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Studiengang Geographie

Universität Bremen

Wintersemester 1998/99

 

LV 8-046 S Stadtentwicklungskonzept:

 

Das Projekt "Space Park"

in Bremen

ein schriftliches Referat

 

 

 

 

vorgelegt von Michael Thiele

im März 1999

Inhalt:

 

Vorwort

1. Voraussetzungen, Vorüberlegungen und Planungen für den Space Park

1.1 Die Fläche

1.2 Wirtschaftsfaktor Städtetourismus

1.3 Der Space Park im Stadtentwicklungskonzept

1.4 Die Konzeptidee

1.4.1 Änderungen im Konzept

1.4.2 Das Angebot im Space Park

1.5 Space Park als Bremer Beitrag zur Weltausstellung 2000

1.6 Ocean Park Bremerhaven und Space Park Bremen

1.7 Parks in Space oder ich sehe den Platz vor lauter Parkern nicht

2. Die Umsetzung des Projektes Space Park

2.1 Die Finanzierung des Projektes

2.1.1 Finanzierungsbeihilfe von Seiten der EU

2.1.2 Das finanzielle Engagement Bremens

2.1.3 Der private Hauptinvestor

2.2 Wirtschaftliche Tragfähigkeit

2.3 Die politische Entscheidung für den Park

2.4 Das Sofortprogramm für die Innenstadt und die Nebenzentren

2.5 Die Umsetzung des Projektes

2.6 Auswirkungen durch den Space Park

2.6.1 Auswirkungen auf den Verkehr

a) motorisierter Individualverkehr

b) öffentlicher Personennahverkehr

c) touristische Verkehrsangebote

2.6.2 Strukturelle Auswirkungen

 

3. Die Diskussion über das Projekt

3.1 Der Space Park in der Lokalpresse

3.2 Alternative Möglichkeiten für die Nutzung des AG Weser-Geländes

3.3 Bewertung der Argumente gegen den Space Park

4. Literatur

5. Anhang

 

Vorwort

 

Diese Hausarbeit behandelt ein Thema, daß sich zur Zeit in der aktuellen Diskussion befindet und dessen Umsetzung bevor steht. Das mir vorliegende Material spiegelt den Entwicklungsstand von Ende Januar 1999 wider – sofern nicht anders angegeben. Da der weitaus größte Anteil der Fakten und Zitate einer Vorlage zum Bremer Senat entstammen, beziehen sich Zitate, die nur mit einer Seitenzahl angeben auf eben diese Vorlage. Alle Währungsangaben beziehen sich auf Deutsche Mark (DM)

 

 

 

 

  1. Voraussetzungen, Vorüberlegungen und Planungen für den Space Park

1.1 Die Fläche

Das ca. 26 ha große Areal befindet sich zwischen der Hafenrandstraße und der Weser im Bremer Stadtteil Gröpelingen. Sie liegt am nördlichen Ufer der Einfahrt zum alten Überseehafen und dem Holz- und Fabrikenhafen. Im Gegensatz zum Gebiet des Überseehafens, dessen Umnutzung derzeit diskutiert wird, sind die meisten weiteren industriellen Nutzungen in der Umgebung unserer Fläche hier verankert und bleiben als Nachbarn bestehen.

Abb. 1: Die AG Weser in den 40er Jahren

Seit dem Konkurs der bekannten Bremer Werft AG Weser zu Beginn der 80er Jahre gab es keine dauerhafte Nutzung der Fläche. Sie diente lediglich als Schauplatz einiger Musik- und Großveranstaltungen oder kleinen Firmen als Betriebshof. Die einzige derzeit ansässige Firma wird in den neuen Industriepark umgesiedelt. Die Fläche gehört seit dem Konkurs der Aktiengesellschaft der sich im Besitz Bremens befindlichen SWG Grundstücks GmbH & Co. Der Wert der Gesamtfläche wird nach einem Gutachten der Kataster und Vermessung Bremen auf einen Durchschnittspreis von DM 100.- bis 125.- pro m² beziffert.

 

1.2 Wirtschaftsfaktor Städtetourismus

Eines der Hauptargumente für die geplante Umstrukturierung des AG Weser-Geländes zu einem touristischen Angebot war seit Beginn der Diskussion die erhoffte positive Auswirkung auf den Tourismus.

Der Tourismus ist zur Zeit eine der am stärksten wachsenden Branchen in Deutschland. Eine herausragende Stellung nimmt dabei der Städtetourismus an. Negativ hat sich hingegen der Tourismus in Kurorten entwickelt, aufgrund der Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. Diese Entwicklung wirkt sich auch positiv auf das wirtschaftliche Wohl einiger Städte aus. Der Trend beinhaltet insbesondere Kurz- und Tagesreisen, die oftmals mit dem Besuch von "Events" verbunden sind.

Bremen fehlen laut SCHWENDER/WEHLING noch spezielle Angebote, um die sich bietenden Marktchancen ausreichend nutzen zu können. So wäre es durchaus möglich, das Niveau von Hamburg oder Hannover zu erreichen, obwohl diese Städte dank ihrer stärkeren Wirtschaftskraft derzeit noch die Nasen vorn haben.

Im Jahre 1998 hat die Zahl der Übernachtungen in Bremen bei etwa 1 Mio. gelegen. Bei über 500.000 Übernachtungsgästen entspricht das einer mittleren Übernachtungsdauer von 1,84 Tagen je Gast. Ziel einer verbesserten Tourismusentwicklung ist daher, ein Angebot zu schaffen, die Touristen länger als zwei Tage in der Stadt zu halten.

Auch bei den Tagestouristen erhofft sich Bremen eine Verbesserung. 1993 gab es laut einer Untersuchung 14,6 Mio. Tagesbesucher in der Hansestadt. Aus den Daten läßt sich folgern, daß der Anteil der Übernachtungsgäste in Bremen lediglich 6,3 % beträgt. Hieraus ergibt sich wiederum eine Wachstumsperspektive, wenn man dies mit den Werten anderer Städte vergleicht (Hamburg: 8,0 %; Berlin 25,2 %).

Positive Effekte erhofft man sich durch den Bau des Congress Centrum Bremen (CCB) und der Messehallen sowie durch den Ausbau von Kultureinrichtungen und Verschönerungsmaßnahmen an Parks, Weserufer und City.

