Das Petrus Evangelium

Das Petrus Evangelium

© 2004 Wieland Willker (eigene Übersetzung)


1)

1. Von den Juden aber wusch sich keiner die Hände, weder Herodes noch einer seiner Richter. Und als sie sich nicht waschen wollten, stand Pilatus auf. 2. Da befiehlt Herodes der König, den Herrn abzuführen, indem er ihnen sagte: "Was ich euch befohlen habe, an ihm zu tun, das tut."

2)

3. Es stand dort aber Joseph, der Freund des Pilatus und des Herrn, und als er sah, dass sie ihn kreuzigen würden, ging er zu Pilatus und erbat den Leib des Herrn zum Begräbnis. 4. Und Pilatus sandte zu Herodes und erbat seinen Leib. 5. Und Herodes sagte: "Bruder Pilatus, auch wenn niemand um ihn gebeten hätte, würden wir ihn begraben, da ja auch der Sabbat nah ist. Denn es steht geschrieben im Gesetz, die Sonne dürfe nicht über einem Getöteten untergehen." Und er übergab ihn dem Volk am Tag vor den ungesäuerten Broten, ihrem Feste.

3)

6. Sie aber nahmen den Herrn und stießen ihn, laufend, und sagten: "Lasst uns den Sohn Gottes fortschleppen, da wir Gewalt über ihn bekommen haben." 7. Und sie legten ihm ein Purpurgewand um und setzten ihn auf den Richtstuhl und sagten: "Richte gerecht, König Israels!" 8. Und einer von ihnen brachte einen Dornenkranz und setzte ihn auf das Haupt des Herrn. 9. Und andere, die dabei standen, spukten ihm ins Gesicht, und andere schlugen ihm auf die Wangen, andere stießen ihn mit einem Rohr, und welche geißelten ihn und sagten: "Mit dieser Ehre wollen wir den Sohn Gottes ehren."

4)

10. Und sie brachten zwei Verbrecher und kreuzigten den Herrn mitten zwischen ihnen. Er aber schwieg, wie wenn er keine Schmerzen hätte. 11. Und als sie das Kreuz aufgerichtet hatten, schrieben sie: 'Dies ist der König Israels'. 12. Und sie legten die Kleider vor ihn und teilten sie unter sich und warfen das Los über sie. 13. Einer aber von den Verbrechern schmähte sie und sagte: "Wir sind durch die Verbrechen, die wir begangen haben, ins Leiden geraten. Dieser aber, der der Retter der Menschen geworden ist, was hat er Schlechtes getan?" 14. Und sie wurden zornig auf ihn und befahlen, dass ihm die Schenkel nicht gebrochen wurden, damit er unter Qualen sterbe.

5)

15. Es war aber Mittag, und Finsternis bedeckte ganz Judäa. Und sie bekamen Angst und Unruhe darüber, dass die Sonne schon untergegangen sei, da er ja noch am Leben war. Denn es steht ihnen geschrieben, die Sonne dürfe nicht über einem Getöteten untergehen. 16. Und einer unter ihnen sagte: "Gebt ihm Galle mit Essig zu trinken." Und sie mischten es und gaben ihm zu trinken. 17. Und sie erfüllten alles und machten das Maß der Sünden über ihrem Haupt voll. 18. Viele aber gingen mit Lampen umher, da sie meinten, es sei Nacht, (und) fielen hin. 19. Und der Herr schrie auf und rief: "Meine Kraft, o Kraft, du hast mich verlassen!" Und indem er dies sagte, wurde er hinaufgenommen. 20. Und zur selben Stunde riss der Vorhang des Tempels in Jerusalem entzwei.

6)

21. Da zogen die Juden die Nägel aus den Händen des Herrn und legten ihn auf die Erde. Und die ganze Erde erbebte und große Furcht kam auf. 22. Da schien die Sonne (wieder), und es fand sich, dass es die neunte Stunde war. 23. Die Juden aber freuten sich und gaben seinen Leib dem Joseph, damit er ihn begraben, da er all das Gute gesehen hatte, das Jesus getan hatte. 24. Er nahm aber den Herrn, wusch ihn, hüllte ihn in eine Leinwand und brachte ihn in sein eigenes Grab, genannt Josephs Garten.

7)

25. Da erkannten die Juden und die Ältesten und die Priester, welch großes Verbrechen sie sich selbst zugefügt hatten, und begannen zu klagen und zu sagen: "Wehe über unsere Sünden, das Gericht und das Ende Jerusalems ist nahe herbeigekommen." 26. Ich aber trauerte mit meinen Genossen, und kranken Sinnes versteckten wir uns, denn wir wurden von ihnen gesucht als Verbrecher und als solche, die den Tempel anzünden wollten. 27. Wegen all dieser Dinge fasteten wir und saßen trauernd und weinend da Nacht und Tag bis zum Sabbat.

