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Mitte der 60er Jahre entstandene Teildisziplin der modernen Sprachwissenschaft, deren Untersuchungsobjekte Texte sind
Bevor sich die Textlinguistik als neuer Zweig der Linguistik etablierte, wurden textuelle Phänomene in der Stilistik, in der Rhetorik, aber auch in der Literaturwissenschaft untersucht. Als Vorläufer der Textlinguistik sind auch die Tagmemik (Pike 1967) und die Textanalyse von Harris (1976 (1952)) anzusehen.
Seit den 60er Jahren hat sich die Textlinguistik nicht nur zu einer relativ selbstständigen Teildisziplin entwickelt, sondern auch zu einem interdisziplinären Forschungsfeld ausgeweitet, in das handlungstheoretische und kognitionswissenschaftliche Untersuchungsergebnisse integriert wurden, um nicht nur Erkenntnisse über das Produkt Text, sondern auch über Prozesse der Textproduktion und der rezeptiven Textverarbeitung gewinnen zu können. Dabei haben sich die Möglichkeiten, textlinguistische Forschungsergebnisse auch in anderen Disziplinen (z. B. Sprachdidaktik, Fachsprachenlinguistik) zu nutzen, beträchtlich vergrößert.
Der Begriff Textlinguistik bezeichnet nicht eine in sich geschlossene Theorie, sondern erfasst die Gesamtheit der sprachwissenschaftlichen Untersuchungen, die Texte betreffen.
"Zur Textlinguistik rechnet man gewöhnlich jede sprachwissenschaftliche Forschung, die vom Text (in mündlicher und schriftlicher Form oder Konzipierung) als Grundeinheit menschlicher Sprache ausgeht oder die zumindest die Satzgrammatik so weit überschreitet, dass sie Satzsequenzen oder noch größere Textstücke als Einheiten sui generis behandelt." (Dressler 1978: 1 f)
"Die Textlinguistik sieht es als ihre Aufgabe an, die allgemeinen Bedingungen und Regeln der Textkonstitution, die den konkreten Texten zugrunde liegen, systematisch zu beschreiben und ihre Bedeutung für die Textrezeption zu erklären." (Brinker 1992 (1985): 8)
In der Entwicklung der Textlinguistik verlagerten sich die Schwerpunkte der Forschung von der Satzgrammatik aus über Untersuchungen satzgrenzenüberschreitender grammatischer Phänomene zur Analyse globaler Textstrukturen; textpragmatische Aspekte und Probleme der Wissensverarbeitung gewannen an Bedeutung. Um Merkmale der Textualität, um Textstrukturen und Themenentwicklungen in Texten zu beschreiben und zu erklären, wurden unterschiedliche theoretische Modelle entworfen und verschiedenartige Methoden der Textanalyse entwickelt.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen auch bei ganz verschiedenen Forschungsschwerpunkten außer dem Text selbst Textkohärenz und Textsorten; am unterschiedlichen Verständnis dieser textlinguistischen Termini wird die jeweilige Dominanz bestimmter Richtungen in einzelnen Entwicklungsphasen deutlich.
- Hartmann forderte 1964 die Orientierung der Linguistik an Texten und bezeichnete 1968 den Text als das "originäre sprachliche Zeichen" (Hartmann 1971: 16). Harweg definierte Text als "ein durch ununterbrochene pronominale Verkettung konstituiertes Nacheinander sprachlicher Einheiten" (Harweg 1968: 148). Auf Satzebene nicht erklärbare sprachliche Phänomene veranlassten Heidolph (1966) und Isenberg (l974 (l971)), syntaktisch-semantische Verknüpfungen benachbarter Sätze zu untersuchen.
Durch Versuche, Satzgrammatiken (besonders die GTG) auf Satzsequenzen auszuweiten, gelangte man zunächst zu einer Grammatik benachbarter Sätze. Die in dieser Phase dominierenden transphrastischen Untersuchungen wurden ergänzt durch Überlegungen zur thematischen Progression als Ausweitung der "Funktionalen Satzperspektive" vom Satz auf Satzsequenzen (Daneš 1978 (1970)). Weinrich wies die textuell bedingte Artikelselektion (Weinrich 1969) und die textuelle Determiniertheit des Tempusgebrauchs nach (Weinrich 1970).
