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Mengen authentischer Texte mit übereinstimmenden Merkmalen, die nicht für alle Texte gelten; auch: Textklassen
Im Gegensatz zu dem stärker theoriebezogenen Terminus Texttyp bezieht sich der Begriff Textsorte auf authentische Texte in der Alltagskommunikation.
"Den Ausdruck Textsorte verwenden wir als bewusst vage gehaltene Bezeichnung für jede Erscheinungsform von Texten, die durch die Beschreibung bestimmter, nicht für alle Texte zutreffender Eigenschaften charakterisiert werden kann, unabhängig davon, ob und auf welche Weise diese Eigenschaften im Rahmen einer Texttypologie theoretisch erfassbar sind." (Isenberg 1983: 308)
Heinemann/Viehweger grenzen den Begriff Textsorte als "Alltagsklassifikation" vom Terminus Texttyp als "theoriebezogene Kategorie zur wissenschaftlichen Klassifikation von Texten" ab (Heinemann/Viehweger 1991: 144).
Kriterien für die Textsortenklassifizierung werden von der Texttypologie (in der Texttheorie) erwartet: hier werden - in der Regel handlungstheoretisch fundiert - Modelle und theoriebezogene Erklärungen für Textsortenklassifizierungen entwickelt. Die Wahl unterschiedlicher Differenzierungskriterien bedingt verschiedene Textsortenklassifizierungen, die sich häufig auf Gebrauchstexte beschränken.
In der Textsortenklassifizierung unterschied man zunächst textintern gewonnene von textextern gewonnenen Differenzierungskriterien (vgl. Gülich/Raible 1972, darin bes. Sandig 114 ff, 118).
Als Basiskriterium für die Klassifizierung von Textsorten wird in der Regel die Textfunktion gewählt (Große 1976, Brinker 1992, Rolf 1993). Unter Textfunktion versteht Große die durch sprachliche Ausdrücke vermittelte, an Rezipienten gerichtete Instruktion, wie der Text zu verstehen sei (Große 1976: 15 ff, 26, 68), Brinker die Kommunikationsabsicht des Textverfassers, die im Text mit konventionell geltenden Mitteln realisiert ist (Brinker 1992: 86). Brinker bezeichnet die Textfunktion explizit als "Basiskriterium" für die Differenzierung von "Textsortenklassen" und nimmt Subklassifizierungen unter kontextuellen und strukturellen Kriterien vor (Brinker 1992: 125 ff).
Nach der Textfunktion unterscheidet Brinker "[. . .]
- Informationstexte (Nachricht, Bericht, Sachbuch, Rezension [. . .] )
- Appelltexte (Werbeanzeige, Kommentar, Gesetz, Antrag [. . .] )
- Obligationstexte (Vertrag, Garantieschein, Gelöbnis [. . .] )
- Kontakttexte (Danksagung, Kondolenzschreiben, Ansichtskarte [. . .] )
- Deklarationstexte (Testament, Ernennungsurkunde [. . .] )" (125).
Als kontextuelle Kriterien (situative Faktoren) nennt Brinker
- die "Kommunikationsform", nach der z. B. direkte Gespräche, Telefongespräche, Rundfunksendungen, Fernsehsendungen, Briefe und Zeitungsartikel/Bücher unterschieden werden (126 ff),
- den Handlungsbereich (privat, offiziell, öffentlich), der die Strukturen der Texte wesentlich beeinflusst (128 ff).
Als strukturelle Kriterien (130 ff) führt Brinker an
- die Art des Textthemas, wobei die "zeitliche Fixierung des Themas relativ zum Sprechzeitpunkt" als "temporale Orientierung" (z. B. in Nachricht, Protokoll, Horoskop) (130) der "Relation zwischen Emittent bzw. Rezipient und Thema" als "lokale Orientierung" (z. B. in Zeitungsannoncen und -kommentaren) gegenübergestellt wird (131),
- die Form der thematischen Entfaltung, wobei zwischen deskriptiver, narrativer, explikativer und argumentativer Themenentfaltung unterschieden wird, die weitgehend den Textfunktionen entsprechen (131 f).
Nach ihrer Funktion unterscheiden Beaugrande/Dressler (1981) deskriptive, narrative und argumentative Texte.
