Das Geheime Evangelium des Markus - Einleitung
Das Geheime Evangelium des Markus
Einleitung
Literatur:
- "Clement of Alexandria and a Secret Gospel of Mark", Morton Smith, Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1973 (wissenschaftlich)
- "Auf der Suche nach dem historischen Jesus", Morton Smith, Ullstein, Frankfurt/M., 1973/74 (populär)
Im Jahre 1958 entdeckte Morton Smith im Kloster Mar Saba, in der Nähe von Jerusalem, die Abschrift eines Briefes von Clemens von Alexandrien an Theodorus. Die Abschrift befindet sich handschriftlich auf griechisch auf den letzten Seiten eines gedruckten Buches: Epistulae genuinae S. Ignatii Martyris, Amsterdam: J. Blaeu, Isaac Voss (ed.), 1646. Das Manuskript befindet sich seitdem in der Bibliothek des griechischen Patriarchats in Jerusalem.
Der Text steht auf beiden Hälften der letzten Seite und auf der Innenseite des Buchdeckels. Der Text bricht mitten im Satz auf der Mitte der 3. Seite ab.
Folgendes wird allgemein anerkannt:
- Der Text wurde von einem Mönch im 18. Jhd. geschrieben.
Der Brief wird mit dem üblichen Kreuz eingeleitet. Die Handschrift ist sehr geübt und flüssig. Es sind kaum Fehler im Text.
- Der Brief stammt von Clemens von Alexandria.
Dies wurde durch Wortvergleich, Syntax, Ausdruck und durch Inhaltsanalyse plausibel gemacht.
Das folgende ist wahrscheinlich:
- Clemens kam ca. 175 nach Alexandria. Zu dieser Zeit war das Geheime Evangelium bereits dort. Der Brief wurde also zwischen 175 und 220 geschrieben.
- Karpokrates wirkte vor oder in der Zeit Hadrians (117 - 138).
- Daraus folgt, daß das Geheime Evangelium bereits vor 125 existierte. Laut Clemens wurde es in Alexandia verfaßt.
- Bei dem Geheimen Evangelium handelt es sich um eine (deutlich?) erweiterte Fassung des kanonischen Markusevangeliums.
Folgendes ist Spekulation:
- Es scheint als ob es mindestens zwei erweiterte Fassungen des Markusevangeliums gegeben hat. Davon ist eine verfälscht im Sinne der Karpokratianer. Es kann sein, daß die andere längere Fassung das Original-Markusevangelium war, aus dem dann durch Kürzung unser kanonisches Markusevangelium entstand. Unser heutiger Mk scheint mindestens zwei Lücken aufzuweisen (Mk 10,46 und Mk-Schluß).
- Es ist aber auch möglich, daß es sich bei dem Geheimen Markus wirklich um eine spätere Erweiterung handelt.
Leider wurde die akademische Diskussion zu Beginn sehr polemisch geführt. Dies lag wohl u.a. daran, daß Morton Smith z.T. sehr abenteuerliche Theorien aus seiner Entdeckung ableitete. Das wissenschaftliche Werk "Clement of Alexandria and a Secret Gospel of Mark" ist allerdings sehr gut und ein mustergültiges Beispiel für eine gelehrte Publikation. Die Angriffe gegen Smith gingen soweit, daß ihm vorgeworfen wurde, den Brief selbst gefälscht zu haben.
Zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung zieht M. Smith folgendes Fazit:
"In sum "the state of the question" would seem to be about as follows: Attribution of the letter to Clement is commonly accepted and no strong argument against it has appeared, but Clement's attribution of the gospel to "Mark" is universally rejected. As to the gospel fragments, the field is split three ways. The weakest position seems to be that of those who declare them an apocryphal gospel of the common second-century sort; this overlooks their conspicuous differences from that type. The most popular opinion declares them a pastiche composed from the canonical gospels. Since such pastiches are reported, the fact that no early one is extant is a less serious objection to this theory than is its failure to explain the apparent priority of the new resurrection story to John's Lazarus story, and its relation to the Markan-Johannine outline. The third opinion is that the new text comes from an expansion of Mark which imitated Markan style, but used earlier material. This escapes the previous objections, but those who hold it are much divided as to what sort of earlier material was used."
(M. Smith "Clement of Alexandria and Secret Mark: The Score at the End of the First Decade", Harvard Theological Review 75 (1982) 449 - 461)
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