Horst Duddek
Aktaion und die heroischen Leidenschaften
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Der Aktaion-Mythos
Aktaion, Sohn des Aristaios, hatte seine Göttin Artemis (Diana) beim Bade belauscht oder überrascht und war von ihr in einen Hirsch verwandelt worden, den seine eigenen Hunde zerrissen.
Bruno = Aktaion?
der Jüngling Aktaion los, da das Schicksal ihm einen Weg voll Zweifel und Unsicherheit weist, den wilden Waldestieren auf der Spur. Und siehe: Zwischen den Wassern den schönsten Körper, das schönste Gesicht, das Mensch und Gott je wohl zu sehen vermögen, in Purpur und Alabaster und feinem Gold sah er; und der große Jäger ward zur Beute. Den Hirsch, der zu undurchdringlicheren Orten leichteren Schrittes sich wandte, verschlangen bald seine vielen, großen Hunde. Ich schicke meine Gedanken aus nach erlesener Beute, und sie, zu mir zurückgekehrt, geben mir den Tod mit grausam wilden Bissen."
"Ach, ihr Hunde des Aktaion, undankbare Bestien,
Zitate aus:
Brunos Deutung des Aktaion-Mythos
"Aktaion bedeutet die Vernunft auf der Jagd nach der göttlichen Weisheit, nach der göttlichen Schönheit. Dieser entkoppelt die Doggen und Windhunde, von denen diese schneller, jene stärker sind, denn die Tätigkeit des Verstandes geht der des Willens voran, aber diese ist stärker und wirksamer als jene, zumal für den menschlichen Verstand die göttliche Gutheit und Schönheit eher liebenswert als begreiflich ist; außerdem ist es die Liebe, die den Verstand in Bewegung setzt und antreibt, daß er ihr vorausgehe wie eine Laterne.
aus: H.-U. Schmidt "Zum Problem des Heros bei Giordano Bruno" S.69/70
Death of Aktaion, ca. 350-340 v. Chr., unbekannt
Bruno damals - Bruno heute
Als Aktaion, begleitet von seinen Hunden, Artemis beobachtet, fängt er sie "perzeptuell", "geistig". Durch die Verwandlung wird Aktaion zuerst für seine Hunde zur Beute, letztlich aber (dadurch, daß jetzt die Hunde Helfer der Artemis sind) zur Beute der Jagdgöttin. In der Interpretation von Wissenschaft als Jagd sind die Helfer (die Hunde), welche einmal dem Wissenschafler helfen, dann aber ihn im Auftrag der obersten Instanz von Wissenschaft jagen, von Interesse. Bruno spricht von Verstand, der vom Willen losgebunden wird und diesem vorausläuft und somit außerhalb der Kontrolle des Willens gerät; letztlich wird der Wille angetrieben von der Liebe (zur Schönheit, Wahrheit...). Der Verstand bringt dem Wissenschaftler reiche Beute, die dieser sich einverleibt und dabei unmerklich mit dieser einverleibten Beute identifiziert wird. Die außen gesuchte Wahrheit ist plötzlich innen, ja die ganze Jagd war, ohne daß der Jäger dieses wußte, eine Jagd nach dem eigenen Selbst.
Aktaion = Bruno?
Das von Bruno interpretierte Aktaion-Emblem hat autobiographische Züge. Durch seine geistige Autonomie (Unbotmäßigkeit) aus dem Kontext des Klosters (und zunehmend der Kirche als Institution) herausgelöst, beginnt Bruno einen unsteten Lauf, der von ihm wie eine Serie heroischer Herausforderungen erlebt wird. Mit der kopernikanischen Lehre erhascht er einen Blick auf "Artemis", aber die Mitglieder gerade der "scientific community" an den Universitäten und schließlich die Inquisition als rationale und unbarmherzige Interpretationsinstanz des Glaubens jagen ihn bis zur Folter und auf den Scheiterhaufen.
beide Absätze aus: W.Wildgen "Embleme der Leidenschaft oder Leidenschaft der Embleme", 1994
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