-
philosophische Variante des (psychologisch fundierten) Prototypenkonzepts in der Lexikalischen Semantik
Das Stereotypenkonzept geht auf Putnam (1975) zurück. Ein Stereotyp ist nach Putnam eine konventionelle Vorstellung, die aus der Alltagserfahrung gewonnene Kenntnisse über auffallende Merkmale einer Kategorie zusammenfasst.
Prototyp,
Prototypenkonzept
-
komplexes Modell des gezielten Verstehens schriftlicher Texte
In dem 1983 von van Dijk/Kintsch beschriebenen Strategiemodell wird die vorher entwickelte Propositionsanalyse (Kintsch/van Dijk 1978) ausgeweitet, ergänzt und differenziert.
Nach van Dijk/Kintsch (1983) ist die Verständlichkeit, die Lesbarkeit von Texten nicht nur von den Texten selbst abhängig, sondern ergibt sich aus der Interaktion der Textverwender mit den Texten (362). Van Dijk/Kintsch betonen die Komplexität der von ihnen beschriebenen Textverstehensstrategie, die sich auf alle sprachlichen Ebenen, auf semantische und syntaktische Aspekte bezieht (11). Ziel der Strategie ist die Konstruktion der Textbasis (11). Substrategien zielen auf das Herstellen der lokalen und der globalen Kohärenz, die mit dem Situationsmodell korrespondiert (11), um das van Dijk/Kintsch ihre früher entwickelte Propositionsanalyse erweitern.
Für das Verstehen eines Textes benötigen die Leser nach van Dijk/Kintsch ein Situationsmodell, das ihnen die Vorstellung einer Situation ermöglicht, in der das Textgeschehen ablaufen könne, in der die im Text vorkommenden Personen, Objekte, Orte, Fakten vorstellbar seien (337). Die Entwicklung des für das Textverständnis notwendigen Situationsmodells ist nach van Dijk/ Kintsch nur auf der Grundlage des durch Erfahrungen erworbenen Wissens möglich; die Rezipienten müssen den Text zu ihren Wissensstrukturen in Beziehung setzen, um das für das Textverstehen notwendige Situationsmodell bereitstellen zu können (337 ff).
Im Strategiemodell wird eine zyklische Textverarbeitung beschrieben; einzelne Verarbeitungszyklen können wiederholt und müssen durch Inferieren ergänzt werden.
Komponenten der komplexen Verstehensstrategie sind
- propositionale Strategien (109 ff),
- Strategien der lokalen Kohärenz (149 ff),
- Makrostrategien (189 ff),
- schematische Strategien (mit kulturellen und pragmatischen Informationen und solchen des sozialen Kontextes und der Interaktion) zur Bestimmung der Superstrukturen (235 ff),
- Produktionsstrategien (261 ff) und
- Strategien für den Gebrauch des Wissens (304 ff).
Propositionsanalyse,
Textbasis,
rezeptive Textverarbeitung,
inferieren
-
von Konventionen abhängige Vorgehensweise für die textsortenspezifische Anordnung von Informationen und Illokutionen in einem Text
Nach Heinemann/Viehweger können komplexe Strategiemuster "als das Ergebnis von Erfahrungswerten vieler Generationen angesehen werden" (Heinemann/ Viehweger 1991: 237). Sie sind "grundsätzlich auf Textganzheiten bezogen" und dienen als "Darstellungsmodell zur Verteilung von Informationen und zur Sequenzierung der illokutiven Handlungen" (237). In bestimmten Situationen werden (in der Textproduktion und in der Textrezeption) die komplexen Strategiemuster aktiviert; die Fähigkeit dazu "stellt eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Kommunizieren dar" (237).