- "Deskriptive Texte dienen [. . .] zur Auffüllung von Wissensräumen, deren Steuerungsmittelpunkte Objekte oder Situationen sind." (Beaugrande/Dressler 1981: 190)
- Narrative Texte ordnen nach Beaugrande/Dressler Handlungen und Ereignisse in einer bestimmten Reihenfolge an.
"Häufige konzeptionelle Relationen sind hier Ursache, Grund, Zweck, Ermöglichung und zeitliche Nähe." (190)
- Für argumentative Texte "[. . .] sind konzeptuelle Relationen wie Grund, Signifikanz, Wollen, Wert und Gegensatz typisch. Der Oberflächentext wird oft kohäsive Mittel zum Ausdruck von Hervorhebung und Nachdruck aufweisen, z. B. Rekurrenz, Parallelismus und Paraphrase, [. . .]." (190 f)
Beaugrande/Dressler weisen darauf hin, dass man in vielen Texten eine "Mischung von deskriptiven, narrativen und argumentativen Funktionen" findet (191).
Van Dijk geht bei der Differenzierung von Textsorten von unterschiedlichen Superstrukturen (mit bestimmten semantischen Makrostrukturen) aus, die für den Text als Ganzes gelten (van Dijk 198O b: 128 ff).
"[. . .] eine Superstruktur ist eine Art Textform, deren Gegenstand, Thema, d. h. Makrostruktur, der Textinhalt ist." (128)
"[. . .] eine Superstruktur ist eine Art abstraktes Schema, das die globale Ordnung eines Textes festlegt [. . .]." (131)
Van Dijk nennt als Beispiele für Superstrukturen narrative Strukturen, argumentative Strukturen, Strukturen wissenschaftlicher Abhandlungen (140 ff).
Unter dem Aspekt des Bezugs zur außersprachlichen Realität und unter Referenzaspekten werden fiktionale von nichtfiktionalen Texten unterschieden, Gebrauchstexte (pragmatische Texte) von literarischen/poetischen Texten. Nach Jakobson dominiert in der Poesie die poetische Funktion der Sprache im Vergleich zur referentiellen. Das poetische Zeichen verweise nicht eindeutig auf etwas, sondern lasse sich in mehrfacher Weise interpretieren.
"Der Vorrang der poetischen Funktion vor der referentiellen löscht die Referenz nicht aus, sondern macht sie doppeldeutig." (Jakobson 1972 (1966): 127)
Schmidt bezeichnet Fiktionalität als textsemantische Kategorie in ästhetischer Kommunikation (Schmidt 1972: 64). Danach sind fiktionale Texte situationsabstrakt (66) und polyfunktional (67), sie "enthalten Leerstellen, die von jedem Rezipienten anders ausgefüllt [. . .] werden können" (67). Polyfunktional vertextete Textkonstituenten sind nach Schmidt "strukturell polyvalent, d. h. semantisch unterdeterminiert, funktional überspezifiziert sowie pseudoreferentiell" (70).
Beaugrande/Dressler kritisieren (unter Hinweis auf Weinrich 1966) die Gleichsetzung literarischer mit fiktionalen Texten, da es auch fiktionale Texte gebe, die nicht literarisch sind, z. B. Lügen (Beaugrande/Dressler 1981: 191).
"Fiktionalität ist keine hinreichende Begründung für Literarität." (191)
Beaugrande/ Dressler schlagen als Definition für den literarischen Text vor:
"[. . .] ein Text, dessen Welt in einer systematischen Alternativbeziehung zur akzeptierten Version der 'realen Welt' [. . .] steht." (191)
Texttypologie,
Textfunktion,
Intertextualität,
Textmuster,
Textmusterwissen,
Textthema,
thematische Entfaltung,
Makrostruktur,
Superstruktur, Referenz
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Textsorten
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Gesamtstruktur eines Textes, gebildet aus den Teiltexten und deren Beziehungen untereinander u n d Gefüge von Einheiten im Text, zwischen denen semantisch-syntaktische Relationen bestehen
Der Begriff Textstruktur kann als Bezeichnung für die globale Struktur des Gesamttextes aufgefasst werden und als Bezeichnung für das Gefüge von (transphrastischen) semantisch-syntaktischen Beziehungen zwischen den Textkonstituenten. Die Struktur des Gesamttextes erfasst die Abschnitte/Absätze/ Teiltexte und die Beziehungen zwischen ihnen, die Textgliederung und die Konstituierung der Übergänge zwischen Teiltexten. Die transphrastische Textstruktur wird durch das Netz semantisch-syntaktischer Beziehungen zwischen einzelnen Elementen gebildet, durch lineare Verknüpfungen im Gefüge der Textkonstituenten.