Den verhältnismäßig größten Anstieg erhofft man sich allerdings durch die aktuellen Großprojekte. Vom Musical "Jekyll and Hyde", das seit Mitte Februar im ehemaligen Hallenbad am Richtweg läuft, erhofft man sich bis zu 130.000 zusätzliche Übernachtungen jährlich.

 

Tabelle: Prognostizierte Übernachtungszahlen in Tsd. (SCHWENDER, WEHLING, S. 7)

Touristische Projekte

Vorauss. Anlaufjahr

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

Pool tourismusrelev. Projekte

 

5

10

30

45

50

55

60

65

Musical

1999

 

80

110

130

130

130

130

130

EXPO (Ausstrahlung)

2000

   

240

         

Space Park

2001

70

150

216

216

216

913.000 Besucher in 1997 + autonomes Wachstum von 3% p.a. (gerundet)

 

940

969

998

1.028

1.058

1.090

1.123

1.157

Übernachtungen insgesamt (gerundet)

 

945

1.059

1.378

1.273

1.388

1.491

1.529

1.568

Ein 1997 erstelltes Gutachten erwartet durch den Space Park alleine über 216.000 zusätzliche Übernachtungen in Bremen. Allerdings wird auch erwähnt, daß dabei die positiven Synergieeffekte durch das noch umstrittene Projekt Ocean Park in Bremerhaven beinhaltet sind und der erste Entwurf des Space Parks als reines Tourismusprojekt zugrunde liegt.

Insgesamt soll sich die Zahl der Übernachtungen in den nächsten sechs Jahren als um ca. 50 % erhöhen, wobei dem Space Park dabei der größte Wachstumsanteil zu verdanken ist.

Aufgrund der gestiegenen Zahl an Übernachtungen und Tagesgästen rechnet man auch mit einem Anstieg der direkt und indirekt durch den Tourismus beschäftigten von 9400 auf 16.300 Menschen.

 

    1. Der Space Park im Stadtentwicklungskonzept

Das Bundesland Bremen steckt seit längerer Zeit in schweren finanziellen Nöten. Dies ist in erster Linie durch den Abbau von Arbeitsplätzen in den für Bremen typischen Industriebranchen und durch den Prozeß der Suburbanisierung hervorgerufen worden. Die Steuereinnahmen der Stadt sind rückläufig, während die Ausgaben durch Sozialleistungen stark ansteigen. Am Leben gehalten wird Bremen nur dadurch, daß jedes Jahr unter anderem aus dem Länderfinanzausgleich Milliardenmittel in den Stadtstaat gepumpt werden. Um Bremen wieder auf eigene Füße zu stellen, gibt es Investitionssonderprogramme (ISP) und Zuschüsse aus Entwicklungsfonds der Europäischen Union. Diese finanziellen Zuwendungen sollen, wie im Stadtentwicklungskonzept aufgeführt, Großprojekte unterstützen, die der wirtschaftlichen Entwicklung Bremens zugute kommen sollen.

Leitziele des Stadtentwicklungskonzeptes sind die Stärkung der Wirtschaftskraft, die Sicherung der Lebensqualität und in bezug auf Ökologie auch die Förderung der Nachhaltigkeit (Agenda 21). Der Bau eines Space- und Einkaufsparkes zielt logischerweise auf die ersten beiden Punkte ab. Aus umweltpolitscher Sichtweise dient der Space Park der Umwelt allerdings nicht. Durch den Park werden zum Beispiel neue Verkehrsströme entstehen. Dies ist natürlich gewollt (Anziehung von Besuchern insbesondere auch aus dem Umland).

Einzelhandel

Im Stadtentwicklungskonzept (S.68/69) wird im Baustein Einzelhandel nicht auf die Planungen für den Bereich des ehemaligen AG Weser Geländes eingegangen. Eine neue Nutzung des Geländes wird lediglich als "Ausbaupotential" erwähnt. Dazu sollte auch durch Umgestaltung und Umnutzung der Flächen zwischen Stapelfeldstraße und Schiffbauerweg (Verlagerung der Feuerwehr) der Eingangsbereich zum AG Weser-Gelände aufgewertet werden. Für den Bremer Westen ist an dieser Stelle auch die mögliche Verkaufsfläche von 13.500 m² im geplanten Walle Center von Bedeutung.

Das Ortszentrum von Gröpelingen, welches zur Zeit von einem hohen Versorgungsniveau und einem ausgewogenen Verhältnis der Betriebsformen und des Branchenmixes gekennzeichnet ist, soll weiter aufgewertet werden. Durch ein Zusammenwachsen der derzeit getrennten Pole (Bereich Gröpelinger Herrstraße/Lindenhofallee und Stapelfeldtstraße/Lindenhofstraße) soll der Bedeutungsverlust, den der Stadtteil durch die Umstrukturierung im Hafenbereich erfahren hat, kompensiert werden. Kulturell hat Gröpelingen in den letzten Jahren durch Pier 2, Lichthaus, Lindenhof und Moschee bereits einige interessante Projekte bekommen.

Insgesamt prognostiziert der Bremer Ausschuß für Wirtschaftsförderung einen Zuwachs der Verkaufsflächen von ca. 336.000 m², davon ca. 200.000 m² durch großflächigen Einzelhandel. In dem Sinne erscheint die Einzelhandelsansiedlung im Space Park als vertretbar.

Freizeitinfrastrukturkonzept

Im Baustein Freizeitinfrastrukturkonzept wird der Space Park unter dem Punkt Tourismusplanung erwähnt; neben dem Musical, der Verschönerung der Weseruferpromenade und anderer Gärten und Parks, dem Haven Höövt in Vegesack und dem Umbau des Weserstadions. Hierbei wird Bremen als Zentrum der europäischen Raumfahrt bezeichnet und festgestellt, daß das Projekt auf einen weit über die Bremer Region hinausgehenden Besucherkreis zielt (Stadtentwicklungskonzept: S.116-117).

 

1.4 Die Konzeptidee

Im Jahr 1995 kam der Vorschlag, einen Weltraum-Park zu bauen erstmals an die Öffentlichkeit. Der Space Park will sich als ein in dieser Form und Größe in der Bundesrepublik einmaliges Urban Entertainment Center verstehen. Der Raumbezug ergibt sich durch die in Bremen ansässige Weltraumindustrie (MBB, Spacelab, Fallturm,...).