"Diese k o m p l e x e n V e r f a h r e n s m u s t e r für informationsvermittelnde Texte lassen sich charakterisieren als
- chronologische Aufgliederung von Ketten illokutiver Handlungen, die zusammengenommen ein Ereignis repräsentieren im Sinne einer zeitlichen Abfolge = NARRATION;
- Inbeziehungsetzen illokutiver Handlungen zur detaillierten Kennzeichnung von Merkmalen des räumlichen Zusammenhangs von Objekten, ausgehend von einem übergeordneten Gesichtspunkt = DESKRIPTION;
- abwägendes und auf Schlussfolgerungen zielendes Miteinander-in-Beziehung-Setzen von illokutiven Handlungseinheiten zur Begründung von Behauptungen = ARGUMENTATION." (237)
Zum Verfassen eines Großtextes wird nach Heinemann/Viehweger eine "Langzeitstrategie" benötigt (251), die sich auf die "Aufgliederung des geplanten Gesamttextes in überschaubare Teiltexte" richtet (252).
thematische Entfaltung,
Handeln,
sprachliches Handeln,
Textproduktion,
Handlungswissen,
Illokution,
Illokutionswissen,
Textmuster,
Texttypen,
Textsorten,
Textmusterwissen,
rezeptive Textverarbeitung
-
syntagmatische Substitution
-
syntagmatische Substitution
-
Struktur eines Gesamttextes, den Teiltexten (Kapiteln, Paragraphen, Abschnitten, Absätzen) übergeordnet; textsortentypische Textstruktur
Der Begriff Superstruktur wird entweder
- synonym für die Termini Globalstruktur und Makrostruktur verwendet oder
- als Bezeichnung für eine abstrakte Textform, deren inhaltlicher Gegenstand dann mit dem Terminus Makrostruktur erfasst wird.
Beiden Verwendungsweisen des Begriffs Superstruktur ist gemeinsam, dass sie sich nicht auf einzelne Sequenzen bzw. Satzabfolgen eines Textes beziehen, sondern auf den Text als Ganzes.
Zu 1. Gülich/Raible entwickeln in Abgrenzung zum transphrastischen Ansatz (Untersuchungen der Verknüpfung benachbarter Sätze) ihre Auffassung von einer "zweiten Dimension des Text-Gewebes", die sie als Makrostruktur bezeichnen (Gülich/Raible 1977: 53).
"Nach dieser Konzeption würde ein Text bzw. ein Textganzes aus Teilganzen [. . .] bestehen, die als Sinneinheiten eine Funktion im Textganzen haben." (53)
Zu diesen beiden unterschiedlichen "Strukturierungsdimensionen" Kallmeyer/Meyer-Hermann:
"Die lineare Verkettung wird an jeder Satzgrenze relevant. Makrostrukturen hingegen sind übergreifende Baumuster, welche die Gesamtgestalt betreffen. Das Zusammenwirken dieser beiden Strukturierungen ist ausschlaggebend für die Textualität [. . .]." (Kallmeyer/Meyer-Hermann 198O: 253)
Zu 2. Van Dijk (1980 a, 1980 b) dagegen trennt scharf zwischen den Begriffen Superstruktur (auch globale Struktur bzw. Hyperstruktur) und Makrostruktur (van Dijk 198O b: 128 ff). Während van Dijk die semantische Einheit Textinhalt als Makrostruktur bezeichnet, fasst er Superstruktur als globale Struktur auf, die den "Typ eines Textes" kennzeichnet (128).
"[. . .] eine Superstruktur ist eine Art Textform, deren Gegenstand, Thema, d. h.: Makrostruktur, der Textinhalt ist." (128)
"[. . .] eine Superstruktur ist eine Art abstraktes Schema, das die globale Ordnung eines Textes festlegt [. . .]." (131)
Beispiele für unterschiedliche Superstrukturen sind nach van Djik (1980 b) narrative Strukturen (140 ff), argumentative Strukturen (144 ff), wissenschaftliche Abhandlungen (150 ff).
Makrostruktur,
Texttypologie,
Textgliederung,
Textsorten,
Textstruktur
-
Ersetzen sprachlicher Einheiten durch andere sprachliche Einheiten innerhalb eines Textes in linearer Dimension
Harweg führt 1968 (in Abgrenzung zur paradigmatischen Substitution) den Begriff der syntagmatischen Substitution ein und fasst beide als zweidimensionale Substitution zusammen (Harweg 1968: 2O ff).
