Ein Lesebuch der ganz besonderen Art mit Titel Das Gauck-Lesebuch, herausgegeben von Jochen Zimmer, war meine letzte Lektüre. Und ich möchte es hiermit dringend weiterempfehlen!
Was die verschiedenen Autoren aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen (u.a. CDU-, SPD- und PDS-Mitglieder) in den einzelnen Kapiteln beschreiben kann an dieser Stelle nur auszugsweise geschildert werden. Das Buch enthält im ersten Teil Aufsätze zum Komplex "Die Stasi - Aufarbeitung und Geschichte" und im zweiten Teil diverse Fallbespiele.
Einige der Thesen zur Arbeit der Gauck-Behörde möchte ich kurz vorstellen: Eine provozierende These lautet, daß die Arbeit dieser Behörde die Fortsetzung der STASI auf einer anderen Ebene sei. Dafür gibt es auch Begründungen: Verwendet werden die Akten weniger zur Aufklärung denn zur Denunziation ausgewählter Personen; dem auf dubiosen Wegen - mit nach derzeitig gültigen Gesetzen illegalen Methoden - zusammentragenen Material wird mehr vertraut als den Aussagen von Menschen; der Aufbau und die Struktur der Behörde (zentralistischer Apparat mit Sitz in Berlin) ist vergleichbar dem ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit. Weitere Vorbehalte gegen die Arbeit der Behörde sind: zu wichtigen Zeitpunkten (z.B. Wahl von Stephan Heym zum Alterspräsidenten) wird kurz vorher belastendes Material "zufällig gefunden" und der Presse zugespielt; ein wahnsinnig teurer Apparat (250.000.000 DM pro Jahr) zur Versorgung guter Bekannter (aus alten der Gruppe der sogenannten "Bürgerrechtler") und weitere Argumente.
Durch gute Zusammenarbeit mit der einschlägigen Presse wurde schon mancher "zur Strecke" gebracht, und falls sich diese Informationen als gefälscht entpuppen haben die Betroffenen in der Regel keine Chance mehr, sich rehabilitieren, da dann die Presse kaum eine Meldung bringt. Im Buch wird sogar ein Fall beschrieben, wo sich schlicht und ergreifend die Unterschrift aus der IM-Verpflichtung als gefälscht herausstellte. Das war der Professor schon gekündigt worden. Es bleibt festzuhalten: In den Akten stehen viele Lügen, viele Informationen sind z.B. durch illegales Abhören gewonnen worden, wer sich nur darauf verläßt und den Mielke-Schnüfflern eher glaubt als den Betroffenen offenbart viel über sein mangelndes Demokratieverständnis!
Eine gelungene Auseinandersetzung mit der Arbeit der Gauck-Behörde, wobei sowohl die Qualität der einzelnen Aufsätze als auch die Kritikpunkte durchaus sehr unterschiedlich sind. Aber da soll sich jeder Leser selbst ein Urteil bilden.