Für Harweg sind Texte sowohl als "hierarchisch strukturierte Gebilde" (Harweg 1990: 17), "von oben nach unten" unter Berücksichtigung des Textthemas gebildet als auch linear konstituiert, "von links nach rechts"; hinzu komme die "G l i e d e r u n g des Textthemas" als Prinzip der Textbildung (18).
"Die verschiedenen Gliederungsebenen sind idealtypisch mit bestimmten hierarchisch organisierten Formen der Absatzbildung verknüpft, und diese Absatzbildung wiederum ist auch verknüpft mit bestimmten Formen von syntagmatischer Substitution, d. h. von referentieller Wiederaufnahme." (19)
"Die lineare Verkettung wird an jeder Satzgrenze relevant. Makrostrukturen hingegen sind übergreifende Baumuster, welche die Gesamtgestalt betreffen. Das Zusammenwirken dieser beiden Strukturierungen ist ausschlaggebend für die Textualität." (Kallmeyer/ Meyer-Hermann 1980: 253)
Brinker fasst die Struktur eines Textes auf "als Gefüge von Relationen, die zwischen den Sätzen bzw. den Propositionen als den unmittelbaren Strukturelementen des Textes bestehen und die den inneren Zusammenhang, die Kohärenz des Textes bewirken" (Brinker 1992 (1985): 2O).
Brinker stellt die Textstruktur auf zwei Ebenen dar (2O ff),
- auf der grammatischen Beschreibungsebene (grammatische Kohärenz, "die für den Textzusammenhang relevanten syntaktisch-semantischen Beziehungen zwischen aufeinanderfolgenden Sätzen eines Textes") (2O),
- auf der thematischen Ebene (als "Analyse des kognitiven Zusammenhangs, den der Text zwischen den in Sätzen ausgedrückten Sachverhalten (Satzinhalten, Propositionen) herstellt") (2O).
"Die grammatische Verknüpfungsstruktur, insbesondere die Wiederaufnahmestruktur fungiert [. . .] als Trägerstruktur für die thematischen Zusammenhänge des Textes, d. h. sie verweist auf eine andere ('tiefere') Schicht, die wir als 'thematische Textstruktur' bezeichnen." (41 f)
Die Textstruktur ist das Resultat kognitiver Prozeduren und entwickelt sich (textsortenspezifisch) entsprechend der dominanten Textfunktion. Brinker weist auf Zusammenhänge zwischen Textfunktion und Textstruktur hin (Brinker 1992: 113).
"Allgemein lässt sich sagen, dass die Textfunktion - zusammen mit gewissen situativen und medialen Gegebenheiten - die Textstruktur, d. h. die Gestaltung des Textes in grammatischer und thematischer Hinsicht, regelhaft bestimmt [. . .]." (113)
"Die Struktur eines Textes indiziert zugleich die Funktion, die einem Text in einem bestimmten Interaktionszusammenhang zugeschrieben wurde, und stellt die Basis für einen komplizierten Interpretationsprozess des Textrezipienten dar." (Heinemann/Viehweger 1991: 126)
Makrostruktur,
Superstruktur,
Textgliederung,
Absatz,
Abschnitt,
Textkonstituenten,
Transphrastik,
Kohäsion,
Referenzbeziehungen,
Textphorik,
Textisotopie,
Textthema,
Textfunktion,
Kohärenz
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komplexes, formalisiertes Textmodell von Petöfi, das sich auf die Analyse schriftlicher Texte bezieht
Petöfi untersucht in seinem Modell TeSWeST die Beziehungen zwischen Text- und Weltstruktur.
"Die TeSWeST ist eine empirisch motivierte und Logik-orientierte Theorie, [. . .]." (Petöfi 1979 a: 1)
Die Textstruktur- Weltstruktur-Theorie hat eine grammatische Komponente (als Grundkomponente) und eine weltsemantische Komponente.