- Seit Anfang der 70er Jahre werden Texte auch unter textpragmatischen Aspekten untersucht und zentrale Begriffe der Textlinguistik wie Text, Textualität, Kohärenz auch textextern erklärt. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass bestimmte sprachliche Phänomene (in Texten) sich nicht nur textintern erklären lassen, zum anderen auf die allgemeine Tendenz in den 7Oer Jahren, pragmatisch-kommunikative Aspekte stärker zu berücksichtigen, bedingt durch Einflüsse der Sprechakttheorie, der Kommunikationstheorie und der Konversationsanalyse. In der Textpragmatik werden Textmerkmale in ihrer Abhängigkeit von den Verwendungssituationen der Texte untersucht. Schmidt erklärt Texte als "Texte-in-Funktion" (Schmidt 1976 (1973): 145). Isenberg begründet 1977 die Vorzüge einer "dynamischen Auffassung" gegenüber der "propositionalen Auffassung" und betont die "Handlungsbezogenheit von Texten" (Isenberg 1977: 144).
- In der Weiterentwicklung der Textlinguistik werden globale Strukturen von Texten, werden Textsorten untersucht und wird die (textsortenspezifische) Entfaltung von Textthemen erforscht. Der kompositorische Aufbau der Texte und die sequentielle Textkonstitution werden unterschieden (Isenberg 1976: 143, Agricola 1977: 15 f) und Textgliederungen untersucht (Gülich/Heger/ Raible 1974).
Brinker integriert unterschiedliche Forschungsansätze, indem er den Kohärenzbegriff grammatisch, thematisch und pragmatisch expliziert, nicht in alternativen, sondern in komplementären Explikationen, bei denen er der Textpragmatik eine dominierende Rolle zuspricht (Brinker 1979: 7). Das Textthema, das Brinker als "Kern des Textinhalts" auffasst, wird von ihm als spezifisch textlinguistisch eingeschätzt (9). Untersuchungen des Textthemas bilden einen Schwerpunkt textlinguistischer Forschung bei Agricola (1979) und Brinker (1992 (1985)).
Brinker entwickelt Kriterien zur Abgrenzung des Hauptthemas von Nebenthemen des Textes (52 ff) und beschreibt unterschiedliche Möglichkeiten der Themenentfaltung (56 ff). Bei der Differenzierung von Textsorten geht van Dijk von Superstrukturen aus und ordnet ihnen bestimmte semantische Makrostrukturen zu (van Dijk 198O b: 128 ff). Brinker schlägt eine Hierarchisierung der Kriterien zur Textsortenklassifizierung vor (Brinker 1992 (1985): 132 ff), wobei er die Textfunktion als "Basiskriterium" wählt (125 ff).
Zunehmend wird versucht, textgrammatische und textpragmatische Untersuchungen zu integrieren. In ihrem prozeduralen Ansatz beziehen Beaugrande/Dressler (1981: 32 ff) textpragmatische und textstrukturelle Gesichtspunkte aufeinander und erklären Textualität als abhängig von textzentrierten und verwenderzentrierten Kriterien (8). Brinker weist auf den Zusammenhang von Textfunktion und Textstruktur hin (Brinker 1992 (1985): 113).
- Seit Beginn der 8Oer Jahre werden - beeinflusst durch Forschungsergebnisse in den Kognitionswissenschaften - auch Prozesse der Wissensverarbeitung in der Textproduktion und Textrezeption in textlinguistische Überlegungen einbezogen.
Es war allerdings umstritten, ob die Integration von Vorwissen und Textinformationen in der Textverarbeitung als zentraler Untersuchungsgegenstand der Textlinguistik akzeptabel sei.
Brinker meinte, dass "aktuelle mentale Abläufe" weiterhin in der Psycholinguistik untersucht werden sollten, während es Aufgabe der Textlinguistik sei, "wichtige systembedingte Voraussetzungen solcher Prozesse" zu beschreiben (Brinker 1992: 9).
Heinemann/Viehweger integrieren in ihrem Modell die Theorien sprachlichen Handelns, der Grammatik und der Textkomposition (Heinemann/Viehweger 1991: 127 f) und gehen vom Vorwissen der Kommunikationspartner aus. Sie entwickeln eine Texttypologie als Mehrebenenmodell mit Funktionstypen in der obersten Hierarchieebene (147 ff).
- Eine textlinguistische Sonderentwicklung zeigt sich in Weinrichs Textgrammatik (1993), in deren Mittelpunkt nicht die sonst für die Textlinguistik zentralen Probleme (wie z. B. Kohärenz, Textsorten) stehen. Weinrich geht bei seiner Beschreibung sprachlicher Strukturen auf allen Ebenen von deren textueller Einbettung und Bedingtheit aus und weist das Vorkommen der jeweiligen grammatischen Einzelphänomene an Texten/Textabschnitten nach.