      1. Änderungen im Konzept

Anfänglich sollte auf dieser Fläche eine rein touristische Anlage gebaut werden. Hierfür zeichneten sich allerdings große Wirtschaftlichkeitsprobleme ab, die der designierte Investor Köllmann nicht hinnehmen konnte. Es wurde eine zweite Studie (Designphase II) durchgeführt. Im Februar 1998 wurden die Ergebnisse dieser Studie den Wirtschaftsausschüssen und dem Senat präsentiert:

In der folgenden Diskussionsphase konkretisierten sich die Vorschläge, die Wirtschaftlichkeit durch die Eingliederung eines Einkaufszentrums zu sichern. Aus den anfangs geplanten Weltraum-bezogenen Lädchen wuchs ein zunächst für Gröpelingen bedrohliches 23.000 m² flächengroßes Einkaufszentrum (Entertainment-Shopping-Center). Schließlich legten die Investoren noch ein bißchen Einzelhandelsfläche drauf, daß schließlich in der lokalen Presse und Politik der Ausdruck "Einkaufszentrum mit Rakete" geprägt wurde.

Gestrichen wurden die touristischen Komponenten "Wasserpark "Planet Neptun", das Auto-Image-Center, die "Stargate-Arena" und die Body-Flying-Anlage "Airodium", die auf einer Fläche von 9.400 m² die Besucher unterhalten sollten. Hinzugekommen ist allerdings die "Star Trek- Komponente.

Insgesamt sollen auf einer Fläche von 60.000 m² touristische Komponenten entstehen, sowie 44.000 m² für Einzelhandelsverkaufsfläche reserviert werden. Für die Besucher sollen 3900 Parkplätze zur Verfügung stehen. Die Investitionskosten verteilen sich auf die touristischen Komponenten mit 455,8 Mio. und die Einzelhandelsangebote mit 291 Mio. DM. Der Bau dürfte annähernd zwei Jahre dauern. Sollte der Baubeginn Mitte 1999 erfolgen, könnte die Eröffnung im Jahre 2001 realisiert werden.

 

 

1.4.2 Das Angebot im Space Park

Das Konzept des Space Paks soll sich landschaftlich in die Umgebung mit Wasser und Hafenanlagen einpassen. So soll zum Wasser hin eine "freundliche Promenade" entstehen. Ob nicht eventuell doch alle Freiflächen zu Parkflächen werden, wird im Projektentwurf nicht bestritten. Frei zugänglich soll der Spacewalk als ein von Shops gesäumter Halbkreis entstehen. Dieser umkreist dabei das Herz des Projektes - das Space Center – und führt die Besucher auf das Multiplex-Kino hin.

Im Space Center soll es folgende Attraktionen geben:

Abb. 2: Space Shot

Neben der Erlebnisgastronomie sollen auch "normale kleinräumige Restaurants" entstehen. Im sogenannten Foodcourt wird also auch für allgemeine Gaumenfreude à la Mc Donalds, Burger King und Pizza Hut gesorgt sein.

Wichtig, besonders in Hinblick auf die aktuelle Diskussion, ist der geplante Einzelhandel. Von Seiten der Investoren ist eine Verkaufsfläche von 44.000 m² geplant. Im Multiplex-Kino sind 14 Säle mit insgesamt 3500 Sitzplätzen geplant. Vergnügen darf sich der Besucher auch noch in einer interaktiven Star Trek-Dauerausstellung. Ob diese niveauvoller wird, bzw. die 15 DM Eintritt wert ist wie die derzeitige Ausstellung im Postamt 5, wird sich zeigen. Auch nachts soll der Space Park nicht zur Ruhe kommen: Die Space Disco lädt zum Tanz und im Wellness Bereich ist Körpertraining à la Aquadrom angesagt.

In unmittelbarer Nähe zum Space Center soll das Hotel Saturn entstehen. Bei der angebotenen Drei-Sterne- Qualität erhofft man sich viele Familien und selbst Schulklassen in den 160 Zimmern.

 

1.5 Space Park als Bremer Beitrag zur Weltausstellung 2000

In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover findet im Sommer 2000 die Weltausstellung (kurz EXPO 2000) statt. Für dieses Großprojekt hat der Bund und das Land Niedersachsen erhebliche Finanzmittel in Gang gesetzt und damit besipielsweise ein S-Bahn System für die Leinestadt finanziert. Auch viele andere Städte und Gemeinden in Niedersachsen hoffen, durch dezentrale Expo-Projekte von dem erwarteten Besucheransturm profitieren zu können. Space und Ocean Park galten bis zum Frühjahr als die Attraktionen des kleinsten Bundeslandes, um EXPO – Besucher anzulocken. Seit feststeht, daß mit der Fertigstellung der Projekte nicht vor 2001 zu rechnen ist, kann Bremen sich bei den Angeboten wohl nur noch auf die Anziehungskraft des neuen Rhodariums und der umgestalteten Weserpromenade verlassen.

 

1.6 Ocean Park Bremerhaven und Space Park Bremen

Ungefähr zeitgleich mit den Plänen zur Umgestaltung des AG Weser-Geländes entstanden auch in Bremerhaven explizite Überlegungen zur Umgestaltung des Raumes zwischen Zentrum und Wesermündung. Interessanterweise sollten auch in Bremerhaven die gleichen Investoren, nämlich die Köllmann Gruppe, ein touristisches Projekt anbieten, über das dann ähnliche Diskussionen geführt werden sollten wie über den Space Park in Bremen. Auch beim Ocean Park (oder Ocean Kaje) soll Einzelhandel den Erfolg des Projektes garantieren. Die Entscheidung für den Ocean Park sollte schließlich noch durch einen Bürgerentscheid abgesichert werden, da unter Mitwirkung des Osnabrücker Gartenbau-Professors Jürgen Milchert eine Bürgerinitiative en masse gegen die Planung Front gemacht hatte. Im Gegensatz zum Space Park handelt es sich beim Ocean Park allerdings um eine solch zentrale Entwicklung, die Bremerhavens Schicksal weit mehr beeinflussen würde als der Bremer Space Park in Gröpelingen die Hansestadt. In Bremerhaven steht ja eine Fläche zur Disposition, die voll und ganz im Herzen der Stadt liegt und praktisch bei gelungener Planung der Anziehungspunkt der Stadt schlechthin werden sollte. Darum ist es umso wichtiger, daß sich die Bremerhavener Bevölkerung mit diesem Projekt identifizieren kann.