Für Petöfi sind die wichtigsten Operationen innerhalb der grammatischen Komponente
- die Analyse: einem gegebenen Text werden die zulässigen Textbasen (mit lexikalischer und semantischer Repräsentation als "intensionaler Lesart" des Textes) und ein "Informationsblock" zugeordnet;
- die Synthese: die lexikalische bzw. semantische Repräsentation wird (mit Zuordnung aller zulässigen Informationsblöcke) generiert;
- die Paraphrasierung (als kombinierte Analyse- und Synthese-Operation): analytisch wird einem gegebenen Text eine lexikalische bzw. semantische Repräsentation zugeordnet und daraus in der Synthese mindestens ein Text abgeleitet, der nicht mit dem Ausgangstext identisch ist (2).
Hauptoperation der "weltsemantischen" Komponente ist nach Petöfi die "extensional-semantische Interpretation", durch die einer lexikalischen bzw. semantischen Repräsentation eine "motivierbare extensional-semantische (welt- semantische) Repräsentation als Interpretation zugeordnet wird", wobei Kompatibilität und Kohärenz der jeweiligen Text- und Weltrepräsentation wichtig sind (2).
Als Beispiele für weitere Operationen der Textstruktur-Weltstruktur-Theorie erläutert Petöfi
- ERKLÄRUNG (Petöfi 1979 a: 3),
- BEWERTUNG (3),
- KONDENSATION (4).
Anwendungsbereiche für die von ihm entwickelte Theorie sind für Petöfi u. a.
- die poetische Analyse (5),
- die strukturelle Interpretation (5),
- Definitionen im Lexikon (5 f).
Textsemantik,
Textstruktur
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Zentrum des Textinhalts in Abhängigkeit von der Textfunktion und entfaltet in einer (textsortenspezifischen) Textstruktur
Nach Agricola ist das Textthema "ein als Konstitutions- (Ableitungs-)Basis für den Text fungierender Grund- und Hauptgedanke und damit ein logischer Bezugspunkt, Ausgang und Ergebnis des Textes" (Agricola 1979: 68). Agricola untersucht auch Themenverschiebungen und Themenerweiterungen und unterscheidet deutlich Hauptthemen von Nebenthemen (9 ff).
Kallmeyer/Meyer-Hermann verstehen als Textthema "das zentrale Inhaltselement bzw. die Kerninformation [. . .], welche alle semantischen Informationen des Textes bzw. der betreffenden Abschnitte dominiert [. . .]" (Kallmeyer/ Meyer-Hermann 1980: 254).
"Das Thema ist einerseits ein semantischer Extrakt, der aus einem konkreten Text durch bestimmte Operationen der Reduktion zu gewinnen ist, und andererseits ein Informationspotential, das einen Erwartungsrahmen schafft, auf den hin einzelne Textbestandteile interpretiert werden und der somit konstitutiv für die Kohärenz ist." (264)
Das Textthema ist nach van Dijk eine "Makroproposition auf einem bestimmten Abstraktionsniveau", bei expliziter Formulierung ein "Themasatz" oder ein "Themawort" (van Dijk 198O b: 5O).
Nach Brinker ist das Textthema "Kern des Textinhalts, wobei der Terminus 'Textinhalt' den auf einen oder mehrere Gegenstände (d. h. Personen, Sachverhalte, Ereignisse, Handlungen, Vorstellungen usw.) bezogenen Gedankengang eines Textes bezeichnet" (Brinker 1992 (1985): 51).
"Das Textthema (als Inhaltskern) ist entweder in einem bestimmten Textsegment (etwa in der Überschrift oder einem bestimmten Satz) realisiert, oder wir müssen es aus dem Textinhalt abstrahieren, und zwar durch das Verfahren der zusammenfassenden (verkürzenden) Paraphrase." (51)
Die Themenformulierung ist textsortenspezifisch vorzunehmen (54).
Auch Brinker unterscheidet Hauptthema und Nebenthemen eines Textes (52 ff) und erklärt deren Beziehungen zueinander.