- Zu Perspektiven in der Entwicklung der Textlinguistik äußern sich 1990 sowohl Harweg als auch die Herausgeber der Zeitschrift TEXT. Harweg weist darauf hin, dass die Textlinguistik - bedingt durch die Komplexität ihres Gegenstandes - eine sehr heterogene, aber auch ungewöhnlich interessante und zukunftsreiche Disziplin sei (Harweg 1990: 22).
Dass die Textlinguistik keine streng vereinheitlichte Disziplin mit wenigen dominanten Theorien und Forschungsmethoden sei, stellt auch van Dijk (in TEXT 10 (1/2)) fest. Es sei nicht zu leugnen, dass die vielen Richtungen in der Textlinguistik zu den überraschendsten und innovativsten Annäherungen an Sprache, Kommunikation, Kognition, Interaktion, Gesellschaft und Politik führten (van Dijk 1990 a: 3).
"[. . .] discourse analysis is not a strictly unified discipline, with one or a few dominant theories and methods of research. For some this is a sign of richness, for others a symptom of immaturity." (3)
In ihrer Zusammenfassung der Ergebnisse einer Tagung zur Textlinguistik 1996 charakterisiert Tietz die Textlinguistik der Gegenwart in ihrer "Offenheit gegenüber anderen wissenschaftlichen Arbeitsgebieten";
die Textlinguistik definiere sich zunehmend über Fragestellungen, "die sich aus Erfordernissen und Bedürfnissen vielfältiger Bereiche, auch der Praxis ergeben [. . .]" (Tietz 1997: 224).
Entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Textlinguistik sei, wie diese auf "gesellschaftliche und öffentliche Interessen reagieren kann" (227).
Als Beispiel für Anwendungsbereiche textlinguistischer Untersuchungsergebnisse führt Tietz auch die Vermittlung von Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Schreiben an (228 f).
- Obgleich in der Textlinguistik der Begriff Text zunächst grundsätzlich auf mündlich wie auf schriftlich übermittelte Texte, auf monologische wie auf Gesprächstexte bezogen wurde, entwickelt sich seit Anfang der 80er Jahre die Gesprächslinguistik zu einer relativ selbstständigen Teildisziplin (mit Schwerpunkten wie Gesprächsanalyse, Konversationsanalyse, Dialoggrammatik).
Der gegenwärtige Stand der textlinguistischen Forschung wird in einem Handbuch zur Text- und Gesprächslinguistik durch Beiträge zu einzelnen Schwerpunkten referiert (Brinker/Antos/Heinemann/Sager 2000). Im Vorwort begründen die Herausgeber die inzwischen vorgenommene (theoretische und methodische) Abgrenzung der Gesprächs- von der Textlinguistik:
Die Gesprächslinguistik befasse sich "mit der Erforschung der mündlich konstituierten und interaktiv realisierten Kommunikation [. . .]".
"Das Gespräch ist [. . .] der gesamte situativ konstituierte Kommunikationsprozess, in dem eine Vielfalt von verbalen und nonverbalen Akten von den beteiligten Partnern realisiert wird."
Die Textlinguistik konzentriere sich auf die "von einer bestimmten Instanz (Einzelperson, Gruppe, Institution etc.)" schriftlich konstituierten Texte.
"Produktion und Rezeption sind nicht interaktiv-gleichzeitig, sondern zeitlich und räumlich versetzt." (Brinker u. a. 2000: XVII)
Text,
Textualität,
Texttheorie,
rezeptive Textverarbeitung,
Textproduktion,
Textkohärenz,
Textfunktion,
Textthema,
Wissensverarbeitung,
Textkonstitution,
textextern,
verwenderzentriert,
textintern,
textzentriert,
Textsorten,
Texttypologie
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Prototyp einer von authentischen Texten abstrahierten textsortentypischen komplexen Textkonfiguration
Die früher häufig synonym verwendeten Termini Textsorte und Textmuster werden zunehmend differenziert: der Begriff Textsorte weist auf Prozesse des Unterscheidens bei Klassifizierungen hin, der Terminus Textmuster auf Prozesse des (Wieder-)Erkennens und Aktivierens eingeprägter "Textgestalten", wobei inhaltlich/thematische Entwicklungen weniger berücksichtigt werden.