Durch syntagmatische Substitution wird jeweils eine sprachliche Einheit (das Substituendum) durch eine andere sprachliche Einheit (das Substituens) ersetzt. (Beispiel: Das Kind läuft über die Straße. E s fällt hin.) Harweg definiert Pronomen ("Neue Pronomina") als syntagmatische Substituentia (14 ff), als zweidimensionale Substituentia (25). Text ist für ihn "ein durch ununterbrochene pronominale Verkettung konstituiertes Nacheinander sprachlicher Einheiten" (148).
Proform,
Pronomen,
Textkonstituenten,
Textkonstitution,
Referenzbeziehungen,
Kohäsion,
Wiederaufnahme
-
Gliederungseinheit globaler Textstrukturen; auch: Textsegment, Mikrotext
Teiltexte sind thematisch-inhaltlich relativ abgeschlossene Segmente mit einer textsortentypischen Funktion im Gesamttext.
Die Untergliederung in Teiltexte ist auch vom Umfang der Gesamttexte abhängig; Großtexte sind in der Regel hierarchisch gegliedert:
- schriftliche Texte in Kapitel, Paragraphen, Abschnitte, Absätze,
- Gespräche in Hauptphasen (Gesprächseröffnung, Gesprächsmitte oder Kernphase, Gesprächsbeendigung), Gesprächsteilphasen, Gesprächssequenzen, Gesprächsschritte.
Nach Kallmeyer/Meyer-Hermann stellen Textsegmente "wesentliche Sinneinheiten" dar und entsprechen einem "deutlichen Aktivitätswechsel" (Kallmeyer/ Meyer-Hermann 1980: 252). In Teiltexten werden Subthemen entfaltet, die zur Entwicklung des Gesamttextes (und des Hauptthemas) beitragen (vgl. Brinker 1992: 56 ff).
Die Übergänge werden (dem Aktivitätswechsel und der thematischen Veränderung entsprechend) in besonderer Weise signalisiert, z. B. durch textorganisierende Sprachhandlungen, Teilzusammenfassungen, Metathematisierungen, Ankündigungen, in schriftlichen Texten außerdem durch graphische Kennzeichnung (Zwischenräume, Leerzeilen, Beginn einer neuen Zeile bzw. Seite u. a.) und oft auch durch Zwischenüberschriften.
Textgliederung,
Gesprächslinguistik - Glossar: Gesprächsphasen;
Textthema,
Kapitel,
Paragraph,
Abschnitt,
Absatz,
Textthema
-
kohärente, strukturierte sprachliche Einheit mit Funktion in der Kommunikation;
in sich abgeschlossene sprachliche Einheit, mit der sprachlich gehandelt wird, der ein Sinn zugrundeliegt und deren Sätze semantisch-syntaktisch verknüpft sind;
komplexes Zeichen als Resultat und Grundlage kognitiver Prozesse in sprachlich-kommunikativen Handlungen
Eine endgültige, allgemein anerkannte Definition des Terminus Text liegt noch nicht vor.
(Häufig werden die Termini Text und Diskurs synonym verwendet und können sich auf mündliches und schriftliches Sprachhandeln beziehen; manchmal werden jedoch Text- und Diskursbegriff voneinander abgegrenzt, z. B.: Text als Bezeichnung für das Ergebnis schriftlichen Sprachhandelns, Diskurs als Bezeichnung für den Prozess mündlichen Sprachhandelns.)
Die Merkmale der sprachlichen Einheit Text wurden häufig textextern (kommunikationsorientiert) und textintern (an den sprachlichen Strukturen im Text orientiert) erfasst.
"Im Sinne der Komplementarität beider Betrachtungsweisen sollte bei der Definition von ´Text´ sowohl auf die textexternen als auch auf die textinternen Kriterien zurückgegriffen werden. [. . .] Ein Text wäre danach, textintern gesehen, ein komplexes sprachliches Zeichen, das nach den Regeln des Sprachsystems (langue) gebildet ist. Textextern gesehen, wäre ein Text dann gleichbedeutend mit 'Kommunikationsakt'." (Gülich/ Raible 1977: 47)
Die textintern erfassbaren Merkmale eines Textes werden in der Textgrammatik, die textexternen Komponenten werden vor allem in der Textpragmatik/Texttheorie untersucht. (Eine Integration dieser Teilbereiche ermöglicht Untersuchungen struktureller Textmerkmale in ihrer Abhängigkeit von unterschiedlichen Funktionen der Texte in Handlungszusammenhängen, vgl. Brinker 1992: 113 ff).