- Nach dem "Ableitbarkeitsprinzip" ist d a s Thema eines Textes sein Hauptthema, von dem sich die anderen Themen (die Nebenthemen) ableiten lassen;
- nach dem "Kompatibilitätsprinzip" ist d a s Thema Hauptthema eines Textes, das am besten mit der Textfunktion übereinstimmt (52).
Das Textthema kann nach Brinker in unterschiedlicher Weise entfaltet werden (56 ff). Brinker unterscheidet die deskriptive (59 ff), die explikative (64 ff) und die argumentative Themenentfaltung (68 ff).
thematische Entfaltung,
Textinhalt,
Makrostruktur,
Kohärenz,
Textsinn,
Texttitel,
Glossar Gesprächslinguistik:
Gesprächsthema
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Bereich der Sprachtheorie, in dem Voraussetzungen und Erklärungsmöglichkeiten für textlinguistische Beschreibungen untersucht werden; auch: Textologie
In der Texttheorie werden die Voraussetzungen der in der Textlinguistik beschriebenen Phänomene untersucht und textlinguistische Aussagen - generalisiert und verallgemeinert - in einen größeren theoretischen Rahmen eingefügt. Erklärungen und Modellbildungen in der Texttheorie erfolgen in der Regel im Rahmen von Handlungstheorien bzw. vor dem Hintergrund von Kommunikationsmodellen.
Van Dijk fordert eine "allgemeine Texttheorie, [. . .] die dann die Basis bilden muss für eine eingehende und explizite Beschreibung unterschiedlicher Textsorten und ihrer gegenseitigen Relationen. Sprachtheorie und Texttheorie zusammen bilden so die allgemeine Theorie der verbalen Kommunikation." (van Dijk 198O b: 16)
Nach Rosengren ist die Textlinguistik "als eine Teildisziplin der Texttheorie zu betrachten, indem sie im Prinzip nur die linguistischen Regularitäten beschreibt, die Texte als sprachliche Einheiten aufweisen (müssen), um überhaupt kohärente Texte zu sein [. . .]" (Rosengren 198O: 275).
"Für die Texttheorie ist [. . .] eine konsistente Sprechakttheorie oder besser Sprechhandlungstheorie eine Voraussetzung, insofern die Texttheorie notwendigerweise mit der Sprechhandlungseinheit operieren muss." (275)
Schmidt, der sich besonders auf mündliche Gespräche als Texte bezieht, sieht eine "Theorie des kommunikativen Handlungsspiels als Basis einer Texttheorie" an (Schmidt 1976: 43). Texte sind nach Schmidt "Texte-in-Funktion im Einbettungsrahmen kommunikativer Handlungsspiele" (145). Texte sind danach nicht lediglich linguistisch erklärbar, "sondern über soziokommunikative Kriterien" definierbar (145).
Auch Isenberg betont die "Handlungsbezogenheit von Texten" (Isenberg 1977: 144), begründet die Vorzüge einer "dynamischen Auffassung" gegenüber einer "propositionalen Auffassung" (144) und sieht Text als "zeitliche Abfolge von sprachlich-kommunikativen Handlungen" (143).
Textlinguistik,
Handeln,
sprachliches Handeln,
Kommunikation,
kommunikatives Handlungsspiel,
Sprechakttheorie
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Konstrukt zur Bezeichnung der einem Text zugrundeliegenden abstrakten Struktur
In einigen Textmodellen wird (besonders in Anlehnung an die Generative Transformationsgrammatik) als Grundlage der konkreten linearen Oberfläche eines Textes die Texttiefenstruktur angenommen; allerdings bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, was als Texttiefenstruktur aufzufassen ist.
Im transphrastischen Ansatz (zu Beginn der textlinguistischen Entwicklung) wird der Begriff Tiefenstruktur von der Satzebene direkt auf Satzsequenzen übertragen (Heidolph 1966, Isenberg 1974 (1971)).
Bellert ersetzt die Bezeichnung Texttiefenstruktur durch den Terminus "logico-semantische Struktur" (Bellert 1974 (197O)).
Nach Schmidt ist Texttiefenstruktur "primär thematisch bestimmt als geordnete Menge thematischer Komplexe" (Schmidt 1976 (1973): 237).
Van Dijk setzt 1980 an die Stelle des vorher (1972) von ihm verwendeten Begriffs Tiefenstruktur den Terminus Makrostruktur (van Dijk 1980 a, 1980 b).