Häufig wurde in der Diskussion erwähnt, daß Köllmann nur beide Parks im "Doppelpack" bauen würde. Aus Pressenberichten ist allerdings ersichtlich, daß dem Bremer Space Park ein schwereres Gewicht gegeben wurde, auch wenn das Projekt Ocean Park teurer ist. Köllmann scheint dabei die These zu vertreten, daß, falls der Bremer Park, von dessen Erfolg er wohl eher überzeugt ist, nicht gebaut werden sollte, sich ein Park in Bremerhaven nicht rentieren kann. Argument dafür, daß das Doppelpack für ihn sinnvoller scheint, ist auch die Tatsache, daß für beide Parks ein gemeinsames Management (in Bremen) Verantwortung tragen soll, und viele touristische Pauschalangebote für beide Parks im Doppelpack geschnürt werden können. Die anvisierte Schnellbootverbindung zwischen Ocean Park in Bremerhaven, Vegesack, Pier 2 (Space Park) und Martinianleger (City) macht ebenso auch nur Sinn, wenn beide Parks gebaut werden.

 

1.7 Parks in Space – Themenparks als Zeitgeist

Parks in Space war der Titel einer Veranstaltungsreihe, die im November 1998 im Bremer Kulturzentrum Schlachthof stattfand. Geboten wurde eine Ausstellung und diverse Vorträge, die auch die "Schein-Welten" von Themenparks beleuchten sollten. Ziel dieser Veranstaltungen war es, "den Park als Chiffre eines neuen Raum- und Lebensverständnisses kritisch zu hinterfragen" (Kandzia et al). Der Space Park steht in dieser Betrachtung in einer Reihe mit anderen Freizeit-, Technologie-, Industrie-, Promotion- und Wohnparks, die eine neue Inszenierung des städtischen Lebens darstellen. "Der Mensch wird umsorgt mit Info- und Edutainment, mit Kommunikations- und Warenangeboten." Die Grenzen zwischen Freizeit, Arbeit und Konsum scheinen zu verschwimmen (nach Kandzia et al). Mit einem Erlebnispark entsteht praktisch eine Stadt im Kleinen. Wie bei den meisten Shopping Malls aber auch, entsteht ein öffentlicher Raum unter privater Hand, was im Enddefekt dann natürlich keinen öffentlichen Raum mehr darstellt. Allerdings gleicht sich der öffentliche Raum selbst mehr und mehr dem Privaten an: Heute streben bereits private Sicherheitsdienste durch die Einkaufsstraßen der Innenstädte und selbst die Polizei kann Platzverbote ausstellen.

Der Space Park ist Teil dieses boomenden Themen- und Vergnügungsparkgeschäftes. Derzeit sind allein in der Bundesrepublik rund 30 dieser Themenparks in Planung oder Bau. (nach Kandzia et al). Diese Aussage widerspricht allerdings der Köllmanns, daß der Space Park in dieser Größe und Form in Deutschland einmalig sei. Im Unterschied zu den traditionellen Vergnügungsparks, die sich meist aus dem mittelständischen Schaustellergewerbe entwickelten, wird bei den heutigen Themenparks mit großem Kapitaleinsatz auf eine Verknüpfung verschiedenster Konsum-, und Freizeitelemente gesetzt: Modernste Simulations- und Animationstechnik kommt zum Einsatz. Darin wird von einigen Tourismusforschern ein gutes zukünftiges Geschäft gesehen, andere sehen dies skeptischer, zumal die Besuchszahlen der Freizeitparks im Jahr 1997 um rund 1% zurückgegangen sind (nach Milchert). Es darf erwartet werden, das angesichts der zurückgehenden oder stagnierenden Kaufkraft, eines immer mehr virtuell orientierten Freizeitverhaltens, einem touristischen Gegentrend hin zu Authentizität und Ehrlichkeit (sanfter Tourismus) vor allem aber angesichts der zu erwartenden Übersättigung des Marktes zu einem harten Verdrängungswettbewerb zwischen den immer größeren Themenparks kommt (Milchert). Ob der Space Park Erfolg verbuchen wird, hängt in erster Linie sicher von der Umsetzung und Vermarktung ab; aber bestimmt auch, ob, zum Beispiel, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es den Menschen erlauben, ihr Geld in solchen Parks zu lassen? (Prof. Jürgen Milchert in antares real-estate infoplex 1998)

2. Die Umsetzung des Projektes Space Park

2.1 Die Finanzierung des Projektes

Das Projekt Spacepark benötigt nach der Einschätzung nach der ersten Designphase im Januar 1998 Investitionen von 781 Millionen DM. Die öffentliche Hand sollte dafür Mittel in Höhe von 410 Millionen Mark zur Verfügung stellen, also etwas mehr als die Hälfte. Nach der revidierten Planung reduzieren sich die Kosten erheblich.

2.1.1 Finanzierungsbeihilfe von Seiten der EU

Bei der Kalkulation der Beteiligung der öffentlichen Hand wird davon ausgegangen, daß die EU im Rahmen des GRW (Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur") Projektes 77 Mio. DM beisteuert. Allerdings ist noch die Zustimmung der Kommission notwendig. Daher taucht die Frage auf, ob Bremen im Falle einer negativen Entscheidung bereit wäre, diesen Betrag zu übernehmen.

Im Rahmen des GRW Projektes können 17 % der förderfähigen Investitionen von der Europäischen Union übernommen werden. Die Mittel werden von der Funds KG verwaltet und dienen der Minderung der von den privaten Investoren zu leistenden Leasing-Raten. Als förderfähige Investitionen gelten grundsätzlich nur die touristischen. Investitionen in den Einzelhandel sind nach den Bestimmungen der GRW nicht förderbar.

Der Betrag von 77 Mio. ergibt sich dabei aus 17 % des Investitionsvolumen von 455,8 Mio. Die restliche 291 Mio., die für das Einzelhandelsprojekt benötigt werden, werden nicht gefördert.