Sandig zeigte schon früh den Zusammenhang von Textsorten und Handlungsmustern (Sandig 1972: 123). Sie versteht Muster als komplexe, in sich strukturierte Einheiten. Als Beispiele nennt sie Intonations-, Satz-, Wissens- und Handlungsmuster, Text- und Stilmuster (Sandig 1989: 133).
Heinemann differenziert globale Textmuster von Textsorten und bezeichnet sie als "textorientierte psychische Potentiale", als "abstrakte Rahmenschemata" (Heinemann 1990: 12 f). Nach Heinemann, für den Textmusterwissen prototypisches Wissen ist, spielen die durch bestimmte Interaktionszusammenhänge aktivierten globalen Textmuster eine wesentliche Rolle in den Strategien der Textproduktion und der Textrezeption (Heinemann 1990: 14 f).
Nach Heinemann/Viehweger "[. . .] soll der Terminus ´globales Textmuster´ verstanden werden als Abbreviatur von globalem ´Textstrukturmuster´, also einer bestimmten formalen Grundgestalt des Textes, die mit bestimmten interaktionalen Konstellationen korreliert" (Heinemann/Viehweger 1991: 170). Als Beispiele für globale Textmuster nennen sie Telegramm, Todesanzeige (172), Diplomarbeit, Kochrezept (173), (schriftlichen) Antrag (174).
"Die Kenntnis solcher globalen Textmuster [. . .] ist sowohl für die Textproduktion als auch für Rezeptionsprozesse von grundlegender Bedeutung." (174)
Für die Aktivierung jeweils geeigneter (gespeicherter) Textmuster in Rezeptionsprozessen erhalten Rezipienten oft Hinweise durch "situative Präsignale" (z. B. Zeitung, Rundfunkübertragung, Hörsaal) und durch "Textindikatoren" (u. a. Überschriften) (175).
Heinemann/Viehweger weisen darauf hin, dass sich trotz der vieldeutigen Verwendung des Musterbegriffs ein "gemeinsames Fundament" in dessen Verständnis feststellen lässt:
"Ein M u s t e r oder S c h e m a ist eine Wissensstruktur über die sequentielle Realisierung von Texten und Gesprächen, die Sprecher in ihrer sprachlichen Tätigkeit zur Realisierung bestimmter Interaktions- oder Handlungsziele erworben haben. Schemata oder Muster sind in der gesellschaftlichen Praxis erprobte Wege zur Zielrealisierung, die mit Handlungskontexten in einem systematischen Zusammenhang stehen." (194)
Textmusterwissen,
Textsorten,
Intertextualität,
Prototyp,
Textproduktion,
rezeptive Textverarbeitung
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Gesamtheit der Kenntnisse über globale Textstrukturen und über Prototypen von Texten einzelner Textsorten
Textmusterwissen wird durch Erfahrungen mit Texten erworben. Die Aktivierung und Verarbeitung des Textmusterwissens ist für die Entwicklung und das Verstehen textsortentypischer Textstrukturen notwendig.
Nach Heinemann/Viehweger ist Textmusterwissen "grundlegend [. . .] für die Erfassung von Strategie-, Strukturierungs- und Formulierungsprozessen bei der Textproduktion; aber auch die Phänomene der Rezeption von Texten sind ohne dieses Wissen nicht zureichend beschreibbar" (Heinemann/Viehweger 1991: 11).
Das Verfolgen zielgerichteter Strategien in der Kommunikation sei sowohl vom Textmusterwissen als auch vom situationsspezifischen Handlungswissen abhängig.
"Es ist notwendig, das Textmusterwissen in Beziehung zu setzen zu Zielen und Strategien der Kommunikationspartner." (146)
"Für die Realisierung desselben Zieles können in bestimmten Situationen ganz unterschiedliche Textstrukturen [. . .] in Frage kommen." (146)
Textsorten können nach Heinemann/Viehweger "als globale sprachliche Muster zur Bewältigung von spezifischen kommunikativen Aufgaben in bestimmten Situationen umschrieben werden" (170).
Textmuster,
Textsorten,
Textstruktur,
Sprachwissen,
Wissenssysteme,
rezeptive Textverarbeitung,
Textproduktion,
Intertextualität,
Prototyp
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Texttheorie
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metakommunikative sprachliche Äußerung, die das Textverstehen unterstützt und erleichtert
In textorganisierenden Äußerungen werden die Texte selbst kommentiert, besonders ihre Strukturierung, die Entfaltung des Themas, die Funktionen von Teiltexten im Gesamttext u. a.