Textstruktur,
Makrostruktur
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Überschrift eines Textes
Agricola unterscheidet Titel und "eigentlichen Text" als zwei getrennte selbstständige Einheiten, die "Paraphrasen voneinander sind" (Agricola 1979: 21).
"Es bleibt eine Ermessens- und Kriterienfrage, ob man die für viele Texttypen übliche Kategorie des Titels mit als regulären Bestandteil des Textes unter dem Aspekt seiner Abgeschlossenheit einbeziehen will oder ob man ihn als konventionellen Zusatz behandelt, so dass Text und Titel zusammen eine Art Quasitext oder Pseudotext bilden [. . .]." (21)
Der Titel sei eine "vorwegnehmende hervorhebende Nennung", ein extremes Kondensationsprodukt (21) und werde durch einen Satz, eine Nominal- oder Verbalgruppe gebildet (22).
Nach Große sind Titel "Präsignale" (Große 1976: 20 ff).
Harweg unterscheidet bei Texttiteln die syntaktische und die semantische von "verschiedenen pragmatischen Funktionen":
- syntaktische Funktion: der Text wird durch den Titel "delimitiert",
- semantische Funktion: der Titel informiert über den "inhaltlichen Kern" des Textes,
- pragmatische Funktionen: der Titel macht den Text leicht zitierbar, indem er ihm einen "Namen" gibt,
- produzentenbezogen: als Arbeitstitel dient die Überschrift als Leitfaden für die Produktion des Textes,
- rezipientenbezogen: der Titel kündigt an, was zu erwarten ist (Harweg 1984: 78 ff).
Nach Hellwig fungiert die Überschrift als "Eigenname" eines Textes (Hellwig 1984: 8).
Tschauder unterscheidet bei den Beziehungen zwischen Überschrift und Text die syntagmatische Relation (der Text folgt dem Titel) von der paradigmatischen Relation: der Titel steht anstelle des Textes, fungiert als dessen "Stellvertreter" (Tschauder 1991: 295). Das Erkennen dieser Stellvertreterfunktion setzt in der Verständigung allerdings gemeinsame (literarische) Vorkenntnisse bei den Kommunikationspartnern voraus (vgl. 298). (Beispiel: Kennen Sie Minna von Barnhelm? Oder Kabale und Liebe?)
Sandig, die 1971 eine syntaktische Typologie der Schlagzeilen in Zeitungen entwickelt, erklärt, dass der durch die Kommunikationssituation bedingte Kurzsatz der am häufigsten vorkommende Titeltyp ist.
Brandt stellt bei seiner Untersuchung der Überschriften von Zeitungstexten fest,
- dass diese Titel die Funktion des Informierens und des Appellierens übernehmen können,
- dass sie als selbstständige Informationseinheiten fungieren, aber inhaltlich von den Artikeltexten abhängig sind,
- dass sowohl Relationen zwischen Titel und Text als auch zwischen Titel und Leser bestehen und
- dass die Leser häufig nur die Titel lesen, obgleich diese für das Lesen der Artikel werben (Brandt 1991: 238 f).
Der (in den Printmedien/Massenmedien besonders deutlichen) leserwerbenden Funktion der Texttitel entsprechen in verschiedenen Kulturräumen unterschiedliche sprachliche Strukturen.
So dominieren z. B. bei Titeln deutscher Wirtschaftskommentare verklausulierte Bewertungen, sprachlich realisiert durch syntaktische Verkürzung bei semantischer Verdichtung (vgl. Zhu/Liu/Schoenke 1996: 59 ff), "größtmögliche Komprimierung bei syntaktischer Reduzierung" (75), in chinesischen Wirtschaftskommentaren dagegen (in Sätzen formulierte) Appelle mit traditionellen poetischen Ausdrucksformen, die alten Gedichten (mit spezifischem Rhythmus und Reim) entsprechen (73 ff).