2.1.2 Das finanzielle Engagement Bremens

Eine zunächst anvisierte Einbindung Bremens in die Betreiberverantwortung wird es nicht geben. Trotzdem wird der Stadtstaat in erheblichem Maße finanzielle Verantwortung übernehmen. Hierfür verlangt die öffentliche Seite einen plausiblen Nachweis der Wirtschaftlichkeit des laufenden Betriebes und die Einbringung von (haftenden) Eigenmitteln der Investoren. Folglich wurde die Space Park Development GmbH dazu verpflichtet, eine Erstvermietungsgarantie und andere für die Vermietung der Einzelhandelsflächen anfallende Kosten zu übernehmen. Auch will sich Bremen durch eine Konzernbürgschaft des Hauptinvestors absichern.

Trotzdem trägt Bremen ein hohes finanzielles Risiko, zum Beispiel wenn das Projekt ohne Verschulden der Köllmann-Gruppe scheitern sollte.

Die finanzielle Verantwortung Bremens zeigt sich in erster Linie an den Kosten für die Erstellung der Infrastruktur, die 206,9 Mio. DM betragen, und denen nur ein Verkaufserlös von ca. 26 Mio. entgegensteht. Ein Großteil der Infrastrukturmaßnahmen dient der Anbindung des Geländes an die Innenstadt. Eine Landesbürgschaft bzw. Garantiefonds wird Bremen dem letzten Stand der Dinge nicht anbieten. Die Kosten für die Infrastrukturmaßnahmen setzen sich wie folgt zusammen (aus der Senatsvorlage):

Für die Erschließung ist die von Köllmann beauftragte Projektentwicklung Bremen (PEB) beauftragt. Knapp die Hälfte der Mittel sind bereits verbraucht. Auch hat sich die öffentliche Hand zu 50 % an den Kosten der Planungs- und Designphase beteiligt.

2.1.3 Der private Hauptinvestor

Sowohl für das Ocean Park Projekt in Bremerhaven als auch für das Space Park Projekt in Bremen hat sich mit der Köllmann-Gruppe nur ein Invesor mit Angeboten gemeldet. Teil der Köllmann-Gruppe sind mehrere Tochter- und Zwischengesellschaften, die für verschiedene Aufgabenbereiche verantwortlich sind.

Verantwortlich für das privatwirtschaftliche Engagement ist die Köllmann AG. Sie ist jeweils zu 100 % an der Köllmann Real Property Development GmbH und der Köllmann European Leisure Corp. GmbH beteiligt. Erstere ist zu 75 % an der Space Park Development GmbH beteiligt und trägt die unternehmerische Führung an dieser Gesellschaft, deren zweiter Teilhaber die KanAm EURO Malls, Inc. ist. KanAm und Köllmann European Leasure Corp. sind wiederum jeweils zur Hälfte an der Köllann European Shopping KG beteiligt, die Gesellschafter der Space Park Management KG ist.

Die Köllmann AG verfügte per 31.12.1997 über ein Aktienkapital in Höhe von 277 Mio DM. Sie wird vom Senat als leistungsfähiger Investor mit erheblichen Centermanagement-Erfahrungen angesehen. Eine Partnerschaft von Köllmann und KanAm gibt es auch bei den Projekten "Galeria Ventuno" in Stuttgart und "Jahrhunderthalle" in Frankfurt am Main. Die KanAm verfügt über große Erfahrungen im Immobiliengeschäft in den Vereinigten Staaten. Diese deutsche Firma hat dort bereits 19 Shopping Center bauen lassen.

Investor im eigenen Sinne ist allerdings die Space Park Funds KG, an der neben Köllmann und KanAm (zu 10%) die Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds (DEGI) mit einer Kommanditeinlage von 90 % beteiligt sind. Die DEGI ist wiederum eine 100 %ige Tochtergesellschaft der Dresdner Bank AG. Da die DEGI noch keine verbindliche Zusicherung gemacht hat, verlangt Bremen derzeit eine Erklärung, daß die Finanzierung des Geländekaufpreises, der Hochbauten und der Attraktionen gesichert ist.

Betrieben werden soll der Space Park von der Space Park Management KG. Auch an dieser Gesellschaft sind Köllmann und KanAm zu jeweils 50 % beteiligt. Für den Betrieb der Hauptattraktionen "Space Center" und Star Trek soll der US-amerikanische Betreiber des Kennedy Space Centers, die Delaware North Company gewonnen werden. Man verhandelt allerdings noch.

Die mobilen Einrichtungen des Space Centers sollen mit Hilfe von Leasing Firmen finanziert werden. Hierfür liegen ausreichende Angebote der Nord Leas AG, Hamburg und der VR Leasing, Eschborn vor.

 

    1. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projektes

Die wichtigste Frage, die sich den Investoren und der Stadt stellt, ist natürlich, ob sich das Projekt rechnen läßt. Hierfür hat die Köllmann-Gruppe eine Untersuchung durch die WP-Gesellschaft KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft durchführen lassen. Deren Ergebnisse lassen sich wiefolgt zusammenfassen.

Ein anderes – von Bremen angefordertes Gutachten – kommt allerdings – erwartungsgemäß - zu anderen Ergebnissen und weist auf Unstimmigkeiten zwischen bisheriger Planung und Umsetzung hin. So entsprechen die architektonische und bauliche Ausgestaltung nicht unbedingt den Wünschen eines attraktiven Einzelhandelskonzepts für den Park. Die bislang noch fehlenden Zusagen von Partnern für die Umsetzung der touristischen Komponenten sollten spätestens mit der Zusicherung der Stadt für den Bau des Projektes eingeholt werden. Dieses andere Gutachten der PwC Deutsche Revision empfiehlt der öffentlichen Hand eine uneingeschränkte Schadensersatzpflicht Köllmanns, der letzterer aber nicht zustimmen würde.

Auf Seite 19 der Senatsvorlage erscheinen noch einmal die prognostizierten Besucherzahlen. Da hier aber kein Zeitrahmen definiert sind, läßt sich nur in der Tendenz ablesen, daß man etwa fünfmal so viele Besucher für die Einzelhandelskomponenten erwartet als für den Tourismusbereich.