Beispiele: Damit ist dieser Punkt erledigt, kommen wir zum nächsten (mündlich). - In diesem Kapitel geht es darum, die in der Einleitung aufgestellten Behauptungen zu begründen und belegen (schriftlich).
Textorganisierende Äußerungen können für unterschiedliche Zwecke verwendet werden, z. B. für Ankündigungen, Ergebnisformulierungen, Zusammenfassungen, Korrekturen, (explizite) Schlussfolgerungen. Sie erleichtern und sichern die kognitive Verarbeitung durch die Rezipienten und damit die Akzeptabilität von Texten; oft werden sie im Sinne des Kooperationsprinzips verwendet.
Häufig stehen textorganisierende Äußerungen an Übergängen von (thematisch gegliederten) Textsegmenten und erleichtern das Verstehen von (partiellem) Themenwechsel.
Absatz,
Textgliederung,
Akzeptabilität,
Gespächslinguistik - Glossar:
Gesprächsanalyse,
Kooperationsprinzip,
Gesprächsgliederungssignal
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Methode zur Analyse von Texten, bei der Verben eines Textes unter grammatischem Aspekt so erfasst und zusammengestellt werden, dass Strukturmerkmale des Textes erkennbar sind (Weinrich 1978 (l972): 392 ff)
Nach einer von Weinrich entwickelten Methode werden in der Textpartitur Verben durch Zahlen ersetzt.
"Diese Zahlen bezeichnen die Verben in der Reihenfolge ihres Auftretens im Text, so dass man mit ihrer Hilfe bei dem an anderer Stelle abgedruckten Text verifizieren kann, um welches Verb es sich handelt und was es bedeutet." (396)
Semantische Gesichtspunkte werden bei der Methode der Textpartitur (zunächst) nicht berücksichtigt (396). Als Ergänzung zur Textpartitur kann nach Weinrich eine sekundäre Textübergangspartitur angelegt werden (408 ff).
Textanalyse
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Bereich der Verweise und Verweisrelationen im Text; Bezugnahme sprachlicher Ausdrücke im Text auf andere sprachliche Ausdrücke oder auf situative Elemente
"Durch Verweisung wird eine Beziehung zwischen zwei sprachlichen Elementen (Textkonstituenten) bzw. zwischen einem sprachlichen und einem Situationselement etabliert [. . .]". (Kallmeyer u. a. 1974: 185)
Verweisformen werden nach der Verweisrichtung klassifiziert, aber auch unter dem Aspekt der Referenz.
Textintern verweist ein anaphorischer Ausdruck rückwärts, auf vorher Erwähntes (z. B. Der Fahrer fuhr viel zu schnell. E r . . . ); ein kataphorischer Ausdruck verweist vorwärts (z. B. D a s hätte er wissen müssen: Ein Überschreiten der Geschwindigkeitsbegrenzung . . .).
Halliday/Hasan (1976) fassen Anaphora und Kataphora als Endophora zusammen, die textintern Beziehungen zwischen sprachlichen Ausdrücken herstellen, während Exophora textextern auf die Situation verweisen. Halliday/Hasan bezeichnen die unterschiedlichen Relationen als endophorische und exophorische Referenz (31 ff).
Nach Beaugrande/ Dressler bereitet die Verwendung der (seltener gebrauchten) kataphorischen Verweise bei der Textrezeption größere Schwierigkeiten, erhöht jedoch die Wirksamkeit von Texten (Beaugrande/Dressler 1981: 65 f).
Anapher,
indirekte Anapher,
Katapher,
Endophora,
Exophora,
textintern,
textextern,
Koreferenz,
Referenzbeziehungen,
situationsdeiktische Ausdrücke,
Textisotopie,
Kohäsion,
Konnexion,
Wiederaufnahme,
Kohärenz,
Artikel,
Effektivität
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Phase der Gesamthandlung Textproduktion
Als Teil einer gezielten Gesamthandlung dient die Textplanung der Vorbereitung auf die Textproduktion, um Intentionen im Sinne einer Situationslenkung in einem Text sprachlich realisieren und abzuschätzen zu können, ob bei der Wissensverarbeitung internes durch externes Wissen ergänzt werden muss. Als (Teil-)Handlung setzt die Textplanung die Motivation zum Handeln, eine Situationsanalyse und die Möglichkeit voraus, zwischen Alternativen wählen zu können; dabei werden die möglichen Folgen der Gesamthandlung berücksichtigt.