Brinker fordert die Verwendung eines "integrativen Textbegriffs", der sowohl die kommunikative Funktion von Texten berücksichtigt als auch am Sprachsystem ausgerichtet ist (Brinker 1992: 17).
"Die beiden [. . .] Grundpositionen der Textlinguistik, der sprachsystematisch ausgerichtete und der kommunikationsorientierte Ansatz, sind nicht als alternative, sondern als komplementäre Konzeptionen zu betrachten und eng aufeinander zu beziehen. [. . .] Dieser Auffassung trägt nur ein T e x t b e g r i f f Rechnung, der es ermöglicht, den Text als eine sprachliche und zugleich kommunikative Einheit zu beschreiben. [. . .] Der Terminus ´Text´ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert." (17)
Textgrammatisch orientierte Textdefinitionen:
"[. . .] e i n d u r c h u n u n t e r b r o c h e n e p r o n o m i n a l e V e r k e t t u n g k o n s t i t u i e r t e s N a c h e i n a n d e r s p r a c h l i c h e r E i n h e i t e n" (Harweg 1968: 148)
"e i n d u r c h e i n e u n u n t e r b r o c h e n e K e t t e z w e i d i m e n s i o n a l e r S u b s t i t u t i o n e n g e b i l d e t e s N a c h e i n a n d e r s p r a c h l i c h e r E i n h e i t e n" (148)
"TEXTE sind sinnvolle Verknüpfungen sprachlicher Zeichen in zeitlich-linearer Abfolge." (Weinrich 1993: 17)
Textpragmatisch (an Handlungszusammenhängen) orientierte Textdefinitionen:
"Ein Text ist jeder geäußerte Bestandteil eines Kommunikationsaktes in einem kommunikativen Handlungsspiel, der thematisch orientiert ist und eine erkennbare kommunikative Funktion erfüllt, d. h. ein erkennbares Illokutionspotential realisiert." (Schmidt 1976: 150)
"Text ist die Gesamtmenge der in einer kommunikativen Interaktion auftretenden kommunikativen Signale." (Kallmeyer u. a. 1974: 45)
Textdefinition im prozeduralen Ansatz (Beaugrande/Dressler 1981):
"Wir definieren TEXT als eine KOMMUNIKATIVE OKKURENZ [. . .], die sieben Kriterien der TEXTUALITÄT erfüllt. Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text nicht als kommunikativ. Daher werden nicht-kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt [. . .]." (3)
(Als Kriterien der Textualität nennen Beaugrande/Dressler Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität, Intertextualität (13)).
"Diese Kriterien fungieren als KONSTITUTIVE PRINZIPIEN [. . .] von Kommunikation durch Texte [. . .]." (13 f)
Der Begriff ´Text´ wird (wie ´Textualität´und einige andere textlinguistische Termini) auch für nichtsprachliche strukturierte Einheiten mit Funktion in der Kommunikation verwendet (z. B. in der Musik).
Textualität,
Textlinguistik,
Textgrammatik,
Textkonstitution,
Texttheorie,
Textpragmatik,
sprachliches Handeln,
konstitutive Prinzipien,
Gesprächslinguistik - Glossar: Gespräch
-
Abschnitt
-
Untersuchung von Texten zwecks Beschreibung ihrer Strukturen, Funktionen und Themen
Nach Brinker setzt sich die linguistische Textanalyse das Ziel, "die Struktur, d. h. den grammatischen und thematischen Aufbau sowie die kommunikative Funktion konkreter Texte transparent zu machen und nachprüfbar darzustellen" (Brinker 1992 (1985): 8).
Brinker analysiert Texte
- unter strukturellem Aspekt,
- unter kommunikativ-funktionalem Aspekt,
- unter dem Aspekt von Textsorten.
