Uta Kneller
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Giordano Bruno und der Lullismus
Raymundus Lullus hat mit seinen Schemata den Grundstein für viele nachfolgende kreative Systematiken geliefert. Der erste bekannte Lullus Interpret war Pico della Mirandola mit seiner "Apologia" von 1487. Besonders die Vierte Figur des Lullus erlangt, vor allem im barocken 17. Jahrhundert, große Berühmtheit. Giordano Bruno, dessen kosmologische Vision ein Universum mit unendlich vielen Welten mit sich bringt, kann mit Hilfe der lullschen Systematik seine eigene, nahezu uferlos wirkende Kombinatorik einfangen und arbeitet deshalb den lullschen Ansatz recht stark heraus. So schlägt Bruno beispielsweise in seinem Werk "De umbris idearum" (Von den Schatten der Ideen) mehrere bewegliche konzentrische Räder vor, wobei jedes Rad 30 Buchstaben aufweist, die wiederum auf Bilder, Handlungen und Situatiuonen verweisen. Die für Bruno typische Vielfalt und Farbigkeit bleibt erhalten, wäre aber ohne die Architektur und Ordnung des Lullschen Systems (der Vierten Figur) kaum denkbar.
Biographie
Ramòn Llull (latinisiert zu Raimundus Lullus und verkürzt
zu Lull) kommt im Jahre 1232 auf Palma de Mallorca zur Welt und ist
somit Zeitgenosse von Dante und auch Thomas von Aquin. Das 13. Jahrhundert
in Spanien ist eine wahre Brutstätte der Synkretismen: Seit 711
ist das Land von den Muslimen besetzt, und birgt, zu Lullus Zeit bereits
zur Hälfte zurückerobert, die ganze Vielfalt der drei Hauptreligionen
Islam, Judentum und Christentum. Lullus entstammte einer wohlhabenden
christlichen Familie und wurde mit zwölf Jahren Page am königlichen
Hofe, anschließend avancierte er zum Lehrer des späteren
Königs von Mallorca, Jacob II. Die Tafel der Prinzipien
Die vier Figuren und die Kombinatorik
Mit den Figuren gibt Lullus feste Strukturen vor, innerhalb derer
die Begriffe aus der Tabula Generalis kombiniert werden dürfen.
Als nahezu revolutionär gilt seine Idee zur vierten Figur, da man
hier mit drei beweglichen Kreisscheiben operieren kann, die eine vielfältige
aber dennoch sehr geordnete Kombinatorik erlauben. Diese Figur erlangte
große Berühmtheit, und besonders in den lullistische Werken
des Barock finden sich zum Teil wunderschön ausgeschmückte
Mechanismen, die auch reell beweglich sind. Drei (oder mehr) konzentrische
Kreise von abnehmender Größe findet man dort aufeinandergelegt
und in der Mitte mit einer Schnur zusammengehalten. Da die Scheiben der vierten Figur beweglich sind, ist es möglich,
84 Kombinationen vom Typus BCD, BCE oder CDE zu bilden. Bleibt man in
der ersten Figur, sind es bei der BCD-Kombination die Begriffe Güte,
Größe und Ewigkeit, die miteinander (nach dem Muster der
aristotelischen Syllogistik) miteinander verknüpft werden können.
Lullus hat dieser Figur umfangreiche Tabellen hinzugefügt, die
außer drei kombinierbaren Buchstaben noch ein "t" enthalten.
Dieses "t" kennzeichnet den Wechsel in eine andere Spalte
der Tabelle, man kann also von der Spalte der absoluten Prinzipien in
die Spalte der relativen Prinzipien "hinüberspringen"
und gleichzeitig noch eine Frage voranstellen. Wenn die Kombination
mit einem B beginnt, wird auch die B-Frage "ob?" vorangestellt,
bei einer mit C beginnenden Kombination die C-Frage "was?"
u. s. f. Hat man die Kombination BCtC gewählt, kann man damit die
Frage "ob die Güte groß ist, sofern sie übereinstimmendes
enthält?" formulieren.
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