Ein ungewöhnliches Tagebuch von MAGARETE HANNSMANN mit dem Titel TAGEBUCH MEINES ALTERNS ist dieses Mal mein Tip. Dieses Taschenbuch wurde mir zum 37. Geburtstag geschenkt, was mich zunächst etwas verwundete, es ist aber für alle Altersstufen lesbar. Das Tagebuch beinhaltet das Jahr 1989 von Neujahr bis Silvester, wobei die historischen Veränderungen im Laufe des Jahres nicht im Mittelpunkt stehen, aber durchaus kritisch kommentiert werden. Im Mittelpunkt steht das Alltagsleben der Autorin, die im Laufe des Jahres ihren 67. Geburtstag feierte.
Ich war sehr beeindruckt von der Ehrlichkeit der Autorin, die eine fast schon schonungslose Offenheit in Bezug auf ihre physischen und psychischen Probleme an den Tag legt. Auch ihre - im Hinblick auf die Wiedervereinigung - sehr kritische Sicht der auf die zukünftigen Probleme in Deutschland hat sich aus heutiger Sicht als eher untertrieben erweisen, wirkte 1989 fast ketzerisch.
Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem Älterwerden ist der Tod, dies betrifft vor allem ihre Freunde und den Lebensgefährten der Autorin, HAP Grieshaber. Und damit verbunden natürlich die Einsamkeit, die fehlenden Berührungen. Bei Krankheiten und Leiden, die Margarete Hannsmann so plagen, war ich doch beeindruckt von ihren Aktivitäten um Laufe eines Jahres. Vor allem ihre vielen Reisen zu Vorlesungen aus ihren Werken verlangen viel.
Der Verlag schreibt über das Buch:
Die Bilanz eines Lebens. Margarete Hannsmann schreibt aus persönlicher Sicht über die Last des Alters mit seinen physischen und psychischen Auswirkungen. Erinnerungen an Verstorbene, etwa HAP Grieshaber, Heinar Kipphardt, Franz Fühmann und Thomas Bernhard, werden wach. Sie gibt ihrer Trauer um Umweltzerstörung und eine aus den Fugen geratene Zivilisation Ausdruck. Doch resigniert sie nicht. Vielmehr fordert sie auf, gegen Müdigkeit, Schwäche und die Angst vor dem Tod anzukämpfen und den Prozeß des Altern bewußt zu erleben.
Im gewissen Sinne ist es auch zieht sie in diesem auch eine (Zwischen-)Bilanz ihres Lebens, ihrer Fehler in Bezug auf ihre Kinder und ihre Lieben. Es ging mir zum Teil sehr nahe und erfüllte mich mit Respekt, wie Margarete Hannsmann mit sich ins Gericht geht.
Keine Angst vor dem Titel haben (Wir werden alle immer älter)! Dieses sehr persönliche Buch regt zum Nachdenken an und bietet gleichzeitig einen interessanten Rückblick auf das Jahr 1989. Eine Taschenbuchausgabe ist seit Januar im Handel!