Bei den Analysen von Textstrukturen unterscheidet er
- die grammatischen Bedingungen der Textkohärenz (explizite und implizite Wiederaufnahme) (Brinker 1992: 26 ff) und
- die thematischen Bedingungen der Textkohärenz (Entfaltung der Textthemen) (41 ff).
Brinker differenziert textuelle Grundfunktionen (auf der Grundlage der Sprechakttheorie):
- Informationsfunktion (98 ff),
- Appellfunktion (101 ff),
- Obligationsfunktion (109 ff),
- Kontaktfunktion (111 f),
- Deklarationsfunktion (112 f),
wobei die poetische Funktion von Texten ausdrücklich nicht berücksichtigt wird (98, Anmerkung 63).
Für die Unterscheidung von Textsorten schlägt Brinker vor, die Textfunktion als Basiskriterium gelten zu lassen (125 f) und in einzelnen Analyseschritten
- die Kommunikationsform (z. B. direktes Gespräch, Telefongespräch, Fernsehsendung) (126 ff),
- die Themenentwicklungen und
- die Verwendung textsortenspezifischer sprachlicher Mittel zu untersuchen und zu beschreiben (130 ff).
M e t h o d e n der Textanalyse gehen von unterschiedlichen Voraussetzungen aus (z. B. einem integrativen oder modularen Textverständnis) und haben verschiedene Schwerpunkte. Im Mittelpunkt von Textanalysen steht häufig das Textthema, allerdings bei unterschiedlichem Themaverständnis.
- So geht Daneš in seinem bereits 1970 vorgestellten Analysemodell von der Thema-Rhema-Gliederung aus und bezieht den Themabegriff auf Satzthemen (Daneš 1978 (1970)). Deren Abfolge in benachbarten Sätzen und die Relationen zwischen ihnen in Satzsequenzen klassifiziert Daneš als Typen der thematischen Progression.
- Nach Brinker signalisiert der Text als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion (Brinker 1992 (1985): 17), der das Hauptthema eines Textes am stärksten entspreche, von dem sich die Nebenthemen ableiten lassen (52). Unter thematischer Entfaltung versteht Brinker die gedankliche Ausführung des Themas, die durch kommunikative und situative Faktoren gesteuert wird (56). Bei der Analyse des Themas ist nach Brinker eine Orientierung an der Wiederaufnahmestruktur (als grammatischer Trägerstruktur thematischer Zusammenhänge) möglich (40 f, 52).
- Für Lötscher ist der Text eine Handlung zur Beseitigung eines Defizits (Lötscher 1987: 81 f, 125) und das Thema eines Textes ein defizitäres Objekt, dessen Mangel durch die Themenbehandlung behoben werde (83 f). Der Mangel z. B. eines argumentativen Textes bestehe in der nicht vorhandenen Akzeptanz einer Proposition (83 f). Bei Analysen der Themenstruktur beschreibt Lötscher verschiedene Möglichkeiten der Themenverknüpfung (149 ff).
- Nach Klein/von Stutterheim kann ein Text als Antwort auf eine (explizite oder implizite) Frage, die "Quaestio" des Textes verstanden werden, die dessen globale und lokale Struktur bestimme (Klein/von Stutterheim 1992: 69 ff). Der Textaufbau unterliege globalen Beschränkungen, die aus der komplexen "Gesamtvorstellung" resultieren (69) und sich auf den Inhalt beziehen, aber auch die Möglichkeiten bei der Wahl sprachlicher Mittel verringern (79).
- Greimas (1971 (1966)) und Rastier (1974 (1972)) schlagen für Textanalysen die Beschreibung von Textisotopien und Isotopierelationen im Text vor. Weinrich (1978) erklärt Textpartituren, indem er die Verben eines Textes unter grammatischen Aspekten untersucht.