Textthema,
Textrahmen
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Texttypologie
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systematische, theoriebezogene Zusammenstellung von Kriterien für die Textsortenklassifizierung; generalisierende und verallgemeinernde Untersuchung der theoretischen Voraussetzungen und Erklärungsmöglichkeiten für die Klassifizierung von Textsorten
Die Typologisierung von Texten gilt als Aufgabe der Texttheorie, um - in der Regel handlungstheoretisch fundiert - Modelle und Erklärungen für Textsortendifferenzierungen bereitzustellen. Während sich die Textsortenklassifizierung auf authentische Texte bezieht, werden in der Texttypologie im Rahmen einer linguistischen Theoriebildung die Regeln für die Klassifizierung von Textsorten beschrieben und erklärt.
Nach Isenberg verwendet man den Terminus Texttyp (im Unterschied zum Begriff Textsorte) "als theoriebezogene Bezeichnung für eine Erscheinungsform von Texten, die im Rahmen einer Texttypologie beschrieben und definiert ist" (Isenberg 1983: 308).
Isenberg, der als Kriterien für die Bewertung von Texttypologien Homogenität, Monotypie, Striktheit und Exhaustivität nennt (312 ff), bezeichnet die Texttypologisierung als zentrales Problem der Texttheorie, das mit der Erarbeitung eines allgemeingültigen Textbegriffs und der Beschreibung von Textualität in Zusammenhang stehe (305 f). Er erklärt Texttypen als "Interaktionstypen", bei denen die Bewertungen des sprachlichen Handelns "konstitutiver Bestandteil der sprachlichen Kommunikation sind" (Isenberg 1984: 262).
Heinemann/Viehweger betonen die Unzulänglichkeit von Klassifizierungen entweder nur nach textinternen oder textexternen Merkmalen und weisen auf die Nachteile starrer Systematisierungen hin (Heinemann/Viehweger 1991: 146).
"Textsorten stellen sich [. . .] in einer Typologie als idealtypische/prototypische Phänomene dar, als Verallgemeinerungen, die auf Durchschnittserfahrungen (von Sprechern einer bestimmten Kommunikationsgemeinschaft) basieren; sie können daher als globale sprachliche Muster zur Bewältigung von spezifischen kommunikativen Aufgaben in bestimmten Situationen umschrieben werden." (17O)
Heinemann/Viehweger schlagen unter Bezugnahme auf Isenberg (1984) und Gülich (1986) eine "mehrdimensionale Texttypologie" und "multidimensionale Zuordnungen von prototypischen Repräsentationen auf unterschiedlichen interagierenden Ebenen (Schichten)" (147) vor. In ihrem die Theorien sprachlichen Handelns, der Grammatik und der Textkomposition integrierenden Modell (127 f) und ausgehend vom Vorwissen der Kommunikationspartner ordnen Heinemann/Viehweger ihre Texttypologisierung in ein Mehrebenenmodell.
Als "Text-Typologisierungsebenen" führen sie an (147 ff)
- Funktionstypen (Primärfunktionen: SICH AUSDRÜCKEN (SELBST DARSTELLEN), KONTAKTIEREN, INFORMIEREN, STEUERN)
- Situationstypen (Klassifizierung u. a. nach der Anzahl der Partner, nach sozialen Rollen der Interagierenden, nach Grundtypen der Umgebungssituation)
- Verfahrenstypen ("Realisierungen strategischer Konzepte" (158), z. B. bei dem Funktionstyp STEUERN: ANWEISEN, APPELLIEREN, BITTEN)
- Textstrukturierungstypen (Grobstrukturierung der geplanten Texte: Kompositionstypen, Sequenztypen)
- prototypische Formulierungsmuster (normative Muster z. B. Telegramm, Bewerbungsschreiben; "generelle Ordnungs- und Formulierungsprinzipien" als "textklassenspezifische Kommunikationsmaximen") (165)
Die primären Textfunktionen gelten hier auch für fiktionale Texte (mit ästhetischen Wirkungen) (149 ff). Obgleich Textformulierungen nicht in eine strikte Musterbildung einzuordnen seien, sondern auch individuell variiert werden, verfügen Kommunikationspartner nach Heinemann/Viehweger über ein Wissen prototypischer Formulierungs- und Stilmerkmale bestimmter Textklassen (164 ff), die als Indikatoren einzelner Textsorten gelten können (167).
Textsorten,
Texttheorie,
sprachliches Handeln,
Intertextualität,
Textfunktion,
Textmuster,
Prototyp