In der Textplanung wird geprüft, wie das Textthema verfolgt und der Textinhalt entwickelt werden kann. Dabei werden verschiedene Bereiche der Wissenssysteme aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen, integriert und verarbeitet. Im Mittelpunkt der Textplanung stehen die Textkomposition, die Textgliederung, die Entfaltung des Textthemas und die Entwicklung der globalen (textsortenspezifischen) Textstruktur.
Textproduktion,
Wissenssysteme,
Handeln,
sprachliches Handeln,
Textthema,
Textstruktur,
Textgliederung,
Strategiemuster
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Bereich der Textlinguistik, in dem die Verwendung und die Funktion von Texten in der Kommunikation untersucht werden
In der Textpragmatik werden - im Gegensatz zur Textgrammatik - Texte als intentionale kommunikative Handlungen in ihrer Abhängigkeit von Verwendungssituationen, als Prozesse des sprachlichen Handelns (mit Texten) untersucht (Schmidt 1976 (1973)). Dabei werden schwerpunktmäßig textexterne Komponenten der Textproduktion und der Textrezeption erfasst. Die Einbettung von Texten in Handlungszusammenhänge gilt als übergeordnet; textstrukturelle Merkmale werden als abhängig von textpragmatischen Komponenten erklärt.
Handeln,
sprachliches Handeln,
Intentionalität,
Situationalität,
textextern
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komplexer Handlungsprozess, durch den Intentionen sprachlich realisiert werden; Problemlösungsprozess, bei dem Wissensverarbeitung die textsortenspezifische Entfaltung eines Textthemas ermöglicht
In textlinguistischen Untersuchungen zur schriftlichen Textproduktion werden neben handlungstheoretischen und kognitionswissenschaftlichen Überlegungen auch Ergebnisse der Schreibforschung berücksichtigt. Die Verwendung des Terminus Textproduktion (anstelle von Begriffen wie Textbildung, Textkonstitution, Textentwicklung) signalisiert in der Regel, dass die Wissensverarbeitung berücksichtigt wird.
"Für alle gezielten Aktivitäten, die Schreiben als mentalen und sprachlichen Prozess charakterisieren, wurde der Begriff Textproduktion eingeführt." (Molitor-Lübbert (1996: 1005)
Die Textproduktion ist ein intentions- und interessengelenkter Handlungsprozess. Ausgehend von einer Kommunikationssituation, die beeinflusst werden soll, wird im Langzeitgedächtnis gespeichertes internes Wissen aktiviert, bei Bedarf durch externes Wissen ergänzt, verarbeitet und in z. T. neu entstehende kognitive Strukturen überführt.
Die Resultate der kognitiven Integrationsprozesse können bei schriftlicher Textproduktion gründlich reflektiert und revidiert werden, da hier die Situationen der Textproduktion und der Textrezeption voneinander getrennt sind. Der Zeitfaktor und die (meist vorhandene) Distanz zu den Adressaten ermöglichen eine gründliche (und teilweise wiederholte) Verarbeitung des Wissens. Bei der Verschriftlichung von Formulierungen begünstigen zeitliche Verzögerungen die Aktivierung weiteren Wissens, das integriert und verarbeitet werden kann (vgl. auch Antos 1982: 187 ff).
Als Handlungsprozess setzt Textproduktion Planung voraus. Die Gesamtplanung des Textes dominiert während des Produktionsprozesses die Einzelschritte; die Verfolgung der dem Thema untergeordneten Einzelgedanken ist von der Entwicklung des (textsortenspezifischen) Gesamtplans abhängig. Von Phasen im Prozess der Textproduktion gehen seit den 80er Jahren die Schreibforschung (in den USA) und die (vor allem in Europa vertretene) Textlinguistik aus (vgl. dazu Antos 2000).
Schreiben wird in der Schreibforschung im Anschluss an Hayes/Flower (1980) als Problemlösungsprozess (mit interagierenden Subprozessen) verstanden. Untersuchungen der Schreibkompetenz (Bereiter 1980) bereiten die Erkenntnis vor, dass im Schreibprozess Wissen nicht nur reproduziert, sondern dass es über Zielstrategien auch verändert und neu produziert wird. Scardamalia/Bereiter stellen dem knowledge-telling-model (bei Schreibanfängern) das knowledge-transforming-model (bei Experten) gegenüber (Scardamalia/Bereiter 1987).
In textlinguistischen Überlegungen führen Beaugrande/Dressler als Phasen der Textproduktion an:
- Planung,
- Ideation (Gestaltung des Inhalts, Steuerungsmittelpunkte),
- Entwicklung (Suchen nach gespeicherten Wissensräumen, Problemlösung),
- Ausdruck (Suche nach Ausdrücken),
- grammatische Synthese (lineare Anordnung grammatischer Abhängigkeiten) (Beaugrande/Dressler 1981: 42 ff).