 

2.3 Die politische Entscheidung für den Space Park

Am 10. November 1998 hat der Bremer Senat mit großer Mehrheit die Realisierung des Projektes beschlossen. Damit wurde der Weg frei, für die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau des Projektes. Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes und einer nötigen Änderung des Flächennutzungsplanes kann dann eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Dabei wurde auch die Höchstgrenze für Einzelhandelsfläche mit 44.000 m² festgesetzt und Sortimentbeschränkungen aufgeführt. Ein Factory Outlet Center wurde ausdrücklich untersagt. Desweiteren soll sichergestellt werden, daß das Weserufer für die Öffentlichkeit zugänglich wird und das Gelände auch von Besuchern ohne Interesse an Shopping oder Space Center gequert werden kann. Ein Verkehrskonzept für den Bremer Westen soll erarbeitet werden.

An Entscheidungen in bezug auf das Projekt soll außerdem die Stadtbürgerschaft beteiligt werden. Die Planungen für ein Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum oder gewerbliche Entwicklung an der Ritterhuder Heerstraße sollen eingestellt werden. Der historische Getreidespeicher, der von einer möglichen Erweiterung des Space Parks bedroht ist, soll erhalten werden. Schließlich soll das Hafen- und das Wirtschaftsressort in Zusammenarbeit mit dem Bauressort eine Regelung zur Unterhaltung und zum Betrieb der Kaje am Space Park treffen. Gleichzeitig wurde auch das Sofortprogramm in Höhe von DM 110 Mio. für die Aufwertung der Innenstadt beschlossen. Im Bauleitplan soll die touristische Komponente als Schwerpunkt des Gesamtprojektes berücksichtigt werden.

Das rund 26 ha große Gelände soll zu einem Preis von durchschnittlich DM 100.- pro m² an den Investor verkauft werden. Außerdem soll vom Hafen-, Bau- und Wirtschaftsressort geprüft werden, ob der Investor die Ausweitungsfläche im Bereich der heutigen Getreideumschlagsanlage in seine Planungen aufnehmen kann. Derzeit stehen noch Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von DM 126,4 Mio an, die von der Stadt getragen werden. Vergleicht man die gesamten Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 206,9 Mio. mit dem Erlös aus dem Verkauf von DM 100.- pro m², ergibt sich bei 26 ha Fläche und einem Gesamtverkaufserlös in Höhe von DM 26.000.000 ein Verlust für die Stadt von ca. DM 180 Mio. Dazu kommen dann während des Betriebs die Mittel für die Unterhaltung und den Betrieb der öffentlichen Flächen.

 

    1. Das Sofortprogramm für die Innenstadt und die Nebenzentren

Am heftigsten wurde das Space Park Projekt von den Kaufleuten in der Innenstadt kritisiert. Sie sahen in dem "Shopping Center mit Rakete" eine Bedrohung für ihr eigenes Überleben. Die Handelskammer gab ihr Einverständnis erst als die Stadt zusicherte, 75 Millionen Mark in ein Sofortprogramm zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt zu investieren.

Kernpunkte dieses Programms sind:

Besondere Aufmerksamkeit wird in diesem Programm auch dem Nebenzentrum Gröpelingen gegeben. Für eine attraktive Verbindung/ Verzahnung von Space Park und Gröpelinger Einkaufszentrum sind immerhin weitere 25 Millionen Mark bereitgestellt worden.

Außerdem wurde beschlossen, die Zentrenverträglichkeit des Space Parks noch einmal durch eine unabhängige gutachterliche Untersuchung zu überprüfen. Derzeit wird davon ausgegangen, daß der Space Park in der Innenstadt zu einem Umsatzrückgang von 3,7 % führen kann. Dies mag nicht nach viel aussehen, allerdings muß man bedenken, daß sich in Bremen derzeit nur 15 % des Einzelhandelsumsatzes auf die Innenstadt konzentrieren. Das ist deutlich weniger als in vergleichbaren Städten. Außerdem wurden im Zeitraum von 1990 bis 1997 bereits rund DM 550 Mio. öffentliche Mittel in die Innenstadt investiert, die private Investitionen von über 1,1 Mrd. zu Folge hatten.

 

2.5 Umsetzung des Projektes

Nächster wichtiger Schritt für die Umsetzung des Projektes ist das Bauleitplanverfahren. Noch im November 1998 ging man davon aus, das Verfahren innerhalb eines Jahres abschließen zu können. Allerdings wird der Zeitplan derzeit nicht eingehalten. Die Träger öffentlicher Belange haben die Unterlagen zur 72. Änderung des Flächennutzungsplanes und zum Bebauungsplanverfahren Nr. 2083 noch nicht erhalten (Stand: Anfang März 1999), obwohl diese bereits für den Dezember anvisiert wurde. Daraus läßt sich folgern, daß weitere Verzögerungen bei der Umsetzung des Projektes zu erwarten sind. Nachdem eine Eröffnung zur EXPO 2000 nicht mehr möglich ist, hat man offensichtlich Zeit.

 

 

 

 

 

 

2.6 Auswirkungen durch den Space Park

Die Planung eines Großprojektes bedarf der Abschätzung ihrer Auswirkungen auf verschiedenste öffentliche und private Belange im Rahmen des Anhörungsverfahrens über den aufgestellten Bebauungsplan und einer Änderung des Flächennutzungsplanes.

Positiv zu vermerken ist, daß die Fläche, auf der der Park gebaut werden soll, eine Industriebrache ist. Ökologische Belange werden also demnach nicht berührt. Durch die ursprüngliche Nutzung als Schiffswerft war bereits ein Großteil der Fläche versiegelt, allerdings könnten Bodenverunreinigungen zu zusätlichen Erschließungskosten führen. Ausgleichsmaßnahmen stehen also nicht zur Debatte. Allerdings ist auch nicht damit zu rechnen, daß sich der ökologische Wert der Fläche erhöht. Ein Großteil der Freiflächen wird dem Parkraum zu Opfer fallen, es werden wahrscheinlich nur sporadisch Anpflanzungen vorgenommen werden.

Trotzdem muß im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) untersucht werden, inwiefern Anwohner und Nachbarn durch die Auswirkungen des Parks betroffen werden. Solche Auswirkungen sind in erster Linie verkehrlicher Art. Daher gilt es, die Zuwegung zum Park genauer zu betrachten.