8)

28. Als sich aber die Schriftgelehrten und Pharisäer und Ältesten miteinander versammelten und hörten, dass das ganze Volk murre und sich an die Brust schlage und sagt: "Wenn bei seinem Tod diese größten Zeichen geschehen sind, so seht, wie gerecht er war!" 29. Da fürchteten sich die Ältesten und kamen zu Pilatus, baten ihn und sagten: 30. "Gib uns Soldaten, damit wir sein Grab drei Tage lang bewachen, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und das Volk glaube, er sei von den Toten auferstanden, und uns Böses antue." 31. Pilatus aber gab ihnen den Hauptmann Petronius mit Soldaten, um das Grab zu bewachen. Und mit diesen kamen Älteste und Schriftgelehrte zum Grab. 32. Und alle, die dort waren, wälzten zusammen mit dem Hauptmann und den Soldaten einen großen Stein herbei und legten ihn vor den Eingang des Grabs. 33. Und sie legten sieben Siegel an und schlugen dort ein Zelt auf und hielten Wache.

9)

34. Frühmorgens, als der Sabbat anbrach, kam eine Menge aus Jerusalem und der Umgebung, um das versiegelte Grab zu sehen. 35. In der Nacht aber, als der Tag des Herrn anbrach und die Soldaten immer zu zweit Wache standen, erscholl eine laute Stimme am Himmel, 36. und sie sahen die Himmel geöffnet und zwei Männer in einem großen Licht von dort herabkommen und sich dem Grab nähern. 37. Jener Stein aber, der vor den Eingang des Grabs gelegt war, geriet von selbst ins Rollen und wich zur Seite, und das Grab öffnete sich, und beide Jünglinge gingen hinein.

10)

38. Als nun jene Soldaten dies sahen, weckten sie den Hauptmann und die Ältesten, denn auch diese hielten Wache. 39. Und während sie erzählten, was sie gesehen hatten, sehen sie drei Männer aus dem Grab herauskommen und die zwei den einen stützen und ein Kreuz folgt ihnen. 40. Und das Haupt der zwei reicht bis zum Himmel, dasjenige des von ihnen an der Hand Geführten aber überragt die Himmel. 41. Und sie hörten eine Stimme aus den Himmeln sagen: "Hast du den Entschlafenen gepredigt?" 42. Und man hörte vom Kreuz ein "Ja."

11)

43. Jene nun einigten sich untereinander, hinzugehen und dies dem Pilatus zu melden. 44. Und während sie noch beratschlagten, sieht man wieder, wie die Himmel sich öffnen und ein Mensch herabkommt und in das Grab hineingeht. 45. Als die Leute um den Hauptmann dies sahen, eilten sie in der Nacht zu Pilatus und verließen das Grab, das sie bewachten, und erzählten alles, was sie gesehen hatten, mit großer Bewegung und sagten: "Wahrhaftig, er war Gottes Sohn." 46. Pilatus antwortete und sagte: "Ich bin rein am Blut des Sohnes Gottes, ihr habt dies beschlossen." 47. Da traten alle zu ihm, baten und ersuchten ihn dringend, dem Hauptmann und den Soldaten zu befehlen, niemandem zu sagen, was sie gesehen hatten. 48. "Denn es ist besser für uns", sagten sie, "schuldig zu sein der größten Sünde vor Gott, als in die Hände des Volkes der Juden zu fallen und gesteinigt zu werden." 49. Pilatus befahl nun dem Hauptmann und den Soldaten, nichts zu sagen.

12)

50. Im Anbruch des Tages des Herrn (kam) Maria Magdalena, eine Jüngerin des Herrn - aus Furcht vor den Juden, die vor Zorn brannten, hatte sie am Grab des Herrn nicht getan, was die Frauen an den von ihnen geliebten Sterbenden zu tun pflegten - 51. nahm mit sich ihre Freundinnen und kam zum Grab, wo er hingelegt war. 52. Und sie fürchteten, die Juden würden sie sehen, und sagten: "Wenn wir auch an jenem Tag, als er gekreuzigt wurde, nicht weinen und klagen konnten, so wollen wir dies wenigstens jetzt an seinem Grab tun. 53. Wer aber wird uns auch den Stein, der am Eingang des Grabs liegt, wegwälzen, damit wir hineinkommen, uns neben ihn setzen und tun, was sich gehört? 54. Denn der Stein war groß und wir fürchten, dass uns jemand sieht. Und wenn wir es nicht können, so wollen wir wenigstens am Eingang niederlegen, was wir zu seinem Gedächtnis mitbringen, wollen weinen und klagen, bis wir wieder heimgehen."

13)

55. Und als sie hingingen, fanden sie das Grab geöffnet. Und sie gingen hinein, bückten sich dort und sahen dort einen Jüngling sitzen mitten im Grab, anmutig und bekleidet mit einem hell leuchtenden Gewand, der zu ihnen sagte: 56. "Wozu seid ihr gekommen? Wen sucht ihr? Doch nicht jenen Gekreuzigten? Er ist auferstanden und weggegangen. Wenn ihr aber nicht glaubt, so bückt euch und seht den Ort, wo er gelegen hat, denn er ist nicht da. Denn er ist auferstanden und dorthin gegangen, von wo er gesandt worden ist." 57. Da flohen die Frauen in großer Angst.

14)

58. Es war aber der letzte Tag der ungesäuerten Brote, und viele gingen heraus und wandten sich nach Hause, da das Fest zu Ende war. 59. Wir aber, die zwölf Jünger des Herrn, weinten und trauerten, und ein jeder, voller Trauer über das Geschehen, ging nach Hause. 6O. Ich aber, Simon Petrus, und Andreas, mein Bruder, nahmen unsere Netze und gingen ans Meer. Und es war bei uns Levi, der Sohn des Alphäus, den der Herr … [vom Zoll weggerufen hatte ?] …


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