Sie weisen darauf hin, dass die Phasen nicht strikt nacheinander ablaufen (45).
Herrmann/Hoppe-Graff (1988) gliedern die Textproduktion in drei Prozessstufen: Wissensaktualisierung und Fokussierung (287 ff), Selektion und Linearisierung (291 ff), verbale Enkodierung (294 ff). Sie erklären, dass die Prozesse der drei Stufen zeitlich parallel ablaufen und dass die Stufen "funktional miteinander interagieren bzw. durch Rückkoppelungsschleifen miteinander verbunden sind" (286). Die verbale Enkodierung sei allerdings "funktional abhängig von den vorgeordneten Planungsprozessen" (296).
Nach Heinemann/Viehweger ist für die Textstrukturierung die dem übergeordneten Ziel entsprechende Auswahl an Kerninformationen wichtig, ebenso die Entscheidung für ein (textsortenspezifisches) "Strategiemuster", wodurch die Anordnung der Informationen und Illokutionen im Text geregelt werde (Heinemann/Viehweger 1991: 235). Als komplexe Strategiemuster unterscheiden sie Narration, Deskription und Argumentation (237).
In der Textproduktion werden nicht alle Informationen, die übermittelt werden sollen, explizit formuliert; denn es wird vorausgesetzt, dass die Textrezipienten auf der Grundlage der gegebenen Kommunikationssituation und des eigenen Vorwissens (und bedingt durch Konventionen) inferieren.
Handeln,
sprachliches Handeln,
Intentionalität,
Textplanung,
Wissensverarbeitung,
Wissen,
Wissenssysteme,
Strategiemuster,
Textmuster,
Textmusterwissen,
Textkomposition,
Textthema,
thematische Entfaltung,
rezeptive Textverarbeitung,
inferieren
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miteinander korrespondierende sprachliche Ausdrücke am Anfang und Schluss eines Textes
Ein Textrahmen besteht aus mindestens zwei miteinander korrespondierenden, sich auf das Textthema beziehenden sprachlichen Ausdrücken, zwischen denen das Thema des Textes entfaltet wird. Das textrahmeneröffnende Element, das die Themenentfaltung einleitet, findet sich im Titel und/oder in der Texteinleitung, das textrahmenschließende Element beendet die Themenentfaltung. Oft enthält es die gleichen Lexeme wie die Textrahmeneröffnung, kann diese allerdings auch in anderer Weise wieder aufnehmen, z. B. durch die sprachliche Realisierung von Kontiguitätsbeziehungen oder durch Paraphrasierung (vgl. Schoenke 1998: 201).
Textrahmen lassen sich vor allem in argumentativen Texten feststellen, sowohl bei expliziter als auch bei impliziter Argumentation (z. B. in Fabeln, Parabeln, Gleichnissen, vgl. Schoenke 1998: 205 ff). Da die Elemente des Textrahmens in ihrer Funktion (als Sprachhandlungen) in der Regel dem jeweiligen Texttyp entsprechen, wird in explizit argumentativen Texten das rahmeneröffnende Element meist als These/Behauptung formuliert, das rahmenschließende Element als Schlussfolgerung (201). Durch explizite oder implizite Wiederaufnahme des textrahmeneröffnenden Elements können Schwerpunkte in der Themenentfaltung markiert werden (Schoenke 1996: 33 ff).
In explikativen Texten korrespondieren häufig Fragen in der Texteinleitung mit zusammenfassenden Ergebnisformulierungen am Schluss des Textes. (Ähnliche Rahmungen/Korrespondenzen lassen sich manchmal in Kapiteln bzw. Textabschnitten feststellen.)
Durch die textsortenspezifische (prototypische) Rahmung eines Märchens wird man am Anfang in die fiktive Textwelt (unbestimmter Zeit) eingeführt (Es war einmal) und am Textschluss aus der "erzählten Welt" entlassen (Und wenn sie nicht gestorben sind, [. . .].