      1. Auswirkungen auf den Verkehr
      2. a) motorisierter Individualverkehr

        Extrem wichtig für den Betrieb des Space Parks ist die Zuwegung. Zunächst einmal muß sichergestellt werden, daß die Anzahl der Parkplätze dem erhofften Besucheransturm entspricht, um zu verhindern, daß die Zufahrtswege und anliegenden Wohngebiete durch parkende Autos belästigt werden. Da der Space Park in erster Linie auch ein Shopping Center beinhalten wird, ist damit zu rechnen, daß Parkgebühren nicht erhoben werden. Problematischer dagegen ist die Frage, ob die durch den Space Park induzierten Verkehre zum und vom Parkraum von den bestehenden Straßenverbindungen bewältigt werden können.

        Dazu wird im Baustein "Verkehrskonzept" des Stadtentwicklungskonzepts folgender Vorschlag gemacht: Über die in Bau befindliche Hafenrandstraße und deren Anbindung an den bereits in Betrieb befindlichen ersten Bauabschnitt der A 281 (Zubringer Industriehäfen) besteht eine leistungsfähige Erschließung. (vgl. Abb.3, Anhang)

        Es ist allerdings mindestens damit zu rechnen, daß der Bedarf an zusätzlichen Abbiegespuren und Ampelanlagen besteht. Außerdem kann man nicht davon ausgehen, daß sich der Besucheransturm gleichmäßig auf den ganzen Tag verteilt. Ähnliche Verkehrsprobleme wie beim Weserpark sind also vorprogrammiert. Im SEK heißt es dazu: "Die Abwicklung der Parkplatzverkehre bedarf einer detaillierten Planung."

         

         

        b) Öffentlicher Personennahverkehr

        Auch die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr wird als ausreichend bezeichnet. Laut der Senatsvorlage besteht durch die Straßenbahnhaltestelle "Use Akschen" der Linie 3 ein attraktives Angebot. (vg. Abb. 4, Anhang)

        Die BSAG-Linie verkehrt im dichten Takt zwischen Gröpelingen und Weserwehr und bietet Umsteigemöglichkeiten Richtung Bremen Nord in Gröpelingen, und an der Domsheide sowie am Brill in viele andere Stadtteile. Besonders erwähnt wird dabei die vorhandene Umsteigemöglichkeit von der Linie 6 aus/in Richtung Flughafen. Die Scharen von designierten Besuchern, die am Bremer Airport ankommen, können also gleich auf dem Hinweg die touristischen Sehenswürdigkeiten am Marktplatz von der Bahn aus erkunden. Um die Besucherströme, die in den Ferien und am Wochenende erwartet werden, vom Hauptbahnhof zum Space Park und zurück zu befördern, soll während der Stoßzeiten eine Straßenbahn-Sonderlinie fahren. Diese könnte dann zwischen Bürgerweide, Hauptbahnhof und Use Akschen pendeln. Da diese Linie außerhalb der sonstigen Verkehrsspitzenzeiten fahren würde, müßten keine neuen Fahrzeuge angeschafft werden.

        Falls sich ein Bedarf abzeichnen sollte, könnten auch einige 70er Busse aus Richtung Norden über die bisherige Endhaltestelle Gröpelingen hinaus bis zum Space Park verlängert werden. Auch ein Schnellbus zwischen Vegesack und Space Park könnte geprüft werden. Zusätzliche Parallelverkehre privater Busgesellschaften, wie etwa durch Von Rahden zwischen Bremerhaven und Musical zur Zeit durchgeführt, sind unnötig und schädigen nur die finanzielle Situation der Verkehrsunternehmen mit Konzessionen für den Linienverkehr.

        c) touristische Verkehrsangebote

        Der in der Diskussion erwähnte Schnellboots-Linienverkehr zwischen Ocean Park, Vegesack, Pier 2 und City zielt aber in erster Linie auf touristische Interessen und könnte bei Gelingen aller Projekte, zumindest saisonal ein gutes Angebot für die Besucher der Stadt darstellen. Mit zwei Schiffen wäre eine Taktfrequenz von 80 Minuten möglich. Die Kapazität eines Schiffes betrüge 300 Personen. Vermutlich könnte dieses Projekt aber auch den Protest von Bremerhavener Geschäftsleuten auslösen, die zur Zeit ja bekanntlich gegen den Wesersprinter (VBN-Schnellbuslinie Bremerhaven-Oldenburg) wittern, weil sie eine Abwanderung der Kaufkraft in das Oberzentrum Oldenburg befürchten. Solche obskuren Befürchtungen sind demnach auch bei solch einer Schnellboots-Verbindung zu erwarten.

         

         

         

         

         

      3. Strukturelle Auswirkungen

Zur Zeit geht man davon aus, daß direkt auf dem Space Park Gelände knapp 2000 Vollzeitarbeitsplätze entstehen. Davon entfallen 786 auf die touristischen Einrichtungen und 1187 auf den Einzelhandel. Wie unter dem Punkt Stadttourismus erwähnt erhofft man sich aber noch deutliche stärkere Auswirkungen durch den erhofften Anstieg der Übernachtungen.

3. Die Diskussion über den Space Park

 

3.1 Der Space Park in der Lokalpresse

Die Planung des Space Park zeugte in dieser Legislaturperiode ein erhebliches Öffentlichkeits- und Diskussionsinteresse in den lokalen Medien. Dabei reichte die Berichterstattung von seriöser Berichterstattung über Fortschritte in der Planung oder Proteste der innerstädtischen Einzelhändler bis zu Einkaufszentrum mit Rakete-Argumenten in den Gratisblättern. Die in der Diskussion aufgetauchten Argumente werden im Folgenden betrachtet:

3.2 Alternative Möglichkeiten für die Nutzung des AG Weser-Geländes

Obwohl derzeit alles darauf deutet, daß der Space Park an diesem Ort entsteht, kann es durchaus noch passieren, daß sich der Investor zurückzieht oder in Konkurs geht. Daher wurden während der ganzen Diskussionsphase auch Alternativplanungen für das Gelände vorgebracht. Sehr beliebt in der öffentlichen Diskussion ist immer der Bau von Wohnungen. In attraktiver Lage am Wasser könnten mehrere Tausend Wohnungen entstehen. Auch die Nutzung als Gewerbestandort wurde vorgeschlagen. Dazu gab es einen Vorschlag aus Reihen der CDU-Fraktion, den Space Park besser auf der grünen Wiese an der A1 zu bauen. Falls das Projekt Space Park in der heutigen Situation allerdings abgeblasen werden müßte, wäre nicht damit zu rechnen, daß die große Koalition auf diesem Areal etwas anderes als Gewerbe oder eine reine Einkaufsmeile planen würde.