- Kintsch/van Dijk untersuchen in ihrer Propositionsanalyse Texte als Gefüge von Propositionen, zwischen denen bestimmte Relationen bestehen; sie nehmen auch Makropropositionen an, die die Hauptaussagen der Texte repräsentieren (Kintsch/van Dijk 1978: 372). Über die Erweiterung der Propositionsanalyse um ein Situationsmodell entwickeln van Dijk/Kintsch ein Strategiemodell, nach dem sich das Textverstehen aus der Interaktion der Textverwender mit den Texten ergibt (van Dijk/Kintsch 1983: 362). Ziel komplexer Textverstehensstrategien ist die Konstruktion einer Textbasis (11).
- Die Analysen von Illokutionsstrukturen basieren auf modularem Verständnis, nach dem relativ autonome Module der Pragmatik und Grammatik bei der Textproduktion interagieren; das Illokutionswissen wird dabei als selbstständiges Kenntnissystem aufgefasst (Motsch/Viehweger 1991: 117). Durch Übertragung des Illokutionsbegriffs von der Ebene einzelner Sprechakte auf die Ebene von Sätzen wird ein mehrschichtiges Textmodell mit einer hierarchisch geordneten Illokutionsstruktur entworfen, nach dem dominierende Illokutionen durch subsidiäre Illokutionen gestützt werden (Motsch/Viehweger 1991: 121 ff, Motsch 1996 a: 9 ff).
Textthema,
Textfunktion,
Textisotopie,
thematische Progression,
thematische Entfaltung,
Textpartitur,
Propositionsanalyse,
Strategiemodell,
Wiederaufnahme,
Textstruktur,
Textinhalt,
Textthema,
Illokutionsstruktur,
Illokutionswissen
-
Textsorten,
Texttypologie
-
semantische Repräsentation, Bedeutung eines Textes
Der Begriff Textbasis wird in der Textsemantik (besonders im Zusammenhang mit der Propositionsanalyse und dem Strategiemodell) verwendet (Kintsch/van Dijk 1978, van Dijk 1980 a, 1980 b, van Dijk/Kintsch 1983). Die Textbasis beruht auf den Propositionen eines Textes (und deren Präsuppositionen).
Nach van Dijk/Kintsch (1983) wird die Textbasis durch die Propositionen eines Textes und die Relationen zwischen diesen Propositionen gebildet. Im "Strategiemodell" der Textverarbeitung ist die Konstruktion der Textbasis Ziel der Strategie (van Dijk/Kintsch 1983: 11).
Nach van Dijk ist zwischen der expliziten und der impliziten Textbasis zu unterscheiden; danach wird die (vollständige) explizite Textbasis aufgrund der impliziten Textbasis rekonstruiert (van Dijk 1980 b: 33).
"[. . .] die explizite Textbasis ist die Sequenz von Propositionen, von denen ein Teil implizit bleibt bei ihrem »Aussprechen« (»Ausdrücken«) als Satzsequenz; dagegen manifestiert sich die implizite Textbasis in ihrer Gesamtheit, unter Auslassen der »bekannten« Propositionen, direkt als »Text«; eine explizite Textbasis ist daher nur eine theoretische Konstruktion und vielleicht auch Rekonstruktion kognitiver Interpretationsprozesse [. . .]." (33)
Propositionsanalyse,
Relationssemantik,
Strategiemodell,
rezeptive Textverarbeitung,
inferieren
-
sprachliche, sprachbegleitende und nichtsprachliche Mittel, die den Textanfang und das Textende signalisieren
Am Textanfang kann die Textverarbeitung in Richtung des zu erwartenden Inhalts, der Textstruktur und der Textsorte gelenkt werden, z. B.
- durch die Formulierung des Texttitels,
- durch Ankündigungen (unter Verwendung kataphorischer sprachlicher Ausdrücke),
- durch Einführungen/Ersterwähnungen (mit der entsprechenden Artikelselektion).
Das Textende kann durch Formulierungen signalisiert werden, die den (gesamten) Textinhalt (unter Verwendung anaphorischer sprachlicher Ausdrücke) abschließend zusammenfassen.
