gespeicherten Kenntnisse über akzeptable sprachliche Strukturen und das Lexikon
Als Sprachwissen bezeichnet man die Kenntnisse über Strukturen auf den verschiedenen sprachlichen Ebenen (von der Phonem- bis zur Textebene). Über sprachliches Wissen zu verfügen bedeutet in der Regel, imstande zu sein, semantisch und phonologisch/morphologisch/syntaktisch akzeptable Strukturen zu bilden und zu verstehen.
Der in der Linguistik verwendete Terminus Sprachwissen (oder: sprachliches Wissen) entspricht nicht völlig der alltagssprachlichen Verwendung des Begriffs Wissen, der die Bewusstheit und Begründbarkeit von Einzelkenntnissen einschließt. Der Terminus Sprachwissen wird im Sinne von Sprachkompetenz verwendet, erfasst also auch die Fähigkeit, implizit vorhandenes Wissen spontan anzuwenden. Sprachwissen ist nicht voll bewusst, jedoch der Reflexion zugänglich.
Nach Lewandowski bezieht sich der Begriff Sprachwissen auf Wortschatz, Grammatik, Dialog- und Textkonstitution (Lewandowski 1990: 953). Den Kenntnissen über (akzeptable) sprachliche Strukturen ist auch das Textmusterwissen zuzurechnen.
Heinemann/Viehweger untergliedern das sprachliche Wissen in zwei "Wissenstypen":
  • Sprachwissen für die Zuordnung von Laut und Bedeutung,
  • Sprachwissen für "sprachliche Komplexbildung" (im Sinne von Kombination, Strukturbildung, z. B. auch für die Verknüpfung von Propositionen zu Propositionskomplexen) (Heinemann/Viehweger 1991: 93 f).
Dem Sprachwissen werden außer Kenntnissen über Kombinations- und Verknüpfungsmöglichkeiten sprachlicher Elemente auch solche über Kombinationsmöglichkeiten sprachlicher mit sprachbegleitenden (z. B. prosodischen) Mitteln zugerechnet (vgl. Heinemann/Viehweger 1991: 94).

Wissen, Lexikonwissen, Wissenssysteme, Wissensverarbeitung, Textmusterwissen, Textmuster, rezeptive Textverarbeitung, Textproduktion, Textstruktur, Textsorten, Intertextualität

Sprechakt

Einheit des sprachlichen Handelns
Austin hat darauf hingewiesen, "[. . .] dass man etwas tut, indem man etwas sagt; ja, dass man dadurch, dass man etwas sagt, etwas tut" (Austin 1972 (1962): 11O).
Bei der Gesamthandlung, dem Sprechakt, unterscheidet Austin die folgenden Teilakte:
  • Lokution
    • phonetischer Akt: Hervorbringen von Geräuschen (110 f)
    • phatischer Akt: bestimmtes Vokabular, bestimmte grammatischeForm (111)
    • rhetischer Akt: Bedeutungsfestlegung (113)
  • Illokution
    • Vollzug einer Handlung, z. B. auffordern, fragen (114 f)
  • Perlokution
    • Wirkung der Äußerung (116 f)
Diese Teilakte laufen nicht nacheinander ab, sondern sind Teilaspekte  e i n e s  Sprechakts, wobei die Illokution die eigentliche Handlung darstellt, "eine konventionale Handlung" (120).
Searle fasst die von Austin als phonetische und phatische Akte bezeichneten Teilakte als Äußerungsakte (Äußerung von Wörtern und Sätzen) zusammen; den rhetischen Akt (Austin) bezeichnet Searle als propositionalen Akt, bestehend aus Referenz (Bezugnahme auf die 'Welt') und Prädikation (Aussage über die 'Welt') (Searle 1971 (1969): 23 ff). Der semantische Aspekt erhält so bei Searle ein größeres Gewicht.
Nach Searle (1975) lassen sich die Sprechakttypen klassifizieren in
  • Repräsentative (z. B. behaupten, mitteilen),
  • Direktive (z. B. bitten, befehlen, anordnen),
  • Kommissive (z. B. versprechen, drohen),
  • Expressive (z. B. danken, loben),
  • Deklarative (z. B. ernennen, taufen).

sprachliches Handeln, Handeln, Sprechakttheorie, Intention, Konvention

Sprechakttheorie

Teildisziplin der Sprachphilosophie, in der sprachliche Handlungen untersucht werden
Im Mittelpunkt der Untersuchungen der Sprechakttheorie stehen nicht Sätze (als syntaktische Einheiten), sondern Äußerungen (als pragmatische Einheiten) (Austin 1972 (1962)) und seit Searle (1971 (1969)) auch Propositionen (als semantische Einheiten).
Auf der Grundlage der Philosophie der Alltagssprache (Wittgenstein 1960 (1953)) begründet Austin (1972 (1962)) die Sprechakttheorie. Er weist darauf hin, dass man durch Äußerungen unterschiedliche sprachliche Handlungen vollzieht, durch die beabsichtigte Wirkungen erzielt werden können und bei denen Konventionen berücksichtigt werden müssen.
Searle erkärt, dass Sprechakte nach konstitutiven Regeln, die er von regulativen Regeln unterscheidet, geäußert werden (Searle 1971: 59) und dass Konventionen (im Zusammenspiel mit Intentionen) über den Erfolg von Sprechakten entscheiden (88 ff).
Grice untersucht nicht mehr einzelne isolierte Sprechakte, sondern weist durch Konversationsanalysen auf die Bedeutung der Konversationsimplikaturen und des Kooperationsprinzips hin (Grice 1979 (1975)).

Sprechakt, Intention, Konvention, sprachliches Handeln, Gesprächslinguistik - Glossar: Kooperationsprinzip; konstitutive Regeln

Sprechakttypen

Sprechakt,

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