Die Formulierung eines Textrahmens ist als Phänomen der Textkomposition nicht auf bestimmte Texte im westlichen Kulturraum beschränkt, sondern kommt z. B. in chinesischen Wirtschaftskommentaren häufiger vor als in deutschen kommentierenden Medientexten (vgl. Kong 2000) und gilt dort auch als allgemeines Prinzip als Textkomposition, das bereits in den Schulen vermittelt wird.
thematische Entfaltung,
Wiederaufnahme,
Texttypologie,
textorganisierende Sprachhandlung, Textkomposition
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rezeptive Textverarbeitung
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Teiltext
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Bereich der Textlinguistik, in dem die Gesamtbedeutung eines Textes, die semantische Struktur und die semantischen Relationen im Text untersucht werden
In den textsemantischen Überlegungen zu Beginn der textlinguistischen Entwicklung standen satzgrenzenüberschreitende Beziehungen zwischen Wörtern und Wortgruppen im Vordergrund (Koreferenz, anaphorische und kataphorische Verweisung); untersucht wurden auch Relationen zwischen Propositionen, wie sie durch Konnektoren verdeutlicht werden. Referentielle Verweisformen und Konnektoren stellen Kohäsion auf der Textoberfläche her.
In der Textsemantik wird dann versucht, die Gesamtbedeutung eines Textes zu erschließen und die entsprechenden Verfahren zu beschreiben und zu begründen. Nach van Dijk (198O a, 1980 b) bildet der gesamte Textinhalt die Makrostruktur eines Textes.
Die Gesamtbedeutung eines Textes ist nicht in einfacher Weise als Summe von Propositionen oder einzelnen Wortbedeutungen aufzufassen; Text- und Wortbedeutung beeinflussen sich wechselseitig. (Wörter werden erst vertextet monosemiert und erhalten so ihre textuelle Bedeutung.) Die Gesamtbedeutung eines Textes wird als Resultat kognitiver Prozesse aufgefasst, bei denen die Aktualisierung und Verarbeitung von Wissen durch Referenzerzeugung und durch semantische Relationen (im Text) gelenkt werden.
Schwerpunkte in den Untersuchungen der Textsemantik:
- Isotopieketten, Isotopierelationen (Greimas 1971 (1966), Rastier1974 (1972)),
- thematische Progression (Daneš 1978 (1970)),
- Textthema und Themenentfaltung (Brinker 1992 (1985): 50 ff),
- Makrostrukturen (van Dijk 1980 a),
- Propositionskomplexe und deren Relationen (van Dijk 198O b: 27 ff),
- Strategien des Textverstehens (van Dijk/Kintsch 1983).
Textsinn,
Textthema,
Textbasis,
Propositionsanalyse,
Relationssemantik,
Makrostruktur,
inferieren,
Textisotopie,
thematische Progression,
Strategiemodell,
Kohärenz,
textuelle Bedeutung,
Textphorik,
Wiederaufnahme,
Kontiguität,
Kohäsion
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Gesamtbedeutung eines Textes, die von den Textverwendern durch die Aktivierung gespeicherten Wissens erzeugt wird
Textsinn ist nicht gleichzusetzen mit der Summe von Einzelbedeutungen der Wörter oder Propositionen, sondern als Ergebnis von Textverarbeitungsprozessen aufzufassen.
Beaugrande/Dressler unterscheiden Bedeutung und Sinn in folgender Weise:
"Wenn wir mit Bedeutung (engl. meaning) die Fähigkeit oder das Potential eines sprachlichen Ausdrucks [. . .] bezeichnen, Wissen (d. h. mögliche = virtuelle Bedeutung) darzustellen oder zu übermitteln, dann können wir mit Sinn (engl. sense, oft ´aktuelle Bedeutung´ genannt) das Wissen bezeichnen, das tatsächlich durch die Ausdrücke innerhalb eines Textes übermittelt wird. Viele Ausdrücke haben mehrere mögliche Bedeutungen, aber unter normalen Bedingungen im Text nur einen Sinn." (Beaugrande/Dressler 1981: 88)
Unter Hinweis auf Hörmann (1976) erklären sie:
"Ein Text 'ergibt Sinn', weil es eine SINNKONTIGUITÄT innerhalb des Wissens gibt, das durch Ausdrücke des Textes aktiviert wird [. . .]." (88)
Nach Beaugrande/Dressler sollte untersucht werden,
"wie den sprachlichen Ausdrücken begrifflicher S i n n zugewiesen wird und wie solche Sinne zu größeren Strukturen einer T e x t w e l t zusammengesetzt werden. Denn der Aufbau von Textwelten ist eine gut bezeugte Routinetätigkeit bei menschlicher Kommunikation." (92)
Kohärenz,
Textsemantik,
Wissen,
Wissensverarbeitung,
inferieren,
textuelle Bedeutung,
Textwelt,
rezeptive Textverarbeitung