Bei mündlich übermittelten Texten dienen auch sprachbegleitende (z. B. prosodische) und nichtsprachliche (z. B. gestische und mimische) Mittel der Kennzeichnung von Textbeginn und Textende; in schriftlichen Texten zeigt die graphische Hervorhebung des Texttitels den Textbeginn, die besondere Anordnung eines Inhaltsverzeichnisses signalisiert sowohl inhaltlich als auch drucktechnisch den Textanfang.
"Zu den sprachlichen Signalen für Textanfang bzw. Textschluss gehören z. B. Überschriften, Buchtitel und bestimmte Einleitungs- und Schlussformeln; an nichtsprachlichen Mitteln sind vor allem bestimmte Druckanordnungskonventionen zu nennen (Buchstabengröße bei Überschriften, Leerzeilenkontingent usw.) sowie die auf mündliche Texte beschränkte Sprechpause [. . .]." (Brinker 1992: 18)
Texterwartung,
rezeptive Textverarbeitung,
Textproduktion,
Gesprächslinguistik - Glossar: Gesprächseröffnung,
Gesprächsbeendigung;
Textrahmen
-
Textproduktion
-
Text als theoretisches Konstrukt, als abstrakte Einheit des Sprachsystems auf der Ebene der Langue (im Gegensatz zu realisierten konkreten sprachlichen Äußerungen in Texten auf der Ebene der Parole)
Text
-
Erwartung an einen Text, textextern oder textintern ausgelöst
Durch Erfahrungen gewonnenes, im Langzeitgedächtnis gespeichertes Vorwissen lenkt die Texterwartung und beeinflusst die Textverarbeitung.
Textextern können situative Bedingungen, eigene Bedürfnisse und Interessen, aber auch außerhalb des Textes vorfindbare Ankündigungen oder Bezeichnungen der Textsorte Texterwartungen wecken, steuern, verstärken oder verändern.
Textintern können schon am Textanfang Erwartungen an den gesamten Text geweckt werden, z. B. durch die Formulierung des Texttitels und der Texteröffnungssequenz, durch vorangestellte Zusammenfassungen und Ankündigungen. Kataphorische Elemente steuern ebenfalls die Texterwartung.
rezeptive Textverarbeitung,
textextern,
textintern,
Weltwissen,
Textsorten,
Textmusterwissen,
Katapher,
Texttitel,
Textbegrenzungssignale,
Kontextgedächtnis
-
Textproduktion
-
nicht ausschließlich aus Texten selbst erklärbar, sondern auf Kommunikationssituationen bezogen
Unter der Bezeichnung textextern werden - im Gegensatz zu textintern - alle einen Text betreffenden Komponenten zusammengefasst, die aus der Situation der Textproduktion bzw. der Textrezeption erklärbar sind oder sich auf das voraussetzbare Wissen der Textverwender beziehen.
"Textextern gesehen wäre ein Text dann gleichbedeutend mit 'Kommunikationsakt'." (Gülich/ Raible 1977: 47)
Gülich/Raible nennen als textexterne Faktoren "[. . .]
- Kommunikationssituation
- Sprecher und Hörer
- Intention und Reaktion
- Referenz auf bestimmte Teilbereiche des Bereichs der Gegenstände und Sachverhalte [. . .]
- Differenzierungskriterien für Textsorten" (58).
verwenderzentriert,
textintern,
textzentriert,
Textualität,
Situationalität,
situationsdeiktische Ausdrücke,
Intentionalität,
Textpragmatik,
Texttheorie
-
dominierende Aufgabe eines Textes im sprachlichen Handeln; beabsichtigte Wirkung auf die Rezipienten und tatsächlich eintretende Folgen
Der Begriff Textfunktion bezieht sich auf die Realisierung von Intentionen im Sinne einer Situationslenkung, Situationsveränderung. Das Einhalten bestimmter (auch textsortenspezifischer) Konventionen ist in der Regel eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung dafür, dass die tatsächlichen Folgen bei der Textverwendung den beabsichtigten Wirkungen entsprechen. Bei den meisten Texten lässt sich eher eine dominierende als eine einzige Textfunktion feststellen.