 

 

3.3 Bewertung der Argumente gegen den Space Park

Die Investoren und Architekten sitzen in Frankfurt und Kalifornien. Daher ist eine dem Umfeld entsprechende ästhetische Anpassung an den Stadtteil Gröpelingen nicht möglich.

Leider konnte ja kein lokaler Investor gefunden werden. Allerdings ist die Bonität der Investoren nie 100 prozentig gesichert. Auszuschließen ist also nicht, daß man eine zwielichtige Gestalt à la Schneider, Rauboll,... angeheuert hat.

In jedem Fall vermißt der kritische Betrachter einen lokalen Bezug. Von Seiten der Investoren und der Stadt wird zwar behauptet, daß solch ein Bezug durch die in Bremen vorhandene Raumfahrtindustrie gegeben ist. Allerdings ist von der anfänglich aufgeführten Kooperationsbestrebung von Space Park und MBB nicht mehr die Rede. Einen Bezug zur Geschichte der Stadt gibt es allerdings nicht. In dem Sinne wäre wahrscheinlich für diesen Standort eher ein Militärmuseum oder ein U-Boot Park angemessen. Bis zum April 1945 war die AG Weser nämlich einer der wichtigsten Produzenten für die deutsche Marine. Natürlich ist anzunehmen, daß ein Kriegsmuseum oder ein Kriegs Park (War Park) noch größere Proteste hervorgebracht hätte. (Passend zum War Park könnte auch gleich ein Wal Mart angesiedelt werden.).

Frage ist auch, warum sich in Deutschland Großprojekte nur mit großen staatlichen Zuschüssen und Investitionsbeihilfen verwirklichen lassen. In den USA und Japan funktioniert das auch ohne Beihilfen. Im Grunde sind solche Zuschüsse dann zu rechtfertigen, wenn der Staat/ die Stadt dann auch seine eigenen Vorstellung von der Gestaltung des Projektes verwirklichen kann, was hier ja nicht unbedingt der Fall war. Bei unserem Fall waren eher die finanziellen Nöten und das wirtschaftliche Betreiberrisiko dafür verantwortlich, daß das Projekt in der sogenannten Designphase II erheblich geändert wurde.

Sehr fraglich ist auch, ob die abgespeckten touristischen Komponenten des Space Parks die Besucher noch in gleichem Maße anzulocken vermögen. Sehr von Interesse sind auch die Eintrittspreise für die gebotenen Attraktionen. Sollten diese deutlich über denen der Fahrgeschäfte auf dem Freimarkt oder anderen Vergnügungsparks liegen, ist der Park sicherlich kein Freizeiterlebnis für den kleinen Mann. Bremen hat bereits Erfahrungen mit der Star Trek – Ausstellung im Postamt 5 gemacht, deren 15 Mark Eintrittsgeld ohne mögliche Ermäßigung schon viele Besucher abgeschreckt hat. Zudem erscheint es auch unverständlich, daß behauptet wird, mit dem geplanten Dreisternehotel würden Familien und Schulklassen angesprochen. Wer hat je schon mal eine Schulklasse in einem solchen Hotel nächtigen gesehen.

Festzustellen ist allerdings die Tatsache, daß so etwas nahe des Zentrums gebaut wird – und nicht am Stadtrand. Eigentlich geht der Trend ja in Richtung Multiplexkinos und Shopping Malls im Randbereich der Städte. Positiv zu bewerten ist in diesem Sinne, daß der Vorschlag, den Park auf der grüne Wiese an der A1 zu bauen, rasch verstummt ist.

Auch stellt sich die Frage, ob es hier denn gerechtfertigt wäre, an alten Nutzungen im Sinne der AG Weser festzuhalten. Sicherlich ist selbst ein geschmacksloser Kulturpark sinnvoller als eine Schiffswerft, die Kriegsgerät herstellt. Schließlich ist der Nutzungswandel dieser Fläche höchstsymbolisch für den Wandel von der Industriestadt zur Dienstleistungsstadt.

Letzlich ist auch festzustellen, daß die deutschen Innenstädte bald genauso austauschbar sind wie Einkaufszentren in der Peripherie. Beispiele hierfür sind Projekte wie die der Cinemaxx, der Potsdamer Platz oder das Centro Oberhausen.

 

4. Literatur

 

 

Kandzia, Vera et al: Editorial zur Veranstaltungsbroschüre "Parks in Space", Kulturzentrum Schlachthof, Bremen 1998

Köllmann AG : Space Park Bremen "Ein integriertes Entertainment-Shoppin-Center (Info-Broschüre der Investoren)

Milchert, J.: Ocean Park Bremerhaven. In Antares Real Estate Infoplex, Bremerhaven 1998.

Schwender, T. und Wehling, W.: Städtetourismus als Wirtschaftsfaktor in Monatsbericht des Instituts für Wirtschaftsförderung. Heft 8 / August 1998, keine weiteren Angaben

Senator für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung: Beschlußvorlage für die Sitzung des Senats am 10. November 1998, Presseveröffentlichungen des Senats, Bremen 1998.

Senator für Finanzen, Finanzbericht 6/96, Sanierung der bremischen Haushalte - Das Investitionssonderprogramm -

Bremen 1996

Senator für Wirtschaft, Mittelstand, Technologie und Europaangelegenheiten et al.: Vorlage Nr. 160/98 L/S für die Sitzung der Wirtschaftsförderungsausschüsse [...] am 12. November 1998. Bremen 1998.

Weser Kurier: Auswertung der Lokalseiten von Juni 1995 bis Januar 1999. Bremen. Nicht zitiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3: MIV – Anschluß des Space Parks an die A 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb.4: Anbindung des Space Parks an den ÖPNV