Unter Textfunktion wird die durch sprachliche Ausdrücke vermittelte, an den Rezipienten gerichtete Instruktion verstanden, wie der Text zu verstehen sei (Große 1976: 15 ff, 26, 68), bzw. die Kommunikationsabsicht des Textverfassers, die im Text mit konventionell geltenden Mitteln realisiert ist (Brinker 1992: 86).
"Der Terminus 'Textfunktion' bezeichnet die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden, d. h. in der Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des Emittenten." (86)
Brinker betont, dass die tatsächliche "Textwirkung" durchaus von der intendierten Textfunktion abweichen kann (87).
Die Klassifizierung von Texten nach ihrer Funktion in der Kommunikation greift vielfach auf Bühlers Theorie von den Sprachfunktionen zurück (Bühler 1934: 28 ff) bzw. auf Searles Klassifizierung von Sprechakttypen (Searle 1975). Die Aufstellung einheitlicher Differenzierungskriterien für Textfunktionen ist umstritten. Einige Differenzierungen beschränken sich auf Gebrauchstexte.
Brinker (1992) unterscheidet unter dem Aspekt des kommunikativen Kontakts fünf "textuelle Grundfunktionen" (97):
- Informationsfunktion (Wissensübermittlung, z. B. durch Sachbuch, Nachricht, Bericht, Beschreibung) (98 ff),
- Appellfunktion (Meinungsbeeinflussung, z. B. durch Werbeanzeige, Kommentar, Antrag, Bittschrift) (101 ff),
- Obligationsfunktion (Verpflichtung zum Vollzug von Handlungen, z. B. durch Vertrag, Gelöbnis, Garantieschein) (109 ff),
- Kontaktfunktion (Herstellen und Aufrechterhalten von persönlichen Beziehungen, z. B. durch Beileids- und Glückwunschschreiben) (111 f),
- Deklarationsfunktion (explizite Einführung eines Tatbestandes, z. B. durch Bevollmächtigung, Schuldspruch, Testament, Ernennungsurkunde) (112 f).
Im Gegensatz zu Auffassungen über eine streng hierarchisch segmentierbare Illokutionsstruktur im Text (Motsch 1987, Motsch/Viehweger 1981, 1991) betont Brinker den Charakter der Textfunktion als kommunikativer "Gesamtfunktion eines Textes" (90).
"Der Handlungscharakter, der durch die Textfunktion bezeichnet wird, kommt dem Text als Ganzem zu." (90)
Brinker weist auf "enge Zusammenhänge" zwischen Textfunktion und Textstruktur hin (113) und auf Verträglichkeitsbeziehungen zwischen Textfunktion und Hauptthema des Textes (52).
Die Textfunktion gilt als Kriterium für die Unterscheidung von Texttypen (vgl. Heinemann/Viehweger 1991: 144 ff, 147 ff) bzw. als "Basiskriterium" für die Textsortenklassifizierung (Große 1976, Brinker 1992, Rolf 1993). Die primären Textfunktionen in der Texttypologie von Heinemann/Viehweger (sich ausdrücken/sich selbst darstellen, kontaktieren, informieren, steuern) gelten auch für fiktionale Texte mit ästhetischen Wirkungen (Heinemann/Viehweger 1991: 149 ff).
Unter dem Aspekt der Funktion in der Interaktion unterscheiden Beaugrande/Dressler deskriptive, narrative und argumentative Texte (Beaugrande/Dressler 1981: 190 f). Deskriptive Texte (z. B. Berichte, Beschreibungen) informieren über etwas, in narrativen Texten werden Ereignisse und Handlungen in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet (190), durch argumentative Texte sollen die Überzeugungen der Rezipienten beeinflusst werden (190 f). (Zwischen diesen Hauptfunktionen von Texten in der Kommunikation und den "komplexen Strategiemustern" Narration, Deskription, Argumentation (Heinemann/ Viehweger 1991: 237) lassen sich Parallelen feststellen; vgl. auch die "Grundformen thematischer Entfaltung" (Brinker 1992: 59 ff).)
Handeln,
sprachliches Handeln,
Intention,
Intentionalität,
Situation,
Situationalität,
Texttypologie,
Textsorten,
thematische Entfaltung,
Strategiemuster,
Sprechakt